Forum: Wirtschaft
Ölpreis-Einbruch: Finanzminister warnt vor Russland-Crash
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Russland reagiert auf Ausfälle von Öleinnahmen und verkündet Kürzungen der Staatsausgaben von zehn Prozent. Die Wirtschaft schrumpft, die Armut steigt - aber die Mehrheit der Russen bleibt bemerkenswert gelassen.

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alterspräsident 13.01.2016, 20:47
20. Es ist nicht nur Putin mit seiner Clique

Zitat von n.nixdorff
Putins bis an die Zähne gerüstetes Reich, dessen Wirtschaft er so einseitig auf Bodenschätze ausgerichtet hat, muss wirtschaftlich noch näher an den Rand des Zusammenbruchs kommen. Dann, und nur dann, besteht die Chance, dass weitsichtigere Leute den kleinen Ex-KGB-Mann mit seinen Großmachtträumen absetzen können. Putin hat sein Land in kürzester Zeit von einem relativ angesehenen Mitglied der Völkergemeinschaft zu einem Paria gemacht. Es ist höchste Zeit, den Mann zu stoppen, bevor er noch mehr Unheil anrichtet. Der Ölpreisverfall und der herannahende wirtschaftliche Zusammenbruch nähren die Hoffnung, dass er bald den Boden seiner Kriegskasse sieht. Dann ist es vorbei mit der sinnlosen Bombardierung von Zivilisten in Syrien, mit einem asymmetrischen Krieg in der Ukraine, mit der Destabilisierung Moldawiens, mit der finanziellen Unterstützung westeuropäischer Rechtsextremisten. Nur ohne Putin und seine Clique kann sich Russland konsolidieren und auf Hilfe der Weltgemeinschaft zählen. Ich habe noch Hoffnung.
Jedem Russen wurde zur sozialistischen Zeit und auch danach eingebleut, das Russland alles selbst kann, ein reiches Land ist und an momentanen Schwierigkeiten der Westen Schuld ist. Das ist der Kleber des Nationalismus, der Russland auch heute noch bei den einfachen Menschen und der Jugend eint. Das ist mit einer deutschen oder westeuropäischen Denke ohne Russlanderfahrungen nicht zu verstehen. Zu erwarten, das dieses lethargische Volk sich gegen Putin wendet - ist zumindest momentan unrealistisch.
Den Russen ist es auch nicht zu vermitteln, das ihr doch ach so mit Bodenschätzen reiches Land im Weltmaßstab nicht zwingend gebraucht wird! Wer Geld hat in Russland, verwendet es in russischer Manier zur Korruption womit man gut leben kann. Investitionen - oder gar ein Risiko eingehen, also Unternehmertum hat zumindest die letzten 100 Jahre keine Tradition.
Was erwarten Sie also von diesem Land und den Menschen?
Die Russen jedenfalls erwarten, dass Putin ihre Probleme löst. Ich möchte heute keine Prognose wagen wie es dort weitergeht. Ich habe im Gegensatz zu Ihnen wenig Hoffnung.

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taube88 13.01.2016, 20:49
21. viele Länder leiden

Südafrika, Brasilien, Australien etc. -
es ist kein russisches Phänomen.
Zeitverzögert schlägt es zurück, da die Exportweltmeister auch unbedingt diese Absatzmärkte brauchen. "Man hat die sogenannte Diversifizierung in Russland vergessen". Dieses Land hat 2 große Standbeine: Rohstoffe und Rüstung. Rüstung resultiert aus ihrer besonderen Vergangenheit, UdSSR, Angst und Bedrohung durch USA. International konkurrenzfähige Produkte aus Diversifizierung, die längst von den großen Globalplayern dieser Welt konkurrenzlos produziert werden, muss man heute erst mal hinkriegen; es seihe denn man wertet die eigene Währung unendlich ab.
Ich will nicht sagen, dass da in Russland keine Fehler gemacht wurden, aber es ist auch einfach schnell so dahingesagt. Wo bleiben denn so viele andere Länder diesbezüglich? Ich wende mich einfach dagegen, dies russlandspezifisch zu sehen und immer wieder der Dummheit Putins in die Schuhe zu schieben.
Es entsteht dann schnell der Eindruck, dass man lediglich das Volk in Russland aufwiegeln will, damit das Land wie 1998 anarchisch zusammenbrechen soll - wir sind eben keine Freunde.

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axth 13.01.2016, 20:50
22. Leidensfähigkeit hat ein Ende

Zitat von alterspräsident
Ich kenne die Russen ca. 60 Jahre sehr intensiv. Die Leidensfähigkeit ist zu allen Zeiten bemerkenswert gewesen. An dieser Mentalität wird sich so schnell nichts ändern. Würde mich sehr wundern.
Wenn Sie sich damit mal nicht täuschen. Ich erinnere mich an die Jelzin-Zeiten. Die Russen sind traumatisiert und nehmen alles in Kauf, um nicht wieder in diese Armutshölle zurück zu müssen. Putin hat die Verhältnisse stabilisiert und staatliche Ordnung hergestellt - also traut man ihm am eher zu, das Land durch die Krise zu führen. Und so lang die Hoffnung da ist, denkt man optimistisch. An sich ein guter Zug.

Die Fakten sehen aber anders aus. Der russischen Wirtschaft geht buchstäblich der Treibstoff aus. Nun rächt es sich, dass man versäumt hat, die Wirtschaft auf eine breite, vom Volk getragene Wirtschaft aufzubauen.

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dirk1962 13.01.2016, 20:50
23. Schlecht für uns

Nicht nur, dass Russland trotz der Sanktionen immer noch ein wichtiger Wirtschaftspartner ist, ein destabilisierte Russland kann niemand wollen. Es ist an der Zeit, dass der Westen die Hand ausstreckt gegenüber Russland.

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wll 13.01.2016, 20:51
24. Kein Titel

Zitat von ZDrzeszczynski
Ich weiß in den USA sind schon über 30 Ölfirmen pleite. Die Norwegen Briten und die US- Firmen brauchen Minimum 50-60$ um zu überleben.
Diejenigen Ölfirmen, die Fracking betreiben oder unkonventionelle Ölvorkommen (Ölschiefer etc.) ausbeuten, haben bei diesem Preisniveau kaum Chancen, das stimmt. Die "klassischen" Förderfirmen kommen damit i. a. R. allerdings immer noch ganz gut über die Runden - in Saudi-Arabien liegen die Förderkosten bei zwei bis drei Dollar pro Barrel. Man baut dort halt den Speck ab, den man in den fetten Jahren angesetzt hat und verschiebt oder streckt Investitionen, das war's.

Die USA oder Großbritannien haben gegenüber Saudi-Arabien, Venezuela und eben Russland aber einen großen Vorteil, nämlich dass deren Staatshaushalte nicht extrem von den Einnahmen aus dem Ölgeschäft abhängig sind. Den Konkurs einiger Fracking-Firmen in den USA, die zudem alle vergleichsweise klein sind (BP hat dort weniger als 1 Mrd. USD abschreiben müssen) hinterlässt im Haushalt auf Bundesstaatsebene kaum mehr als einen Kratzer, vom Bundeshaushalt ganz zu schweigen. In Saudi-Arabien, Venezuela und Russland geraten gerade die Staatshaushalte ins Trudeln, die anstehenden Ausgabenkürzungen vor allem bei den bislang großzügigen Sozialausgaben versprechen Ärger. Und speziell Russland wird seine ambitionierten Rüstungsprogramme gewaltig eindampfen müssen, wenn dieses Preisiveau länger anhält. Seine Nachbarn wird es freuen...

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axth 13.01.2016, 20:59
25. Kostenlos in die Überproduktion

Zitat von sok1950
Es gibt genügend Industriebereiche die massenhaft Energie benötigen. Auch Haushalte (Öl, Gas, Benzin, Fahrpreise usw.) könnte man massiv entlasten, das würde die Inflation senken. Einfach den Export (langfristig und konsequent) drosseln und auf energieintensive Industrie setzen - ja auch mit Gewächshäusern. Wie wäre es, Bauern Öl, Gas, Benzin kostenlos anbieten, wenn die Produktion erhöht wird? Aber dafür müsste man vom neoliberalem Wirtschafts- und Profitdenken wegkommen.
Ist das das chinesische Wirtschaftsmodell unter Mao, das Sie da beschreiben? 5 Jahrplan und Normerhöhungen?
Wenn Sie Energie in die Luft pusten, fällt nicht automatisch ein Wirtschaftsaufschwung herunter.
Wenn Sie für 240 Millionen Russen 720 Millionen Ladas produzieren, die jeweils 20 Liter Sprit verbrauchen, ist das in der Summe nur ein großer Schrotthaufen. Ich möchte jetzt nichts gegen Lada sagen, es soll nur das Prinzip verdeutlichen.

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g.raymond 13.01.2016, 21:00
26. Marktschwäche oder Wirtschaftskrieg?

Erkennt denn niemand, auch der Autor Bidder nicht, dass hinter dem OPEC-Beschluss, den Ölpreis niedrig zu halten, geopolitisches/ökonomisches Kalkül steckt? Man kann sich viel dabei denken: Saudi Arabien straft die USA ab, weil diese Assad nciht bombardiert haben, -- man werde sich jetzt anders orientieren, hiess es damals aus Riad. Andererseits bringt man, durchaus wieder im Konsens mit den USA, Russland in die Wirtschaftskrise, um es geopolitisch zu schwächen. Und Saudi Arabien testet mit seinem immensen Reichtum seinen grösseren Einfluss in der Weltpolitik, indem es gleichzeitig seine Superkoalition mit islamischen Staaten verkündet. Was für potentielle Dummheiten! Wenn etwa Russland in ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten geriete, na dann viel Spass...

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kuac 13.01.2016, 21:09
27.

Zitat von zak73
Bei dem Rückhalt den Putin hat, muss es anscheinend dem Volk noch schlechter gehen um zu merken, dass sie es sind die letztendlich für Putins Misswirtschaft gerade stehen müssen.
Das funktioniert nicht so. Iran ist immer noch stabil, trotz Sanktionen. Kuba oder NK genauso.
Abgesehen davon, ein zerfallenes Russland mit gewaltigen Mengen an Kernwaffen, ist ein großes Gefahr für die Welt.

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v.keil 13.01.2016, 21:15
28.

Zitat von willibaldus
Gesamtwirtschaftlicher Vorteil von 1% plus fürs BIP. In Russland rechnet man mit minus 6 bis 7%. Beim Fracking wurden Fortschritte gemacht. Eine Reihe Gegenden kommt auch mit 30 Dollar klar. Stimmt einige werden Pleite gehen, die Guten werden bleiben, das sehen die Amerikaner als Reinigung. Der übliche Schweine Zyklus.
Rosneft braucht 3 bis 15 $ um rentabel zu sein.
"In Russland rechnet man mit minus 6 bis 7%." - Beweisen?

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hektor2 13.01.2016, 21:18
29. Blödsinn

Zitat von oalos
Warten wir mal ab, wenn Russland erst einmal in grossem Stil Fracking betreibt, um die Einnahmen zu erhöhen -- und was das dann wiederum für den Ölpreis bedeutet.
Fracking ist bei diesem Preis zu teuer.

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