Forum: Wirtschaft
"Reformen auf Vorrat": Europa will aus der Griechenlandkrise nicht lernen
DPA

Die Griechenlandkrise steuert auf einen weiteren Höhepunkt zu - weil Europa die immer gleichen Fehler macht. Drei Gründe, warum die Taktik der Geldgeber unsinnig ist.

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spreepirat 09.05.2016, 16:08
50.

Zitat von derhatschongelb
Bisher hat die deutsche Finanzindustrie doch ganz prächtig an dieser Krise verdient. Überhaupt bringen viel zu Menschen viel zu viele Dinge durcheinander: diese Krise findet so gut wie ausschließlich auf der finanzpolitischen Ebene statt. Die Griechen selbst bekommen doch die Hilfen gar nicht. Das Gegenteil ist Fakt: ihnen wird mehr und mehr Geld genommen! Was das überhaupt für eine "Hilfe" sein soll, ist mir völlig schleierhaft.
Wo hat die Finanzindustrie an Griechenland verdient?

Allein die deutsche Commerzbank hat durch den ersten griechischen Schuldenschnitt mehr als 2 Mrd. EUR verloren.

Da muss Griechenland die nächsten 1000 Jahre Zinsen zahlen, um das wieder reinzuholen.

Es ist auch Ihr Geld, das die Griechen durch den Schornstein jagen. Lebensversicherungen, Renten, alles mögliche wird doch angelegt aus dem Geld der Leute, die sparen, um sich ein Häuschen kaufen wollen, die ihren Lebensabend absichern wollen. Wenn die Allianz solche Summen verliert, wird die Auszahlung auch Ihrer Lebensversicherung geringer.

Sie denken wohl, Geld kommt aus der Steckdose?

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Ruthchen 09.05.2016, 16:10
51. Das Problem ist der Euro.

Inkompatiblen Volkswirtschaften mit völlig unterschiedlicher Wettbewerbsfähigkeit ein und dieselbe Währung überzustülpen, ist währungspolitische Stümperei höchsten Grades.

Denn dann haben die Volkswirtschaften ja gar keine Möglichkeit mehr, durch Auf- und Abwertungen sich in Relation zu den anderen Volkswirtschaften wettbewerbsfähig zu halten.

Die "Pufferfunktion" der Währungen ist dann ja weg. Ist vergleichbar mit einem Auto ohne Stoßdämpfer. Das tut ganz schön weh, damit über eine holprige Strecke zu fahren... In der Ökonomie bedeuten die Härten fehlender Stoßdämpfer wirtschaftliches Elend, wie wir es in Griechenland beobachten können.

(Volkswirtschafts-Studium Einführungssemester)

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ArnoNyhm1984 09.05.2016, 16:10
52. gut gemeint != gut gemacht

Seien wir doch endlich mal ehrlich: GR ist allen Beteiligten komplett egal -es geht allein um die Banken. Wie wir gerade erst neulich erfahren haben, kamen alle bisherigen Rettungspakete zu 95% den Banken zugute.
Daher sind alle Reformen, Reförmchen und Reformversprechungen auch allesamt Ablenkungsmanöver: Hauptsache, man hat damit Vorwände, die Bankenfinanzierung weiter zu führen.
Das ist die (bittere!) Wahrheit, und so wird sie auch weiterhin praktiziert werden: Der nächste Akt "same procedure as last year", ein bisschen tam-tam für die Medien -und die nächste Milliardentranche in den Rachen der Bankster. Und in 1 Jahr dasselbe Schauspiel.

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nemster 09.05.2016, 16:13
53.

Die Politik der Troika ist natürlich nur falsch, wenn man als Zielstellung die wirtschaftliche Rettung Griechenlands annimmt. Wenn das Ziel ist, ganz Griechenland, billigstmöglich und ungeachtet der menschlichen Tragödien und wirtschaftlichen Gefahren für alle europäischen Volkswirtschaften an Banken und Spekulantenspezis zu verhökern, ist die Politik auf den Punkt genau richtig.

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tennislehrer 09.05.2016, 16:14
54. Ganz einfach!

Einige Banken und Investoren verdienen sich dumm und dämlich an Griechenland. Ausbaden muss er der Bürger in Griechenland und die Steuerzahler im Rest der EU.

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Ruthchen 09.05.2016, 16:20
55. Stellt Euch mal vor, ein Nachbar von Euch wäre pleite...

Und jetzt leiht Ihr der Nachbarin, weil Ihr so hilfsbereite Menschen seid und die Nachbarin so symphatisch findet, Geld, dass sie einen Teil des aktuell anstehenden Schuldendienstes leisten kann. Ihr haltet Ihr sozusagen die Gläubiger vom Hals. Netter Zug von Euch.

Ihr verlangt aber von ihr, sie solle ihre Ausgaben einschränken. Ein bisschen müsse sie schließlich auch beitragen...

Nach einem halben Jahr ist sie wieder pleite. Denn dann werden die nächsten Zinszahlungen und Tilgungen fällig.

Dann leiht ihr ihr wieder Geld. Und verlangt wieder, sie solle ihre Ausgaben kürzen, um den eigenen Beitrag zu leisten.

So geht das Jahraus, Jahrein... So alles halbe oder ganze Jahr der gleiche Ablauf... Ständig grüßt das Murmeltier...

Glaubt Ihr, die Nachbarin wäre irgendwann schuldenfrei? Oder ihre Schulden wären auch nur irgendwann geringer? Glaubt Ihr, ihr Wohlstand wäre irgendwann höher? Nachdem sie sich immer wieder noch mehr eingeschränkt hat...

Und dann steht da noch eine nicht unwichtige Frage:

Glaubt Ihr, Ihr selbst werdet jemals auch nur einen einzigen Cent zurückbekommen?

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Tikal69 09.05.2016, 16:21
56. zum Thema...

Ich lese immer nur von Reformen - aber welche Reformen gab es denn konkret in den vergangenen Jahren außer Steuern rauf und Sozialausgaben runter?

Gibt es denn mittlerweile ein einheitliches Katasteramt, haben denn alle Finanzbehörden Computer und sind miteinander vernetzt, geht man denn konsequent gegen Steuerbetrug vor und werden auch die Reder besteuert?

Von all diesen Dingen hört man recht wenig, sondern lediglich, dass die wenigen gewinnbringenden Unternehmen an chinesische und deutsche Investoren gingen.

Was Griechenland angeht, kann ich leider kein Konzept erkennen, was leider auch der Beitrag eines renomierten Ökonomen nicht ändern konnte.

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ah-ist-wahr? 09.05.2016, 16:24
57. Langsam aber sicher..

..verliere ich die Geduld mit meinem Europa.
Was dort in Griechenland einer europäischen Bevölkerung zugemutet wird (Gründe lasse ich einmal aussen vor) ist eines modernen Europas mehr als unwürdig.

Draghi hat vollkommen Recht:
Solange Politiker sich mehr um die nächste Wahl, als um dringend notwendige Strukturreformen kümmern, wird sich wenig ändern.

Noch mehr allerdings befremdet mich eine deutsche Bevölkerung, die ohne zu zögern auf den Zug aufspringt, um auf die faulen Griechen zu schimpfen, während sie nicht einmal die einfachsten wirtschaftlichen Zusammenhänge zu begreifen imstande ist.

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Duzend 09.05.2016, 16:24
58. Ganz meine Meinung. Bravo!

Zitat von rkinfo
Seit Jahren zeichnet sich die alternativlose Insolvenz der Griechen ab. Nachdem mittlerweile die EZB die meisten Schulden aus Athen hält und eh Inflation benötigt wäre der Schuldenschnitt quasi kostenlos erhältlich. Gleichzeitig wären die EU-Länder ihre Bürgschafte so los. Die Griechen erfüllen nicht im Ansatz die Kriterien für den Euro was ihren Ausstieg bedeutet. Neue Drachmen wären auch eine gute Anstossfinanzierung für den griechischen Staat.
Wie war das mit "...never let a good crisis go waste..."? Die Goldman-Sachs'sche Griechenlandkrise war gar nie dazu gedacht, dass Europa (soll das die EU sein?) etwas lernt, sondern dazu, dass Europa (i.e. seine Bürger) maximalen Schaden nimmt.

Man muss wissen und kann es bei Volker Pispers lernen, dass zur Gesundung Griechenlands auch schon vorgeschlagen wurde, die - meist betrügerischen -Reichen endlich mal ihr Scherflein in den Steuersäckel beitragen zu lassen - und gleich wieder gekippt. Rausschmiss der Finazganoven? Vorgeschlagen und gleich wieder gekippt. Nachzahlung/Eintreibung längst überfälligr Steuern? Angetragen und gleich wieder geippt. Sinn der Sache ist nur der, dass all jene Bürger Europas, die dreist genug waren, ihre Zukunft bisher noch nicht bei einem der grossen Finanzhaie zu verpfänden (sprich: deren Schrottpapiere zu kaufen für "kapitalgedeckte Altersvorsogre" usw.), erst per Steuern im eigenen Land und bald per Bail-In an der Rettung exakt der Banken zwangsbeteiligt werden, an denen sich bis kurz vor den Kollaps jene Lichtgestalten bereichert haben, die jetzt in unseren Wahlkämpfen als edle und grosszügige Spender auftreten. Wenn wir schon strangliert werden wollen, dann sollen wir wenigstens den Strick selber bezahlen.

Den Gordischen Knoten zu durchschlagen, würde einfach heissen, in einem Beschluss Knall-auf-Fall Griechenland aus dem Euro und der EU zu kippen. Dann wären die Ratten enttarnt. An ihrem Gewinsel vonwegen westliche Werte und Brüderlichkeit würde man sie erkennen - die gelernten Antihumanisten und Antidemokraten.

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Reza Rosenbaum 09.05.2016, 16:28
59. Interessant....

Zitat von brehn
Und auch für sie nochmal eine Extrawurst, nämlich ein Link zu einem früheren SPON-Artikel: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-was-rentner-im-vergleich-zu-deutschland-wirklich-kriegen-a-1039256.html
GR verwendet 20% seines BIP auf die Renten. DE nur etwa 10%. Wo bleibt denn bitte das ganze Geld in GR, wenn die alle genauso spaet in Rente gehen und aehnliche Zahlungen (gemessen am verdienten Gehalt) bekommen?


Das Problem in GR ist, dass die amtliche Erfassung von Rentnern, Arbeitnehmern, Unternehmen, Landbesitz etc., nicht ansatzweise funktioniert. Sieht man sich Statistiken zum mittleren Rentenalter in GR an, zeigen die oft einen Sprung von 57 in 2009 auf 64 in 2010. Acht Jahre Unterschied in einem Jahr! Wer's glaubt...


Und so ist das eben irgendwie mit allem in GR. Der Staat hat keine Kontrollmoeglichkeiten, selbst "offizielle" Zahlen wirken oft "gewuerfelt." So wurde ja auch der EU/Euro Beitritt herbeigezaubert.


Griechenland muss endlich selbst die Verantwortung fuer seine Wirtschaftspolitik uebernehmen. Das geht nur ausserhalb der Eurozone, mit einer schwachen Drachme und einer direkten Belohnung/Bestrafung durch die Maerkte. Was derzeit passiert, ist doch eine Farce. GR wird gezwungen, seine groessten Schaetze und seine Identitaet zu verscherbeln, und hat keine Chance, jemals aus der Zinsenfalle herauszukommen. Die bevorstehenden Einschnitte werden schmerzhaft sein, und einer Bevoelkerung nur zu verkaufen, wenn sie aus dem Volk selbst kommen, und nicht von der EU diktiert.

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