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Power-to-Gas: Die verschleppte Energierevolution
Uniper

Wieder einmal: In Deutschland wird eine Zukunftstechnologie entwickelt - und dann überlässt man der Konkurrenz das Feld. Dabei könnte Wasserstoff aus Ökostrom helfen, Kohlekraftwerke überflüssig zu machen.

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100%erneuerbar 07.05.2019, 11:54
170.

Zitat von kaiser.friedrich
Jeder, der schon mal im UHV-Labor mit Wasserstoff gearbeitet hat, weiss wie schwer dieser zu handhaben ist, da die Moleküle so klein sind, dass sie selbst durch Stahlwände durch diffundieren. Es hat einen Grund, warum sich trotz der langen Verfügbarkeit von Wasserstofffahrzeugen, die sich nie in der breiten Masse durchgesetzt haben. Mal davon abgesehen rechne ich sowieso nicht damit, dass der SPIEGEL meinen Kommentar freigibt, also koennte ich mir das hier auch sparen.
Der größte Teil des deutschen Gasnetzes ist zwischenzeitlich für den Transport von Wasserstoff ertüchtigt. Außerdem gibt es bei den Gasnetzbetreibern durchaus Ingenieure, die wissen was sie tun. In den 60er Jahren sind Wasserstoffgetriebene Fahrzeuge auf dem Mond gefahren. Und Sie bezweifeln ernsthaft, dass das technisch geht? Setzen Sie sich doch mal in einen Toyota Mirai oder einen Hyundai Nexus. Die beiden Autos kann man anfassen, probefahren und kaufen.

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Aki174 07.05.2019, 11:55
171. Warum nicht wirtschaftlich? Die Antwort

Diese Frage ist so einfach zu erklären, wie der Umstand dass es so ist erschreckend ist. Das liegt nämlich an den Elektrolyseurkosten sowie an den Kosten für die Methanisierung. Diese Anlagen werden quasi von Hand einzeln gefertigt. Damit sprechen wir von Kosten allein für den Elektrolyseur von ca. 50.000,- € je 500 kW Leistung (bei einer alkalisch katalytischen Elektrolyse). Der Strom muss dabei möglichst konstant fließen und darf ein bestimmtes Maß nicht unterschreiten. Da ist diese Resteverwertung recht schwierig. Auch die Methanisierung selbst ist nicht günstiger zu haben. Als ich mich nach einem alternativen Verfahren zum klassisch chemischen verfahren erkundigt habe und über die Fa. Elektrochea gestolpert bin hatte ich anfangs Hoffnung, dass hier die Kosten geringer wären, da hier Bakterien CO2 und H2 zu Methan (CH4) umbauen. Leider war das Verfahren auch nicht günstiger.
Grundsätzlich sehe ich den Weg zum Erfolg darin eine industrielle Herstellung von Elektrolyseuren und Menthaniseuren zu betreiben, dann könnten diese Anlagen vorneweg um den Faktor 10 - eher mehr günstiger werden und dafür benötigte man Geld vom Bund, aber wie oben schon erwähnt, wenn man keine Ahnung hat, was soll dann auch richtig laufen. Natürlich sollte man auch alle Quellen zur Generierung von Gewinnen nutzen, so wird bei der Elektrolyse das H2 zwar genutzt, aber das daneben anstehende O2 in die Atmosphäre entlassen, anstatt es als chemischen Handelsstoff mit zu nutzen. Aber man stelle sich vor man bekommt nicht nur einen guten, nicht fossilen Rohstoff sondern man kann auch Industrie CO2, wie er in der Stahlbranche, oder in der Zementherstellung in vielen Millionen Tonnen je Jahr frei wird und die Umwelt belastet, wenn auch nur zeitweise binden. Auch das wäre ein beachtenswerter Anfang. Aber der Herr Wirtschaftsminister pumpt ja lieber die Milliarden in die Batterieindustrie, wo wir nur den Chinesen hinterherhecheln, ohne sie einholen zu können.

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tommirf 07.05.2019, 11:57
172. Klar

Zitat von helmut.alt
CO2 als Ausgangsmaterial für Methan zu verwenden ist thermodynamisch unsinnig, weil CO2 einen sog. thermodynamic sink darstellt (Endprodukt der Kohlenstoff-Verbrennung) und man deshalb enorm viel Energie aufwenden muss, um aus CO2 Methan herzustellen.
daß dieser Prozess nicht von alleine läuft, bis hierher stimme ich zu. Deswegen wird ja Energie hineingesteckt, eben in Form von Wasserstoff, das CO2 wird gespalten ( elektrisch und mit Hilfe von Katalysatoren ) und es entsteht ein höherenergetisches Endprodukt. Das hat mit Thermodynamik eben genau gar nix zu tun.

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misterknowitall2 07.05.2019, 11:57
173. Ok...

Zitat von kalumeth
Es hat erstmal überhaupt nichts mit Renditeanspüchen zu tun, sondern mit der schlechten Umwandlungswirkungsgraden bei der Wasserstoffphysik! Denn der energetische Gesamt-Wirkungsgrad von Wasserelektrolyse, Wasserstoffkompression/Verflüssigung/Speicherung sowie anschließender Energierückgewinnung im Gasmotor oder Brennstoffzelle liegt unter 10%. Und der lässt sich aufgrund der Physik auch nicht mehr wesentlich verbessern. Zum Vergleich liegt der Gesamtwirkungsgrad eines Akkuspeicher-E-Motor Zyklus' bei 60-70%. Das beantwortet die Frage nach dem Unsinn der Wasserstofftechnologie abschließend!
und warum ist der Wirkungsgrad bei einem kostenneutralen Rohstoff von Interesse? Ist doch egal, ob man aus einer kostenlosen, weil gerade überflüssigen, kwh Strom nur 10% nutzt. Besser als nichts würde ich sagen. Klar, damit kann man kein Geld verdienen, aber das war ja auch nur Altmeiers Idee.

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keine Zensur nötig 07.05.2019, 11:58
174. Mahlzeit -

schön dass es mal jemand gesagt hat.

All Klimaneurotiker und Windschlagmaschinen habe bisher keine schlüssige Antwort, was geschieht wenn Wind und Sonne mal Pause haben. Dazu kommt noch die sporadische und nicht gleichmäßige Verfügbarkeit. Alternativen? Ja - haben wir. Wollen wir aber nicht.

Diese Technologie kann garnicht gefördert werden. Sie würde autarke und regional begrenzte Stronmgewinnung ermöglichen. Der Alptraum einer reguluierungs- und überwachungswütigen Regierung und sämtlicher Stromerzeuger der Oberklasse.

Dass bei einem Stuttgarter Automobilunternehen seit Jahren Wasserstoffautos fahren - juckt keinen. Stattdessen blökt man nach "E", weil das vollkommen klimaneutral sein soll und nebenbei massiv die Umwelt zerstört - nicht bei uns.

Ich staune, dass SPON sowas überhaupt bringt. Tag gerettet.

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loreley123 07.05.2019, 12:00
175. Es ist wie so oft

in Deutschland: in der Forschung sind wir spitze, aber wenns zur Umsetzung kommt, bremsen Lobbyverbände, weil sich mit herkömmlicher Produktion (noch) mehr verdienen lässt. Und unsere Politiker folgen den Lobbyverbänden. Armes Deutschland. Solche Politik (-er) braucht kein Mensch. Außer den Lobbies.

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100%erneuerbar 07.05.2019, 12:00
176. 2 großtechnische Anlagen werden ja nun doch gebaut - mit Nebenwirkunge

Man wird in DE diese Anlagen schon in Kürze großtechnisch bauen - in Lingen/Emsland zum Beispiel. Aber es bauen nicht die Innovatoren, sondern man hat gewartet, bis man den Großkonzernen damit auf Kosten der Verbraucher die Taschen füllen kann. 10 Jahre lang wird es von der Regierung blockiert und außer ein paar Laboranlagen nicht viel zugelassen, weil es nicht effizient ist und dann stellen zwei große Konzern eine Antrag und schwupps sind alle Bedenken zerstreut und sogar Steuergesetze werden deswegen geändert. Wäre eine interessante Folgerecherche wert, lieber SPIEGEL, oder?

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_gimli_ 07.05.2019, 12:01
177.

Zitat von Hartmut Euler
Ich, Dr.-Ing. Hartmut Euler, pensionierter, ehemaliger Leiter der Energieabteilung in der Landesregierung von Schleswig-Holstein, gehöre zu denen, die dem Bundeswirtschaftsministerium seit 6 Jahren dringend raten, Power to Gas nicht zu fördern, da es reine Energieverschwendung ist, die Klimagasemissionen erhöht und genau den Strom abzweigt, den wir für die Verdrängung von Kohlestrom und für Klimaschutz benötigen. Dies habe ich auch in einem ausführlichen Aufsatz und in einer Präsentation zusammengestellt. Zu finden z.B. als Anhang einer Stellungnahme unter https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/Stellungnahmen/Stellungnahmen-Strom-2030/euler.pdf?__blob=publicationFile&v=4
Ich habe Ihre Stellungnahme gelesen und komme (als Dipl. Ing. für Kraftwerkstechnik) zum Schluss, dass Ihnen jeder Realitätssinn fehlt. Ich nehme an, Sie wissen, über welche Strecken maximal die Verteilung von Wechselspannung effizient umsetzbar ist? Die Umsetzung Ihres Zielkonzepts würde also eine europaweite Umsetzung von HGÜ-Netzen (Gleichspannungsübertragung, wie aktuell in Deutschland von Nord nach Süd angestrebt) und massive Abhängigkeiten zwischen den Regionen bedeuten. Neben den Kosten und Vorbehalten in der Bevölkerung (siehe aktuelle situation bzgl. Süd Link) würde sich Deutschland in komplette Abhängigkeit von ausländischen Speicherkapazitäten begeben und die Bereitstellung synthetischen Erdgases zur Substitution fossiler Brennstoffe im Bereich der Mobilität würde komplett ignoriert (E-Autos werden auf Basis aktuell verfügbarer Technologien zu max 50% dazu in der Lage sein, die Marktanforderungen abzudecken, nicht zu sprechen von Flugzeugen und Containerschiffen). "Das Netz ist der Speicher" ist ein cooler Marketing-Spruch, heißt aber nichts anderes, als dass es keine Speicher gibt und das Prinzip Hoffnung gilt, immer irgendwo im Netz der Versorger eine Quelle zu finden, die gerade dazu in der Lage ist, den benötigten Strom zu liefern, und das nicht wie heute regional, sondern in Grönland oder Island (siehe Seite 4 Ihres Vortrags). Ihre Ausführungen zum Flugverkehr setzen der Absurdität die Krone auf. Heute Flugzeuge sind also zu schnell und könnten bei niedriger Geschwindigkeit viel Treibstoff sparen. Sie wissen aber schon, was der Markt nachfragt? Und natürlich sind Aussagen der großen Energieversorger, dass eine Unterstützung der ausfallsicheren Stromversorgung auf Basis der Kernkraft optimal wäre, technisch richtig. Einfach mal einen Blick nach China werfen, wie ideologiefreie, rationale Konzeption einer zukunftsgerichteten Energieversorgung aussieht.

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Beat Adler 07.05.2019, 12:02
178. Die Hindenburg tankte 1937 Mitten im Atlantik Wasserstoff nach

Zitat von kaiser.friedrich
Jeder, der schon mal im UHV-Labor mit Wasserstoff gearbeitet hat, weiss wie schwer dieser zu handhaben ist, da die Moleküle so klein sind, dass sie selbst durch Stahlwände durch diffundieren. Es hat einen Grund, warum sich trotz der langen Verfügbarkeit von Wasserstofffahrzeugen, die sich nie in der breiten Masse durchgesetzt haben. Mal davon abgesehen rechne ich sowieso nicht damit, dass der SPIEGEL meinen Kommentar freigibt, also koennte ich mir das hier auch sparen.
Die Hindenburg tankte 1937 Mitten im Atlantik Wasserstoff nach, denn der veschwand unterwegs einfach. Schliesslich war die Explosion in Lakehurst gewollt. Oder so!

Wasserstoff ist tatsaechlich der einzige, lager -und transportfaehige Treibstoff, der beim Verbrennen keine CO2 auspustet.

Was sich in Zukunft z.B. beim Transportwesen durchsetzen wird, Wasserstoff, Synfuel oder Syngas Alles aus Wind oder Sonne, bleibt abzuwarten.

Nicht abwarten darf man/frau beim Umbau der Energiewirtschaft Sonne und Wind zu elektrischer Energie. Das ist die Ausgangsbasis. Weder die Sonne schickt eine Rechnung fuer das Scheinen noch der Wind fuer das Wehen.
mfG Beat

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adal_ 07.05.2019, 12:04
179. Hohler Holzweg

Zitat von martin281
...Statt Windkrafträder abzuschalten kann die Energie kostengünstig und in großen Mengen als Gas gespeichert werden!...
Wo kann "Energie kostengünstig und in großen Mengen als Gas gespeichert werden"? Von der Bundesregierung hört man zu dem Thema so schlaue Sätze wie: "Das Netz ist der Speicher..."

Fakt ist: Die Erzeugung überflüssigen Stroms wird auf breiter Front mit Milliarden subventioniert (vom Stromkunden), Speichertechnik ist noch nicht mal in Ansätzen vorhanden, geschweige denn, dass sie nennenswert gefördert wird.

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