Forum: Wirtschaft
Pflegekräfte am Limit: "Erschöpft, überarbeitet und ausgelaugt"
AP

Die Finanznot deutscher Kliniken bringt Pflegekräfte in Bedrängnis. Gerade nachts arbeiten sie oft allein auf Station. Ein unvertretbares Risiko für Patienten, wie eine Studie zeigt, die SPIEGEL ONLINE exklusiv vorliegt.

Seite 2 von 7
larrydavid 19.12.2016, 20:58
10.

Zitat von Nordstadtbewohner
Wer mit seinen erlernten Beruf auf eigenen Wunsch aufgibt, tut dies stets freiwillig, da niemand in Deutschland zu einer bestimmten Arbeit gezwungen wird. Wenn es neuerdings die Tendenz sein soll, dass Pflegekräfte Teilzeit arbeiten oder ganz die Branche wechseln, so werden entweder andere sie ersetzen oder Mangels Masse wird die Entlohnung für Pflegekräfte steigen. Das ist das Prinzip von Angebot und Nachfrage, das auch in Krankenhäusern greift. Viele vergessen, dass auch ein Aufenthalt in einem Krankenhaus/ Pflegeheim eine Dienstleistung ist und diese muss auch entsprechend bezahlt werden. Wollen die Patienten eine bessere Versorgung, müssen sie auch dafür zahlen. Dies kann man nicht dem Staat überlassen, sondern muss jeder mit sich selbst regeln. Der Versicherungsmarkt bietet dementsprechende Lösungen in Form von Zusatzversicherungen an. Wer also eine Chefarztbehandlung wünscht und 3 Nachtschwestern am Bett, der wird sie bekommen, wenn auch dafür finanziell aufkommt. Wer allerdings meint, dies müsse der Staat usw. zur Verfügung stellen, der geht gedanklich einfach fehl. Und was die Hebammensache angeht: Dies bezieht sich nur auf die freiberuflichen Hebammen und deren höheres "Betriebsrisiko", welches sich verständlicherweise in höheren Versicherungsprämien widerspiegelt. Daran ist nichts Schlimmes.
Grandios, medizinische Versorgung nach Kontostand. Das ist genau das was sich alle wünschen. Gelebter Humanismus. "Tut uns leid das der Patient verstorben ist, aber er hatte nur das Geld für eine Nachtschwester. Genau wie die restlichen 30 Patienten."
Aber Ihre 3 Nachtschwestern werden auch Sie nicht bekommen, denn es gibt NICHT GENUG PFLEGEPERSONAL. Warum nicht? Weil Gewinn abfallen muss. Aber palavern Sie noch ruhig weiter von Ihrer "Versicherung".

ld

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Einervondrei 19.12.2016, 21:44
11.

Zitat von marxist1071
Warum halte ich Aktien von Asklepios und Helios?
Wow, Sie halten Aktien von Asklepios?
Dürften schwierig zu verkaufen sein, Asklepios ist eine GmbH.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
applecake 19.12.2016, 22:05
12. Pflege zu welchem Preis - Bis zum Tod unserer geliebten Menschen?

Es spielt eine Rolle, ob die Bezahlung passt oder nicht.
Mein Bruder ist neulich gestorben.

Er war im Hospiz, wo "Menschen" (hier meine ich wirklich Menschen mit Mitgefühl, Gespür für das was kommt usw. .....) tätig waren.

Das Problem liegt in der Gesindheitspolitik:

Es ging ziemlich viel schief, es war das Zusammenspiel mit den einzelnen Behörden, Krankenkasse ud Pflegeversicherung und auch Jobcentrer usw. ....

Es wird sich erst etwas ändern, wenn ein Minister mit seinen Angehörigen selbst betroffen ist, den dann ist es so, dass es unerträglich für die einzelenen ist.

Traurig, denn die meinen, dass das Volk doch gut versorgt ist.
Dies stimmt leider nicht:

Pflegepersonal hat einiges durch zu machen, sei es über den Patieten selber oder über die Angehörigen.

Es wird Zeit, dass die Politik erkennt, was wir an dem Pflegepersonal, welches momentan tätig, wir tatsächlich haben.

Es muss honoriert werden!!!!

In Bezug auf meinen Bruder kann ich dies nur unterstreichen.

Wir, die "Betroffenen" müssen uns auf lehnen, nicht die, die eine Meinung haben, die können uns unterstützen.

Ich fordere daher jeden auf, dem Gesundheitsministerium eine entsprechende Mail zu schicken.

Die Pflegekräfte sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Man kann sie nicht mehr ignorieren, sei es bei der Sterbebegkeitung oder im Pflegeheim ( Altersheim oder sonstiges Heim) . Sie leisten im Grunde genommen schwerst Arbeit!!!!!

Wendet Euch an : poststelle@bmg.bund.de
Schreibt unserem Gesundheitsminister

Das Problem der Flüchtlinge kriegen wir in Griff sowie die Verteidigung unseres Landes auch, und der Gesundheitfürsorge auch? Icdh muss sagen, leider NEIN

Beitrag melden Antworten / Zitieren
deichkind88 19.12.2016, 22:25
13.

Lange bekanntes Problem. Einmal jährlich erscheint ein Artikel darüber, alle nicken bedächtig, stimmen in den Tenor mit ein, wie schlimm das Ganze sei und wie unterbezahlt Pflegekräfte seien. Und vergessen ist das ganze wieder. Allerdings auch ein hausgemachtes Problem, die Pflege ist zu großen Teilen auch selbst Schuld an ihrer Misere. Wer den Beruf aus lauter "Nächstenliebe und Empathie" und nicht "um reich zu werden", sowie die Pflege als Berufung sieht, kann langfristig nichts ändern. Liebe Pflegekräfte, es liegt auch in unserer Hand, für attraktivere Ausbildungsbedingungen und vor allem Arbeitsbedingungen einzutreten. Aber nein, die lieben Patienten sind nicht versorgt, streiken oder gar mal eine Lobby gründen geht nicht.
Und zu guter Letzt. Ich kenne Kliniken, da passieren jedenfalls Tag Dinge, die höchst gefährlich sind. Da sind Pflegekräfte im Frühdienst alleine examiniert und jeden Morgen kommt es zu teils stark risikobehafteten Pflegefehlern und nur durch den beständigen Einsatz, das unter den Teppich kehren, viel Glück und einer unverständlichen Aufopferung des Pflegepersonals kommt nichts an die Öffentlichkeit. Wenn Sie alle wüssten, was täglich auf den Stationen geschieht, Sie möchten nicht ins Krankenhaus.
Grüße,
eine Pflegekraft.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
bananenrep 19.12.2016, 23:03
14. Gegen die Wand ....

wird Deutschland durch die Industrie gefahren. Erklärung folgt. Meine Tochter arbeitet auch im Pflegedienst. Leider ist sie zur ausbildung weggezogen. Durch die Schichtdienstegibt es kaum Gelegenheit neue Freunde oder einen Partner zu finden. Frü- Spät- und Nchtschichten, Wochenenden etc.. Der Grund: Es mangelt an ausgebildeten Pflegekräften. Dazu fehlen Stationen, so dass im psycahtrischen Bereich Leute auf der falschen Station sind. Und die geschädigten Drogies kann sie gleich mitversorgen, auch wenn die Hoffnung bei denen verloren ist, dazu die Flüchtlinge, die wenn sie abgeschoben werden sollen noch PLÖTZLICHE Anfälle kriegen. Nachts ist sie auf der geschlossenen Abteilung z. T. ALLEINE. Geld macht nicht glücklich und es war vll. die falsche Berufswahl. Aber, die Industrie hat jahrelang mit ihrer hochlohnpolitik die Kräfte abgeworben. Daimler, Siemens zahlen löhne für Dummbatzarbeit da träumste von. so fehlt es jetzt an allen Ecken und Enden. Der Bau wird es in 5 Jahre spüren und dann zahlen wir wieder alle für dann extrem teure Strassen. Diese ganzen faulen überflüssigen Ministerialbeamten. Alle überflüssigen raus und erstmal arbeiten lassen. Nicht nur vorschriften zur Jobsicherung erdenken. DAs kann eine Pflegekraft gar nicht mehr leisten. Nur noch schreiben und dokumentieren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kohsi 19.12.2016, 23:14
15. Zu 4. @quid pro quo

Da gibt es nichts hinzuzufügen! Sie haben damit völlig recht und sprechen mir aus der Seele. Ich selbst habe nach dem Examen nach wenigen Jahren im Beruf frustriert aufgegeben. Ich konnte die Umstände, unter denen manche Dienste übernommen werden mussten, nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren. Nach einem völlig wahnsinnigen Frühdienst, den ich irgendwie mit sechs intensivpflichtigen Patienten (ach Entschuldigung - Kunden) ALLEINE halbwegs vernünftig beenden konnte, habe ich meine Bewerbung für einen Studienplatz endlich abgeschickt. Die Entscheidung noch einmal von vorne angefangen zu haben, habe ich nie bereut. Bis heute habe ich Alpträume, in denen ich nochmal einen Nachtdienst auf der Intensivstation schieben muss.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
seriphos02 19.12.2016, 23:21
16. Aber es geht uns doch allen gut, Herr Henrik Müller ...

... oder etwa nicht? Die jahrzehntelange Ausbeutung der Pflegekräfte ist EIN trauriges Beispiel für die Verlogenheit in der Selbstsicht dieses wirtschaftlich ach so erfolgreichen Landes.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dietmarklevenstein 20.12.2016, 00:55
17.

Zitat von anterogradeamnesie
Sie kommen automatisch, wenn die Bezahlung passt oder wenn die Bedingungen besser werden, sprich wenn mehr Pflegepersonal eingestellt wird. Eine angemessene Bezahlung relativiert sogar miese Arbeitsbedingungen. Von einem komplett leergefegten Markt würde ich nicht sprechen, der Ausbildungsberuf zum Krankenpfleger erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit.
Kleines Beispiel :
Altenpflegefachkraft (39 h/Wo.), Entgeltgruppe 7: 2751,32 bis 3185,74 Euro ggf. zzgl. Zeit-, Feiertags- und Kinderzuschläge

Das klingt schon lecker - zumindest das Endgehalt von über 3K ist füe mich (Abiturjahrgang 1984) nicht unattraktiv - da bin ich nach über 30 Jahre im Beruf noch deutlich von entfernt.

Am Gehalt kann es also nicht liegen....

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Freidenker10 20.12.2016, 03:56
18. Das allerletzte!

Die untragbare Arbeitssituation von Pflegekräften ist seit 10 jahren oder länger bekannt, aber passieren tut aus Gelaber gar nichts. Mittlerweile entscheiden sich immer weniger diesen Beruf ausüben zu wollen und deshalb ist nun der Fachkräftemangel so eklatant! " Man wolle den Beruf aufwerten", aber das schafft man sicherlich nicht durch politisches Gelaber sondern durch deutliche Lohnsteigerungen! Hier haben auch die Gewerkschaften ihren Anteil an der Misere, denn auch Verdi setzt sich praktisch gar nicht für die AN der Berufsgruppe ein, weil die eben nicht Streiken können. In den allermeisten Industrieländern ist die Bezahlung wesentlich höher und somit auch der Beruf atraktiver, denn wer will sich schon für lau kaputtschuften. Für Banken, Länder und was alles ist sofort Geld da, nur für Pfleger, Polizisten usw. gibts nie was... Das rächt sich nun eben, kommt aber ganz bestimmt nicht überraschend!!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
cszug 20.12.2016, 06:43
19. Die Verantwortung..

.. für Gesundheitliche Schäden der zu Pflegenden müssten die Klinikleitungen direkt tragen. Gäbe es mehr Urteile wegen fahrlässiger oder gar vorsätzlicher Körperverletzung durch fragwürdige Mitarbeiterplanungen, würde diese Tendez vielleicht gestoppt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 2 von 7