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Rentenreform: Gesetzeslücke erlaubt Berufsausstieg mit 61
DPA

Das Gesetz zur Rente mit 63 ist nicht nur heftig umstritten, es enthält auch handwerkliche Fehler. Eine Lücke ermöglicht, bereits mit 61 Jahren aus dem Vollzeit-Beruf auszusteigen, ohne später Abschläge befürchten zu müssen.

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kimmberlie67 29.06.2014, 06:38
180. Mal Reallistsch bleiben

wer kann es sich denn leisten bei den heutigen Arbeits-Verhältnissen mit 61 in Rente zu gehen?
Höchsten die Beamten.

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Berg 29.06.2014, 11:02
181.

Zitat von kimmberlie67
wer kann es sich denn leisten bei den heutigen Arbeits-Verhältnissen mit 61 in Rente zu gehen? Höchsten die Beamten.
Den sog. Vorruhestand hat es schon einmal in großem Umfang gegeben, und zwar im Osten nach der Wende. Ab 60 konnte man in Rente gehen, und wenn jemand mit 57 arbeitslos war, gab es ALG bis zum Renteneintritt. Und das überhaupt nicht für Beamte, denn die gab es in der DDR gar nicht. - Selbstverständlich mussten alle Vorruheständler ihre Lebenshaltungskosten praktisch halbieren, sofern kein anderweitige Geld vorhanden war. Jeder muss selber entscheiden, was er sich dann "leisten" kann. Aber, um Ihre Frage zu beantworten: Millionen konnten es.

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naklar? 29.06.2014, 15:04
182. Also halten wir fest ...

... im Grunde werden die Altersvorsorgesysteme allesamt in irgendeiner Weise vom Staat gsponsert. Bei den Rentnern werden so 30% und ansteigend vom Staat dazugebuttert. Bei den Beamten sind es eh und je 100% Steuergelder.
Die anderen Vorsorgesysteme werden über bestimmte Vergünstigungen durch die Hintertür vom Staat gesponsert.

Es kommt mir bei der Diskussion immer vor wie: Haltet den Dieb; nur weiß keiner mehr wirklich wer der Dieb ist.

Ich habe schon etliche angehende Rentner erlebt, die sich mit Mühe zum 65ten geschleppt haben. Mir muß keiner mehr etwas erzählen mit dem Thema arbeiten über 65j. Da sind maximal noch Aushilfsjob in Teilzeit vorstellbar und das nur bei wenigen und nur sehr begrenzt. Aber vielleicht kommt ja irgendwann die Wunderpille. Die Rentner von heute erscheinen zwar relativ leistungsfähig, aber da ist leider mehr Schein als Sein.

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Berg 29.06.2014, 15:39
183.

Zitat von naklar?
... im Grunde werden die Altersvorsorgesysteme allesamt in irgendeiner Weise vom Staat gsponsert. Bei den Rentnern werden so 30% und ansteigend vom Staat dazugebuttert. Bei den Beamten sind es eh und je 100% Steuergelder. Die anderen Vorsorgesysteme werden über bestimmte Vergünstigungen durch die Hintertür vom Staat gesponsert. Es kommt mir bei der Diskussion immer vor wie: Haltet den Dieb; nur weiß keiner mehr wirklich wer der Dieb ist. Ich habe schon etliche angehende Rentner erlebt, die sich mit Mühe zum 65ten geschleppt haben. Mir muß keiner mehr etwas erzählen mit dem Thema arbeiten über 65j. Da sind maximal noch Aushilfsjob in Teilzeit vorstellbar und das nur bei wenigen und nur sehr begrenzt. Aber vielleicht kommt ja irgendwann die Wunderpille. Die Rentner von heute erscheinen zwar relativ leistungsfähig, aber da ist leider mehr Schein als Sein.
Warum so abwertend? Natürlich nimmt das Arbeitsvermögen im fortschreitenden Rentenalter ab. Deswegen oder gerade deshalb ist es okey, wenn am Beginn des Rentenbezugs etwas, ein kleines bisschen weitergearbeitet wird, was dann langsam ausklingt, vielleicht auch etwas anderes als im Berufsleben. Ganz natürlich, und selbstverständlich je nach Leistungsfähigkeit.

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kimmberlie67 30.06.2014, 08:19
184. Aber nur Menschen aus der DDR!

Zitat von Berg
Den sog. Vorruhestand hat es schon einmal in großem Umfang gegeben, und zwar im Osten nach der Wende. Ab 60 konnte man in Rente gehen, und wenn jemand mit 57 arbeitslos war, gab es ALG bis zum Renteneintritt. Und das überhaupt nicht für Beamte, denn die gab es in der DDR gar nicht. - Selbstverständlich mussten alle Vorruheständler ihre Lebenshaltungskosten praktisch halbieren, sofern kein anderweitige Geld vorhanden war. Jeder muss selber entscheiden, was er sich dann "leisten" kann. Aber, um Ihre Frage zu beantworten: Millionen konnten es.

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Berg 30.06.2014, 08:58
185.

Zitat von kimmberlie67
Aber nur Menschen aus der DDR!
Na und? Das sind auch Deutsche, Menschen! Jede Regelung betrifft immer nur eine bestimmte Gruppe. Fakt ist: es geht, dass man sich mit frühzeitiger Verrentung abfindet und auf mehrere Jahre Erwerbstätigkeit mit Rentenbeitragszeiten verzichtet. DAS war die Frage des Foristen.

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karl-felix 30.06.2014, 14:44
186. Nein

Zitat von Berg
Na und? Das sind auch Deutsche, Menschen! Jede Regelung betrifft immer nur eine bestimmte Gruppe. Fakt ist: es geht, dass man sich mit frühzeitiger Verrentung abfindet und auf mehrere Jahre Erwerbstätigkeit mit Rentenbeitragszeiten verzichtet. DAS war die Frage des Foristen.
das war die Frage nicht. Die Frage war, wer sich das leisten kann, heutzutage . Nicht vor 20 Jahren als Folge eines zusammengebrochenen Staates.

Das ist so ähnlich, als wenn Sie auf die Frage, wer kann es sich leisten, heute sein Haus in die Luft zu sprengen, antworteten : Im Krieg Millionen Deutsche.
Also. Obwohl zur der damaligen Zeit die Rentenansprüche höher waren als heute, obwohl über die Erwerbsbiografien der Frauen viel Not unter den Rentnern der ehem. DDR gemildert wurde ( zumindest in unserer Familie ), leisten konnte sich das schon damals keiner.Die Menschen haben das erlitten, nicht sich geleistet.

Die Renten waren allerdings Kaufkraft bereinigt nach meiner Kenntnis deutlich höher, als die DDR-Altersversorgung.
Die Rentner waren wohl ein Teil der DDR-Bevölkerung, die sich nicht massiv verschlechterten.

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Berg 30.06.2014, 15:07
187.

Zitat von karl-felix
Also. Obwohl zur der damaligen Zeit die Rentenansprüche höher waren als heute, obwohl über die Erwerbsbiografien der Frauen viel Not unter den Rentnern der ehem. DDR gemildert wurde ( zumindest in unserer ....
Eben das hatte ich beschrieben. Es ging damals, und m.E. geht es auch heute. - Natürlich liegen die Verhältnisse heute etwas anders. Aber auch heute gehen viele lieber eher in Rente und verzichten auf eine höhere Rente, da ja die Bezugsdauer länger ist.

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karl-felix 30.06.2014, 17:03
188. Mir

Zitat von Berg
Eben das hatte ich beschrieben. Es ging damals, und m.E. geht es auch heute. - Natürlich liegen die Verhältnisse heute etwas anders. Aber auch heute gehen viele lieber eher in Rente und verzichten auf eine höhere Rente, da ja die Bezugsdauer länger ist.
ging es darum klarzustellen, dass im Deutschen und in der Realität erdulden und erleiden etwas anderes ist, als sich etwas leisten.
Diese angebliche Gesetzeslücke ist nur für eine Handvoll Menschen interessant, insbesondere wohl für diejenigen, die knapp um die Grundsicherung liegen und die der Staat zwang, die privaten Altersrückstellungen aufzuzehren bevor Hartz IV griff. Aber vermutlich noch nicht einmal für die.
Wir lesen ja die wohl gleichen Medien:

" Denn die wenigsten wollen, dass es Ihnen so ergeht wie Sonja Hermann.Wenn sie ..in den Ruhestand geht, wird sie ...eine Rente von 560 Euro Rente bekommen, obwohl sie ab Mitte der 60ger Jahre gearbeitet hat. ... Auch die Riester Rente wird auf die Sozialhilfe angerechnet.
Biografien wie die..gibt es viele in Deutschland..besonders im Osten ."
(19/2014,S.62/63 )
Ich denke, da hat der Spiegel recht und nicht Sie. Das wollen nur die wenigsten.
Und ich finde es nicht in Ordnung, da im Tenor: Die nutzen eine Gesetzeslücke aus um sich zu bereichern auf Kosten der Steuer- und Beitragszahler -
Stimmung zu machen.

Mit 61 arbeitslos und von da in Rente, bedeutet Altersarmut. Keiner der angeblichen Profiteure der 63er Regelung, also die gut verdienenden Facharbeiter mit ungebrocherner Erwerbsbiografie wird freiwillig auf soviel Geld verzichten.
Von dem Versprechen der damaligen rot-grünen Bundesregierung, das Rentenniveau abzusenken, profitiert niemand , ausser den Arbeitgebern.
Und die 63er Regelung ist ein geringer Gerechtigkeitsausgleich. Sage ich, obwohl mir nach 50 Jahren Berufstätigkeit 3,6 % von der Rente abgezogen werden.
Ich hatte halt das Glück der ungebrochenen Berufstätigkeit . Da gönne ich so einer armen Socke wirklich ohne Abschläge in Rente zu dürfen.
Die haben in ihrem Leben Prügel genug eingesteckt.

Und was die Bezugsdauer der Rente angeht, das sind in der Regel diejenigen, die am längsten gearbeitet haben und am kürzesten Rente beziehen.

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Berg 01.07.2014, 09:01
189.

Zitat von karl-felix
ging es darum klarzustellen, dass im Deutschen und in der Realität erdulden und erleiden etwas anderes ist, als sich etwas leisten. .
Uff. Jetzt haben Sie mir aber zweimal gehörig die Leviten gelesen. Und ich habe also nicht Recht. Naja, ich werde es verkraften. Sie sehen alles aus Ihrer Perspektive, ich aus meinem Blickwinkel. Eigentlich wollte ich mich nicht weiter ausbreiten damit, aber auf Ihre ausführlichen Darstellungen zu schweigen, wäre wohl unhöflich.

Ob nun "erdulden" oder "leisten können" - diese Aufstockungen sind nunmal eingeführt, um Rentnern mit niedrigen gesetzlichen Renten zu helfen. Das ist kein "profitieren", sondern eine einfache staatliche Hilfe, auf die jeder Bedürftige Anrecht hat, dem Rentenpunkte fehlen.

Und wenn Sie die Bezugsdauer einfach so mit erdachten "in der Regel"-Fällen wegwischen: der Fakt bleibt: wer eher in Rente geht, bezieht früher Rente, also schon in der Zeit vor dem regelgerechten Eintrittsalter, also "in der Regel" ein paar Jahre mehr. (Is eine andere "Regel"). Und um damit die Rentenkasse nicht vollständig zu belasten, gibts ein paar Euro weniger. Rente mit 61 ist famos!

Und auf diese sog. Armut (Einkommen, berechnet in Prozent von einem Durchschnittswert) bin ich allergisch. Das ist "arm" gerechnet - muss aber die Gesamtlebenssituation gar nicht widerspiegeln, wo durchaus aus anderen Quellen Vermögenswerte entstehen. - Und wer wirklich arm dran ist, für den sind alle sozialen Netze aufgespannt - ja, bis hin zu Tafeln und Kleiderkammern - vernünftige Einrichtungen zur Verwertung der Überschussproduktion unserer Überflussgesellschaft.

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