Forum: Wirtschaft
Pflegekräfte am Limit: "Erschöpft, überarbeitet und ausgelaugt"
AP

Die Finanznot deutscher Kliniken bringt Pflegekräfte in Bedrängnis. Gerade nachts arbeiten sie oft allein auf Station. Ein unvertretbares Risiko für Patienten, wie eine Studie zeigt, die SPIEGEL ONLINE exklusiv vorliegt.

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twan 19.12.2016, 17:39
1.

Würde ja den Artikel gerne lesen, muss mir aber grade vor Weihnachten überlegen, ob die 40 cent noch drin sind.

Ein Fachpfleger für außerklinische Beatmung

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anterogradeamnesie 19.12.2016, 18:18
2. Geld(gier) ist die Ursache allen Übels

Es geht nur ums Geld. Auch wenn es um die Gesundheit des Menschen geht. Warum gibt es keine anständige staatliche Regulierung, bei der die Zahl der anwesenden Krankenpfleger auf den Stationen fest definiert wird? Wegen des Geldes! Würde man die Zahl der anwesenden Krankenpfleger auf ein geeignetes Maß anheben, käme es erstmal zu einer Kostenexplosion. Deshalb tut der Staat nichts! MRSA, miese Hygiene, Pflegefehler wie Dekubitus etc. entstehen so zwangsläufig. Dass hier durch Prävention auch eine Menge Geld wieder eingespart werden könnte und die erhöhten Kosten etwas wett gemacht werden, kommt wohl auch niemanden in den Sinn.
Die Krankenpfleger haben so gut wie keine Möglichkeiten öffentlichkeitswirksam zu demonstrieren, da sie nahezu immer arbeiten müssen.

Es ist ein Problem, was uns jeden angeht und für Deutschland ein ziemliches Armutszeugnis!

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jujo 19.12.2016, 18:41
3. ...

Das war bislang noch immer so. Werden Einrichtungen die zur Grundversorgung der Bevölkerung da sind privatisiert explodieren die Kosten, die Dienstleistung verkümmert auf das allernotwendigste. Denn privatisiert müssen (!) sie Geld verdienen, denn die neuen Eigentümer sind nicht das Sozialamt.
Müssen Einrichtungen für die Grundversorgung Geld verdienen? nein das müssen sie nicht!
Kostendeckend arbeiten reicht aus!!!!

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quid pro quo 19.12.2016, 19:10
4. Mit Vollgas gegen die Wand

Die ausgesprochen bedenkliche Entwicklung findet seit Jahren statt, nur hat es lange niemand interessiert. Nur, das gewisse Faktoren langsam im ganzen Land es auf die Spitze treiben bzw. einen Teufelskreis, aus dem man nicht wieder so einfach herauskommt. Die Zeit für Umkehr wäre da gewesen - aber es hat schlicht nicht interessiert. Die Pflegekräfte flüchten in Teilzeit oder ganz aus dem Pflegeberuf, machen was komplett anderes, weil man genau diese Art nicht als Pflege sondern als herabwürdigende Hetze empfindet; und dies ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel! Langsam erkennt das gro der Mitarbeiter, das sie hierfür keine Verantwortung mehr übernehmen können und wollen. Auch gegenüber sich selbst nicht - die eigene Gesundheit zunehmend leidet, die Beziehung, Freundschaften etc. Das es gewissenlosen Betriebswirten egal ist, wenn die Mitarbeiter ausgequetscht werden wie Zitronen. Es muss dringend etwas passieren: leider hat jegliches Eingreifen der Politik die Lage der Mitarbeitenden immer nur deutlich verschlimmert.

Da ich zwar - noch! - in der Pflege tätig, aber mein Glück im Ausland gefunden habe (und auch nicht mehr "retour" komme) , werde ich die Situation kritisch beäugen, wie die Entwicklung weiter geht. Das gesamte Gesundheitswesen leidet: Lohndumping im Rettungsdienst, Hebammen zahlen horrende Versicherungsprämien, Pflegekräfte buckeln sich zu Tode, ohne Pause.

Nein - das ist nicht der Beruf den ich gewollt hatte. Nicht unter diesen Umständen. Wir sind nicht die Sklaven eines kaputten Systems, welches nicht funktioniert. Wir Pflegekräfte und Ärzte haben uns dem Menschen, der Linderung von Schmerzen und Leid verpflichtet, unterstützen bei der Genesung.
Nicht bei der Generierung von Gewinnen. Aber ich gönne es dem "System" wenn es vor die Hunde geht. Es muss wohl so kommen. VIELLEICHT die Chance auf etwas besseres!

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percystuart 19.12.2016, 19:13
5. Wie arm muss Deutschland sein....

...wenn hierzulande solch katastrophale Zustände bestehen. Da ich beruflich oft mit Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zu tun habe und seit einiger Zeit auch regelmäßig einen Familienangehörigen im Pflegeheim besuche, kann ich mir leider immer wieder ein Bild davon machen, wie zum Teil menschenunwürdig sich die Pflege in den betreffenden Institutionen darstellt. Dreckige Zimmer, verwahrloste Patienten bzw. Pflegebedürftige, unzureichendes Personal, keine persönliche Zuwendung, ausufernde Bürokratie – die Liste der Missstände könnte man lange fortführen. Die vergleichsweise miese Bezahlung des Pflegepersonals dürfte sicherlich ein Hauptgrund für diese Misere sein. Aber ich musste auch schon des Öfteren feststellen, dass das Pflegepersonal offensichtlich nicht über eine fachgerechte Ausbildung verfügt oder schlichtweg inkompetent und/oder überfordert erscheint. Viele kommen in diesem Beruf vermutlich nur mangels Alternativen. Meine Hochachtung gehört denjenigen, die trotz hohem Stress ihre Aufgaben immer noch mit Engagement zur Zufriedenheit der Betroffenen erfüllen.
mfg

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torben40 19.12.2016, 19:39
6.

Schön und gut, anterogradeamnesie. Nur woher sollen all die Krankenpfleger, Altenpfleger... aber auch Heilerziehungspfleger, Erzieher und Lehrer (etc.) kommen, wenn man eine vernünftige Pflege (und Betreuung bzw. Erziehung) möchte? Der Markt ist komplett leergefegt und die Arbeitsbedingungen sind mies, wie die hohe Personalfluktation zeigt. Da müsste erst massiv ausgebildet werden...

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marxist1071 19.12.2016, 19:50
7. Halloooo? Shareholder Value!

Jetzt mal ehrlich, warum mehr Pflegekräfte nachts einstellen um einem unzufriedenen Patienten auf der Wahlleistungsstation nachts um 02.43 Uhr das Kopfkissen aufzuschütteln? Warum halte ich Aktien von Asklepios und Helios? Solange immer mehr Leistungen privatisiert werden, Autobahnen/Universitäten/Brücken/Tunnel, und Unternehmen daran verdienen das der Staat (Land-Kommunen) sich aus ihrer Verantwortung stehlen und man tatenlos zuschaut, solange darf ich mein Geld investieren. Da kommt das zukünftige Wachstum her! Wenn Aldi morgen einen Pflegedienst anbietet, dann bestimmt um der Gesellschaft etwas zurück zu geben. Leute wacht auf und betet das ihr nie ernsthaft krank werdet!

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anterogradeamnesie 19.12.2016, 20:16
8.

Zitat von torben40
Nur woher sollen all die Krankenpfleger, Altenpfleger... aber auch Heilerziehungspfleger, Erzieher und Lehrer (etc.) kommen, wenn man eine vernünftige Pflege (und Betreuung bzw. Erziehung) möchte? Der Markt ist komplett leergefegt und die Arbeitsbedingungen sind mies, wie die hohe Personalfluktation zeigt. Da müsste erst massiv ausgebildet werden...
Sie kommen automatisch, wenn die Bezahlung passt oder wenn die Bedingungen besser werden, sprich wenn mehr Pflegepersonal eingestellt wird. Eine angemessene Bezahlung relativiert sogar miese Arbeitsbedingungen. Von einem komplett leergefegten Markt würde ich nicht sprechen, der Ausbildungsberuf zum Krankenpfleger erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit.

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Nordstadtbewohner 19.12.2016, 20:27
9. Das Prinzip von Angebot und Nachfrage ist auch im Gesundheitswesen richtig.

Zitat von quid pro quo
Die Pflegekräfte flüchten in Teilzeit oder ganz aus dem Pflegeberuf, machen was komplett anderes, weil man genau diese Art nicht als Pflege sondern als herabwürdigende Hetze empfindet; und dies ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel! (...) Da ich zwar - noch! - in der Pflege tätig, aber mein Glück im Ausland gefunden habe (und auch nicht mehr "retour" komme) , werde ich die Situation kritisch beäugen, wie die Entwicklung weiter geht. Das gesamte Gesundheitswesen leidet: Lohndumping im Rettungsdienst, Hebammen zahlen horrende Versicherungsprämien, Pflegekräfte buckeln sich zu Tode, ohne Pause.
Wer mit seinen erlernten Beruf auf eigenen Wunsch aufgibt, tut dies stets freiwillig, da niemand in Deutschland zu einer bestimmten Arbeit gezwungen wird. Wenn es neuerdings die Tendenz sein soll, dass Pflegekräfte Teilzeit arbeiten oder ganz die Branche wechseln, so werden entweder andere sie ersetzen oder Mangels Masse wird die Entlohnung für Pflegekräfte steigen. Das ist das Prinzip von Angebot und Nachfrage, das auch in Krankenhäusern greift.

Viele vergessen, dass auch ein Aufenthalt in einem Krankenhaus/ Pflegeheim eine Dienstleistung ist und diese muss auch entsprechend bezahlt werden. Wollen die Patienten eine bessere Versorgung, müssen sie auch dafür zahlen. Dies kann man nicht dem Staat überlassen, sondern muss jeder mit sich selbst regeln. Der Versicherungsmarkt bietet dementsprechende Lösungen in Form von Zusatzversicherungen an. Wer also eine Chefarztbehandlung wünscht und 3 Nachtschwestern am Bett, der wird sie bekommen, wenn auch dafür finanziell aufkommt. Wer allerdings meint, dies müsse der Staat usw. zur Verfügung stellen, der geht gedanklich einfach fehl.

Und was die Hebammensache angeht: Dies bezieht sich nur auf die freiberuflichen Hebammen und deren höheres "Betriebsrisiko", welches sich verständlicherweise in höheren Versicherungsprämien widerspiegelt. Daran ist nichts Schlimmes.

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