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Reaktionen auf Treffen von Juncker und Trump: "Kein richtiger Deal"
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Beim Treffen mit EU-Chef Juncker machte der US-Präsident überraschend Zugeständnisse. Doch was ist von den Verhandlungsergebnissen zu halten? Die Reaktionen aus Wirtschaft und Politik im Überblick.

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cup01 26.07.2018, 10:18
1. Lassen wir Trump doch allein zum Abgrund gehen

Für die EU wäre es Sinnvoller mit den BRICS Staaten Handelsabkommen zu schließen, als den USA hinterher zu laufen. Wir können Rohstoffe und Nahrungsmittel von Trump kaufen, aber die amerikanischen Produkte bleiben schlecht. Da wird es auch ohne Zölle schwer ein Handelsdefizit auszugleichen.

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theodtiger 26.07.2018, 10:28
2. Ergebnis nüchtern betrachtet

Nüchtern betrachtet hat keine Seite substantielle Zugeständnisse gemacht, aber es wurde - vorerst - vermieden, in einen Handelskrieg hinein "schlafzuwandeln".
Zur EU: Es ist schon sehr lange energiepolitische Strategie der EU, die Energieimporte zu diversifizieren und insbesondere beim Gas von Pipeline-Gas unabhängiger zu werden und mehr Flüssiggas aus verschiedenen Quellen zu beziehen. Dies vor dem Hintergrund der Gasabschaltungen in 2006 und 2008 (mitten im kalten Winter) infolge des Transitkonflikts zwischen Russland und Ukraine (Bulgarien und die Slovakei waren wochenlang betroffen). Seitdem gibt es Nordstream1 (2 ist im Bau) - (das umgeht die Ukraine), es wurde sichergestellt, dass Gas auch von West nach Ost transportiert werden kann und es wurden eine Reihe von Flüssiggasterminals gebaut. Neben Lieferungen aus Kuwait und Südostasien macht es auch Sinn, US Gas zu beziehen (solange in einer Marktwirtschaft der Preis stimmt - mehr Wettbewerb zwischen Anbietern ist jedenfalls gut für die Verbraucher). Schließlich hat die EU auch eine dezidierte Klimapolitik und da ist die Kohleverstromung (massiv insbesondere in Polen und Deutschland) ein Hindernis. Gerade die Polen produzieren ihren Strom ganz überwiegend aus Kohle und lehnen Gas stattdessen vehement ab, weil es aus Russland kommt. Kommt es von den USA, sieht die Sache anders aus. Beim Flüssiggas gibt es also kein EU Zugeständnis, das irgendwie weh täte, sondern es passt in verschiedene EU Politiken. Auch bei Sojaimporten ist die Sache ähnlich. Wir haben derzeit eine Dürre und müssen gerade bei Futtermitteln mit geringen Erträgen und einer Verknappung des Angebots rechnen. Nehmen wir dann eben mehr US Soja, den wir sowieso schon sehr lange importieren.
Gut, alles steht unter dem Vorbehalt einer sprunghaften Persönlichkeit, die die Sache auch wieder kippen kann, wenn die technischen/politischen Vorbereitungen für Autozölle abgeschlossen sind. Aber was ist die Alternative? Gleich in den Handelskrieg - oder die Zeit für sich arbeiten lassen. Trump wird früher oder später das Weisse Haus verlassen. Und Zeit zu gewinnen ist das, was die EUHandelsprofis (die dies schon seit Jahrzehnten für die Mitgliedstaaten tun) zumindest erreicht haben. Dazu die Aussicht, dass doch noch über ein Handelsabkommen mit den USA verhandelt wird - mit Zollsenkungen für Industriegüter (nicht Agrarprodukten).

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hegri 26.07.2018, 10:38
3. Ein positiver Schritt

Dafür, dass es vor dem Treffen hieß, Herr Juncker habe nichts substanzielles anzubieten ist am Ende mehr herausgekommen, als man erwarten durfte. Natürlich weiß niemand, ob und wenn ja was im Kopf des gelben Mannes vorgeht. In dieser Hinsicht ist man vor Überraschungen nicht sicher. Daher ist es unzulässig von einem wenig gesicherten Verhandlungsergebnis zu sprechen nur weil niemand im Umfeld des US-Präsidenten in der Lage diesem Mann mal für ein paar Tage das Mobiltelefon wegzunehmen. - Allerdings weiß auch ich nicht, wer all das teure Flüssiggas letztlich bezahlen und das „genetisch optimierte“ Soja essen soll.

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christerix 26.07.2018, 10:49
4. Man lernt nicht dazu ...

Schade, dass sich solche europäischen Politiker immer wieder um den Finger wickeln lassen. Langsam müssten die doch wissen, dass sie für Trump nur Mittel zum Zweck sind. Sie reagieren ... und er weiß, wie sie reagieren und welchen Hebel man betätigen muss, um sie seinen Willen tun zu lassen. Sie wollen es in ihrem Wunschdenken aber nicht wahr haben wollen.
Wenn ich an anderer Stelle lese, dass die EZB kaum noch Mittel hat, dann frage ich mich, wie inkompetent diese Entscheidungsträger sind, dass "Europa" samt Währung und Wirtschaft für sie offenbar einfach nur ein Experiment ist.
Was wird das jetzt für ein Abkommen? TTIP durch die Hintertür? Fallende Kontrollen? Tja, dann bekommen die USA das, was sie schon immer wollten: Ungebremsten Zugang zum europäischen Markt.
Man hätte die USA einfach unter Druck setzen können - wenn Russland, Chins und Europa zusammengehalten hätten gegenüber den US-Sanktionen und US-Vertragsbrüchen. Aber nein, lieber leckt man wieder die Schuhe - zumindest sind es ja US-Schuhe.

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K.Hexemer 26.07.2018, 10:49
5. Juckers neue Kleider . . .

Der Gewinner ist Trump! Nicht dass ich ihn mag, aber objektiv hat er mit seinen potemkinschen Dörfern die EU an den Verhandlungstisch gezwungen und zwar mit substantiellen Themen. Einfuhrzölle auf Autos? Aktuell sind die Einfuhrzölle für amerikanische Autos in die EU höher als umgekehrt! Das ist jetzt Thema! Juncker wird erklären müssen wie er die Einnahmeausfälle der EU (Zoill = EU Einnahme) zu kompensieren gedenkt! Sparen? Wohl eher nicht! Wer zahlt? Dreimal dürfe sie raten.

Was ist mit den Agrarsubventionen, die auf der Liste der unfairen Handelspraktiken stehen? Da ist Frankreich wohl das größte Problem!

Und wer importiert das Soja, das Juncker versprochen hat? Wie war das mit den Gen-Manipulierten Produkten in EU-Land?

Juncker hofft sich wohl mit diesem "Kompromiss" über die Runden seiner restlichen Amtszeit zu retten, das ist der ganze "Erfolg". Ob Trump mitspielt???

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Beat Adler 26.07.2018, 10:52
6. Erdgas

Zitat von hegri
Dafür, dass es vor dem Treffen hieß, Herr Juncker habe nichts substanzielles anzubieten ist am Ende mehr herausgekommen, als man erwarten durfte. Natürlich weiß niemand, ob und wenn ja was im Kopf des gelben Mannes vorgeht. In dieser Hinsicht ist man vor Überraschungen nicht sicher. Daher ist es unzulässig von einem wenig gesicherten Verhandlungsergebnis zu sprechen nur weil niemand im Umfeld des US-Präsidenten in der Lage diesem Mann mal für ein paar Tage das Mobiltelefon wegzunehmen. - Allerdings weiß auch ich nicht, wer all das teure Flüssiggas letztlich bezahlen und das „genetisch optimierte“ Soja essen soll.
Erdgas wird gemaess Vertraegen durch PRIVATfirmen untereinander gehandelt. Wenn LNG aus den USA inklusive Transport billiger ist, wie Erdgas von sonstwoher, dann werden entsprechende Liefervertraege abgeschlossen.

Trump darf sein Erdgas (und Soja) solange subventionieren, bis es inklusive Transport pro Tonne billiger ist wie russisches Erdgas von Gazprom, er darf kommunistisch-artig agieren, das interessiert hier auf der anderen Seit des Atlantiks wenig. Hauptsache die Preise stimmen und die Lieferungen erfolgen in der Menge und in den Zeitperioden gemaess Vertrag.

Fuer die Erdgaseinkaeufer in der EU ist es gut einer "sowohl-als-auch" Strategie zu folgen: Genuegend Pipelinekapazitaet fuer Erdgas aus Russland, Nordafrika, dem Mittelmeer, der Nordsee PLUS LNG Entladeterminals fuer Erdgas aus den USA, Qatar und Afrika.

Erdgas ist eh nur noch kurzfristig wichtig. In den kommenden 10 bis 25 Jahren wird kein Erdgas und kein Erdoel mehr gehandelt. Das Verbrennen in den Verbraucherlaendern kostet dann viel zu viel.
mfG Beat

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Beat Adler 26.07.2018, 10:54
7. Trump tritt in Obamas Schuhe: Er will TTIP nun doch auch!

Trump tritt in Obamas Schuhe: Er will TTIP nun doch auch!

Es gibt dabei zwei Probleme:

1. Obamas Schuhe sind viel zu gross fuer Trump

und

2. Die Trump Politik des "America first" verhindert jedes internationale Abkommen mit den USA von Vorne herein.

Wenn Trump sein unsaegliches "America first" aufgibt, denn der Rest der Welt akzeptiert nie "second" oder gar "last" zu sein, verliert er endgueltig seine Anhaengerschaft.
mfG Beat

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marco.zentgraf 26.07.2018, 11:06
8.

Zitat von hegri
Allerdings weiß auch ich nicht, wer all das teure Flüssiggas letztlich bezahlen und das „genetisch optimierte“ Soja essen soll.
Bezüglich des verflüssigten Erdgases (Flüssiggas ist LPG) gibt es doch recht viele wenn/dann (zunächst weitere Terminals bauen, in D wohl Brunsbüttel. In den USA und anderen Ländern LNG kaufen, bevorzugt USA - aber nur wenn der Preis wettbewerbsfähig ist).

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cougar60 26.07.2018, 11:14
9. Was für ein Erfolg,

oder Sprechblasen in Form von bloßen Absichtserklärungen werden als Erfolg gefeiert. Wenn Trump erzählt. die Eu werde fast umgehend riesige Mengen an Soja und Flüssiggas kaufen, sorry aber was der Mann täglich für einen Blödsinn absondert, nur um sich als Donald Superstar zu feiern. Da rollt es einem die Zehennägel auf. Wobei sich ja selbst bei diesem relativ mickrigen Gesprächergebnisse viele bereits fragen. Ob man den Erklärungen von Trump überhaupt trauen kann, oder ob Morgen nicht alles schon wieder ganz anderst ist.

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