Forum: Wirtschaft
Reich und arm: Wie der Immobilienboom das Land spaltet
imago

In der Wohnungskrise geht es um mehr, als nur möglichst schnell Unterkünfte fürs Volk zu schaffen. Die Preisexplosion könnte das Land auf noch gefährlichere Weise spalten, als es ohnehin schon der Fall ist.

Seite 5 von 11
prometheusxl 29.09.2018, 08:02
40. Kausalitäten

Es ist nicht der Immobilen-Boom, der das Land - besser: die Gesellschaft - spaltet. Auch diese Entwicklung ist nur ein Symptom, ein Indiz, ein Indikator. Das Land, die Gesellschaft, alle Gesellschaften - überall, werden durch die Gesetzmäßigkeiten unserer dominierenden Wirtschaftsordnungen in diese Entwicklungen gezwungen. Das hatten frühere Generationen - zumindest in D - noch erkannt und versucht, aktiv dagegen zu steuern. Doch seit der Ostblock als Konkurrenz-Ordnung abgestürzt ist, sind diese kosmetischen Bandagen, um den Wirtschaftshegemonialismus in die Schranken zu weisen, das garstige Gesicht zu verbergen, um die besserer Figur zu machen - für die Menschen - obsolet geworden, schein es.

Und folgerichtig werden die Hierarchien wieder alleine auf der Basis des Rechts der Stärkeren, Potenteren, Reicheren, Dominanteren strukturiert. Und die Geldpolitik - die nur einem Zweck dient: dem bereits bis zum Platzen gespannten Wahnsinn der Spekulationsblasen noch so viel Druck zuzuführen, dass die Illusion noch ein paar Jahre trägt - schafft die flüssigen Mittel, die postwendend in "Sachwerte" umgewandelt werden - weil alle, die etwas von den Abläufen verstehen, wissen, dass das Spiel nicht mehr lange gut gehen kann.

Also werden die bereits besitzenden - und damit Bonitätsstarken - immer weiter anhäufen können, und am unteren Ende sind bereits zwei Prozentpunkte Geldentwertung ein spürbarer Einschnitt in die Lebensqualität. Nichts davon ist schwer zu verstehen, nichts davon unvorhersehbar, nichts davon unausweichlich, oder gar "alternativlos".

Es ist schlich das, was geschieht, wenn mit Vollgas in einer Sackgasse auf das Ende zu gebrettert wird, weil die Doktrin zum Glauben daran ermuntert, dass sich irgendwie schon irgendwas tun wird, um den Impact zu verhindern oder abzumildern - oder irgendwer aus dem Nichts auftaucht und das Lenkrad noch herumreissen wird, .. irgendwie......
Der Wahnsinn am Immobilienmarkt (und anderswo) ist nichts anderes als die sichtbaren Auswirkungen von Ursache und Wirkung. Vom quasi-religiösen Glauben an die Selbstregulierungskräfte des Marktes und das Märchen vom Trickle-down.

Beitrag melden
mucschwabe 29.09.2018, 08:13
41. @ curiosus Nr.2

Warum sollte der Marktwert eines Unternehmens etwas mit dem Anlagevermögen (Assets) zu tun haben? Nach ihrer Logik müsste Apple oder Alphabet massiv in Immobilien investieren um ihren Marktwert zu erhöhen und nicht in die Entwicklung neuer Technologien. Sie denken nur in Steine. Von den genannten Firmen hat gerade Exxon mit hohen Assets die schlechtesten Zukunftsausichten - Öl ist eher ein endliches Business. Finden Sie nicht?

Beitrag melden
Achmuth_I 29.09.2018, 09:39
42. Inhaltlich gebe ich Ihnen recht...

Zitat von Rosenblüte1
Wie kommen Sie darauf, dass man dieses Problem mit Steuern nicht lösen oder zumindest verringern könnte? Klar, eine höhere Einkommenssteuer nach den bisherigen Regeln wird‘s nicht reißen. Wenn aber Kapitalerträge mit unter den individuellen Einkommenssteuersatz fallen, statt der bisherigen Abgeltungssteuer, dann sieht das schon anders aus. Und dann gibt es ja auch noch die Option Vermögenssteuer...
..nur frage ich mich speziell bei Privatimmobilien, wie das technisch funktionieren soll.

Ich habe mir glücklicherweise bereits 2005 eine Wohnung gekauft (Speckgürtel Stuttgart) diese ist mittlerweile etwa das doppelte wert wie zum Kaufzeitpunkt - jedoch bin ich noch immer mit der Rückzahlung meines Kredits beschäftigt und das wird sich noch ein paar Jahre hinziehen.

Ich wäre ganz einfach finanziell nicht in der Lage zusätzlich ein dittel meines Jahreseinkommen zu versteuern (das wäre in etwa der Jahreswertzuwachs der Wohnung). Denn ich hätte durch diesen Wertzuwachs zwar mehr Vermögen, aber kein Verfügbares, solange ich die Wohnung nicht wieder verkaufe.

Diese Mehrbelastung war seinerzeit auch nicht abseh- und somit auch nicht planbar.

Ohne genauen Beweis gehe ich einfach einmal davon aus, dass dies der Mehrzahl der Wohnungskäufer so geht.

Sollte dieser Plan so umgesetzt werden, wäre die Folge ganz einfach, dass sich der Teil der Mittelschicht, welcher sich heute noch Wohneigentum zulegt dazu schlicht und ergreifend nicht mehr in der Lage wäre. Ergo würde künftig der Anteil an Investitionsobjekten steigen. Hierbei können Sie getrost davon ausgehen, dass sich die zusätzliche Steuerbelastung umgehend in den Mietpreisen wiederfindet.

Deshalb wäre es an dieser Stelle aus meiner Sicht sinnvoller das Problem an der Wurzel zu packen und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Das ist hier der eigentliche Mangel. Mir wäre es auch Wurst wenn hierdurch meine eigene Wohnung wieder an Wert verliert. Für mich ist die zum Wohnen und nicht als Spekulationsobjekt gedacht.

Beitrag melden
freidenker49 29.09.2018, 09:43
43. Es ließe sich durch aus schnell ändern

Dass die Menschen in den Großstädten mehr Wohnungseigentum besitzen. Hierfür müssten lediglich Mehrfamilienhäuser in Eigentumswohnungen umgewandelt werden und an die Mieter beziehungsweise Nutzer verkauft werden. Nur für solche Maßnahmen hat die Links Politik in den Städten keinen Sinn. Am liebsten würde man dort die Umwandlung in Wohneigentum verbieten und alle Wohnungen sollten in der Hand der Stadt sein. Die würden dann zu Niedrigmieten vergeben. An wen die besonders guten Wohnungen vergeben werden, da darf man dreimal raten.

Beitrag melden
Achmuth_I 29.09.2018, 09:58
44. Das ist Unsinn...

Zitat von Hmmmmm..........
Wer in einer selbstgenutzten Immobilie wohnt hat mit dem Wohnen einen Kapitalertrag in Naturalien. Dieser Kapitalertrag wird nicht versteuert. Der Mieter hingegen zahlt seine Miete aus seinem versteuerten Einkommen.
...auch wenn die einzelsätze stimmen, vermischen Sie hier zwei absolut unabhängige Sachverhalte.

Das eine ist der "Kapitalertrag" in Form einer Wertsteigerung. Diesen hat natürlich nur der Eigentümer. Inwiefern dieser versteuert werden kann, könnte betrachtet werden.

Das andere sind die Kosten. Diese sind beim Mieter die Miete - es ist aber nicht so als ob der Eigentümer nicht auch Kosten hätte (Kreditkosten/Instandhaltungskosten/Abschreibungen/Steuern...).

Deshalb werden auch beide Seiten gleich versteuert. Der eine für sein Einkommen bzw. nicht - der andere auch nicht, da er keines hat.

Beitrag melden
at.engel 29.09.2018, 10:25
45.

Der begriff "Vermögen" ist leider etwas zu verallgemeinernd. Vermögen ist im Grunde nur das, worauf man jederzeit Zugriff hat. Die Tatsache, dass bei vielen der Wert des Hauptwohnsitzes explodiert, bedeutet nicht viel, wenn man Mindestlohn bezieht. Zu verkaufen, nur um dann Miete zu bezahlen, ist ja absurd.
Man Aktien, Zweitwohnungen, oder auch sein Unternehmen verkaufen, wenn man in rente geht, aber einen Wohnsitz braucht man trotzdem.

Beitrag melden
rudi_ralala 29.09.2018, 10:52
46.

Zitat von cherrypicker
Ich frage mich, warum Herr Fricke dieses Wort nicht ausspricht: Vermögenssteuer! Vermögen beruht zu einem großen Teil nun mal auf Glück, nicht auf Leistung! Auf dem Glück, reiche Eltern gehabt zu haben; auf dem Glück, keine unerwarteten Ausgaben wegen Krankheit, Unfall oder Arbeitslosigkeit stemmen zu müssen; auf dem Glück, zur rechten Zeit überhaupt Geld zum investieren übrig gehabt zu haben; auf dem Glück, aufs rechte Pferd gesetzt zu haben. Ist das Vermögen aber einmal zu groß geworden, kriegt man es durch Ausgeben nicht mehr kaputt, wie ein deutscher Immobilienunternehmer mal gesagt hat. Es schadet dann gesellschaftlich mehr, als dass es nutzt. Die einzige Lösung: Wegsteuern und an die Habenichtse verteilen, dann bleibt alles im Gleichgewicht. Leider haben unsere Politiker nicht die Eier dazu in der Hose. Stattdessen lässt man die Rechten gewähren, die dem Volk Sündenböcke präsentieren, die dann als Erklärung dafür herhalten müssen, warum angeblich kein Geld da ist. Es ist ja Geld da. Es haben halt nur die wenigsten.
Die Lösung heißt nicht Vermögenssteuer, sondern Vergesellschaftung von Grund und Boden. Das war eine der besseren Errungenschaften der ehemals sozialistischen Staaten. Warum darf mit Grund und Boden spekuliert werden? Es gehört allen, genau wie Luft zum Atmen und Wasser zum Trinken. Wenigstens beim Wasser findet ein Umdenken statt. Berlin und Paris habe mittlerweile wieder eine kommunale Wasserversorgung. In Thessaloniki dagegen verlangen die Gläubiger die Privatisierung. Man sollte die vom Hof jagen, was die Bevölkerung dort auch versucht.

Beitrag melden
dirk.resuehr 29.09.2018, 11:00
47. Dieser Jammer

und diese Ungerechtigkeit, schrecklich. Immer noch gut, daß wir keine Mieten wie Paris oder Zürich haben. Und, Herr Fricke, kennen Sie ein einziges Land, in dem ein Gini-Index von 0 existiert, in dem alle geich viel oder wenig haben? Gibts nicht! Erstaublich auch und sollte von den üblichen Linken einmal bemerkt werden:Wo ist die Ungleichheit am größten? Na, in Rußland natürlich! China ist auch nicht doll, liegen ordentlich vor Germanien. Also klar, die Mieten sind zu hoch, Immobilieneigentum in Germanien recht wenig, aber bitte,
warum muß der Mensch in den Metropolen leben? In der Peripherie gibts immer noch Wohnraum, was ist denn so doll am Metro-Angebot, Theater, Oper? Geht ja nur eine Minderheit hin. Was dann? Kneipen,
Nachtleben? Unter uns: Irgendwann ist doch der Normalo da rausgewachsen, was kostet z.B. ein Pferd in Frankfurt?( Hobby meiner Liebsten), reden wir nicht mehr drüber. Eigene Großstadterfahrungen inkl. Berlin über 40 Jahre, lebe inzwischen in Dorf mit 650 Einwohnern. Infrastruktur mit Lidi und Aldi und Großmarkt gut, Handwerker, Ärzte vor Ort. Hier werden Häuser für 150.000 angeboten. OK, keine schicke Gegend, aber nahe bei einem Weltkulturerbe. Großstadt erreichbar. Autobahnanbindung, Bahnhof, so what? Wenn man funktionierende Beziehung hat und das eine oder ander Hobby, das geht. Zahl mal Miete in Fft oder sonstwo für 250 qm plus Innenhof plus Südgarten. Vorschlag: Nicht jammern, denken und handeln!

Beitrag melden
Patrik74 29.09.2018, 11:01
48. Grundsätzlich richtig

Zitat von prometheusxl
Es ist schlich das, was geschieht, wenn mit Vollgas in einer Sackgasse auf das Ende zu gebrettert wird, weil die Doktrin zum Glauben daran ermuntert, dass sich irgendwie schon irgendwas tun wird, um den Impact zu verhindern oder abzumildern - oder irgendwer aus dem Nichts auftaucht und das Lenkrad noch herumreissen wird, .. irgendwie...... Der Wahnsinn am Immobilienmarkt (und anderswo) ist nichts anderes als die sichtbaren Auswirkungen von Ursache und Wirkung. Vom quasi-religiösen Glauben an die Selbstregulierungskräfte des Marktes und das Märchen vom Trickle-down.
Wobei das ganze noch durch eine Fehlsteuerung verstärkt wird. Der dem Kapitalismus inhärente Tendenz zur Vermögenskonzentration und dem marktwirtschaftlichen Hang zum irrational-spekulativen Herdentrieb wird noch die Krone durch eine fehlgeleitete Globalsteuerung aufgesetzt. Diejenigen Institutionen und Instrumente, die eigentlich diesen systemimmanenten Dysfunktionalitäten entgegenwirken sollten, haben sich durch intensive "Politikberatung" ins Gegenteil verkehrt und halten nun den Druckbaugcdem Kessel - bis er platzt. Wir erleben zur Zeit den Tanz auf dem Vulkan.

Die Irrationalität dieses ganzen Wirtschaftssystems zeigt sich daran, dass der letzt Ausbruch ja nicht zu Großvaterszeiten erfolgr - und sich der allwissende und rationale Markt nicht meh daran erinnern kann - sondern das letzte Großereignis ist grade Mal zehn Jahre her; "die Märkte" leiden offensichtlich an Alzheimer, oder man muss schlicht feststellen, dass der Marktwirtschaft eben kein Hang zum Gleichgewicht, sondern eher zum Exzess zugrunde liegt, ubd sich auch ein rational handelnder dem nicht entziehen kann. Dann wäre die logische Konsequenz aber, dass dies nicht das Fundament einer stabilen Gesellschaft sein kann, sondern im Gegenteil zweckgebunden eingehegt werden muss.

Hierzu müssten sich die politischen Akteure ihrer eigentlichen Aufgabe wieder bewusst werden und Politik für die Menschen und nicht "die Märkte" aka die Geldelite machen. Das funktioniert aber nur, wenn der Einfluss der "Politikberatung" - was letztlich nichts weitervals eine elaborierte Form der Korruption ist - massiv zurückgedrängt wird. Das kann meiner Ansicht nach nur durchbeinentiefgreifende Reform des politischen Prozesses erfolgen.

Und hier gibt es ein systemisches Problem: Man muss die Frösche bitten, ihren eigenen Tümpel auszutrocknen - das wird ... schwierig. Also stellen wir uns darauf ein, dass der Zug effizient, rational und stabil weiter beschleunigt wird, bis der Kessel explodiert und /oder der Zug aus der nächsten Kurve getragen wird.

Ein Hoch auf "die Märkte".

Beitrag melden
spmc-12355639674612 29.09.2018, 11:17
49. nahe bei einem Weltkulturerbe. Großstadt erreichbar

Zitat von dirk.resuehr
und diese Ungerechtigkeit, schrecklich. Immer noch gut, daß wir keine Mieten wie Paris oder Zürich haben. Und, Herr Fricke, kennen Sie ein einziges Land, in dem ein Gini-Index von 0 existiert, in dem alle geich viel oder wenig haben? Gibts nicht! Erstaublich auch und sollte von den üblichen Linken einmal bemerkt werden:Wo ist die Ungleichheit am größten? Na, in Rußland natürlich! China ist auch nicht doll, liegen ordentlich vor Germanien. Also klar, die Mieten sind zu hoch, Immobilieneigentum in Germanien recht wenig, aber bitte, warum muß der Mensch in den Metropolen leben? In der Peripherie gibts immer noch Wohnraum, was ist denn so doll am Metro-Angebot, Theater, Oper? Geht ja nur eine Minderheit hin. Was dann? Kneipen, Nachtleben? Unter uns: Irgendwann ist doch der Normalo da rausgewachsen, was kostet z.B. ein Pferd in Frankfurt?( Hobby meiner Liebsten), reden wir nicht mehr drüber. Eigene Großstadterfahrungen inkl. Berlin über 40 Jahre, lebe inzwischen in Dorf mit 650 Einwohnern. Infrastruktur mit Lidi und Aldi und Großmarkt gut, Handwerker, Ärzte vor Ort. Hier werden Häuser für 150.000 angeboten. OK, keine schicke Gegend, aber nahe bei einem Weltkulturerbe. Großstadt erreichbar. Autobahnanbindung, Bahnhof, so what? Wenn man funktionierende Beziehung hat und das eine oder ander Hobby, das geht. Zahl mal Miete in Fft oder sonstwo für 250 qm plus Innenhof plus Südgarten. Vorschlag: Nicht jammern, denken und handeln!
Na sehen Sie: Sie sind "nahe bei einem Weltkulturerbe. Großstadt erreichbar" Auch Sie profitieren also von der Nähe zur Großstadt. Mehr ist dazu eigentlich gar nicht zu sagen, denn seit es Städte gibt, also seit ca. 10000 Jahren, profitieren alle, die in oder nahe bei ihnen leben. Dort wird die Zukunft erschaffen und gestaltet - sicher nicht in den Dörfern! Rund ein Drittel der Einwohner Deutschlands lebt in Städten mit mehr als 100000 Einwohnern. So schlecht kann es also nicht sein.

Beitrag melden
Seite 5 von 11
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!