Forum: Wirtschaft
Ökonomie-Kritik: Meine Fragen an Hans-Werner Sinn
DPA

Die meisten Ökonomen haben die Finanzkrise nicht kommen sehen - und können ihre Folgen nicht erklären. Eine Debatte über die Zukunft der Volkswirtschaftslehre ist überfällig. Es ist höchste Zeit, einige wichtige Fragen zu klären.

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Idahoe 04.11.2014, 11:30
200. Die Metaphysiker

Zitat von silverhair
#56 Gestern, 19:25 von aschie Na , viele ihrer Fragen würden sich beantworten wenn sie mal die Definitionen Trennen würden.. Zahlungsmittel sind kein!!! Geld, und Vermögen ist ebenso kein Geld aber auch kein Zahlungsmittel! Bestimmte Dinge der Wirtschaft sind naturgesetzlich vorgegeben .. Sie brauchen essen und Kleidung , und liefern ein kleines bischen Energie um diese herzustellen, aber nicht genügend alleine - also brauchen sie andere die das auch machen! Und weil das nicht alles an einem Ort stattfindet muss man es "verteilen" , und transportieren , und alles schafft ein gigantisches Gemenge von unterschiedlichen Aktionen - und mit den auch falsch verstandenen Definitionen , den daraus resultierenden falschen Handlungen haben sie einfach ein Problem das nicht einfach so zu lösen ist! Und da fängt es an .. "Vermögen ist kein Geld" sondern ein hypothetisch berechnetes Konstrukt aus "Gütern und Aktien" - deren "Wert" aber einfach zwischen 0 und hunderten von Mrd. liegen kann, und das von einer sec zur anderen! Es ist kein "Geld" -sondern eine "Möglichkeit" - das "vermögen etwas tun zu können, aber was nicht heißt das man etwas tut!
Mein lieber Silverhair,

Geld oder berechnetes Konstrukt ist Metaphysik.

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moistvonlipwik 04.11.2014, 11:46
201.

Wie immer bei solchen Debatten werden auch gerne die Mythen verbreitet. Viele davon sind recht alt:
1. Nach wie vor gilt Wohneigentum als Schlüssel zum Gück. Dabei wird übersehen, dass ausgerechnet die Staaten, die die geringsten Raten aufweisen (Deutschland, Schweiz) genau diejenigen sind, die die höchsten Mieterraten aufweisen. Wohneigentum bewirkt nämlich private Verschuldung, und die hat die Krise gerade ausgelöst (Spanien vermeldete bis zum Ausbruch der Krise Haushaltsüberschüsse).
2. Das führt übrigens dazu, dass Probleme und Risiken falsch bewertet werden: wenn man staatliche und private Verschuldung zusammenaddiert, landet auf dem letzten Platz in der EU nicht Griechenland, sondern das Vereinigte Königreich (Quelle: BBC). Auch andere vermeintliche Musterschüler (Dänemark) vermelden erhöhte private Verschuldung.
3. Alle meckern über den Finanzsektor. Dabei wird gern übersehen, dass dessen Aufblähung nicht zuletzt auf politischen Entscheidungen beruht: die Ausweitung kapitalgedeckter Rentenversicherungssysteme bewirkt, dass jeden Monat erhebliche Geldbeträge auf den Finanzmarkt geworfen werden, die angelegt werden müssen. Besonders brisant: eine kapitalgedeckte Rentenversicherung benötigt ungefähr 6% Rendite - ein Wirtschaftswachstum in dieser Höhe gab es schon lange nicht mehr.
4. Das deutsche Modell basiert auf der Herstellung von Gütern für Unrternehmen, vor allem dem Export. Mit anderen Worten: es folgt den Regeln der Betriebswirtschaft - der Markt ist außerhalb, und die Bevölkerung ist Kostenfaktor. Dies funktioniert, solange man der einzige ist - wie das funktionieren soll, wenn alle anderen dieses Modell kopieren, hat mir noch keiner erklärt.

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Idahoe 04.11.2014, 11:48
202. Stammtisch und Wirtschaft

Das größte Problem ist, daß Diskussionen nicht möglich sind, da sehr viele, sehr ernsthafte Beiträge nicht veröffentlicht werden.

Der Mensch scheitert an seinen eigene Ansprüchen. Der Spiegel, das Sturmgeschütz der Demokratie, wurde wachstumsentwickelt zum marktkonformen Sturmgeschütz der Demokratie, Spiegel Online.

Es interessiert nicht mehr die Wirklichkeit, was interessiert Journalisten denn überhaupt noch???

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Idahoe 04.11.2014, 12:04
203. Der schöne Schein der unveränderlichen Form

Zitat von marcaurel1957
... Es würde Ihnen sicher helfen, mal ein volkswirtschaftliches Fachbuch zu lesen...
Das habe ich, fand dies allerdings sehr sehr unlogisch.

Wenn die Prämissen bereits nicht zutreffen, ist alles was da drin steht, nur Märchenerzählung.

Beispiel
Spannenderweise gibt es weder bei Adam Smith, noch bei Milton Friedman, im Wettbewerb je einen Sieger, auch Monopol genannt.

Die Welt zu bewerten ist ein rein emotionaler Vorgang. Die Wirschaftsleere handelt von jenseitiger Vernunft, da steht nicht mehr drinnen als in der Bibel, Koran oder einer anderen beliebigen Formelsammlung.

Ökonomie beruht auf Glaube, nicht auf Wissen.

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ambulans 04.11.2014, 12:05
204. der

kolumnist, herr münchau, stellt - leider - nicht die richtigen fragen. es liegt hier nämlich nicht ein sog. versagen der "ordnungspolitiker" (er nennt sie oben übrigens, ziemlich BRD-lastig, "ordo-liberale"), vielleicht auch noch in einer angenommenen und/oder zufällig zustande gekommenen konkurrenz-situation unter ökonomen, vor, sondern schlichtweg ein eklatantes miss-verhältnis zwischen den in der real-wirtschaft erwirtschafteten werten (BIP, BSP - in geld ausgedrückt) und dem im spekulativen sektor erzielten "buch-geld", dass nur allzu häufig lediglich auf dem berühmten "stück papier" existiert. das verhältnis von real-wirtschaft zum spekulativen pendant ist inzwischen derart aus den fugen geraten, dass man - eigentlich (?) - gewissermaßen jedes geld, ob nun EURO, US-Dollar, Pfund, Yen, etc. danach "befragen" müsste, wie es entstanden ist, welcher "reale" wert also dahinter steht. dieses fiasko begann übrigens bereits in den frühen siebzigern, als unmengen von gerade entstehenden petro-dollars dringendst nach anlage-möglichkeiten zu rufen resp. zu schreien anfingen - m. friedman's "monetarismus" wurde unter anderem auch deshalb damals zum ewig wirkenden (TINA) allheilmittel ausgerufen ... dr. hom.oec. ambulans (alle kassen)

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Zinsfehler 04.11.2014, 12:14
205. m&m's

Zitat von d_a
Zwei Zitate: "Das Wachstum der Geldmenge ist seit Jahren so schwach" - das soll mir mal einer angesichts der EZB erklären " relativ kleinen offenen Volkswirtschaft wie Deutschland" - seit wann ist Deutschland eine relativ kleine Volkswirtschaft?
Sie müssen auf die nachfragerelevante Geldmenge achten. Und dies ist nicht primär die Basisgeldmenge M0 sondern M2 bzw. M3. Das Wachstum von M2 bzw. M3 ist 2008 massiv eingebrochen und entwickelte sich aufgrund der restriktiven Kreditvergabe sowie der sehr geringen Kreditwünsche seitdem nur noch sehr verhalten (Bilanzrezession): http://sdw.ecb.europa.eu/home.do?chart=t1.2

Die wirtschaftliche Entwicklung hängt an der Expansion bzw. Kontraktion von M2 und nicht an der Basisgeldmenge M0. Die Aufblähung der Zentralbankbilanzen hat nichts mit der relevanten Geldmenge zu tun, da die bislang betriebene Geldpolitik lediglich ein Asset-Swap zu Gunsten des parasitären Finanzsektors ist. Die simplifizierenden Monetaristen wundern sich immer noch über die eingebrochene Umlaufgeschwindigkeit. Aus Basis fehlerhafter und/oder tautologischer Theorien kann man eben keine relevanten Erkenntnisse gewinnen.

Ob Deutschland eine relativ kleine Volkswirtschaft ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Innerhalb von Euroland sicherlich nicht. In Relation zu den USA oder China sehr wohl.

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hektor2 04.11.2014, 12:18
206. Lecker!

Zitat von hotgorn
und kann richtig gute semmelknödel machen sollte mir das irgend ein Ökonom oder Politiker streitig machen dann kracht es gewaltig.
Da hätte ich gerne das Rezept. Habe schon so viele ausprobiert, aber richtig gut war keines!^^

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peeka(neu) 04.11.2014, 12:19
207. Die Wirtschaftswissenschaft braucht eine neue Disziplin

Wir gehen von den Ideologien der Volks- und Betriebswirtschaften aus, obgleich wir längt woanders liegen.
Die Volkswirtschaftstheorien können sich mit zentralen Fragen nicht befassen, weil sie in ihrem System überhaupt nicht vorkommen und auch nicht ins System hinein passen.
Wir bräuchten längst eine Disziplin, die man wahlweise "Weltwirtschaft" oder "Ökologische Ökonomie" (Ökologie auf das Gesamtsystem bezogen) nennen könnte.

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Mellybo-at-SPON 04.11.2014, 12:21
208. Die Physik der Wirtschaftswissemschaften...

...ist Zeichentrick-Physik. Alles geht wenn man es zeichnet. Verträge werden auch gezeichnet. Physik ohne physikalische Grenzen würde ein Physiker nicht akzeptieren. Es wäre Hokus-Pokus. Irgendwie magisch und nicht mehr fassbar.

Solange diese Wirtschaftswissenschaften also eigentlich nur Hokus-Pokus sind, kann jeder dahergelaufene Sinn kolportieren wonach ihm und seinen Sinnesgenossen (lustiges Wortspiel, hihi..) steht. Und natürlich solange die weitere Geistes-Eliten unserer Gesellschaft dem keinen Riegel vorschieben. Ein harter und steiniger Weg. Für Generationen. Und der Weg wird seit Beginn der Industrialisierung beschritten.

Mit ständig neuen Ereigniskarten wie zum Beispiel Kommunikation (Entwicklung vom berittener Post zum WWW), Energiegewinnung und-verteilung, Resourcengewinnung und -verteilung, Veränderung von Umwelteinflüssen (einhegehend mit Beeinflussung der Umwelt), exponentielles Wachstum der Menschheit, usw., usw. wird jedesmal diese vorgenannte Physik neu geordnet. Ich sage: Kein Mensch kann dies je kontrollieren, und auch kein vom Menschen gebauter Computer.

Es hilft nichts. Aberkennung des Wissenschaftsstatus für die Wirtschaft ist nur der Anfang aber der wichtigste Schritt zu erkennen wie man es in den Griff bekommt. Physik braucht Regeln. Wirtschaft -geprägt von Interessen eigennütziger Hintermänner- auch.

Ob ein solcher Wirtschaftswissenschaftler jetzt rechtsökonomisch oder linksökonomisch ausgerichtet ist macht soviel aus wie der berühmte Sack Reis in Asien. Es ist völlig egal. Beide haben den Mammon als Religion.

Aber ich mache mir keine Illusion. Der Stand der BWL-ler und VWL-ler wird sich nimmer sich selbst entledigen.

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hektor2 04.11.2014, 12:24
209. Oh je!

Zitat von Immanuel_Goldstein
Herr Sinn ist eindeutig der berechenbarste aller deutschen Ökonomen. Bei exakt 100% seiner Prognosen tritt das genaue Gegenteil von dem ein, was er vorhergesehen hat und das schon seit Jahrzehnten. Kein Mensch auf Erden bekommt das in ähnlicher Weise hin. Oder kann mir ein einziger Mensch hier mal eine Prognose von Sinn zeigen, die tatsächlich eingetroffen wäre?
Ihrem Beitrag nach zu urteilen, sind Sie m. E. nach eher im Bereich der Mikroökonomie angesiedelt, womit sich Hr. Sinn jedoch nicht beschäftigt (zu Recht m. M. nach, denn Krämerseelen haben wir genug).

Hr. Sinn beklagt m. E. nach zu recht die Verlagerung unkalkulierbarer Risiken auf die nächste und übernächste Generation.

Das ist ein vollkommen anderer Zeithorizont, als Sie ihn bei vielleicht Ihrem Wocheneinkauf haben.

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