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Osteuropäer in Großbritannien: Warum der Brexit auch ein Polexit wird
Kristian Buus/Getty Images

Die Polen sind die größte ausländische Gruppe in Großbritannien. Nach der EU-Osterweiterung wurden sie als Fachkräfte angeworben - nun verändert der Brexit auch ihr Leben. Sind sie auf der Insel noch willkommen?

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KingTut 27.03.2019, 15:14
1. Ein Widerspruch in sich

Was ich nicht verstehen kann: Großbritannien hat als Konsequenz aus dem Einmarsch in 171 Länder seit Jahrzehnten Menschen von dort aufgenommen, und ausgerechnet gegen die Polen richtet sich jetzt der ganze Zorn der Brexiteers. Wer von Polen nach Großbritannien übersiedelte, der tat dies um zu arbeiten und Steuern zu bezahlen. Sie bereichern dieses Land. Was die verbalen und körperlichen Attacken betrifft, so kann man nur hoffen, dass Presse und Politiker eine ähnlich kompromisslose Haltung gegenüber den Delinquenten einnehmen, wie das in Deutschland der Fall ist.
Ich bleibe hoffnungsvoll, dass der Brexit letzten Endes nicht vollzogen wird und die Briten in einem neuerlichen Referendum für den Verbleib stimmen werden.

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mapcollect 27.03.2019, 15:42
2.

Zitat von KingTut
Was ich nicht verstehen kann: Großbritannien hat als Konsequenz aus dem Einmarsch in 171 Länder seit Jahrzehnten Menschen von dort aufgenommen, und ausgerechnet gegen die Polen richtet sich jetzt der ganze Zorn der Brexiteers. Wer von Polen nach Großbritannien übersiedelte, der tat dies um zu arbeiten und Steuern zu bezahlen. Sie bereichern dieses Land. Was die verbalen und körperlichen Attacken betrifft, so kann man nur hoffen, dass Presse und Politiker eine ähnlich kompromisslose Haltung gegenüber den Delinquenten einnehmen, wie das in Deutschland der Fall ist. Ich bleibe hoffnungsvoll, dass der Brexit letzten Endes nicht vollzogen wird und die Briten in einem neuerlichen Referendum für den Verbleib stimmen werden.
Wenn zuviele Zuwanderer aus einem Land oder einem Kulturkreis kommen bilden sich schnell Parallelgesellschaften und diese schüren immer Argwohn bei der einheimischen Bevölkerung. Die Polen arbeiten und zahlen Steuern - ja, aber, wie im Artikel angemerkt, fliessen auch viele Milliarden nach Polen wieder ab. Hinzu kommt, dass das Überangebot von Billiglöhnern aus dem Ostblock in vielen Branchen die Löhne gedrückt hat. Und ob ein neuerliches Referendum zum Brexit-Exit führt, ist vollkommen unklar, denn die Lager sind nach wie vor gespalten und etwa gleich stark. Hauptkritikpunkt der Brexiteers (und im übrigens der meisten EU-Kritiker) ist die Personenfreizügigkeit - und hier hat sich die EU kein Stück bewegt.

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Ava_ 27.03.2019, 15:58
3. Auch das Bild macht die Musik

Wieso wählen Sie hier ein Bild von Handwerkern, wenn in dem Artikel quasi keine vorkommen? Dafür aber ein Medizinerpaar. Gibt es von Polen nur Stockfotos von Baustellen?

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Sportzigarette 27.03.2019, 16:04
4. zu 2)

Sorry, aber gehören denn die Polen zu einem anderem Kulturkreis? Ich dachte, wir wären alle Europäer. Auch ist der Verweis auf die "billigen Arbeitskräfte" kaum haltbar. Da ist in Deutschland nicht anders. Spargel stechen, Weinlese, Pflege, Saisonarbeit in der Gatsro, oder Bautätigkeit ist so schlecht nicht bezahlt, aber ohne Arbeiter aus den Ostblockländern würde auch bei uns vieles nicht mehr funktionieren, weil diese Arbeiten kaum noch Deutsche oder Briten erledigen wollen. Ich sehe es jedes Jahr im Sommer an der Ostsee, viele junge Menschen sind lieber arbeitslos und hetzen gegen die Ostblockarbeiter, aber sie selbst sind zu bequem, am Wochenende zu arbeiten. Für meinen Bruder war dies der Grund, seine Gaststätte zu schliessen.

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cobaea 27.03.2019, 16:13
5.

Zitat von Ava_
Wieso wählen Sie hier ein Bild von Handwerkern, wenn in dem Artikel quasi keine vorkommen? Dafür aber ein Medizinerpaar. Gibt es von Polen nur Stockfotos von Baustellen?
...weil es wesentlich mehr polnische Handwerker im UK gibt als Ärzte.

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oxybenzol 27.03.2019, 16:13
6.

Zitat von mapcollect
Wenn zuviele Zuwanderer aus einem Land oder einem Kulturkreis kommen bilden sich schnell Parallelgesellschaften und diese schüren immer Argwohn bei der einheimischen Bevölkerung. Die Polen arbeiten und zahlen Steuern - ja, aber, wie im Artikel angemerkt, fliessen auch viele Milliarden nach Polen wieder ab. Hinzu kommt, dass das Überangebot von Billiglöhnern aus dem Ostblock in vielen Branchen die Löhne gedrückt hat. Und ob ein neuerliches Referendum zum Brexit-Exit führt, ist vollkommen unklar, denn die Lager sind nach wie vor gespalten und etwa gleich stark. Hauptkritikpunkt der Brexiteers (und im übrigens der meisten EU-Kritiker) ist die Personenfreizügigkeit - und hier hat sich die EU kein Stück bewegt.
Die britische Politik hat das doch damals genauso gewollt. Während in Deutschland ne Übergangsfrist galt, hat GB sofort Vollgas gegeben. Wenn nun die Arbeiter nicht mehr aus Polen kommen dann halt aus Pakistan.

Die Freizügigkeit ist eine Grundvoraussetzung für den Zugang zum Binnenmarkt. Muss also such die Schweiz akzeptieren und da sind echte Volksbefragungen was ganz normales. Dort muss aber der Staat das Volk auch ausreichend informieren und die Presse darf dann nicht so ein Schmierentheater veranstalten wie Sun oder Mirror. Das Brexitreferendum war keine Werbung für Basisdemokratie sondern abschreckendes Beispiel.

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MatthiasPetersbach 27.03.2019, 16:19
7.

Zitat von mapcollect
Wenn zuviele Zuwanderer aus einem Land oder einem Kulturkreis kommen bilden sich schnell Parallelgesellschaften und diese schüren immer Argwohn bei der einheimischen Bevölkerung. Die Polen arbeiten und zahlen Steuern - ja, aber, wie im Artikel angemerkt, fliessen auch viele Milliarden nach Polen wieder ab......
Wo das von polnischen Leuten erarbeitete (und im Idealfall auch versteuerte) Geld hinfließt oder wieder investiert wird, sollte die Entscheidung des Eigentümers sein - und je mehr Polen (und andere Länder) wohlhabender werden, desto weniger wird es Dumpingpriese geben.

Auch bei uns gibt es viele Polen - aber kein "Polentown" oder andere "Parallelgesellschaften". Die Leute, die bei uns wohnen, hocken mit ihren Landsleuten genauso im Garten wie mit uns Deutschen - und die nächsten Landsleute wohnen im Nachbardorf auch bei Deutschen - auch eben EIN Bürger wie jeder andere.

Man kann die Angst auch übertreiben. WENN jemand für die Tatsache steht, daß Miteinander und die berühmte "Integration" funktioniert, dann doch wohl die hier lebenden und arbeitenden Polen. Und diese Integration bedeutet in erster Linie für mich, daß Steuern bezahlt werden und daß man sich gesetzes- und sozialkonform verhält. Sonst brauch ich garnichts - und mit dem sind viele DEUTSCHE schon überfordert.

Wenn ich 10 Jahre in Frankreich, in China, in USA arbeiten und wohnen würde, dann wäre das genauso. Niemand kann von dem anderen erwarten, daß er nicht im Ausland den Kontakt zu nahen Landsleuten sucht und pflegt. Und sich im Zweifelsfall von einem deutschsprachigen Anwalt, Steuerberater, whomever beraten und bedienen lässt. Aber das ist immer noch meilenweit weg von "Parallelgesellschaft".

Und der "Argwohn" resp. Fremdenhass ist wohl eine Frage des Intellekts - oder besser: ob man einen an der Klatsche hat. Wenn der Brexitbeschluß gerade mal einen Tag alt ist und schon einer deutsche Doktorin in London ziemlich handfest bedeutet wird, daß ihr Kind einem englischen den Platz im Kindergarten weg nimmt (wie in meiner Verwandtschaft geschehen) dann weiß man, was geschlagen hat.

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Frietjoff 27.03.2019, 16:21
8.

Zitat von KingTut
Was ich nicht verstehen kann
Kein Wunder: Nationalismus (n.b.: das Gegenteil von Patriotismus) ist nun mal nicht rational.

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Frietjoff 27.03.2019, 16:24
9.

Zitat von mapcollect
Die Polen arbeiten und zahlen Steuern - ja, aber, wie im Artikel angemerkt, fliessen auch viele Milliarden nach Polen wieder ab.
Pro Jahr und Pole keine 800 Euro. Das ist im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt, dass diese Menschen für das Vereinigte Königreich erwirtschaftet haben, nun wirklich vernachlässigbar.

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