Forum: Wirtschaft
Pflegekosten im Ländervergleich: Berlin dreimal so teuer wie Thüringen
DPA

Knapp 600 Euro müssen Bewohner von Altenheimen durchschnittlich in Deutschland selbst berappen - doch die Zuzahlungen variieren regional stark.

Seite 2 von 2
allesSupertoll 03.08.2017, 09:56
10. verstehe ich nicht

"...Im Bundesschnitt betragen die Kosten demnach 581 Euro pro Person" ... das verstehe ich nicht. Haben auf einmal alle Rentner, die in Altenheimen wohnen, eine höhere Rente? Wenn man mal von einer Rente für einen ehemaligen regelmäßig beschäftigten Arbeiter in Höhe von 1400 Euro netto ausgeht, der vielleicht aufgrund eines Pflegegrades noch einen Pflegezuschuß z.B. von ca. 1.200 Euro (Pflegegrad 3) von der Pflegekasse erhält, der Heimplatz in einem Altenheim (ganz normales Altenheim) aber mehr als 3.700 € pro Monat kostet, muß jemand dann doch mehr als 1.100 € aus Eigenmiteln aufbringen. Das ist dann "Omma ihr klein Häuschen", mühselig Angespartes etc. Da wird dann erstmal an allen Ecken und Kanten das Geld zusammengekratzt und alles Eigene erstmal verbraucht. Wie gut, wenn man erst gar nichts angespart hat und immer alles auf den Kopf gehauen hat. Dann hat man nichts und der Staat finanziert mit. Da sollte man sich mal Gedanken zu machen. Den Gutverdienern und Beamten macht das sicher weniger aus und sie können dann "Omma ihr klein Häuschen" auch noch weiter vererben. (Focus online 2016: Insgesamt erhalten derzeit rund 1,4 Millionen Beamte auf Bundes- und Länderebene eine Pension. Im Schnitt bekommt jeder von ihnen eine Durchschnittspension von 2940 Euro brutto. Diese Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung an die Fraktion "die Linke" hervor.) Macht echt Spaß normal arbeiten zu gehen!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
hestephan 03.08.2017, 10:14
11. Also in Berlin beträgt die Zuzahlung

für den Pflegeheimplatz gerne mal 2.000 Euro. Dabei handelt es sich keineswegs um besonders teuere Heime. Und wir reden hier von der Zuzahlung zu dem, was die Pflegeversicherung auch noch bezahlt. Insgesamt kostet der Heimplatz in Berlin also fast 4.000 Euro!
4.000 Euro im Monat für was? Ein Zimmer mit kleinem Bad. Ein Brötchen mit Gelee zum Frühstück, ein Butterbrot zum Abend und ein mehr oder weniger gutes Mittagessen.

Und dann die ach so gute und teure Pflege:
Heimbewohner wird immobil mittags aus Krankenhaus entlassen. Ich komme abends vorbei: Wasser und Glas nicht am Bett, sondern auf einem Tisch in 3 Meter Entfernung.
Heimbewohner rennt Pflegepersonal hinterher (!) "meine Windel ist voll". "Ja, ja, wir schicken wen." Es kommt niemand zum Windelwechsel und Bewohner geht mit voller Windel ins Bett.

Heimbewohner zieht neu ein: Kein Handtuch im Bad - also nachfragen. Keine Bettdecke- naja, wird ja wohl noch kommen. Am nächsten Morgen - noch immer keine Bettdecke! Drei (!) Schichten und keinem Pfleger fällt auf, dass Bewohner keine Bettdecke hat?
Bewohner sitzt zusammengesunken auf dem Stuhl, isst nicht, trinkt nicht, reagiert nicht. Frage ans Pflegepersonal: Sollte man da nicht mal einen Arzt rufen?
Bewohner wird 1x die Woche geduscht. Pfleger kommt zum Duschen, Bewohner "habe mich schon gewaschen" (wie auch immer), Pflegepersonal "na gut" und verschwindet wieder.

Dieses sind nur einige Beispiele über den Alltag in deutschen Pflegeheimen.
Die Eigentümer der Heime verdienen sich dumm und dämlich und die Arbeit in den Heimen wird faktisch nicht kontrolliert. Ich habe z.B. Essensprotokolle gesehen, mit Nahrungsmitteln, die der Bewohner angeblich gegessen hat aber tatsächlich nie angerührt hätte. Hier muss man nicht über eine angebliche russische Mafia bei den ambulanten Diensten jammern - auch die stationäre Pflege ist reine Abzocke der Bewohner und Pflegeversicherung und die Politik sieht tatenlos zu. Es wird anstandslos für Pflege bezahlt, die in genug Fällen nicht erbracht wird aber selbstverständlich dokumentiert wird.

Und wer im Heim ist und keine Angehörige hat (die sich kümmern), der ist verloren und dem System gnadenlos ausgeliefert. Und zu diesem System gehören auch die Krankenkassen. So braucht z.B. die DAK schon mal gerne 3 Monate um einen Antrag auf Zuzahlungsbefreiung zu bescheiden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
reflexxion 03.08.2017, 10:15
12. schon mal die Nähe zu Polen bedacht?

Zitat von abuske1
Der Plan wäre schön, nur leider ist der limitierende Faktor bei der Pflege im Osten das verfügbare Personal. Die Träger müssen weit mehr Energie darauf verwenden, geeignete Mitarbeiter zu finden, als für neue Klienten. Angemessene Bezahlung könnte helfen, dann wäre aber der Kostenvorteil wieder weg....
Der Osten liegt deutlich näher an Polen als NRW oder Bayern, in Polen gibt es massig Leute die bereit sind Menschen in Deutschland zu betreuen, gerne auch in Schwarzarbeit. Ich sehr das um mich rum jeden Tag. Selbst in Niedersachsen ist aber das Wort "polnische Perle" kein Fremdwort mehr. Die Träger dort müssten besagte Polinnen nur dazu bewegen eine offizielle Tätigkeit anzunehmen, dank EU-Recht ist das arbeiten an sich kein Problem hier.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Teile1977 03.08.2017, 11:17
13. Schlechtes Heim

Zitat von hestephan
für den Pflegeheimplatz gerne mal 2.000 Euro. Dabei handelt es sich keineswegs um besonders teuere Heime. Und wir reden hier von der Zuzahlung zu dem, was die Pflegeversicherung auch noch bezahlt. Insgesamt kostet der Heimplatz in Berlin also fast 4.000 Euro! 4.000 Euro im Monat für was? Ein Zimmer mit.....
Nun, dann haben sie eben ein schlechtes Heim erwischt. Die Heime sind so unterschiedlich wie die Menschen, es gibt Perlen und ablocket.
Wenn Ihnen die Kosten zu hoch erscheinen, überlegen sie mal was sie in einer Pension pro Monat bezahlen, plus Wäscherei, Vollpension und Personal im Fünfschichtmodus.
Personal ist Teuer, und Pflege sehr Personalintensiv.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Trizi 03.08.2017, 13:09
14.

Zitat von allessuper
wundere ich mich geradezu, dass noch niemand auf die Idee kam, den Osten als das neue Alte(n) Land zu deklarieren und dort jede Menge Pflegeheime zu eröffnen. Das würde dort die Konjonktur ankurbeln, die Arbeitslosigkeit verringern und wenn der Boden noch......
Vielleicht bin ich zu dumm, um Zynismus zu erkennen ... aber ich finde diesen Plan wirklich gut!
V.a. das mit den Ponyhöfen gefällt mir! Da muß der Bratzenkel sich nicht mit der sabbernden Omma im Pflegeheim abgeben, sondern kann während Mamis Pflichtbesuch auf wehrlosen Pferden rumhoppeln.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
wut62 03.08.2017, 14:05
15. Wem kann man denn nun noch glauben?

Wo kommen die Zahlen her. Z. B. liegen die Kosten in Wuppertal für ein Platz im Pflegeheim, im Pflegegrad 3, bei durchschnittlich bei 3.500 €. Die Pflegekasse bezahlt in dieser Stufe 1260 €, also verbleiben als Zuzahlung 2.240 € die der alte Mensch oder dessen Angehörige aufbringen müssen. Allerdings sollte man nicht verschweigen, dass in NRW noch die Möglichkeit des Pflegewohngeldes gibt. Liegen die Ersparnisse unter 10 T€, zahlt das Sozialamt die Investitionszulage entsprechend der eigenen Rente dazu. Dieses Pflegewohngeld kann dann, je nach Heim, zwischen ca. 300 und 600 € liegen. Also liegt die Zuzahlung immer noch zwischen 1940 € und 1640 €. Wer bekommt soviel Rente. Damit wären die Grundkosten abgedeckt, kein Taschengeld, kein Telefonanschluss, kein Geld für Fusspflege, Friseur oder Kleidung.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
wut62 03.08.2017, 15:08
16. hestephan hat vollkommen recht

Zitat von Teile1977
Nun, dann haben sie eben ein schlechtes Heim erwischt. Die Heime sind so unterschiedlich wie die Menschen, es gibt Perlen und ablocket. Wenn Ihnen die Kosten zu hoch ......
Keine Regel ohne Ausnahme. Man kann aber grundsätzlich davon sprechen, dass es fast nur schlechte und sauschlechte Heime gibt, mit einer zu kleinen Personaldecke und Mitarbeiter, die ständig unter Druck stehen. Die Ausnahme, von der ich spreche, habe ich auch gesehen. Solche Heime kosten aber manchmal 6-8000 € im Monat. Solche Heime nehmen z.B. niemanden auf, der Anspruch auf Pflegewohngeld in NRW hat.
Diese teuren Heime sind dann Top-Verdienern vorbehalten. So bleibt man dann gleich auch wieder unter sich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 2 von 2