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Polit-Chaos nach der Wahl: Italiens Tragödie, Italiens Farce
REUTERS

Der Wahlausgang in Italien war kein Betriebsunfall - er gehört zum zweiten Teil einer Tragödie: In den dreißiger Jahren zerstörte die Politik des Todsparens den Goldstandard, heute zerstört sie den Euro.

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rodolfo-castala 06.03.2013, 16:59
1. Typisch deutsch

die Euroskeptiker, die wie Münchau schreibt, gerade dabei sind, eine neue Partei zu gründen, aber noch gar nicht groß in Erscheinung getreten sind, werden von ihm schon als nationalistisch geprägt verunglimpft.

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NilsCA 06.03.2013, 17:01
2. Hauptsache der Euro geht

.. das mit dem Sparen kann sich dann jeder Volkswirtschaft selber aussuchen. Da in D ja auch nicht gespart wird sich Münchau weiterhin hier und dort wohlfühlen können.

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FreeEurope 06.03.2013, 17:02
3. Münchau hat das Prinzip der Euro-Rettung nicht verstanden....

Es muss so getan werden als ob gespart wird damit die Finanzmärkte weiterhin den Staaten zu günstigen Konditionen Geld leihen.
Würde man ganz offen die Geldschleusen öffnen würden die Zinsen massiv ansteigen - und die Staaten wären pleite.

Tatsächlich wird jedoch nicht gespart. Es wird massiv Geld gedruckt. Es werden Banken gerettet. Das wird verdeckt gemacht damit die Kleinsparer weiterhin ihr Geld in festverzinslichen Lebensversicherungen, Riester u. Rürup Renten anlegen.
Würde mit offenen Karten gespielt- es gäbe einen Bank-run: die Sparer würden ihr Geld abziehen und in Aktien u. Gold investieren.
Das Vermögen des Kleinen Mannes wird aber gebraucht um den Euro zu retten....

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fuchs008 06.03.2013, 17:02
4. Schmeisst Deutschland raus!

Es wird höchste Zeit, dass die Südeuropäer Deutschland aus der Euro-Zone schmeissen, damit endlich mit dem Sparen Schluss ist. (Ironie)

Mal ehrlich Herr Münchenau. Die jetzige Situation ist dadurch entstanden, dass in den letzten 20 Jahren ständig Schulden gemacht wurden, in allen Euroländern. Auch das, was Deutschland jetzt macht ist kein Sparen - es ist nur etwas weniger Neuverschuldung.
Klar kann man der Krise ein wenig gegensteuern indem die EZB immer mehr Geld druckt. 10% Inflation würden die Staaten sich etwas entlasten, gleichzeitig aber auch die Sparvermögen (für viele steckt da ein Arbeitsleben drin) entwerten.

Die sauberste Lösung wäre die Streichung aller Staatsschulden in der Euro-Zone, komplett. Aber das ist wohl zu nah am Sowjetkommunismus als dass man darauf hoffen dürfte.

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testthewest 06.03.2013, 17:05
5.

Zitat von sysop
Der Wahlausgang in Italien war kein Betriebsunfall - er gehört zum zweiten Teil einer Tragödie: In den dreißiger Jahren zerstörte die Politik des Todsparens den Goldstandard, heute zerstört sie den Euro.
"In beiden Fällen gab es ein System fester Wechselkurse, damals der Goldstandard, heute der Euro. "

Und dazwischen gabs noch das System von Bretton-Woods, dass starb übrigens nicht am kaputtsparen, sondern in Zeiten von Inflation.

Im Grunde starben all die Systeme fester Wechselkurse - weil sie eben systemimmanent falsch sind.
Solange nicht im Gesamten Währungsgebiet die gleiche Inflation, Besteuerung, Zinsen usw herrscht, sind feste Wechselkurse nicht auf Dauer zu halten.

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Andreasjilg 06.03.2013, 17:06
6. Ein echter Münchau !

Lieber Herr Münchau, die Fehler in ihren Analysen werden auch durch stetige Wiederholungen nicht besser. Nicht Angela die Vielgescholtene ist Schuld an der italienischen Misere, sondern die Politiker Italiens selbst. Sparen heisst nicht alles zu zerstören, sondern Mittel frei zu setzen für den Wiederaufbau. Das teuerste Parlament der Welt, nebst den vielen kleinen Duodezparlamenten in den Regionen müssen sparen. Alleine die staatliche Autoflotte kostet jährlich 2 Mrd. Euro. Die Geschwisterrente gehörte weg. Artikel 18 des Arbeitsgesetzbuches endlich überzeugend reformiert. Kostet gar nix.Eine aufgeblähte Verwaltung, mit z.B. 30.000 Forstbeamten in Sizilien ( ! ), müssen radikal verkleinert werden. Der Herr Regionalpräsident wird sich in Zukunft auch mit etwas weniger begnügen müssen. Vielleicht sogar weniger als Obama verdient. Natürlich wird seine Kaufkraft dann leiden. Ich hoffe der Einzelhandel in Palermo kommt trotzdem über die Runden. Sparen kann so schön sein !

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yovanka 06.03.2013, 17:06
7. Tja, das Kreuz mit der Demokratie...

Zitat von sysop
Die europäische Elite versteht die Welt nicht mehr...
"Der deutsche Michel ist stolz auf seine Wirtschaft. Die deutsche Wirtschaft schnurrt und fluppt wie ein geöltes Rädchen. Davon hat der deutsche Michel mit seinen Dumpinglöhnen, die zum Leben zu niedrig und zum Sterben zu hoch sind, zwar nichts. Aber wenn es den Boni-Empfängern gut tut, dann tut’s wahrscheinlich Deutschland gut. Und darauf kann man ja stolz sein. Das sollen uns die andern erst mal nachmachen!

Nun stellt sich aber dummerweise heraus, dass die andern uns gar nicht kopieren wollen. Das bringt den deutschen Michel mächtig auf. Er überschlägt sich geradezu. In Italien «schläft die Vernunft“, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung aus Rom [....]

«Warum bloss tun die Italiener sich und dem Kontinent das an», fragte die Süddeutsche Zeitung staatstragend und regierungsnah und träumte vermutlich mit vielen anderen Deutschen einen deutschen Traum von Stabilität, Reformen, Ordnung, Disziplin und all den andern Sekundärtugenden, die der deutsche Michel so sehr liebt, dass er dafür gelegentlich sogar die ganze Welt mit Krieg überzieht. Doch nun heisst es: «Aus der Traum. Nur jeder zehnte Italiener stimmt für Monti [...]

Und einer der deutschen Obermichels, der gelegentlich auch mal die Kavallerie in die Schweiz schicken möchte, um dort ebenfalls für deutsche Ordnung zu sorgen, war «geradezu entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben."

Es ist schon ein Kreuz mit der Demokratie. Zumindest aus deutscher Sicht. Es ist ja nicht das erste Mal, dass der deutsche Michel die Welt nicht mehr versteht. Erst wählen die Franzosen einen Herrn François Hollande, einen Linken, der ganz sicher den Euro gefährdet. Dann mault halb Europa über die guten Ratschläge und Anweisungen, die Berlin so grosszügig verteilt... Tja, und jetzt die Clowns in Italien.

Die sollten sich alle einmal ein Beispiel an Berlin nehmen. Dort sitzen – wie es sich gehört – überwiegend Studienräte und andere Beamte im Parlament, die sich risikolos von ihrem Arbeitsplatz beurlauben lassen können und ihren Anspruch auf den alten Job erst nach mehr als zwei Legislaturperioden (wenn die Pension eh gesichert ist) Abwesenheit verlieren können. Das sind ordentliche Volksvertreter und keine Clowns[...]

Was also tun mit den italienischen Clowns oder mit den Italienern? Man könnte sich ein Beispiel an Henry Kissinger nehmen, der einst aus dem für ihn so enttäuschenden Wahlsieg des Sozialisten Salvador Allende in Chile 1970 die Lehre zog: «Ich sehe nicht ein, dass wir zusehen sollten, wie ein Land als Folge der Unverantwortlichkeit seiner eigenen Bevölkerung kommunistisch wird. Die Angelegenheit ist viel zu wichtig, als dass man die Entscheidung darüber den chilenischen Wählern überlassen kann.» Also, Herr Steinbrück, wozu haben wir unsere Kavallerie?

Das Kreuz mit der Demokratie | Journal21 - Journalistischer Mehrwert

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echo0815 06.03.2013, 17:20
8. Heißt Animosität etwa, dass sich 2 völlig

diametral gegenüberstehende politische Lage soweit verbiegen müssen, dass sie ihre im Wahlkampf vertretene Interessen verraten, nur um eine fragwürdige Koalition zu bilden ?
Nur gut, dass dies Grillo abgelehnt hat. Das hat was mit politischer Ehrlichkeit und Konsequenz zu tun. In Deutschland undenkbar.
Sollten die Entwicklungen in Italien dazu führen, dass letztendlich der Euro crasht, dann dürften den Italienern tausende Danksagungen auch aus Deutschland sicher sein.

Ansonsten ein sehr treffender Kommentar.

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Spiegelkritikus 06.03.2013, 17:21
9. Alle Hoffnungen ruhen auf Italien

Ach Herr Münchau, seien wir doch froh, wenn es so kommt und Italien diese Totgeburt Euro endlich beerdigt! Dann können wir eine neue stabile und solide Nordwährung einführen und alles wird gut - auch für die Südländer.

Was Grillo fordert, ist nichts Geringeres als eine Revolution: Das Volk und die Demokratie sollen über das Kapital herrschen und nicht umgekehrt.
Diese Revolution ist für ganz Europa, ja die gesamte Welt notwendig!

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