Forum: Wirtschaft
Referendum in der Schweiz: Warum wir das Grundeinkommen für eine gute Idee halten - o
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Am Sonntag entscheiden die Schweizer über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Wir haben sechs Prominente aus Politik und Ökonomie gefragt: Wie halten Sie es mit dem Grundeinkommen - und warum?

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fitzefatz 05.06.2016, 15:52
630. Leistungslos

Selbst habe ich zum Thema BGE noch keinen eindeutigen Standpunkt gefunden, finde es aber albern, wie eindimensional teilweise das Thema von so manchem beleuchted und somit vom Tisch gewischt wird. Ganz nach der Manier "Na, wenn das BGE eingeführt wird, nehm ich am nächten Arbeitstag sofort meinen Hut" wird es wohl nicht kommen. Das hängt einerseits vom menschlichen Wesen ab, das, ohne es wirklich auszuprobieren, nur schwer zu durchauen ist, andererseits gibt es viele unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten des BGE, die sich massiv auf dessen Wirkung und Finanzierbarkeit auswirken... Nur eines von meiner Seite: Da kritisiert doch tatsächlich der Hüther vom IW, dass es sich hierbei um "leistungsloses" Einkommen handeln würde. Er weiß aber schon, was für Unsummen an leistungslosem Kapitaleinkommen in die Hände weniger Vermögender in unserem Wirtschaftssystem fließen, oder? Dann hoffe ich auch sehr, dass dieser Herr in seinem Amt dafür kämpft, dass diese Art von Einkommen abgeschafft wird. Das würde unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft wohl zunächst am meisten helfen... (danach kann man sich nochmal Gedanken über das BGE machen)

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luny 05.06.2016, 16:01
631. Landwirtschaft

Zitat von silverhair
Und, der Produzent in Biologischen Systemen ist die Natur , Kühe +Weizen wachsen eben von Selber . der Mensch ist nur Nachveredler mit sehr geringem eigenen Aufwand dabei .. aber mit der Krux , das er auf die "Produkte" lange lange warten muss, sie nicht jederzeit alle Verfügbar sind , und so ein gemeinschaftliches Wirtschaften sogar regelrecht erzwingen und erzwungen haben!
Hallo Silverhair,

keine Ahnung, wo Sie wohnen. Da wo ich wohne,
melken sich die Kühe nicht selbst, der Weizen wächst
auch nicht wild in der Landschaft, hier gibt es Bauern,
die sich um die Kühe kümmern und den Weizen anbauen.

Der von Ihnen postulierte "geringe Aufwand" beläuft sich
auf lächerliche 7 Tage/Woche und zwar in jeder Woche
des Jahres.

LUNY

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freekmason 05.06.2016, 16:03
632.

Zitat von gustavsche
ist ein Anschlag auf die Freiheit und auf die Demokratie. Ich lese zur Zeit Milton Friedmans "Kapitalismus und Freiheit". Darin untersucht er, inwiefern Staatsangestellte befähigt sind, den Staat zu kritisieren, kurzum in die Hand zu beißen, aus der man frisst. Wenn alle beim Staat angestellt sind, wären die Gesellschaft politisch uniform. Es geradezu der Demokratie förderlich, wenn wir eine freie Marktwirtschaft haben, in der jeder sein Auskommen findet: Neonazis, Linksextremisten, Menschen. Vielleicht hilft Neonazis und Linksextremisten zur Besserung, wenn sie dann ihr Geschäftsinteresse über ihr politisches Interesse stellen und so mit "Negern", Juden und was auch immer in Kontakt kommen. Wer heute wegen seiner politischen Ansichten gekündigt wird, der kann woanders unterkommen. Das positive ist, dass dadurch andere Ideen besprochen werden, egal, was man davon halten mag. In der DDR war der Verdacht, dass man politisch nicht auf Linie war, der wirtschaftliche Tod. Egal wie klug, fleißig und sorgfältig man war, man bekam nur noch Handlagertätigkeiten. Ein "bedingungsloses Grundeinkommen" würde genau zu diesem Problem führen: Wer kritisiert dann noch den Staat? ...
ich z.b. und Sie auf jeden fall auch, denn dann wäre kommunismus!
keine ahnung, warum Sie das gefühl haben, h4-empfänger etc. würden den staat nicht kritisieren, weil sie ja h4 bekommen. das gegnteil scheint mir der fall zu sein. ich glaube auch kaum, dass man in der DDR den staat nicht kritisiert hat, weil man so viel geld von ihm bekam.
das macht alles wenig sinn und hat mit der realität genauso wenig zu tun, wie die immer wieder gerne bemühte zombie-lüge vom "trickle down effect". dass es immer noch leute gibt, die behaupten trickled own funktioniert, kommunismus läuft bestens, die erde sei flach, will nicht in meinen kopf, denn jeder kann ja sehen, dass das mit der realität nichts zu tun hat und die paar, die das nicht können, können sich informieren.

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adal_ 05.06.2016, 16:12
633. Lohnabstandsgebot

Zitat von luny
Das läßt sich mit 8,50 EUR/h nicht durchsetzen, wenn man die Mieten in Betracht zieht.
Was um Himmels Willen hat der Mindestlohn mit dem Lohnabstandsgebot zu tun? Zumindest als kinderloser versicherungspflichtiger Vollzeitbeschäftigter liegen Sie damit deutlich über dem Existenzminimum.

Das Ärgernis des geringen Lohnabstands: Prekär Selbständige Lohnaufstocker und kinderreiche Normalverdiener arbeiten heutzutage quasi umsonst und müssen sich dabei mit einem unzumutbar umständlichen Behördenkram herumschlagen.

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luny 05.06.2016, 16:21
634. Solidarität

Zitat von UweZ+
Denn die zwischenmenschlich-destruktive Arbeitnehmer-Konkurrenz um die immer knapper werdende Arbeit wird bleiben. Und damit werden die oben weiterhin gezwungen werden, auf die spendable Demonstration ihrer eigennützigen Herzensgüte zu verzichten...
Hallo UweZ+,

zu Ihrem Beitrag fällt mir Henry Ford ein, der haar-
scharf erkannte, daß Autos keine Autos kaufen und
den Mindestlohn für die Ford-Mitarbeiter kräftig anhob.

Das Warenangebot zu erhöhen und zu verbilligen,
bringt nichts, wenn es weniger potentielle Käufer
gibt.

Das ist ja genau der Teufelskreis, den es zu durch-
brechen gilt.

Wenn die Löhne der potentiellen Kunden sinken, ist
die Kundschaft eben weg.

Da hilft auch die "Globalisierung" wenig, die "neue
Märkte" erschließen sollte.

Dort sieht es noch schlimmer aus, denn dort können
sich die Arbeiter, die die Produkte herstellen, genau
diese Produkte eben nicht leisten.

Wo soll das Lohndumping enden?

LUNY

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adal_ 05.06.2016, 16:22
635. Lohnabstandsgebot

Zitat von luny
...Das Lohnabstandsgebot läßt sich mit 8,50 EUR/h nicht durchsetzen, wenn man die Mieten in Betracht zieht....
Ach was. Zumindest als kinderloser versicherungspflichtiger Vollzeitbeschäftigter liegen Sie mit Mindestlohn deutlich über dem Existenzminimum.

Aber prekär Selbständige Lohnaufstocker und kinderreiche Normalverdiener arbeiten heutzutage quasi umsonst und müssen sich dabei mit einem unzumutbar umständlichen Behördenkram herumschlagen.

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nach-mir-die-springflut 05.06.2016, 17:03
636. Nietzsche: Etwas Kurz Gesagtes kann die Frucht und Ernte von vielem Lang-Gedachten sein

Zitat von luny
Eisenbahnen, Autos, alles Teufelszug :-) - Was halt nicht geht, ist, daß der Gewinn durch den technischen Fortschritt immer nur nach oben verteilt wird. - Es galt einmal die Faustregel, daß ein Vorstand nicht mehr als das zehnfache des gemeinen Facharbeiters verdienen darf. Diese schöne Regel stammt allerdings aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. - Schlecht war sie nach meiner Auffassung nicht.
Ihr Stil oder Ihre Art zu schreiben bestechen immer wieder durch ihre Prosa. Nach also Jahrtausenden und Jahrhunderten der technischen Evolution ist der Mensch an einem gewissen Punkt angekommen, und fangen wir doch einmal an, diesen Punkt zu fassen? Um nämlich Ableitungen zu treffen, etwas anderes sind Prognosen und Prophezeiungen nicht. Die eine Prophezeiung, die immer wirkt, die auch immer wieder eine Konjunktur erlebt, ist die des apokalyptischen Weltuntergangs. Apokalyptiker haben auf ihre Art sowieso immer Recht, denn offenbaren tut sich immer was, was anderes heißt Apokalypse nicht. In dieser Prophezeiung steckt viel vom finalen Denken, und die vielen täglichen Nachrichten über mordende Horden wollen dem auch nicht Gegenmittel sein. Nietzsche hingegen klagt die absolute Lebensbejahung ein, was vielleicht auch ein bißchen Wahnsinn sein will, im Mindesten ist sie ein Kontrapunkt zum Nihilismus. Die letzte technische Evolutionsstufe war die Industrialisierung, die am Ende die Digitalisierung hervorgebracht hat; die Digitalisierung wieder neuen Raum geschaffen hat. Häuser aus Lehm werden heute 3D-gedruckt, der Roboter gar mauert - 1930 hingegen mussten Maurer mit ihrem Steinbrett auf den Schultern noch die Leitern bis in den vierten Stock hochklettern. Die Liste der Errungenschaften, die das Leben leichter gemacht haben, ist unendlich, und der Nostalgiker ist nicht mehr als ein Steam-Punk, indem er das aus einer früheren Zeit mit Muße heute bewundern kann, wofür einst beim Bedienen der Apparatur tatsächlich die Muße fehlte. Die Prognose ist die: Es kommt eine zweite, nationalstaatlich abgegrenzte Währung, in der das Grundeinkommen bezahlt wird, und Roboter ersetzen stupide Industriearbeit (immer mehr und immer mehr, wo es geht). Das Maurerhandwerk kehrt zurück, aber nicht als Akkord-Arbeit, sondern als KUNST, als ART. Während das Maurerhandwerk hier nur stellvertretend und symbolisch steht. Man kann auch Glockengießen nennen. Es geht nichts um ein Grundeinkommen im absoluten, 100-%-igen Sinne, sondern um eines im relativen Sinne. Mit der Energie aus den Naturgewalten, das Joule als Währung, das Joule als Münze, fließt permanent neues Geld ins Wirtschaftssystem. Es wird eine Arbeit verrichtet, die nur macht nicht der Mensch, sie machen Wind, Wasser, Erde und Luft. Denn Energie, lt. Definition, ist die Fähigkeit eines Systems, Arbeit zu verrichten, und Sonne, Erde, Wasser, Luft sind eben diese Systeme, die diese Fähigkeit haben - und am Ende der Industrialisierung mitsamt ihrer Digitalisierung ist es jetzt erst technisch möglich, diese Systeme als Arbeitskraft in den Wirtschaftskreislauf einzupflegen. Dazu ist ein Staatsumbau nötig. Heute noch neuer Gedanke, in spätestens 200 Jahren selbstverständlich gelebte Wirklichkeit.

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pushkin73 05.06.2016, 17:13
637. Und wer macht die

Das BGE ist auf den ersten Blick sehr charmant. Es bietet den Menschen unabhängig vom Druck finanzieller Aspekte die Freiheit sich eine Tätigkeit zu suchen, mit der sie nach ihrer Fasson glücklich werden können. Aber: wenn alle nur noch die glücklich machenden Jobs machen, für die man sich intrinsisch motiviert...wer macht dann die sog. Drecksarbeit, oder auch Sch...ssjobs? Keiner sammelt mehr den Müll ein, baut unter gesundheitsschädlichen und kaum erträglichen Bedingungen in der prallen Sonne Straßen und macht all die anderen Dinge, die Leute nur aus der Not und extrinsisch motiviert tun. Denn das wäre ja der Segen des BGE: keiner muss tun, was er eigentlich nicht tun möchte.

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luny 05.06.2016, 17:25
638. Aufstocker

Zitat von adal_
Ach was. Zumindest als kinderloser versicherungspflichtiger Vollzeitbeschäftigter liegen Sie mit Mindestlohn deutlich über dem Existenzminimum. Aber prekär Selbständige Lohnaufstocker und kinderreiche Normalverdiener arbeiten heutzutage quasi umsonst und müssen sich dabei mit einem unzumutbar umständlichen Behördenkram herumschlagen.
Hallo Adal_,

auch wenn Sie über dem Existenzminimum liegen, heißt
das ja noch nicht, daß Sie NICHT aufstocken müssen,
weil Sie blöderweise die Miete in einem Ballungsgebiet
nicht bezahlen können.

Ich glaube, wir reden aneinander vorbei.

Meine Meinung: Jeder, der arbeitet, sollte von seinem
Lohn/Gehalt leben können.

Das war einmal so und nannte sich "soziale Markt-
wirtschaft".

LUNY

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mensch-maennlich 05.06.2016, 17:36
639.

Zitat von Aspekte plus
...Mir sind die Ausreisser nicht so wichtig - Gesetze sind für die Mehrheit, die sich daran halten...
Und da liegen sie ebend falsch. Die Mehrheit hält sich NICHT an die Gesetze. Höchstens eine Mehrheit der Idioten. "Der ehrliche ist der Dumme" hiess ein Buchtitel schon vor vielen Jahren.

Egal ob im Steuer- oder Sozialrecht. Wer ehrlich und gesetzestreu ist, lässt sich nur von den vielen, eher der Mehrheit, die das nicht sind ausnutzen.

Von der dreisten Korruption unserers Gesetzgebungsprozesses durch sogenannten 'Lobbyisten' auf allen Feldern gar nicht zu sprechen.

Massenhafte Steuerhinterziehung. Die ganz Reichen machens auch gern per Steuervermeidung. Meist relativ legal oder zumindest nicht bestraft, aber im Gegensatz zu den Interessen der Allgemeinheit über Korruption und Manipulation durchgesetzt.

Schwarzarbeit oder Mehrwertsteuerhinterziehung sind Standard in allen Bereichen.

Sozialgesetzte sind so unsinning, undurchsichtig und oft einfach nur niederträchtig, das man quasi gezwungen ist zu lügen. Neuestes Beispiel...wer glaubt ernsthaft, dass zwei getrennt lebende Hartz4 beziehende Elternteile korrekt ans Jobcenter melden, wer wann das Kind bei sich hat? Natürlich wird das so gemeldet, das man möglichst viel Geld bekommt...oder was ist, wenn eine Regelung gefunden wird Alleinerziehende nicht schlechter zu stellen? Zahlt das Amt dann mehr für Kinder deren Eltern getrennt leben? Trennen sich dann Eltern ...zumindest offiziell vielleicht mit ner Pseudoadresse bei Bekannten oder Verwandten...um mehr Geld zu bekommen? Und wer da nicht macht ist der Idiot, weil es praktisch nie aufgedeckt wird und auch nie Sanktionen gibt?

Warum muss sich der Gesetzgeber, das Amt da einmischen? Wenn der Vater das Kind 6 Tage im Monat bei sich hat, und er dafür keinerlei finanziellen Ausgleich von der Mutter fordert, die das gesamte Geld für das Kind vom Amt bezieht, dann ist das doch eine Sache zwischen den beiden, oder?!? Und man kann nur hoffen, das die Mutter das zusätzliche Geld für das Wohl des Kindes ausgibt. Was man bei ALLEM Geld was die Erziehungsberechtigten für die Kidner bekommen nur hoffen kann...

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