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Pflege-Alltag in deutschen Kliniken: "Es regiert der Wahnsinn"
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Auf vielen Klinikstationen fehlt es am Nötigsten. Zu wenige Pflegekräfte müssen sich um immer mehr Patienten kümmern. Jetzt gibt eine Pflegerin Einblick in ein System, das für alle zur Gefahr wird.

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nordschaf 15.02.2018, 13:52
60.

Dass sich Operationen mehr lohnen als Pflege merkt man eben auch daran, dass die Patienten mittlerweile extrem kurz nach einer in die familiäre Pflege nach Hause entlassen werden. Als Privatpatientin kann ich mich weigern, die Klinik zu verlassen, wenn ich noch nicht alleine aufstehen kann. Die gesetzlich Versicherte im Nachbarzimmer kann das nicht und muss sehen, wie sie zurecht kommt. Dadurch werden die eh schon zwangsflexiblen Familien belastet und der Heilung kann es auch nicht förderlich sein, wenn ein Patient sich regelmässig damit überlasten muss, zuhause irgendwie zurecht zu kommen. Aber das wird dann ja aus einem anderen Topf bezahlt..

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schmuella 15.02.2018, 13:53
61. Bodenhaftung verloren

Es gibt einen "Hauptschuldigen": Die Politik.
Sie gibt nimmt die Weichenstellungen vor und trifft richtungsweisende Entscheidungen. Der Trend geht zu immer mehr "Privatisierung" und "Marktwirtschaft".

Pflegenotstand, Kinderarmut, marode Bildungseinrichtungen, überholtes Bildungssystem, zu wenig bezahlbarer Wohnraum ... die Liste der Missstände ist lang.
Es müsste ein grundsätzliches Umdenken und eine Neuausrichtung in der Gesellschaft und der Politik stattfinden. Weniger Gewinnmaximierung, mehr soziale Verantwortung, bessere Honorierung und höhere (gesellschaftliche) Wertschätzung "sozialer" Berufe.

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hirlix 15.02.2018, 13:53
62. Das Problem ist aber eben auch,

dass es zu viele Krankenhäuser gibt. Es braucht nicht jede etwas größere Stadt sein eigenes kleines Krankenhaus mit x Abteilungen. Die Notfallversorgung muss gewährleistet sein und für alles andere ist es egal ob ein Krankenhaus 20 oder 60km entfernt ist. Je nach Verletzung ist es eh sinnvoller, wenn der Patient direkt in eine Spezialklinik gebracht wird, z.B. mit einem Hubschrauber. Es ist dann auch egal, wenn die Klinik 100km entfernt ist.

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hexenbesen.65 15.02.2018, 13:54
63.

Eine Freundin ist Krankenschwester... wenn man sie anruft, geht sie NIE ans Telefon... (ist die "öffentliche" nummer von ihr...dh, ihre "eigentliche" Handynummer hat von den Arbeitskollegen niemand) So hat sie zumindest mal Feierabend. Sie hat sich oft genug ausbeuten lassen..."Ach, Sabine kommt ja eh, wenn man sie anruft...die ist ja alleine, hat keine Familie"... JEDES MAL wurde sie zuerst angerufen und ihr vorgelogen, sie wäre die letzte, die man noch fragen könnte. Nu hat sie eben diese zwei Telefonnummern. Klar hat sie Überstunden ohne ende (aber sorry, hab ich auch...und arbeite in der Produktions-Überwachung... Ich kann auch nicht sagen, wenn der Chef kommt "Die 8000 Teile müssen nochmal kontrolliert werden und bis Dienstag beim Kunden sein" "Nö, ich hab Feierabend" (das man das eine mit dem anderen nicht 1 zu 1 vergleichen kann, ist mir klar. Aber es gibt auch andere, stressige Berufe...die auch mit Lebensgefahr enden kann (Zulieferfirma Dichtungen für Motoren/ Autos usw...- da kann schon mal ne Bremse versagen....) Wie oft wurde mein Mann angerufen, als er mit FIEBER im Bett lag, wann er denn wiederkomme...Mich hätten sie am liebsten gleich aus der Reha geholt... Das liegt nur an der "Geld, Geld, Geld"-Praxis der Unternehmer....

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turinturambar 15.02.2018, 13:55
64. Paradoxe Gesellschaft

Und die IG Metall fordert die 28 Stunden Woche.
Autos sind in Deutschland einfach mehr wert als die Gesundheit der Patienten und des Personals

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genugistgenug 15.02.2018, 13:57
65. Pflegende stehen auf 2 Beinen: Gefängnis & Hartz IV

Denn sie können ideal erpresst werden. Letztendlich voll verantwortlich (Oder hat irgendwer schon gegen diese Machenschaften remonstriert?) - Pflicht zur Hilfe - Soziale Grundeinstellung und alles hinnehmen, denn sonst droht ja Hartz IV plus Sperrzeiten weil man selbst kündigte, bzw. den Rauswurf provozierte.

Was wundert ist, dass noch niemand die Pflegenden persönlich wegen der Versäumnisse anzeigte, sondern immer nur das anonyme Klinikum mit vielen Anwälten und Gutachtern.

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hypnos 15.02.2018, 13:59
66.

Kliniken sind Profitcenter, die Gewinne erwirtschaften müssen. Da ist kein Platz für Gefühlsduselei. Wir alle wollen den Neoliberalismus und wählen die Durchpeitscher dieser Ideologie. Basta.

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ClausB 15.02.2018, 13:59
67. Es muss ein Paradigmenwechsel her

und zwar hin zu einer allgemeinen Bürgerversicherung, in der jeder ausnahmslos einzahlen muss und auch die Einkünfte aus Kapitalvermögen müssen herangezogen werden.
Aber anscheinend muss es noch schlechter werden ( unser Gesundheitssystem ) bevor es besser werden kann.
Was dem entgegensteht ? Eine masive Lobby der Ärzteschaft, der Pharmaindustrie und der Beamtenschaftt mit in erster Linie den Vertretern der letzteren in den Länderparlamenten und im Bundestag.

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hexenbesen.65 15.02.2018, 13:59
68.

Zitat von bardolino12
Ändern wird sich nur etwas wenn es ein Umdenken gibt. Lieber mal ein z. B. überflüssiges CT weglassen und das Geld in die sog. „sprechende Medizin.“
Also, wenn SIE als Krebspatient die Möglichkeit hätten , zu wählen zwischen "überflüssiges CT" oder "sprechende Medizin"....ICH würde das CT bevorzugen. Ein Arzt kann mir nicht in den Bauch schauen, und gucken, welches Organ zerfressen ist....

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construct 15.02.2018, 14:00
69. Das Problem wird schon seit Ende der 80er Jahre ignoriert

Der Pflegenotstand ist nicht neu und auch nicht erst in den letzten 10 Jahren entstanden. Das Pflegepersonal wurde nur mundtot gemacht und nicht beachtet. Die Politik hat versagt, wie sie auch jetzt in gerade bei der Digitalisierung versagt. Meine Krankenpflegerausbildung habe ich Mitte der 80er gemacht und die Zustände waren da schon oft chaotisch. Wenn da Kollegen erkrankt sind, stand man manchmal alleine da und musste 21 Patienten versorgen. Oftmals war man auch mit Zivildienstleistenden alleine. Überstunden rollte da mla ganz schnell über 100. Überstundenzuschläge wurden auch ignoriert. Irgendwann platzte mir der Kragen und ich habe einen Leserbrief über die Zustände in unserem Krankenhaus in die Zeitung setzen lassen.
Die einzige Reaktion war eine Abmahnung. Es hört niemand zu und keiner in der Politik ist wirklich gewillt etwas zu verändern. 1994 nin ichraus aus der Pflege und habe eine Umschulung gemacht, weil ich nicht mehr zusehen konnte, wie hier mit Menschen umgegangen wird. Meine Tochter hat ebenfalls Krankenschwester gelernt. Zwei Jahre nach dem Examen ist auch sie frustriert und am Ende. Sie wird den Pflegeberuf verlassen.
Das Pflegepersonal ist schon seit über zwei Jahrzehnten völlig überlastet und niemand interessiert ist.
Die Pflegenden wurden wenig beachtet und ihre Arbeit hat keinen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft.
Welchen Wert haben Pflegepersonal und Patienten noch in Deutschland? Sind Beide nur noch Einheiten, die man zur Gewinnmaximierung nutzt? Schöne neue Welt................

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