Forum: Wirtschaft
Ostdeutschland: Alles so schön rückständig hier
FILIP SINGER/EPA-EFE/REX

Die Wirtschaft in Ostdeutschland reicht nicht ans Westniveau heran, warnen Experten. Ostdeutsche Politiker wollen davon nichts hören - und noch weniger von den nötigen, harten Gegenmaßnahmen. Das ist ihnen zu unbequem.

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oliver.twist 05.03.2019, 09:17
1.

Die Forderung, die Wirtschaftsförderung auf die Zentren zu konzentrieren und in den ländlichen Gebieten einzuschränken, mag der reinen Wirtschaftslehre entsprechen. Aber welcher Politiker kann sich hinstellen und verkünden, dass er große Teile seines Bundeslandes einfach veröden lässt? Das hat nichts damit zu tun, dass Politiker sich nicht trauen, notwendige Entscheidungen zu treffen. Das ist einfach ein Vorschlag, der in einer Demokratie nicht umsetzbar ist.

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christiang36 05.03.2019, 09:28
2. tiefensee kann man seid seiner OBM zeit nicht mehr ernst nehmen aber..

punkt 1: wenn ich aussichtreiche regionen subventioniere, habe ich mit z.b. leipzig bald das neue münchen...mieten auf mondniveau (daneben kaum unternehmen zum geldverdienen, im unterschied zu münchen) da die preise immer schneller wachsen als die einkommen. das führt dann wieder zu...
punkt 2 ...die scheu vor den fremden nehmen...aha, per gesetz oder wie geht das? nein, geht nur wenn sich alle ökonomisch wohl fühlen, da sind wir wieder bei pkt 1...
punkt 3 womit soll ich denn den gebildeten nichtschulabrecher motivieren... mit dem weg in den westen? siehe pkt 1

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see_baer 05.03.2019, 09:32
3. Landwirtschaft wird gefördert ?

Bei Betriebsgrößen > 1000 Ha sollten die ohne Subventionen auskommen können

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gumbofroehn 05.03.2019, 09:35
4. Es ist ein schwieriges Thema ...

... welches Herr Kröger gut auf den Punkt gebracht hat.

Gesamtwirtschaftlich können wir uns aber dieses "Mezzogiorno minus Sonne" leisten. Die Leistungsbereiten werden weiterhin das tun, was sie bereits seit den frühen 1990er Jahren tun, nämlich in die prosperierenden Regionen Westdeutschlands abwandern (insbesondere Bayern und Baden-Württemberg). Die Anderen bleiben eben da.

Ich kann die Politiker im Osten allerdings auch verstehen, dass sie aus Staatsräson ihre Karrieren nicht opfern wollen. Jedes Land bekommt die Politiker, die es verdient.

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Dengar 05.03.2019, 09:41
5. Ökonomen

Ist nicht schon jahrzehntelang immer auf Ökonomen gehört worden?
Und? Wo stehen wir nun?
Man sollte nicht die Frösche befragen, wenn man einen Teich trockenlegen will.

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ThomasS79 05.03.2019, 09:48
6. Mal Butter bei die Fische...

Die Wirtschaftskraft im Osten konzentriert sich auf wenige Ballungszentren. Zudem wird der Großraum Berlin meistens noch nicht mal als "Osten" bezeichnet. Die Situation in den ländlichen Gebieten ist katastrophal! Grundsätzlich gilt: seit den Übernahme der wirtschaftlichen und strukturellen Kontrolle in den Nachwendejahren hängt die Entwicklung am Tropf westdeutscher Konzerne und Entscheider. Im Osten gibt es schlichtweg keine wirtschaftliche Substanz und Identität. Das ist so gewollt, wird gepflegt und erhalten. Der Osten ist Investitionsspielwiese, Gewinne fließen ab, entschieden und gefestigt wird im Westen. Den niedrigeren Lohn und deutliche wirtschaftliche und gewerkschaftliche Freiheiten nehmen die westdeutschen Großkonzerne jedoch gerne mit und produzieren fleißig und produktiv an ostdeutschen Standorten. Die Gewinne und Reinvestitionen fließen aber primär in die Zentralen im Westen, wo Steuerung und Entwicklung stattfindet. Dabei sind im Osten trotz geringer ausgeprägter unternehmerischer Natur durchaus mutige Selbstläufer dabei, jedoch werden diese Strukturen in der Regel in Windeseile gekauft oder stillgelegt. Diese Methodik hat sich seit der Wende bewährt, um Konkurrenz auszuschalten, Potential aufzukaufen und Innovation umzuleiten. Dabei staunt man regelmäßig nicht schlecht, was die "Experten" vom IWH da so aufführen: Bildung - abgesehen davon, dass im Bildungsvergleich der Bundesländer Sachsen und Thüringen Platz 1 und 2 einnehmen, und das mit seit Jahren bekannter gehaltsbedingter Abwanderung der Lehrer gen Westen, man staunt! Migration - weil die qualifizierten Fachkräfte bei der Arbeitssuche bei freundlichem Empfang statt Berlin, Frankfurt und Hamburg nach Erfurt, Chemnitz und Magdeburg kommen oder wie? Wenn selbst qualifizierte Ostdeutsche und top ausgebildete Absolventen ostdeutscher Unis in Scharen in die Altbundesländer ziehen? Hier staunt man nicht nur, da fängt man an zu schmunzeln! Die Erkenntnis, Subventionen in Ballungsräumen zu konzentrieren fördert Urbanisierung und alle damit verbundenen Probleme, aber vielleicht sind die ländlichen Regionen dann so verwaist, dass man neu bewalden und Naturschutzgebiete schaffen kann! Letztens fuhr ich geschäftlich mal nach Frankfurt, beim Anblick der Randgebiete kurz vor Offenbach, da dachte ich mir so - hier willst Du nicht vergraben werden! Letzte Woche war ich in Berlin, sah Neukölln - und fragte mich, ob solche Migration Wirtschaftswachstum bedeutet? Aber keine Sorge, uns im Osten geht es gut! Unsere Landschaften blühen, alles neu, alles schön! Wenn man arbeiten will, findet man arbeit, mit Ehrgeiz und Fleiß auch Erfolg in absehbaren Rahmen. Ich denke man muss mit gewissen Konstellationen einfach leben, dazu gehört für uns eben die Fremdbestimmung der Wirtschaft, des Eigentums und der hohen, öffentlichen Ämter, diese Aspekte sind nämlich allesamt mehrheitlich in westdeutscher Hand! Quasi alles wie damals nur schöner und mit Bananen! Was uns bleibt, ist das Klischee vom jammernden Ossi und das Wissen, dass es im Westen mittlerweile einige Regionen gibt, die Subventionen deutlich nötiger hätten als der Osten! Wer eine Prise Ironie findet, darf sie gern behalten!

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Leser161 05.03.2019, 09:51
7. Is that so?

"Außerdem müsse man den Ostdeutschen die Scheu vor Fremden nehmen, denn ohne ausländische Arbeitskräfte lasse sich angesichts des demografischen Wandels schon in naher Zukunft kein Produktivitätsfortschritt mehr erzielen. "

Auch ich würde gerne im Osten arbeiten, entsprechende Bezahlung und ein ein leistungsfreundliche Umfeld vorrausgesetzt. Allerdings habe ich noch nichts von Werbekampagnen a la "Wessi go East where Milch and Honig fließt". Die Frage ist daher, warum sollten sich Menschen mit ausländischen Namen für den Osten interessieren.

Ggf. weil sie aus Regionen schlimmer als der Osten kommen. Aber ist das die Lösung, den Osten zur Niedrigstandardzone zu erklären - bewirkt das nicht genau das sich die Bewohner des osten im Stich gelassen fühlen?

Disclaimer: Bin nicht für Subventionen. Halte aber auch nichts von billigen Erklärungen a la Ossis sind halt nicht so toll wie wir Wessis.

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Zorpheus 05.03.2019, 09:54
8. Genau, was ist das mit der Landwirtschaft?

Im Osten gibt es vor allem Großbetriebe in der Landwirtschaft. Große Viehzuchtbetriebe und große Agrarunternehmen, basierend auf den alten LPGen. Diese sind eigentlich effizienter als die westdeutschen Kleinbauern, werden aber soweit ich weiß auch weniger von der EU gefördert.
Worum geht es also bei der besonderen Förderung der ostdeutschen Landwirtschaft?

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sushiboi 05.03.2019, 10:00
9. Der gepredigte Subventionsabbau

mit seinen Folgemassnahmen hat schon in Deutschlands ehemalig größten Industriegebiet Wirkung gezeigt. Jetzt ist das Ruhrgebiet die industriell schwächste Region und die ehemaligen Industrieanlagen dienen als Museum. Vielleicht sollten wir einfach ein großes Ost-Museum schaffen, dann würden die WirtschaftsWissenschaftler vielleicht für eine Weile Ruhe geben.

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