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Privatinsolvenz: Nur acht Prozent schaffen den Sprung aus der Schuldenfalle
DPA

Die Bilanz der neuen Privatinsolvenz ist ernüchternd: Nur wenige Betroffene erreichen die Streichung ihrer Verbindlichkeiten. Dafür müssten sie in drei Jahren 35 Prozent ihrer Schulden tilgen - doch diese Hürde ist zu hoch.

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phillyst 17.01.2018, 08:58
1. Da fehlt eine Erkenntnis.

Viele Privatinsolvenzler haben einfach auch andere Probleme, nie gelernt mit Geld zu wirtschaften, haben psychische Probleme, beziehen Hartz 4 oder eine Kombination aus mehreren dieser Punkte - wenn dann noch eine Familie da ist o.ä. werden selbst 5000 Euro Schulden od. 65€ monatlich quasi unmöglich. Dann hat man noch die Fälle, in denen der Schuldner nicht schlecht lebt, weil alles der Lebensgefährtin/Tante oder sonstjemandem gehört... der hat gar kein Interesse, seine eventuell hohen Schulden zurück zu zahlen, wenn er es aussitzen kann. Letzteres ist sicher nicht die Mehrzahl (ich gehe mal davon aus, die Mehrheit der Schuldner würde wahrscheinlich liebend gern wieder Schuldenfrei sein), aber zusammen mit dem im Artikel beschriebenen Fällen dürfte das chon für 75% der Privatinsolvenzen zutreffen.

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duke_van_hudde 17.01.2018, 09:11
2. Das kann man auch anders sehen

Zitat von theanalyzer
Das Ziel der Privatinsolvenz darf nicht sein, Schuldnern den Weg aus den Schulden möäglichst komfortabel zu gestalten. Erstes Ziel muß es sein, diejenigen zu befriedigen, die der Schuldner durch sein Verthalten aktiv geschädigt hat. Sprich: möglicht viel Geld zurückzuzahlen. Es kann nicht angehen, dass sich der Schuldner nicht nur auf der sozialen Hängematte der Grundsicherung ausruht, sondern auch noch nach ein paar darbenden Jahren auf Kosten Anderer schuldenfrei wird.
, wenn man die Schulden niemals loswerden kann, dann wird man überhaupt kein Interesse mehr haben wirklich aktiv sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Tja und einen Schuldturm oder das man wegen Schulden in die Sklaverrei gerät wird es eh nicht mehr geben.

Ob die jetzige Lösung ein zu einfacherer Weg ist dadrüber kann man streiten, aber das es einen Weg geben muss aus den Schulden wieder rauszukommen halte ich für absolut richtig. Da ihn nur wirklich wenige schaffen ist der weg aber eh für viele nicht so einfach.

Was ich bei der ganzen Sache nur halt auch recht wichtig finden würde, wenn solche Menschen Angebote bekommen würden wo sie lernen was Zinsen bedeuten und wie man z.b. ein Haushaltsbuch führt.

Es gibt in Deutshcland viel zu viele Menschen die nicht mal 3 Monatsnettoausgaben als Reserve haben und ganz schnell in sehr grossen Problemen kommen wenn nur eine ganz kleine Sache schief laeuft. Ein Krankheit die z.b. mal länger als 6 Wochen dauert.

Hier sollte man eh überlegen ob die Schulen nicht etwas machen könnten. In Mathematik/Wirtschafts/Informatik Untericht könnte man sowas einbauen.

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taschenorakel 17.01.2018, 09:14
3. @theanalyzer - Irrtum

Sie gehen irrtümlicherweise davon aus, dass der Großteil der Schuldner alleinige Schuld an der Insolvenz trägt und die Gläubiger generell schuldfrei wären. In der Realität tragen die Gläubiger aber häufig eine Mitschuld: Inkompetenz, Gier, kriminelle Energie. Inkompetenz, indem unangemessen auf persönliche Schicksalsschläge des Schuldners reagiert wird. Statt den Kompromiss zu suchen und den Verlust zu beschränken, werden Anwälte und Inkasso-Unternehmen bezahlt, ohne dass die Schuld wesentlich beglichen wird. Gier, wenn auf absurde Provisionen schielend, Leuten viel zu teure Verträge aufgedrängt werden. Kriminelle Energie, wenn Banken, wie die Eurohypo per Gesetzeslücke korrekt bediente Kredite fällig stellen, Strafzinsen fordern und Sicherheiten verwerten, ohne die Restschuld zu mindern.

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iman.kant 17.01.2018, 09:19
4. Man könnte jetzt verleitet sein dem Autor zuzustimmen

und geneigt sein die Hürde als zu Hoch zu empfinden. Warum diese nicht senken? Wir haben in Deutschland vor der Jahrtausendwende dieses Verfahren eingeführt und es setzt einen enormen Durchhaltewillen voraus. Der Schuldner muss sein Leben umorganisieren und ist in 7 Jahren schuldenfrei. Die Banken bzw. Händler verlieren ihr Geld.
Wenn man jetzt dieses Verfahren noch mehr erleichtert fällt die "Erziehungsmaßnahme" weg. Schulden machen wird dann im Endeffekt noch belohnt. Das funktioniert in den Gedankengänge der Linken aber in einer sozialen Marktwirtschaft bestimmt nicht.

Finger weg von noch kleineren Hürden. Mir tut es Leid dass es viele unverschuldetete trifft (Krankheit / Arbeitslosigkeit / (Scheidung)...), dies könnte man ggf. mit angepassten Durchführungsrichtlinien mildern.

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c.kloss1 17.01.2018, 09:21
5. Richtiges Ziel

@ 1.: Die Realität zeigt, dass diese Schuldner nicht in der Lage sind irgendetwas zurückzuzahlen. Diese Perspektivlosigkeit führt halt zur Passivität. Wozu noch Arbeit suchen ? Wozu Nebenjob holen, wenn die Rate nichtmal die Zinsen abdeckt ? Ziel von Privatinsolvenzen ist es gerade diese Menschen die Perspektivlosigkeit zu nehmen und wieder die Möglichkeit zu geben, sich in der Gesellschaft zu engagieren, sich zu beteiligen. Man darf nicht vergessen, etwas zu Kaufen in dem Wissen, man kann es nicht zahlen, ist eine Straftat. Von daher ist ein Ausnutzen, dieser Reglung eher seltener.

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mrotz 17.01.2018, 09:24
6.

Zitat von duke_van_hudde
, wenn man die Schulden niemals loswerden kann, dann wird man überhaupt kein Interesse mehr haben wirklich aktiv sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Tja und einen Schuldturm oder das man wegen Schulden in die Sklaverrei gerät wird es eh nicht mehr geben. Ob die jetzige Lösung ein zu einfacherer Weg ist dadrüber kann man streiten, aber das es einen Weg geben muss aus den Schulden wieder rauszukommen halte ich für absolut richtig. Da ihn nur wirklich wenige schaffen ist der weg aber eh für viele nicht so einfach. Was ich bei der ganzen Sache nur halt auch recht wichtig finden würde, wenn solche Menschen Angebote bekommen würden wo sie lernen was Zinsen bedeuten und wie man z.b. ein Haushaltsbuch führt. Es gibt in Deutshcland viel zu viele Menschen die nicht mal 3 Monatsnettoausgaben als Reserve haben und ganz schnell in sehr grossen Problemen kommen wenn nur eine ganz kleine Sache schief laeuft. Ein Krankheit die z.b. mal länger als 6 Wochen dauert. Hier sollte man eh überlegen ob die Schulen nicht etwas machen könnten. In Mathematik/Wirtschafts/Informatik Untericht könnte man sowas einbauen.
>Es gibt in Deutshcland viel zu viele Menschen die nicht mal 3
>Monatsnettoausgaben als Reserve haben

Das kann aber nunmal zwei Gründe haben:

a) man gibt alles aus, wenn man etwas übrige hat
b) man verdient viel zu wenig, als dass man überhaupt etwas rücklegen könnte

Mitlerweile dürfte b) signifikant gestiegen sein im Vergleich zu vor 30 Jahren.

mfg

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stoffi 17.01.2018, 09:31
7.

Zitat von iman.kant
und geneigt sein die Hürde als zu Hoch zu empfinden. Warum diese nicht senken? Wir haben in Deutschland vor der Jahrtausendwende dieses Verfahren eingeführt und es setzt einen enormen Durchhaltewillen voraus. Der Schuldner muss sein Leben umorganisieren und ist in 7 Jahren schuldenfrei. Die Banken bzw. Händler verlieren ihr Geld. Wenn man jetzt dieses Verfahren noch mehr erleichtert fällt die "Erziehungsmaßnahme" weg. Schulden machen wird dann im Endeffekt noch belohnt. Das funktioniert in den Gedankengänge der Linken aber in einer sozialen Marktwirtschaft bestimmt nicht. Finger weg von noch kleineren Hürden. Mir tut es Leid dass es viele unverschuldetete trifft (Krankheit / Arbeitslosigkeit / (Scheidung)...), dies könnte man ggf. mit angepassten Durchführungsrichtlinien mildern.
Sie haben absolut Recht. Durch die lange Zeit, tritt auch ein Erziehungsefekt ein, den es nicht gäbe, würde man es leichter machen.
Ich habe das Elend in meiner eigenen Familie. Nachdem mein Sohn bei Hinz und Kunz auch nichts mehr bekam, die Tanten und Grosseltern ebenfalls NEIN sagten, ging er in die Privatinsolvenz. Seit fünf Jahren ist er bereits raus. Ja, die Verwandten werden auch nix wieder sehen, aber ich denke, er hat in den Jahren was gelernt.

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Thorkoch 17.01.2018, 09:34
8. Hürde anheben

Wer überschuldet eine Privatinsolvenz anmeldet, hat auf Kosten anderer gelebt, für deren Leistungen er die Gegenleistung nicht erbracht. Diese bleiben bei der Privatinsolvenz auf dem Schaden und den Kosten sitzen. Es müsste daher mindestens soviel zu erbringen sein, dass die Schuldner ihre Selbstkosten erhalten, dass dürften ca. 2/3 sein. 35 Prozent ist viel zu wenig.

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mrotz 17.01.2018, 09:42
9.

Zitat von iman.kant
und geneigt sein die Hürde als zu Hoch zu empfinden. Warum diese nicht senken? Wir haben in Deutschland vor der Jahrtausendwende dieses Verfahren eingeführt und es setzt einen enormen Durchhaltewillen voraus. Der Schuldner muss sein Leben umorganisieren und ist in 7 Jahren schuldenfrei. Die Banken bzw. Händler verlieren ihr Geld. Wenn man jetzt dieses Verfahren noch mehr erleichtert fällt die "Erziehungsmaßnahme" weg. Schulden machen wird dann im Endeffekt noch belohnt. Das funktioniert in den Gedankengänge der Linken aber in einer sozialen Marktwirtschaft bestimmt nicht. Finger weg von noch kleineren Hürden. Mir tut es Leid dass es viele unverschuldetete trifft (Krankheit / Arbeitslosigkeit / (Scheidung)...), dies könnte man ggf. mit angepassten Durchführungsrichtlinien mildern.
In England dauert es 1 Jahr, und die fahren gut damit.

Es ist ja überhaupt nicht so, daß die Leute es zwingend drauf anlegen, Privatinsolvent zu werden.
Es ist auch eine Minderheit, die durch Geld verprassen in diese Situation kommen.

Angenommen, Sie hatten ein Mittelständisches Unternehmen, das vielleicht auch Umsätze hatte, aber eben auch noch Kredite. Die sind dann gut und gerne in der Größenordnung, die man in Millionen Euro misst. Oft verlangen die Banken, daß der Geschäftsführer/Inhaber für diese Kredite persönlich haftet.

Nun haben sie eine gut gehende Firma im Jahre 2008. Finanzkrise. Banken brauchen dringend Cash. Also was macht man? Man kündigt die Kreditlinie. Plötzlich muss also der Geschäftsführer des Mittelständischen Unternehmens eine Million irgendwo auftreiben, alle Einkünfte gehen an die Bank und Liefranten können nicht mehr bezahlt werden.
Es herrscht Finanzkrise. Niemand gibt Kredite.
-> Insolvenz aus heiterem Himmel. -> Privatinsolvenz. 7 Jahre Siechtum. Und das für was? Dass man Arbeitsplätze schafft?

Wie dem Leben der Tod inhärent beiwohnt, ist auch mit jedem Unternehmen die Insolvenz inhärent. Dem muss man sich einfach bewusst sein.
Und in einem Land in dem eine Insolvenz als extremer Makel empfunden wird und jeder meint, daß das nur passieren kann, wenn man doof ist, nie mit Geld umgehen konnte und sowieso Hasadeur sei,
sollte man sowohl weder ein Unternehmen gründen, noch einen Kredit aufnehmen.

Wer hier doch ein Unternehmen gründen will und sich die ganze unnütze und teure Bürokratie antun möchte, sollte niemals einen Kredit aufnehmen.

mfg

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