Forum: Wirtschaft
Ölpreistief in Russland: Der Rubel wird zur Gummi-Währung
AFP

Keine Währung schwankt so stark wie der russische Rubel: Mal wertet er rapide auf, dann rast er in die Tiefe, immer im Sog des Ölpreises. Für Verbraucher und Firmen ist das schlecht, für Russlands Staatshaushalt ein Segen.

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Zaunsfeld 07.11.2015, 15:43
30.

Zitat von cyprus3000
Wirtschaft ist zur Hälfte immer Psychologie, d.h. Emotionen und Mutmaßungen treten an die Stelle von harten Fakten. Der Rubel müsste um ein Vielfaches höher bewertet sein, denn die Schuldensituation Russlands unterscheidet sich um Lichtjahre von der aller entwickelten westlichen Länder: das souveräne Schuldenniveau Russlands beträgt 13%, ein Wert, von dem sowohl die USA als auch DE nicht mal zu träumen wagen. Jeder einzelne Rubel ist durch Bodenschätze, Ackerland, Infrastrukturobjekte und sonstige Avoiren um ein Vielfaches gedeckt, von den Gold- und Währungsreserven des Landes ganz zu schweigen. Ein Konglomerat aus Oligarchen, Medienzaren, dem Finanz- und Wirtschaftsblock in Regierung und Zentralbank, deren Interessen sämtlich im Westen angesiedelt sind (Kompradoren) hält den Rubel in einer Stellung im Weltfinanzgefüge fest, die er eigentlich schon überwunden hat. Die Rohstoffabhängigkeit wird seit einiger Zeit signifikant zurückgedrängt, neben Öl und Gas exportiert Russland zunehmend Weizen, andere Agrarprodukte, als Waffenexporteur könnte es schon bald Nr. 1 werden. Und auch der Ölpreis wird bald die Kehrtwende einlegen: bisher hat die russische Luftwaffe die Ölexport-Infrastruktur des IS in Nordsyrien noch nicht attackiert (Schatten-Aufkäufer ist die Türkei mit 15-20$ pro Barrel), wenn dies geschieht, wird der Ölpreis einen Sprung machen, aber über das jetzige Durchschnittspreisniveau auf dem Weltmarkt freut sich bisher vor allem die amerikanische Fracking-Industrie, welche von einem break-even von 80 $ pro barrel nicht herunter kommt. Es geht alles darum, wer den längeren Atem und die stärkeren Nerven hat...
1. Die Verschuldung eines Landes spielt oft überhaupt keine Rolle für die Stärke seiner Währung. Viel wichtiger ist das Vertrauen in diese Währung. In Russland gibt es keine Rechtsstaatlichkeit, keine funktionierende Verwaltung, nur rudimentäre Demokratie, keine starke Wirtschaft, keine gute Bildung usw. Das einzige, was Russland hat, sind Rohstoff- und Energieexporte. Die Waffenexporte machen gerade mal 2% des BIPs aus und sind auch nicht unendlich steigerbar. Nahrungsmittel muss Russland sogar netto importieren.
Russland ist ein Verliererstaat dessen Wohl und Wehe einzig und allein von den großen Akteuren auf dem globalen Ölmarkt abhängt. Aus sich selbst heraus ist die russische Wirtschaft zu nichts mehr fähig ... war sie vielleicht noch nie. Bestenfalls war sie das noch bis in die 70er Jahre im Verbund der Sowjetunion.

2. Und wenn Russland irgendwelche IS-Ölfördereinrichtungen in Nordsyrien attackiert, was soll das ändern? Syriens Anteil an der Weltölproduktion beträgt gerade mal 3% und das ist auch noch qualitativ sehr schlechtes Öl aufgrund der geologischen Gegebenheiten. Das ändert gar nichts. Grund für den sinkenden Ölpreis sind die wirtschaftliche Öffnung des Iran und das Ölfracking in den USA. Das wird sich auch so schnell nicht ändern. Wenn Russland Pech hat, sinkt der Ölpreis sogar noch weiter, wenn der Iran erst mal seine Förderung wieder anwirft und mit voller Wucht auf den Weltmarkt wirft.

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gandhiforever 07.11.2015, 15:48
31. Jetzt auf einmal

Als der Oelpreis abstuerzte, kuendigten viele "Experten", auch hier im Forum, den Zusammenbruch Russlands an.

Experten, die sich von Wunschdenken leiten lassen, kommen meist zu irrigen Schluessen.

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taglöhner 07.11.2015, 15:50
32. Schickes Shirt

Zitat von gleve
T-Shirts mit Putins Gesicht können sich die Russen noch leisten. Die fliegen damit auch in den Urlaub. Jedem das seine.
Hab' ich nicht neulich so ein Putin-Leibchen an Pegida-Lutz gesehen?

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abc-xyz 07.11.2015, 15:51
33.

Zitat von Freidenker10
Als Europäer sollten wir nicht so sehr auf den Rubel herabschauen! Der Euro ist im aussereuropäischen Ausland auch nichts mehr Wert!
Bitte nennen Sie uns das Paralleluniversum. Sputnik oder Russia Today?

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Zaunsfeld 07.11.2015, 15:56
34.

Zitat von syssifus
Nicht's ist umsonst,auch die Sanktionierer zahlen dafür ihren Preis.Die deutschen Unternehmen ächtzen auch, wegen den Sanktionen.In ein paar Monaten reden wir noch einmal über das Thema.Russlands Wirtschaft hat vor allem mit dem niedrigen Ölpreis zu kämpfen.
Natürlich zahlen auch die Sanktionierer einen Preis, aber der Westen wird es überleben. Der Westen ist traditionell wirtschaftlich immer schon ungleich stärker aufgestellt gewesen als Russland. Langfristig werden Konflikte nicht durch militärisches Potential oder Muskelspielchen entschieden, sondern darüber wer wirtschaftlich am besten mit der Situation zurecht kommt. Wirtschaftlich kann Russland dem Westen nicht annähernd das Wasser reichen. Russlands BIP entspricht gerade mal dem von Italien allein, mit dem Unterschied dass Russland für die Erwirtschaftung dieses BIP 4 mal mehr Einwohner braucht als Italien.
Und kein deutsches Unternehmen "ächzt" aufgrund der Sanktionen gegen Russland. Es gibt deutsche Unternehmen, die einen gewissen Teil ihrer Geschäfte in Russland gemacht haben. Die suchen sich halt Alternativen, aber weder Siemens noch BMW noch Hochtief oder Daimler werden pleitegehen oder auch nur in großartige Probleme kommen, nur weil der im Vergleich zum Weltmarkt relativ kleine russische Markt zurzeit Probleme macht.
Dieser Glaube ist nur ein russisches Hirngespinst, bestenfalls Wunschdenken.

Denn eines vergessen die Putinschreiber in ihrer kleinen Traumwelt immer. Das große Geld wird - gerade auch für deutsche und europäische Unternehmen im Allgemeinen - auf dem Weltmarkt verdient und nur zu einem sehr kleinen Teil in Russland. Die meisten westlichen Unternehmen werden wahrscheinlich noch nicht mal großartig merken, dass es überhaupt Sanktionen gegen Russland gibt. Denn Russland ist nicht der Mittelpunkt der Welt, sondern nur ein wirtschaftlich unwichtiger Markt, der als einzigen Tauschwert ein paar Rohstoffe und Energiereserven zu bieten hat ... mehr nicht.

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ratiovinxit 07.11.2015, 16:00
35. Wirtschaftsexperten

Wenn der Preis des wichtigsten Exportguts/ Devisenquelle eines Landes fällt, wertet proportional die Währung ab. Das ist kein Zeichen von Misswirtschaft, sondern verhindert genau die Situation, in der sich Südeuropa nun befindet. Eine Chance für die Konsumgüterproduzenten des ansonsten solide finanzierten Russlands. Übrigens tut der Ölpreis am meisten den US Frackern weh.

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quillon 07.11.2015, 16:01
36. Gummiwährung , wo denn????

Ok Russland wird überleben, Sanktionen, wer leidet mehr ? Russland oder Europa, die Polen können ihre Äpfel und Kartoffeln selber konsumieren, sorry die haben ja Brüssel der ihnen hilft. usw. Seht nur zu, dass ihr mit den Flüchtlingen klar kommt bevor andere Länder kritisieren
Gruss vom Atoll

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pansatyr 07.11.2015, 16:02
37. @5

" Der Euro ist im aussereuropäischen Ausland auch nichts mehr Wert!"
chapeau für den absurdesten Beitrag des Tages

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Beat Adler 07.11.2015, 16:04
38. Die

Zitat von gandhiforever
Als der Oelpreis abstuerzte, kuendigten viele "Experten", auch hier im Forum, den Zusammenbruch Russlands an. Experten, die sich von Wunschdenken leiten lassen, kommen meist zu irrigen Schluessen.
Die Volkswirtschaft Russlands schmiert ab. Minus 5% im BIP in US$ dieses Jahr. Naechstes Jahr kommt es noch schlimmer, uebernaechstes Jahr wiederum, denn eine Trendumkehr beim Erdoel -und Erdgaspreis ist nicht in Sicht.

Viel Land, darin viel Bodenschaetze und viele Atomwaffen machen noch keine starke Volkswirtschaft. Es reicht fuer die Machthaber im Kreml von teurem Abenteuer zu noch teurerem Abenteuer zu stolpern. Sotchi Olympiade und WM 2018 lassen gruessen, die Herumbombardiererei in Syrien ist auch nicht gratis, der Weltraumbahnhof kostet das Doppelte und wird nicht fertig, der Schnelle Brueter auch nicht. Nicht einmal die BRICS Kollegen aus Brasilien, Indien und Suedafrika kaufen russische Kampfflugzeuge, sie ziehen das Zeugs aus Schweden und Frankreich vor. Warum eigentlich?
mfG Beat

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Bernhard.R 07.11.2015, 16:10
39. Wertverlust des Euro

Vor 18 Monaten war der Euro noch 1,34 US Dollar wert. Heute nur noch 1,07 USD. Unsere Inflationsrate ist hingegen niedrig. Ebenso ist es in Rußland. Nur die Betriebe, die im Ausland kaufen müssen, leiden unter dem gesunkenen Wert. Und natürlich unser Ego. Wer möchte schon eine wertlose Währung haben?

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