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Revolutionäres Arbeitsmodell: IBM schafft den Miet-Jobber

Der massive Stellenabbau beim IT-Konzern IBM ist offenbar Teil eines radikal neuen Job-Konzepts. Nach Informationen des SPIEGEL soll das Unternehmen künftig nur noch eine kleine Kernbelegschaft haben - die meisten Aufgaben würden dann externe Kräfte erledigen, die von Fall zu Fall eingekauft werden.

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Lagenorhynchus 05.02.2012, 12:50
180. riskant

Mit einem solchen Schritt wird IBM viel Insiderwissen rausgeben und so transferierbar machen. Das geht nur gut, wenn man immer die gleichen Leute anheuert - und die loyal sind.

Wenn ich als Kunde aber mit Beratern zu tun habe, die gar nicht wirklich IBM sind, werde ich doch zusehen, mir diese Leute günstiger direkt zu kaufen. Das kann IBM nur durch eine rigide Monopolpolitik verhindern, die zum Einkauf der Leistungen über IBM zwingt.

Klingt alles nach cerebralem Meteorismus aus irgendwelchen Strategieabteilungen, die mit solchen Meldungen den Personalrat einschüchtern wollen. Na, viel Glück.

Haben diese Leute sich eigentlich mal die demographischen Daten in Deutschland angeguckt? In ein paar Jahren kann ein Großunternehmen über jeden engagierten, loyalen Spezialisten froh sein - und Spezialisten aus anderen Sprach- und Kulturregionen mal eben so zuzuschalten, ist auch nicht so einfach.

Ich werte das also erst mal als PR, immerhin hat IBM es ja damit auf SPON Seite 1 geschafft.

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realburb 05.02.2012, 12:50
181. nichts besonderes

Das ist doch ein alter Hut, macht doch Audi zB auch so. Ein Drittel der Leute dort sind schon extern und das gilt auch für Ingenieure. So sieht das aus wenn diese Firmen sagen, sie stellen ein.

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akolyth2 05.02.2012, 12:51
182. Gewinne

Zitat von prefec2
...BTW: Die größten Sparpotentiale in IT-Projekten lassen sich im Projektmanagement finden. Da gibt es einfach noch viel Potential. Da muss niemand weniger Gehalt bekommen.
Wie ich bereits gesagt habe: in der Beratung (i.e. Projektmanagement) liegen aber auch die höchsten Gewinne. Und die will kein Unternehmen verringern!
Es geht beim Outsourcing ausschließlich um Kosten (insbesondere Personalkosten).
Denn es folgt der alten Weisheit, Kosten zu externalisieren und Gewinne zu internalisieren. Somit werden dann die Kosten variabel und die Gewinne stetig (habe ich bereits am Beispiel des ULA von Oracle erläutert).

Und eine sehr marktwirtschaftliche Frage zu Ihrem letzten Satz wäre:"Weswegen sollte man sich nicht noch mehr Gehalt genehmigen, indem man anderen weniger gibt und so die Kosten verringert?"

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prefec2 05.02.2012, 12:52
183. Sozial oder Asozial

Zitat von Litajao
Wenn sich dieses Modell durchsetzt, kann sich Europa, vor allem aber Deutschland nur sehr, sehr warm anziehen. Dann gibt es keine Arbeitsverträge mehr, mit sozialer Absicherung, sondern knallharte Werkverträge.
Wenn die Leute für Projekte angestellt werden, so werden sie auch da Sozialabgaben entrichten. Für den Unternehmensanteil würde es sich sowieso anschicken weg vom Angestelltenbezug bei den Sozialleistungen zu kommen und das auf den Umsatz oder den Ertrag (vor Ausschüttung) anzuwenden.

Die Gewerkschaften sind BTW nicht da, weil sie mit der Postmoderne so ihre Schwierigkeiten haben. Sie wollen immer noch Arbeit für alle. Dabei sollten sie für eine Auskommen und eine Aufgabe für alle sein. Schon bei den "Kreativen" haben sie keine Bedeutung, weil die Arbeitssituation nicht gewerkschaftskompatibel ist. Da funktionieren keine Tarifverträge, weil die Unternehmen nicht organisiert sind. Hier müsste anders vorgegangen werden. Das ist schwierig. Aber dort haben die Gewerkschaften nichts entwickelt. Die "Kreativen" selbst haben auch keinen Weg raus aus ihrer Misere gefunden.

Wenn das nun auch im IT-Bereich wieder in Mode kommt (das letzte mal war das zu New Economy Zeiten) dann wird das die Produktivität senken. Aber am Ende knallt es dann eben wieder. Wir können davon ausgehen, dass es also in 5-10 Jahren peng macht.

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heinrichbergmann 05.02.2012, 12:53
184. Schutz? Nein Danke!

Zitat von sysop
Der massive Stellenabbau beim IT-Konzern IBM ist offenbar Teil eines radikal neuen Job-Konzepts. Nach Informationen des SPIEGEL soll das Unternehmen künftig nur noch eine kleine Kernbelegschaft haben - die meisten Aufgaben würden dann externe Kräfte erledigen, die von Fall zu Fall eingekauft werden.
Ich selbst bin seit mehr als 10 Jahren als freiberuflicher Consultant im IT-Bereich taetig. Von meinen Auftraegen kann ich sehr gut leben und habe kein interesse daran dass mich wohlmeinende Gewerkschaften oder Gesetze vor den 'boesen' Firmen schuetzen. Ganz im Gegenteil empfinde ich solche Bestrebeungen oft als hinderlich.

Als mich zB. einer meiner Auftraggeber neulich bei einem Gespreach bat ,die Kuendigungsfrist von 3 Monaten auf 1 Monat zu kuerzen antwortete ich spontan dass ich stattdessen eine Kuendigungsfrist von 24 Stunden vorziehen wuerde - schliesslich wuerde diese Regelung dann fuer beide Seiten gelten. Ich tat dies , da nie ein Problem hatte, einen neuen Auftrag zu bekommen und nirgendwo arbeiten will wo ich nur wegen irgendwelcher Regelungen noch 'geduldet' werde.

Natuerlich gibt es auch im IT-Sektor weniger qualifizierte Freiberufler, die ein Mehr an Sicherheit der unternehmerischen Freiheit vorziehen wuerden - allerdings weiss ich auch aus vielen Gespraechen mit Kollegen dass dies laengst nicht bei uns allen der Fall ist.

Gewerkschaften und Gesetzgeber wuerde ich raten, ihre Fuersorge auf die wirklich Beduerftigen in diesem Sektor zu konzentrieren und Leute wie mich einfach meine Arbeit machen zu lassen.

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MatzeH 05.02.2012, 12:54
185. Stundensatz

Zitat von stauchert
Vielleicht beantwortet das Ihre Frage: Die Stundensätzen für halbwegs brauchbare IT-Freelancer fangen im Projektgeschäft bei 80€ an. [...]
Na, wenn denn erst einmal die ehemaligen IBM-Mitarbeiter um diese Projekte konkurrieren, wird der Stundensatz ebenfalls sinken.

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dingodog 05.02.2012, 12:54
186. Der nächste Schiffbruch

Nachdem schon Oracle und HP mit irrwitzigen Strategien Partner und Kunden verschreckt haben, macht sich auch IBM auf den Weg. Schade. Jedes Mittelstands-IT-Haus, das mit IBM zusammenarbeitet, weiss, dass man sich die IBM-Software und komplexere Hardware (Power, BladeCenter, Storage) wissensmäßig erst erarbeiten muss und dass man viel falschmachen kann. "Schein"-Zertifizierungen nutzen da nicht viel.

Die freien Berater am Markt haben ihr Wissen meist auf die "Mainstream"-Produkte ausgerichtet, und das sind in der Regel NICHT die IBM-Produkte der jeweiligen Kategorie. IT-Projekte sind sowieso schon komplex genug; wenn ich mir vorstelle, ein größeres Projekt mit zusammengekauften Leuten durchführen zu müssen, die nur zu 20% mit dem jeweiligen Produkt arbeiten und zu 80% mit dem Konkurrenzprodukt, bekomme ich Angst. Ich fürchte, dem IBM-Management ist die Komplexität der eigenen Produkte nicht bewusst.

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stauchert 05.02.2012, 12:56
187.

Zitat von tonihormoni
Ich zweifele auch daran, ob sich IBM mit dieser Strategie auf Dauer ein eigenständiges Profil bewahren kann. Nun gut, das andere Extrem haben wir bei Siemens gesehen, die sind mir ihrem Rezept in der IT ebf. gescheitert.
Das ist sicherlich ein Problem.
Andererseits kann ich die (vermutlichen) Beweggründe bei IBM gut nachvollziehen.
Im Projektgeschäft ist es schwer ein grosses Heer an Entwicklern sinnvoll und motivierend zu beschäftigen. Wenn nicht genügend Projekte angekarrt werden können, bleibt man auf hohen Fixkosten und unmotivierten Entwickler sitzen, während sich die guten Leute von Langeweile getrieben abseilen.

Da ist man schnell mal gezwungen für Projekte mit Dumpingpreisen zu bieten, oder für Projekte, von denen einem der gesunde Menschenverstand sagt, daß das Projekt von vornherein zum Scheitern verurteilt ist (siehe ZVS und T-Systems).

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akolyth2 05.02.2012, 12:58
188. Apple 2

Zitat von PublicTender
Boykottiert solche Firmen! IBM und Nokia auf rote Listen!
... und Apple auch (Apple: Make the iPhone 5 ethically | SumOfUs) XD.

Und wie ich bereits gesagt hatte: da IBM keine Commodity Products (PCs, Laptops) mehr im Angebot hat, können Privat-Kunden IBM auch nicht boykottieren.

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Tolotos 05.02.2012, 13:05
189. Von Deutschland lernen heißt hungern (lassen) lernen?!

Zitat von sysop
Der massive Stellenabbau beim IT-Konzern IBM ist offenbar Teil eines radikal neuen Job-Konzepts. Nach Informationen des SPIEGEL soll das Unternehmen künftig nur noch eine kleine Kernbelegschaft haben - die meisten Aufgaben würden dann externe Kräfte erledigen, die von Fall zu Fall eingekauft werden.
Schöne neue Sklaverei!
Zitat von Artikel
IBM ist mit seinem Arbeitsmodell konsequenter Vorreiter einer Entwicklung, die sich in Deutschland bereits seit längerem abzeichnet. Nach bisher unveröffentlichten Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sank die Zahl der unbefristeten Vollzeitjobs von 1999 bis 2009 um 18,5 Prozent. Mittlerweile sind nur noch etwas über die Hälfte alle Arbeitnehmer so beschäftigt. Zugleich stieg die Zahl der atypischen Erwerbsformen - etwa Leiharbeit oder Solo-Selbständigkeit - um fast 79 Prozent an
Das eigentliche deutsche Jobwunder ist vermutlich, dass es der deutschen parlamentarischen Lobby gelungen ist, ihrer Klientel immer mehr Jobs für immer weniger Geld anzubieten.

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