Forum: Wirtschaft
Plan der Kohlekommission: Kraftwerke im Westen sollen zuerst stillgelegt werden
imago/Rupert Oberhäuser

Bis 2030 soll der Großteil der deutschen Kohlemeiler vom Netz gehen. Das sieht der Abschlussentwurf der Kohlekommission vor, der dem SPIEGEL vorliegt. So soll der Ausstieg ablaufen.

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Esox_Lucius 23.11.2018, 13:18
10. Ich glaube wir übernehmen uns damit und gefährden unseren Wohlstand

Also mal kurz zusammengefasst bis 2030 sollen 37 Gigawatt konventionelle Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Bis 2035 dann nochmals 16 Gigawatt.
Heute (2018) haben wir in Deutschland 85,73 Gigawatt konventionelle Kraftwerksleistung. Da ist die Wasserkraft schon mutig dazugerechnet, obwohl es in den letzten Monaten fast nicht geregnet hat. Addieren wir noch die Biomasse (+7,41 Gigawatt) hinzu, kommen wir auf 93,14 Gigawatt. Die aktuell noch vorhandenen 9,52 Gigawatt Kernenergie stehen uns 2030 auch nicht mehr zur Verfügung. [Quelle: Fraunhofer ISE - https://www.energy-charts.de/power_inst_de.htm] Auch in einer sogenannten Dunkelflaute kommt noch ein bisschen was von den Erneuerbaren zusammen. Summieren wir diese mal auf 10 Gigawatt während der Dunkelflaute. Das ist ca. 2 Mal mehr als wir heute während einer Dunkelflaute erzeugen können. [Hier Zahlen aus dem Gedächtnis ohne Quelle]. In Summe als ca. 103 Gigawatt.
Wenn man von diesen Werten dann in der sogenannten Dunkelflaute erstmal 37 Gigawatt abzieht, haben wir eine verfügbare Leistung von 66 Gigawatt. Benötigt werden ca. 80 Gigawatt pro Tag [Quelle: Vortrag von RWE]. Wir hätten so eine Unterdeckung von ca. 14 Gigawatt. Wenn man denkt, dass die Industrie ca. 15 Gigawatt zur Stilllegung angemeldet hat. Wäre man schon bei eine Unterdeckung von kann 30 Gigawatt. Ok, einige der zur Stilllegung angemeldeten Kraftwerke würden so doppelt gezählt. Also reduzieren wir in unserer Überschlagsrechnung mal die Unterdeckung auf ca. 22 Gigawatt. Die müssten wir also bei französischen Atomkraftwerken und/oder bei polnischen und tschechischen Kohlekraftwerken zukaufen. Bitte auch bedenken, dass unsere Nachbarn ebenfalls Kohlekraftwerke stilllegen wollen.
Nicht das ich grundsätzlich gegen die Stilllegung von Kohlekraftwerken und den Ausbau der erneuerbaren Energien bin, aber ohne die vorhandenen Stromnetze (der Ausbau kommt kaum voran) und wirtschaftlich sinnvolle Stromspeicher im großen Maßstab, finde ich das ganze vorsichtig formuliert recht ambitioniert für ein Wirtschaftsstandort wie Deutschland. Privat wird mich das Problem kaum treffen, bis dahin habe ich eine große Solaranalage auf dem Dach und einen Batteriespeicher in der Garage. Das bisschen Strom, was ich dann noch zukaufen muss kann mir fast egal sein, selbst wenn der Strompreis bis dahin verdreifacht. Zudem kann sich unser Verbrauch von ca. 2750 kWh im Jahr bei vier Personen auch sehen lassen. Aber nicht jeder ist in einer solchen komfortablen Situation wie ich und kann sich alle Geräte mit A+++ kaufen. Auch die Industrie, die knapp 50 % der Energie „verbraucht“ (ja, man kann Energie nur Umwandeln) wird auch Probleme bekommen. Wo soll all die regenerative Energie verlässlich herkommen? Wenn wir dann alle noch Elektroautos fahren wollen… Natürlich werden wir Gaskraftwerke brauchen und bauen. Ob uns das aber in der notwendigen Geschwindigkeit gelingt, daran glaube ich nicht wirklich, wenn man sämtliche Bau- und Ausbaumaßnahmen in der Republik der letzten Jahre betrachtet. Ich befürchte für den Wohlstand im Land und für den Wirtschaftsstandort Deutschland sind die Pläne etwas zu ambitioniert. Hoffentlich behalte ich Unrecht.

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wolfi55 23.11.2018, 13:22
11.

Zitat von draco2007
Und was dann? Neue Gasturbinen bauen? Elektromobilität fördern und Atom/Kohlekraftwerke abschalten erscheint mir nicht sinnvoll. Außer dass wir an den Punkt kommen, an dem D Strom einkaufen muss und dann eben unsere Nachbarn die Atomkraftwerke bauen...
Wo werden denn Atomkraftwerke errichtet? In GB eins, in Frankreich eins und in Finnland. Das Problem ist, dass bei den Errichterfirmen (gibt ja eigentlich nur noch Framatome) kein Wissen mehr vorhanden ist um Atomkraftwerke zu bauen. Deswegen die Pannen und enormen Kosten. Ein AKW kostet wohl um die fünf Milliarden. Wie soll das Ding denn je wirtschaftlich Strom produzieren. Und auch China steigt da aus.

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neurather 23.11.2018, 13:24
12. Absolut naheliegend...

... dass der Ausstieg im Westen beginnt. Da laufen nun mal die ältesten und schlimmsten Dreckschleudern der Republik. Die von RWE immer noch betriebenen Blöcke der 300-MW-Klasse haben sogar schlechtere Wirkungsgrade als die zu DDR-Zeiten errichteten Blöcke im Osten. Und auch die Bllcke mit jeweils rund 600 MW im rheinischen Revier zählen zu den klima- und umweltschädlichsten Anlagen der gesamten deutschen Stromwirtschaft. Da scheint die Kommission auf dem richtigen Weg zu sein. Bleibt zu hoffen, dass es wirklich so kommt und zügig umgesetzt wird.

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Medienkritiker 23.11.2018, 13:25
13. Nun ja...

Das letzte Wörtchen beim Thema Abschaltung hat zum Glück die Bundesnetzagentur. Um die Ziele der politisch motivierten Kommission umzusetzen, ist der parallele rasche Ausbau der Netze sowie der Neubau von Gaskraftwerken zwingend erforderlich.
Es dürfte jedem klar sein, dass sich ohne Zusicherung fixer, langfristig garantierter Abnahmepreise niemand finden wird, der in den Neubau und Betrieb dieser Gaskraftwerke investieren wird...

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Spiegelleserin57 23.11.2018, 13:32
14. wenn durch die Abschaltungen im Westen ..

Zitat von k70-ingo
Dieses Problem ist in den westlichen Braunkohlerevieren vernachlässigbar. Das linksrheinische Dreieck Köln-Aachen-Mönchengladbach kann schon als Boomregion bezeichnet werden. Abgesehen davon sind die Arbeitsplätze im rheinischen Braunkohlerevier nur ein Bruchteil von den so gut wie völlig verschwundenen Stellen im Steinkohlebergbaus des Ruhrgebietes.
der Übergang im Osten erleichtert wird bin ich sofort dafür. Wer sich mal die Wirtschaftsveränderung im Osten nach der Wende angeschaut hat wird schon ein schlechtes Gewissen bekommen denn so ganz unschuldig ist die westliche Wirtschaft an den Problemen im Osten nicht!

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claudio_im_osten 23.11.2018, 13:33
15. Nicht zu Ende gedacht...

Hasselof ist der Meinung, seien Bürgern keinen Strukturwandel zumuten zu können. Gleichzeitig weiß er es am Besten: In seinem Bundesland stehen hohe Produktionskapazitäten für Windenergieanlagen, an denen viele Arbeitsplätze hängen - und der Ausbau der Windkraft wird wesentlich durch die bereits abgeschriebenen (und enorm umweltschädlichen) Kohlekraftwerke beschränkt. Und im Süden seines Bundeslands ist eine schon einmal aufgebaute Photovoltaik-Industrie mit einer beträchtlichen Zahl von Arbeitsplätzen schon überwiegend zerstört oder an Chinesen verkauft.
Sachsen-Anhalt ist gerade dabei, die gravierenden Fehler Nordrhein-Westfalens zu wiederholen: Dort sind über Jahrzehnte eneorme Gelder in die Aufrechterhalteung der sterbenden Kohlewirtschaft statt in den Ausbau der Zukunftsindustrie gesteckt worden - mit dem Ergebnis, dass das Ruhrgebiet inzwischen zum dauerhaft zu subventionierenden Armenhaus mit hoher struktureller Arbeitslosigkeit und defizitären Kommunen geworden ist, während im Süden der Republik die Wirtschaft ohne Ende boomt. Diese Idee will die CDU im Osten jetzt bis 2035 fortsetzen und dort viel Geld im Braunkohlebergbau und den zugehörenden Kraftwerken verbrennen. Klug ist das nicht - und nach vorne gedacht auch nicht.

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Spiegelleserin57 23.11.2018, 13:39
16. wir sind europaweit mit dem Strom vernetzt....

Zitat von Esox_Lucius
Also mal kurz zusammengefasst bis 2030 sollen 37 Gigawatt konventionelle Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Bis 2035 dann nochmals 16 Gigawatt. Bitte auch bedenken, dass unsere Nachbarn ebenfalls Kohlekraftwerke stilllegen wollen. Nicht das ich grundsätzlich gegen die Stilllegung von Kohlekraftwerken und den Ausbau der erneuerbaren Energien bin, aber ohne die vorhandenen Stromnetze (der Ausbau kommt kaum voran) und wirtschaftlich sinnvolle Stromspeicher im großen Maßstab, finde ich das ganze vorsichtig formuliert recht ambitioniert für ein Wirtschaftsstandort wie Deutschland. Privat wird mich das Problem kaum treffen, bis dahin habe ich eine große Solaranalage auf dem Dach und einen Batteriespeicher in der Garage. Das bisschen Strom, was ich dann noch zukaufen muss kann mir fast egal sein, selbst wenn der Strompreis bis dahin verdreifacht. Zudem kann sich unser Verbrauch von ca. 2750 kWh im Jahr bei vier Personen auch sehen lassen. Aber nicht jeder ist in einer solchen komfortablen Situation wie ich und kann sich alle Geräte mit A+++ kaufen. Auch die Industrie, die knapp 50 % der Energie „verbraucht“ (ja, man kann Energie nur Umwandeln) wird auch Probleme bekommen. Wo soll all die regenerative Energie verlässlich herkommen? Wenn wir dann alle noch Elektroautos fahren wollen… Natürlich werden wir Gaskraftwerke brauchen und bauen. Ob uns das aber in der notwendigen Geschwindigkeit gelingt, daran glaube ich nicht wirklich, wenn man sämtliche Bau- und Ausbaumaßnahmen in der Republik der letzten Jahre betrachtet. Ich befürchte für den Wohlstand im Land und für den Wirtschaftsstandort Deutschland sind die Pläne etwas zu ambitioniert. Hoffentlich behalte ich Unrecht.
Nicht die Panik schüren denn schon Frankreich laufen leider noch heute Atomkraftwerke und wir hängen an einem europaweiten Netz das viel zu viel Strom produziert. Der Strom ist auf Markt spottbillig. Wäre wirklich ein Engpass zu erwarten würde der Pries sofort in die Höhe schnellen was er aber in keiner Weise macht.
Die Preiserhöhungen kommen allein von den hiesigen Konzernen die kräftig mitverdienen wollen.
Auch im Hausdhalt kann man durchaus sparen wenn nicht alle Geräte im standby laufen würden.
Man kann in einem Einpersonenhaushalt mit 1400 KWh auskommen.
Übrigens gelten die so angepriesenen A+++ nur bei ganz bestimmten Voraussetzungen...meistens nur in Sparprogramm das nur selten jemand braucht.
Eine Einsparung sieht da deutlich anders aus.

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kpfeilst 23.11.2018, 13:49
17. Und man....

Zitat von tinnytim
Exakt das. Gaskraftwerke brauchen je nach Bauart nur 500-1000 bzw. 2000-4000 Jahresvolllaststunden, um rentabel arbeiten zu können, das wären mittelfristig die idealen Partner für volatile Erneuerbare Energien, solange es noch keine wirtschaftlich konkurrenzfähigen Speichermöglichkeiten gibt.
.....könnte dann die Abwärme der dann kleiner zu bauenden Gaskraftwerke in kommunale Wärmenetze einspeisen, also sollte auch KWK ordentlich ausbauen.

draco2007 soll sich mal die Strombilanz für Deutschland anschauen https://www.ag-energiebilanzen.de/ (auf Strommix clicken) denn dann relativiert sich gleich sein 'Strom aus nachbarlichen Atomkraftwerkeneinkaufssargument'........

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Cephalotus 23.11.2018, 13:52
18. Idiotisch

Haselhoff schadet seinem Bundesland. Wenn nicht jetzt Strukturwandel mit Vollbeschäftigung und vollen Kassen.... wann denn dann?

Jedes Warten macht es schlimmer, nicht besser.

Ausserdem ist sehr wahrscheinlich, dass garnicht die Politik entscheidet sondern der Zertifikatepreis. Die Lausitzer Kraftwerke könnten auch 2025 schon unprofital sein.

Was macht er dann? Ich würde die Milliarden vom BUND jetzt nehmen. Kohle zu verbrennen ist Technologie das 19. Jahrhunderts, nicht die Zukunft.

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ash26e 23.11.2018, 13:53
19. China steigt aus??

Zitat von wolfi55
Wo werden denn Atomkraftwerke errichtet? In GB eins, in Frankreich eins und in Finnland. Das Problem ist, dass bei den Errichterfirmen (gibt ja eigentlich nur noch Framatome) kein Wissen mehr vorhanden ist um Atomkraftwerke zu bauen. Deswegen die Pannen und enormen Kosten. Ein AKW kostet wohl um die fünf Milliarden. Wie soll das Ding denn je wirtschaftlich Strom produzieren. Und auch China steigt da aus.
Träumen Sie weiter. FR plant AKW´s der 4. und 5. Generation!

Aber um mal Ihre Kompetenz nachzufragen: Sie haben ein Windrad das auf eine bestimmte Windgeschwindigkeit ausgelegt ist.
Frage an Sie: Wieviele Windräder müssen Sie Z U S Ä T Z L I C H aufstellen um den Leistungsverlust bei halber Windgeschwindigkeit zu kompensieren???
Auf die Beantwortung meiner Frage bin ich gespannt.

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