Forum: Wirtschaft
Offene Rechnungen: Air-Berlin-Maschine strandet in Keflvik
DPA

Viele Gläubiger von Air Berlin könnten auf ihren Forderungen sitzen bleiben. Dem schlechten Geld wollte die Flughafengesellschaft von Island jetzt nicht noch mehr gutes hinterherwerfen.

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frenchie3 20.10.2017, 15:26
20. @4 Das ist die Frage

In wie weit muß sich ein ausländisches Unternehmen in seinem Land an das deutsche Insolvenzrecht halten? Gibt es en lokales Pfandrecht? Der Schaden ist ja nicht mal in Deutschland entstanden. Wäre schon mal interessant zu wissen.

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Hoberg 20.10.2017, 15:33
21. arme Passagiere????

welcher Simpel fliegt denn mit einer Pleitefirma ins Ausland ? Und dann hinterher beschweren?? Ist ja so wie das berühmte Trocknen der Katze in der Mikrowelle und sich hinterher beschweren dass Katze tot..

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rrblah 20.10.2017, 15:36
22.

Zitat von Thorkoch
Die Implikationen aufgrund der Beteiligung eines ausländischen Flughafenbetreibers sollen Kundigere beurteilen. Aber nach deutschem Recht - und danach richtet sich das Insolvenzverfahren - ist das Vorgehen wohl illegal, denn gerade eine vor der Insolvenz entstandene Forderung ist eine Insolvenzforderung, die im Verfahren angemeldet werden kann und muss. Man könnte daher zunächst bezahlen und anschließend die erzwungene Zahlung nach §§ 131 ff. der Insolvenzordnung zurückfordern.
Die Frage ist, ob isländisches Recht in diesem Fall auf deutsches Recht als Kolllisionsrecht verweist oder nicht. Wenn nach isländischem Recht Forderungen gegen eine insolvente deutsche Fluggesellschaft nach deutschem Recht zu beurteilen sind, stimmt Ihre Aussage. Es könnte aber auch sein, dass isländisches Recht in diesem Fall auf das einheimische Recht verweist und nach diesem Recht Forderungen mit dieser Methode eingetrieben werden können.

In der EU, der Schweiz, Norwegen und möglicherweise noch einigen anderen Staaten wäre deutsches Recht anwendbar. Island ist ein etwas exotischer Fall, da weder Mitglied der EU, noch des EWR, noch (wie die Schweiz) über bilaterale Abkommen mit der EU verbunden, die eine Harmonisierung des internationalen Privatrechts vorsehen. Gibt wohl nicht viele Leute hier drin, die sich mit der isländischen Rechtsordnung auskennen...

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geotie 20.10.2017, 15:43
23.

Zitat von irgendwas
Es ist schon erstaunlich, dass der Flughafenbetreiber nicht erst die Landerechte entzogen hat - denn dann wäre kein zusätzlicher Schaden entstanden. Ich bin mir recht sicher, dass somit auch Druck hätte aufgebaut werden können, da dann AB die Flüge hätte streichen müssen. Aber so: Verschafft man sich gegenüber anderen Gläubigern (z.B. den Mitarbeitern) einen Vorteil mittels Erpressung. So etwas ist widerlich! Hätte hingegen die Flugzeugbesatzung die Maschine "gekapert", um die Löhne zu erpressen, hätte es (zu Recht) einen Aufschrei gegeben.
Bei einer Werft, auf der ich mal gearbeitet hatte, wurde mal genau am Tag des Stapellaufs eines Schiffes gestreikt. Aber nicht vor dem Stapellauf, sondern erst danach als sich niemand mehr für dessen Forderungen interessierte. Ebenso in einer anderen Firma, da wurde der Streik genau in die Mittagspause gelegt! Danach waren die Arbeiter alle wieder an ihren Maschinen.
Was hat es gebracht? Gar nichts!
Man schmiedet das Eisen auch nicht erst, wenn man es mit den bloßen Händen anfassen kann!

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thoerchen 20.10.2017, 15:47
24. Alles richtig gemacht!

Das Flugzeug an die Kette legen ist ein probates Mittel, um offene Forderungen einzutreiben. Ein Leasinggeber versucht ähnliches, wenn der Leasingnehmer - die Fluggesellschaft - zahlungsunwillig ist. Bis man vor ausländischen Gerichten entsprechende Verfügungen erwirkt hat und diese rechtsgültig sind, können Monate vergehen. Ob in diesem Fall ein isländischer Flughafenbetreiber auch nur ein Krone aus der AB-Insolvenzmasse zugesprochen bekommt und wann, ist wohl mehr als fraglich. Und jetzt wird jemand bezahlen - AB oder der Eigentümer. Denn umgekehrt würde wohl auch die Durchsetzung vor isländischen Gerichten dauern. Fakt ist, dass es ungleich schwerer ist Forderungen vor ausländischen Gerichten in einem angemessenen Zeitraum durchzusetzen. Solange tickt das Leasing-Taxameter und es werden gerne mal 200k Euro/Monat fällig. Das ist schon ein schönes Druckmittel, um zahlungsunwillige Kunden zum Forderungsausgleich zu animieren.

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mixow 20.10.2017, 16:25
25.

Zitat von rrblah
Island ist ein etwas exotischer Fall, da weder Mitglied der EU, noch des EWR, […]
Tatsächlich ist Island Mitglied des EWR. Ändert aber erstmal auch nix.

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mixow 20.10.2017, 16:32
26. Weder deutsches Recht noch Pfandrecht

Es ist schon erstaunlich, wie davon ausgegangen wird, dass deutsches Recht angewendet werden muss. Ort des Geschehens ist Island, also isländisches Recht. Dazu kommt internationales Luftfahrtrecht und Abkommen dazu. Das der Flughafenbetreiber als Anbieter mit den Fluglinien einen Vertrag mit Rechtsstand in deren Heimatland abschließt hingegen ist sehr unwahrscheinlich.

Zu keinem Zeitpunkt hat der Flughafen das Flugzeug selbst in Besitz genommen oder gepfändet. Es wurde lediglich der Start verboten. Das ist vielleicht aus mancher Betrachtungsweise ähnlich wie eine Pfändung, das liegt aber eben auch an der Komplexität des Flugbetriebs und ist sicherlich auch rechtlich nicht einfach als Pfändung dazustellen.

Und ganz nebenbei, "Grounding" wie in diesem Fall ist durchaus übliche Praxis und evtl. durchaus im Luftfahrtrecht vorgesehen.

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gandhiforever 20.10.2017, 16:38
27. Kein Wort

Kein Wort darueber, dass es sich um eine geleaste Maschine handelt, deren Besitzer in Singapur zuhause ist?

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kumi-ori 20.10.2017, 16:42
28.

Was hat Air Berlin am Vorgehen des isländischen Flughafens auszusetzen? Wenn sie abheben möchten, dann müssen sie eben die ausstehenden Gebühren bezahlen. Aber dazu zwingt sie niemand. Air Berlin kann auch sein Flugzeug stehen lassen und die Piloten können mit dem Schiff nach Hause fahren. Dann muss der Flughafen sich in der Reihe der Gläubiger anstellen. Ist doch ganz einfach.

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prions.ku 20.10.2017, 16:45
29. Moment mal

Air Berlin entgegnet....(letzter Absatz). Nach meinem Kenntnisstand greift das deutsche Insolvenzrecht in Island nicht, da Island kein deutsches Bundesland ist. Oder ist dies den Herren von Air Berlin (die sich im Gegensatz zu den Angestellten keine Zukunftssorgen machen müssen) entgangen? Leute! Ihr habt da eben Schulden, und der offensichtlich Berechtigte behält sich ein Pfand ein! Bezahlt, wenn nötig eben mit Steuergeld, hat man ja, dann bekommt Ihr auch Euren Flieger wieder! Seit Jahren schwebt das Insolvenzschwert über diesem Unternehmen. Jetzt Andere verantwortlich zu machen ist seitens der verantwortlichen schäbig. Aufrichtig wäre schon seit Monaten gewesen: "Schön lieber Passagier dass Du bei mir buchst, aber den Rückflug kann ich aufgrund jahrelangem Missmanagement nicht garantieren! Wir haben da nämlich einige Außenstände" Auf Deutsch: Schulden wie ein Sautreiber, wobei der Vergleich mit diesem vielleicht eine Beleidigung des Selben darstellen kann!

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