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Reiseanbieter: Tour Vital stellt Insolvenzantrag
Tina Terras & Michael Walter/ Getty Images

Zum Angebot von Tour Vital gehören Reisen in zahlreiche Länder. Aktuell jedoch sind keine Buchungen mehr möglich: Die Kölner Firma, die früher zu Thomas Cook gehörte, hat einen Insolvenzantrag gestellt.

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rreniar 28.09.2019, 16:00
1. Fehlende Logistik?

Da gab es wohl nicht nur Kooperation beim Katalog. Sehr wahrscheinlich dürfte es auch noch eine weitreichende Kooperation bei Vertriebskanälen, Buchungssystem/Zahlungsabwicklung, Servern etc. gegeben haben.

Ein Jahr wird kaum ausreichend gewesen sein um eine komplett von Thomas Cook unabhängige Logistik aufgebaut zu haben. Ein komplett eigenständiges System dürfte sich für einen kleinen Spezialveranstalter wiederum kaum rentieren und einen neuen großen Partner aus der Reisebranche hatte der Finanzinvestor wohl noch nicht gefunden.
Mit der Pleite von Thomas Cook fallen nun sämtliche dort eingekauften Backofficeleistungen weg, da ist die eigene Pleite nicht mehr zu verhindern.
Wäre nun nur noch interressant herauszufinden ob es beim damaligen Verkauf durch Cook überhaupt um eine echte Zukunft für Tour Vital ging oder ob es nicht von vornherein eher als "Bestattung" gedacht war...

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ganzeinfach 28.09.2019, 16:21
2. Zurich sahnt ab

Nachdem die Thomas Cook wohl schon über 25 Jahre eine Insolvenzversicherung bei Zurich buchte, welche nie benutzt wurde, stehen die Kunden bei einer Deckelung von 110 Mio Euro dumm da. Allein 160 Tausend Kunden unterwegs - und wohl zusätzlich mehr als 100000, welche gebucht, bezahlt und bald abreisen wollten. Ein Desaster. Auch die Tour Vital hat das Versicherungs-Pferd nicht gewechselt - wohl aber zu viel niedrigerem Deckel, welche die Kunden zur Weissglut treiben wird. Derweil die Zurich (Zürich Versicherung) sich mit besten Zahlen (2018 in CHF) präsentiert: 3 Mia Schaden-Umsatzeinnahmen, Gewinn (Schaden) 361 Mio. bei einem Schadensatz von rund 62% (Daten von Zurich Medienmitteilungen). Die lachen sich ins Fäustchen. Warum? Weil sie ausser Aufwand keinen Schaden zahlen, da rückversichert. (haha!) ganzeinfach

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christianwitten 28.09.2019, 18:42
3. System Versicherung und Rückversicherung

Wer sich informiert, der weiß, es ist völlig Normal was da stattfindet.
Private Versicherer (AG) beschäftigen Risikoanalysten und die Gremien entscheiden, ob eine Beteiligung an zu versichernden Risiko oder aber als allein Risikotragender angesagt ist. Gewinnmargen sind Teil der Kalkulation. Welcher Versicherer ging bisher pleite? Alles im Lot, ich arbeite im Übrigen als Agentur für die Zurich. Reisebüros aus dem regionalen Umfeld gaben den Rat an betroffene Kunden: Ruf doch eine Zurich Agentur an, der weiß Bescheid. Erbärmlichkeit nenne ich das, Amateurhaft ohne Interesse am betriebenen Geschäft und dem Kunden.

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herkurius 28.09.2019, 19:55
4. 110 Mio Deckelung

Der gleiche Versicherer (Zürich)? Nach allen Informationen, die man dieser Tage lesen konnte, gilt der 110-Millionen-Höchstbetrag für alle Kunden eines Versicherers zusammen, und zwar für den Zeitraum von 12 Monaten aufaddiert.
Was bedeutet, dass die Auszahlungsquote für die Tour Vital - Reisenden genauso niedrig sein wird wie für die von Thomas Cook.

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juanth 29.09.2019, 00:11
5. Quatsch

Zitat von herkurius
Der gleiche Versicherer (Zürich)? Nach allen Informationen, die man dieser Tage lesen konnte, gilt der 110-Millionen-Höchstbetrag für alle Kunden eines Versicherers zusammen, und zwar für den Zeitraum von 12 Monaten aufaddiert. Was bedeutet, dass die Auszahlungsquote für die Tour Vital - Reisenden genauso niedrig sein wird wie für die von Thomas Cook.
Die Deckungssumme gilt pro Veranstalter und Saison, d.h. bei
Tour Vital stehen bis zu 110 Millionen fuer ein paar Gaeste zur Verfuegung, bei TC sogar 2 x 110 Millionen da das Geschaeftsjahr in der Touristik am 31.10. endet und dann das neue Jahr anfaengt.
Beide Firmen hatten rechtlich nichts mehr miteinander zu tun.

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oldman2016 29.09.2019, 00:20
6. Vorkasse für Nichts

Ich halte das System der Vorkasse für das eigentliche Probleme.
Vorauszahlungen und Vorbuchungen werden sicher ihren Sinn. Die im Voraus gezahlten Beträge gehören aber auf ein Treuhandkonto und sollten in voller Höhe erst nach vereinbarter Leistungserbringung an den Reiseveranstalter ausgezahl werden, Mit welchem Recht bekommen die Hoteliers von Thomas Cook erst nach Monaten ihre Leistungen bezahlt?

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guzzidiver 29.09.2019, 08:21
7. Insolvenzen etc

......das maßlose Streben nach höheren Gewinnmargen wird zukünftig, aufgrund verfehltem Managements sowie geändertem Verbraucherverhalten, noch weitere Pleiten nach sich ziehen, zum Nachteil der Kunden.......

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ganzeinfach 29.09.2019, 09:26
8. Marktmacht

Zitat von oldman2016
Ich halte das System der Vorkasse für das eigentliche Probleme. Vorauszahlungen und Vorbuchungen werden sicher ihren Sinn. Die im Voraus gezahlten Beträge gehören aber auf ein Treuhandkonto und sollten in voller Höhe erst nach vereinbarter Leistungserbringung an den Reiseveranstalter ausgezahl werden, Mit welchem Recht bekommen die Hoteliers von Thomas Cook erst nach Monaten ihre Leistungen bezahlt?
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht nutzt der Grosse "too big to fail" die Zahlungskonditionen dank seiner Marktmacht aus und schiebt die Valutatage mit jeder neuen Saison nach hinten. Hilft ihm, eine hohe Liquidität im Hause zu behalten. Ist diese weggeschmolzen, dann droht die Insolvenz. Wurde bei Thomas Cook ein paar Mal umschifft, das letzte Mal bedeutete dies das Aus. Dass als Kollateralschaden auch noch weitere Reise-Partner in den Abgrund gerissen werden, liegt in der Natur solcher Dinosaurier. Wird bei anderen grossen Reisebüros rund um die Welt wohl gleich aussehen. ganzeinfach

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herkurius 02.10.2019, 08:35
9.

Zitat von juanth
Die Deckungssumme gilt pro Veranstalter und Saison
Das habe ich anders gelesen: "(...) kritisiert Beate Wagner, Juristin bei der Verbraucherzentrale NRW gegenüber der "SZ". Noch fataler werde diese „Eigenheit“ des Gesetzes, dass die Höchstgrenze nicht pro Reiseveranstalter oder pro Schadenfall (also Insolvenz), sondern für alle möglichen Schäden, die ein Versicherer in einem Jahr in der Sparte der Pauschalreisen hat, gilt".

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