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Privatinsolvenz: Nur acht Prozent schaffen den Sprung aus der Schuldenfalle
DPA

Die Bilanz der neuen Privatinsolvenz ist ernüchternd: Nur wenige Betroffene erreichen die Streichung ihrer Verbindlichkeiten. Dafür müssten sie in drei Jahren 35 Prozent ihrer Schulden tilgen - doch diese Hürde ist zu hoch.

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stefanp-a-spiegel.de 17.01.2018, 10:08
30. Artikel ist irreführend: praktisch alle erlangen Restschuldbefreiung

Praktisch alle Menschen verlassen das Insolvenzverfahren nach 5-bzw. 6-jähriger Wohlverhaltensperiode mit einer Restschuldbefreiung – ganz egal wie viel sie abbezahlt haben (§ 300 Abs. 1 S. 2 Nr. 3 InsO bzw. § 300 Abs. 1 S. 1 InsO). Das ist seit der Einführung der Insolvenzordnung mit Restschuldbefreiung 1999 so.
In diesem Artikel geht um es die neuerdings eingeführte Möglichkeit der Verkürzung der Wohlverhaltensperiode auf 3 Jahre, wenn eine Quote von 35% getilgt wurde (§ 300 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 InsO). Dann wird Restschuldbefreiung schon nach drei Jahren erteilt, und das Insolvenzverfahren endet.

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cabeza_cuadrada 17.01.2018, 10:12
31. Super-Gau für das kapitalistische System

Zitat von oldman2016
Ich denke, man kann nicht alle überschuldeten Mitbürger über einen Kamm scheren. Oft sind Arbeitslosigkeit wegen Schließung oder Verlegung des Betriebes oder eine Erkrankung mit anschließend geringerem Einkommen (Krankengeld, Hartz IV) die Ursache. Was wollen eigentlich Mieter machen, die gerade so mit ihren monatlichen Raten klarkommen und dann flattert die Mieterhöhung ins Haus? Oder was soll der Rentner machen, der für seine paar Euro auf dem Sparbuch seit Jahren keine Zinsen mehr bekommt? Auf der anderen Seite steht das Rentnerehepaar, das einen Großteil ihres Lebensunterhaltes aus den Mieteinnahmen der Einliegerwohnung im abbezahlten Haus bestreitet und die Mietausfälle wirtschaftlich nicht verkraften kann. Ich habe keine Patentlösung für die Bewältigung des Problems der Überschuldung. Natürlich könnte jeder sich entschließen, nur noch das zu kaufen, was man sich leisten kann und auf gar keine Fall auf Pump. Ich sage aber voraus, dass dieses konsequente Verhalten viele Arbeitsplätze kosten wird. Das wäre der Super-Gau für das kapitalistische System.
So pervers wie es ist. Aber natürlich haben sie recht. Der perfekte Bürger in diesem System gibt seinen kompletten Monatslohn komplett aus. Mehr noch, er steckt bis zum Hals im Dispo und kauf sich dazu noch soviel wie möglich auf Ratenkredit. Auch um das voranzutreiben wurde H4 und der geringe Selbstbehalt eingeführt. Es soll sich schlicht nicht lohne zu sparen. Auch für das Alter soll nur so vorgesorgt werden, dass der Staat am Ende etwas (als Einziger) davon hat. (Riester) Wer hingegen in Aktien und Fonds investiert wird (mit seinem VERSTEUERTEN Einkommen), wird erneut mit 25 Abgeltungssteuer zur Kasse gebeten. Es ist schlicht nicht gewollt. Besser alles raushauen und dann von der Grundsicherung leben, so verhält sich der "perfekte" Bürger!

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jschm 17.01.2018, 10:17
32. unterschiedliche Typen von Insolvenz

1) unverschuldet durch Schicksalsschläge wie Krankheit, Scheidung, etc. Hier muss eine tragbare Lösung gefunden werden und das sollte auch durch das allgemeine Geschäftsrisiko de Gläubiger abgedeckt sein. Es bringt doch niemandem etwas einen 50 jährigen in den Bankrott zu treiben bis er sich einen Strick besorgt.
2) verantwortet v.a. durch Ausgaben über die finanziellen Möglichkeiten hinaus: Konsumentenkredite, reisen Möbel, Handy auf Punp, etc. In diesen Fällen trifft aber auch die Gläubiger eine erhebliche Mitschuld, wenn sie Menschen mit geringer Solvenz immer neue Kredite gewähren. Wozu gibt es Auskunfteien? Die Banken müssen auch mal klipp und klar sagen, dass es keinen zusätzlichen Kredit gibt bis die Altschulden beglichen sind. Aber da ist die Gier nach Provisionen am Bankschalter zu groß und beim ersten Problem wird der Kredit an Inkassofirmen verkauft, die den Schuldner dann richtig fertig machen.

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StefanXX 17.01.2018, 10:24
33. So einfach ist es nicht

Zitat von taschenorakel
Sie gehen irrtümlicherweise davon aus, dass der Großteil der Schuldner alleinige Schuld an der Insolvenz trägt und die Gläubiger generell schuldfrei wären. In der Realität tragen die Gläubiger aber häufig eine Mitschuld: Inkompetenz, Gier, kriminelle Energie. Inkompetenz, indem unangemessen auf persönliche Schicksalsschläge des Schuldners reagiert wird. Statt den Kompromiss zu suchen und den Verlust zu beschränken, werden Anwälte und Inkasso-Unternehmen bezahlt, ohne dass die Schuld wesentlich beglichen wird. Gier, wenn auf absurde Provisionen schielend, Leuten viel zu teure Verträge aufgedrängt werden. Kriminelle Energie, wenn Banken, wie die Eurohypo per Gesetzeslücke korrekt bediente Kredite fällig stellen, Strafzinsen fordern und Sicherheiten verwerten, ohne die Restschuld zu mindern.
Das ist falsch und da machen Sie es den Schuldnern aber schon ein bisschen arg einfach. Bis auf wenige Ausnahmen, wo man sagen kann das ist wirklich dumm gelaufen und/oder ein Schicksalsschlag, liegt natürlich die alleinige oder ganz überwiegende Schuld beim Schuldner. Die Gründe, die Sie aufzählen, sind alle nicht stichhaltig. Die Inkompetenz eines anderes führt noch lange nicht dazu dass ich mich verschulde. Das passiert erst, wenn dazu auch noch meine eigene Inkompetenz kommt, und die habe nur ich zu vertreten. Ebenso ist es mit Gier, nur weil ein anderer gierig ist heißt das noch lange nicht dass ich mich deswegen verschulden muss. Es mag schon sein dass der ein oder andere Berater aus Gier jemanden zweifelhafte Verträge aufdrängt und dagegen sollte man auch vorgehen. Aber da kann ich nur sagen: Wenn Sie so einen Vertrag dann unterzeichnen, sind trotzdem Sie selbst Schuld. Wissen Sie manche Leute verwenden jeden Monat Stunden dafür um zu schauen wo es den Joghurt noch mal um 2 Cent billiger gibt, aber wenn es um teilweise erheblich finanzielle Summen im fünfstelligen Bereich geht, dann wird dem nächstbesten Berater einfach blind vertraut ohne sich zumindest mal für ein paar Stunden die Mühe zu machen sich mit dem Thema zu beschäftigen. Und ein paar Stunden, in denen man sich z.B. im Internet mal schlau macht und/oder seinen gesunden Menschenverstand einschaltet und/oder Angehörige fragt und/oder sich weitere Angebote einholt, reichen in den allermeisten Fällen um nicht Opfer von solcher Gier zu werden. Im übrigen liegt die Gier oftmals auch zusätzlich auf Seiten des Schuldners und wenns dann schief geht will man es nicht gewesen sein. Und zum Thema kriminelle Energie: Wir leben in einem funktionierenden Rechtsstaat, wenn jemand Opfer eines Verbrechens wurde, dann kann er dagegen juristisch vorgehen. Siehe z.B. die erfolgreiche Klagewelle gegen falsche Bankberatung, in der nicht auf Risiken hingewiesen wurde. Also, bitte nicht so einfach alles auf die anderen abschieben. Jeder ist in erster Linie zunächst mal selbst für sich verantwortlich.

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Jacek G 17.01.2018, 10:44
34.

Finde ich interessant, dass einige echt denken nur der Verbraucher sei schuld. Habt ihr keine Kreditkarte? Als in der Ausbildung plötzlich meine von Guthabenkarte auf 1500? Verfügungsrahmen umgestellt wurde, habe ich mich gewundert. Mit einem Mal plötzlich 1500?? Direkt wieder umgestellt auf Guthaben und zwei Monate später gab's auf einmal 3000? Verfügung. In der Ausbildung, die nicht einmal meine Miete getragen hat, war das wie bares Geld. Hätte mich die Firma nicht direkt übernommen, dann hätte ich wohl Probleme gekriegt. Dabei hatte ich nie darum gebeten überhaupt einen Verfügungsrahmen zu haben.

Wer glaubt die Firmen wollen dir Leute nicht melken bis sie Insolvent sind, der ist mehr als naiv. Ich will gar nicht wissen wie viele Verträge, Kreditkarten, Kredite und Ratenzahlungen an Leute gehen, die sich das ganz deutlich nicht leisten können.

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mrotz 17.01.2018, 10:52
35.

Zitat von shakshirak
Der Artikel klingt so, als hätten Schuldner ein Anrecht darauf, möglichst schnell schuldenfrei zu werden. Hier wird das Regel-Ausnahmeverhältnis verkannt. Der Regelfall ist Restschuldbefreiung nach sechs Jahren. In Ausnahmefällen kann dies früher erfolgen. Aber dazu müssen außergewöhnliche Umstände vorliegen. Man kann jetzt darüber streiten, ob 8% zu viel oder zu wenig sind. Jedenfalls sollte es nie das Ziel gewesen sein, der Mehrheit der Schuldner bereits nach drei Jahren eine Restschuldbefreiung zu gewähren.
Die Volkswirtschaft hat ein Anrecht darauf, daß ein Schuldner nach Verwertung des Vermögens möglichst schnell Schuldenfrei ist!

Jeder der meint, man müsse nur hart genug nachtreten um Überschuldung zu verhindern, verkennt den Gesamtwirtschaftlcihen schaden.

Die Engländer sind da schlauer und fahren recht gut mit der einjährigen Privatinsolvenz.

mfg

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cabeza_cuadrada 17.01.2018, 10:56
36. Naiv

Zitat von Jacek G
Finde ich interessant, dass einige echt denken nur der Verbraucher sei schuld. Habt ihr keine Kreditkarte? Als in der Ausbildung plötzlich meine von Guthabenkarte auf 1500? Verfügungsrahmen umgestellt wurde, habe ich mich gewundert. Mit einem Mal plötzlich 1500?? Direkt wieder umgestellt auf Guthaben und zwei Monate später gab's auf einmal 3000? Verfügung. In der Ausbildung, die nicht einmal meine Miete getragen hat, war das wie bares Geld. Hätte mich die Firma nicht direkt übernommen, dann hätte ich wohl Probleme gekriegt. Dabei hatte ich nie darum gebeten überhaupt einen Verfügungsrahmen zu haben. Wer glaubt die Firmen wollen dir Leute nicht melken bis sie Insolvent sind, der ist mehr als naiv. Ich will gar nicht wissen wie viele Verträge, Kreditkarten, Kredite und Ratenzahlungen an Leute gehen, die sich das ganz deutlich nicht leisten können.
Naiv ist ja wohl der, der meint der Verfügungsrahmen einer Kredikarte oder Höhe eines Dispositionskredits ist "Guthaben". Es handelt sich eben nicht um bares Geld. Ist das so schwer zu verstehen? Ich habe und werde nie etwas auf Pump kaufen. Was man nicht bezahlen kann, dass kann man sich eben auch nicht leisten. Abgesehen vielleicht von einer selbstgenutzten Immobilie. Da macht es tatsächlich keinen Sinn vielleicht bis zurm Renteneintritt zu sparen und sich dann ein Eigenheim zuzulegen.

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sotomajor 17.01.2018, 11:00
37. Die Vollstrecker

Das Vollstreckungsrecht und alle Gesetze dazu in Deutschland gehören überarbeitet. Es geht schon los mit den unzähligen Auskunfteien, das ist einmalig in dieser Welt. Dann die Praxis Vollstreckungstitel, nachdem klar ist das die nicht eingetrieben werden können, an andere weiter zu veräussern. Das ist ein Skandal was da in Deutschland möglich ist. So werden erneut Kosten Zinsen und Gebühren fällig, die oft eine Hauptschuld um das doppelte übertreffen. Und sogar die Verjährungsfrist von 30 Jahren für die Titel kann als Witz betrachtet werden und es ist nur eine einzige Mahnung vor Ablauf dieser Frist nötig. Was für dumme Gesetze in Deutschland, wo ein Gesetz schon das andere aushebelt!

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dedroog 17.01.2018, 11:04
38. lieber jemanden fahrlässig töten...

...als Geld nicht zurückzahlen zu können. Die "Strafe" der Geldschuld steht in keinem Verhältnis...und sowas in Zeiten, in denen Geld massenhaft gedruckt und verschleudert wird... Das englische System ist menschlich, angemessen und funktioniert!

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jhea 17.01.2018, 11:08
39. wenn jemand mit...

65 und Eigenheim seine Schulden nicht abbezahlen kann, dann muss er halt sein Eigenheim verkaufen.

Ich sehe das Problem nicht.
Vlt kann mir hier jemand eine andere Perspektive geben...?

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