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Piketty-Report über weltweite Ungleichheit: Der große Graben
REUTERS

Arm und Reich driften auseinander: Zu diesem Schluss kommt ein neuer Bericht über Ungleichheit in aller Welt. Was steht darin über Deutschland, was über mögliche Konsequenzen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Glip 14.12.2017, 20:28
1. Weltrevolution?

Warum hören wir seit Ewigkeiten immer das Gleiche? Weil hier immer noch befeuert durch Neiddebatten von der Weltrevolution geträumt wird? Von der Weltrevolution sind wir zum Glück weiter entfernt denn je. Und kämme sie würde die Welt in Anarchie und Chaos versinken, so wie einst Russland das dann dagegen zum Laborversuch wird.

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haarer.15 14.12.2017, 20:58
2. Wachsende Ungleichheit

Unangenehme Wahrheiten. Der Piketty-Report sollte eigentlich die Regierenden, aber auch klassische Ökonomen hierzulande auf den Plan rufen. Wo sind sie, was hört man von denen ? Den Schuss noch nicht gehört ? Klar, dass solche Wahrheiten vom Establishment gerne unter den Teppich gefegt werden. Man will die Masse ja nicht beunruhigen. Die auseinanderlaufende Schere zwischen Arm und Reich ist aber längst kein Randthema mehr. Solange diese Probleme nur weiter ausgesessen werden, so wird uns das innergesellschaftlich absehbar um die Ohren fliegen. Erste Anzeichen sehen wir doch schon.

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Alias_aka_InCognito 14.12.2017, 21:04
3.

Die Ungleichheit der Vermögen ist nur dann ein Problem, wenn die elementarsten Bedürfnisse des weniger vermögenden Teils der Bevölkerung nicht gedeckt ist.
Dies ist aber auch in den reichen Ländern nicht der Fall, denn der Wohlfahrtsstaat ist gut ausgebaut in westlichen Ländern Europas, auch in den USA sind bis zu 5 Jahre Sozialhilfe möglich, Arbeitslosengeld gibt dort auch.
Eher gibt es das Problem in der zweiten und dritten Welt, dass die Grundbedürfnisse großer Teile der Bevölkerung nicht gedeckt ist und die Armut desperat ist.
Nur die bloße Ungleichverteilung des Vermögens ist an sich kein Zustand, der ein großes Problem darstellt, es ist mehr ein Thema von Wirtschaftswissenschaftlern und Politikern kleiner Parteien, die mit diesem Thema auch ihr Berufung gefunden haben und immer wieder auf Tapet bringen.
Die Medien nehmen diesen Ball dankbar auf.

Die Entwicklung der Ungleichheit der Vermögen ist ein Symptom, dass sich wechselseitig und auch in Abhängigkeit voneinander hochschaukelt mit der Auseinanderentwicklung von gesellschaftlichen Schichten und Milieus.

Wie im Artikel von Herrn Fleischhauer deutliche wird, nimmt der Bildungsgrad von einem signifikanten Teil der Bevölkerung rapide ab und es entwickeln sich Gesellschaftsschichten, die eine eigene Subkultur bilden. Diese Entwicklung birgt aber auch ein wachsenden Gefahrenpotential, da sich immer weiter sozialer Sprengstoff ansammelt, wo nur ein Auslöser eine fatale und zerstörerische Entwicklung anstoßen könnte.

Diese Abwärtsspirale aus mangelnder Bildung, in der die Vermögensungleichverteilung nur ein Sekundärerscheinung ist, ist viel wichtiger und gravierender, da die Entwicklung von Unzufriedenheit, Wut und Apathie den sozialen Frieden in einem bedrohlichen Maß gefährdet.

Durch Geldumverteilung lässt sich dieses Problem nur bedingt lösen, da die geistige Armut nicht mit Geld zusammenhängt.
Ein jeder ist selbst für seine Bildung und der Bildung seiner Nachkommen verantwortlich.
Bildung ist Vermögensaufbau, dass der Staat nicht als Aufgabe übernehmen kann.
Denn der Staat lebt von Voraussetzungen, die er nicht selber schafft.

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Teigkonaut 14.12.2017, 21:05
4. Entwicklungen die Fragen aufwerfen

...Inzwischen liege das öffentliche Vermögen in den reichen Ländern "nahe null oder gar im negativen Bereich" (Zitat Ende). Weshalb hat die öffentliche Hand ihr Vermögen eigentlich verzehrt? Liegt das vielleicht auch daran, dass die Schuldenmacherei übliches Geschäftsgebahren der Finanzminister und Kämmerer geworden ist? Um nicht von den Schulden erdrückt zu werden mussten die Kommunen doch über Jahrzehnte ihr Vermögen veräußern. Heute ist das Gejammer groß, weil keine Gemeinde mehr in der Lage ist Engpässe auf dem Wohnungsmarkt mit kommunalen Wohnungen abzumildern. Vielleicht sollten wir alle mal unsere Ansprüche an den Staat überdenken.

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freigeistiger 14.12.2017, 21:19
5. Unsinn

Zitat von Glip
Warum hören wir seit Ewigkeiten immer das Gleiche? Weil hier immer noch befeuert durch Neiddebatten von der Weltrevolution geträumt wird? Von der Weltrevolution sind wir zum Glück weiter entfernt denn je. Und kämme sie würde die Welt in Anarchie und Chaos versinken, so wie einst Russland das dann dagegen zum Laborversuch wird.
Ihr Beitrag ist absoluter Unsinn und reine Polemik.

Anderes Thema:
Ausgeglichene und ähnliche Lebensverhältnisse ergeben sich immer aus dem Ausgleich von Kräften. "Soziale Marktwirtschaft ist die breite Verteilung von Einkommen und Vermögen" (Ludwig Erhard) setzt starke Gewerkschaften und eine breite Demokratie, die alle Gesellschaftsgruppen vertritt, als Gegenpole zu Unternehmen voraus. Wer kann, nutzt seine Machtstellung aus. Dass ist so.

Merkels Favorisierung von einer "wirtschaftsorientierten Demokratie" heißt die Feudalherrschaft des Kapitals. In einer aufgeklärten Gesellschaft muss es heißen "eine menschen- und gesellschaftsorientierten Demokratie". Damit ist eine gesellschaftliche Ökonomie mit eingeschlossen. Nicht der der Anteilseigner.
Bürgerinnen und Bürger müssen aber auch selber für ihre Interessen eintreten. Sonst unterliegen sie den Bestimmungen Anderer.

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Referendumm 14.12.2017, 21:30
6. Ähem,

was ist an diesem Report eigentlich Neues? Dass die vielen Privatisierungen in den diversen Staaten eine Umverteilung von Volksvermögen in private Hände von Reichen war? Nix neues! Treuhand etc. lässt grüßen.

Dass man den Normalbürgern z.B. auch durch die EEG-Umlagen das Geld aus den Taschen zieht und es reichen Bürgern (nicht nur Ärzte und Zahnärzte, aber auch die) zuschanzt? Nix neues! Die meisten Unternehmen sind von der EEG-Umlage eh befreit; alles bezahlen darf der kleine Bürger.

Dass man mit zahlreichen Gesetzen und politischen Handlungen die Reichen immer mehr stärkt, während die Lasten der Steuerzahler und damit der kleine Bürger trägt, ist auch nix neues. Die Unterstützung der Bankster durch die Staaten mit Milliarden, ist doch nix neues. Cum-Ex-Geschäfte werden seitens des Staates geduldet, aber wehe der kleine Bürger gibt seine Steuererklärung ein paar Monate später ab.

Usw. pp. ff.

Ach ja, die Mittelschicht in Deutschland soll einen relativ stabilen Anteil von etwa 40 Prozent am Gesamteinkommen haben. Welches Gesamteinkommen ist denn bitteschön gemeint, wenn über 90 % des Vermögens bei weniger als 10 % liegen? Hinzu kommt, dass gerade die Mittelschicht in Deutschland doch für jeden Quatsch bezahlen muss, den sich die Herren und Damen Politiker so toll ausdenken. Ist doch toll, wenn das Einkommen konstant bleibt (wobei ne Steigerung doch auch mal ganz nett wäre), aber die Ausgaben ständig steigen?

Ne meine Lieben, wir hatten mal eine soziale Marktwirtschaft auf die fast jeder Deutsche mal stolz war. Die Zeiten sind leider lange vorbei. Was wir aktuell haben, ist Raubtierkapitalismus pur. Dass das irgendwann mal knallt, dürfte auch hinlänglich logisch sein. Die Zeiten stehen doch schon seit Jahren auf Sturm. Und nicht zuletzt die unsäglichen Entscheidungen aus 2015 werden für den Rest sorgen.

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theodtiger 14.12.2017, 21:37
7. Eingeschränkte Aussagekraft - Europa

Ein Bericht,der laut SPON nicht die Umverteilung durch Sozialleistungen berücksichtigt, ist reichlich irreführend. Schließlich ist dies der Kern des deutschen und auch europäischen Wirtschaftsmodell, was Ungleichheit mehr reduziert als jedes andere in der Welt. Dennoch interessant, dass Europa auch bei der primären Einkommensverteilung am besten dasteht. Im Rahmen der EU lässt sich diese Stellung verteidigen und ausbauen. Andere Weltregionen, insbesondere USA, tun das Gegenteil.

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Europa! 14.12.2017, 21:58
8. Halbwahrheiten

Der entscheidende, hier etwas vernachlässigte Punkt ist doch der, dass sich die Ungleichheit zwischen den Nationen durchaus nicht vergrößert, sondern VERRINGERT hat. Was vor allem am Aufstieg von China liegt. Wenn sich alle Staaten so vernünftig wie China verhielten, brauchte man über das Thema gar nicht mehr zu reden und könnte sich wichtigeren Thema wie dem Klimaschutz zuwenden.

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Flugor 14.12.2017, 22:04
9. Keine Neiddebatte...

Zitat von Glip
Warum hören wir seit Ewigkeiten immer das Gleiche? Weil hier immer noch befeuert durch Neiddebatten von der Weltrevolution geträumt wird? Von der Weltrevolution sind wir zum Glück weiter entfernt denn je. Und kämme sie würde die Welt in Anarchie und Chaos versinken, so wie einst Russland das dann dagegen zum Laborversuch wird.
Es geht hier weniger um eine Neiddebatte, sondern um das Problem, dass eine kleine Gruppe Menschen einen prozentual immer größeren Nutzen an dem von der Mehrheit der Menschen erarbeiteten Nominalwachstum einkassiert und dies nicht durch eigen wertschöpfende Arbeit erzielt, sondern auf Basis von Kapitalerträgen und diversen Verträgen.

Denken Sie doch einmal selbst nach:
Angenommen, Ihre Volkswirtschaft verzeichnet 2% Nominalwachstum bei 1,5% Inflation (gemäß Verbraucherpreisindex) und eine kleine Gruppe (als Teil jenes Nominalwachstums) verzeichnet über Jahre hinweg 20% Nominalwachstum (bei 1,5% Inflation).

Da jene (kleine) Gruppe mit 25%-1,5%=18,5% ihr Einkommen/Vermögen schneller als jene die Mehrheit bildende Gruppe mit 2,0%-1,5%=0,5% Einkommens-/Vermögenswachstum steigert und das Nominalwachstum nun einmal erarbeitet werden muss, wird dieses höhere Einkommens-/Vermögenswachstum der kleineren Gruppe aus mathematischen Gründen von der größeren (mehrheitsbildenden) Gruppe erwirtschaftet.

Gewisse Differenzen sind ok: Ein Ingenieur hat idR. mehr auf dem Kasten als jemand von der Müllabfuhr, aber wenn Einkommen primär aus Kapitaleinkünften besteht (also jemand anderes dafür arbeiten muss) oder -wie viele Manager-Gehälter der "guten Vernetzung" (also Korruption) geschuldet sind, dann wird ein Verweis auf eine angebliche Neiddebatte lächerlich:
Es geht dann nämlich um Rechtsstaatlichkeit und Demokratie und Lügen.

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