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Revolutionäres Arbeitsmodell: IBM schafft den Miet-Jobber

Der massive Stellenabbau beim IT-Konzern IBM ist offenbar Teil eines radikal neuen Job-Konzepts. Nach Informationen des SPIEGEL soll das Unternehmen künftig nur noch eine kleine Kernbelegschaft haben - die meisten Aufgaben würden dann externe Kräfte erledigen, die von Fall zu Fall eingekauft werden.

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doom.bin 05.02.2012, 09:12
30. Arme IBM Kunden

Zitat von sysop
Der massive Stellenabbau beim IT-Konzern IBM ist offenbar Teil eines radikal neuen Job-Konzepts. Nach Informationen des SPIEGEL soll das Unternehmen künftig nur noch eine kleine Kernbelegschaft haben - die meisten Aufgaben würden dann externe Kräfte erledigen, die von Fall zu Fall eingekauft werden.
Diese Modelle sind in den USA und der UK auch sehr beliebt, allerdings werden Indische IT Giganten gewaehlt um die Rahmenvertraege fuer Ihre Angestellten (meisten Kontrakter oder Sub-Kontrakter) bereitzustellen.

Die Ergebnisse dieser Projekte sind immer sehr entaeuschend, weil a) sich niemand mit weder dem Auftraggeber noch dem Projekt identifiziert, b) es einem sehr egal sein kann ob das Ergebnis in Produktion funktioniert, c) sollte es nur sehr schlecht funktionieren (und es nicht direkt die eigene Schuld sein) kann man fuer viel laenger am Projekt arbeiten und endloss Pflaster auf gebrochene Knochen kleben.

IBM hat recht - die Programme/Projekte werden viel billiger abgewickelt. Da IBM auch ein Dienstleister sind, kann Ihnen die dadurch erzielte schlechte Qualitaet nur Recht sein ... endlose Servicevertraege.

Da all die anderen Dienstleister genau so arbeiten, macht es auch keinen grossen Unterschied ob IBM am Ende rausfliegt. Einer der anderen Dienstleiter is gerade wegen derselben Gruende irgendwo anders rausgeflogen und IBM kann deren Katastrophe uebernehmen.

Solange Fuehrungskraefte zu feige (und zu unqualifiziert) sind die Verantwortung fuer die eigenene Projekte zu uebernehmen, ihren Mitarbeitern trauen diese vernuentig auszufuehren und anstellendessen zu den Dienstleitern gehen um das eigene Hinterteil zu schuetzen, wird dieses System gut funktionieren.

Mit dem IBM Model wird es noch schlechter werden. Tausende von "Heimarbeitern" werden mehr oder weniger aneinander vorbei arbeiten, das Projekt sofort verlassen sobald etwas besser zahlendes vorbei kommt und die schlechteste moegliche Qualitaet abliefern.

Arme IBM Kunden!

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Bembel137 05.02.2012, 09:12
31.

Zitat von sysop
Der massive Stellenabbau beim IT-Konzern IBM ist offenbar Teil eines radikal neuen Job-Konzepts. Nach Informationen des SPIEGEL soll das Unternehmen künftig nur noch eine kleine Kernbelegschaft haben - die meisten Aufgaben würden dann externe Kräfte erledigen, die von Fall zu Fall eingekauft werden.
Möglicherweise ein interessantes Konzept, welches sicherlich seine Vorteile für beide Seiten haben kann. Was mir aber auch als mögliche Risiken einfällt sind:

* IBM läuft Gefahr seine Kernkompetenz zu verlieren und beliebig zu werden
* Falls man dieses Konzept nicht nur für Last-Spitzen, sondern grundsätzlich nutzen will, muss dies nicht unbedingt preiswerter sein (Freelancer, vor allem in dem Bereich in dem sich die IBM tummelt, sind nicht preiswert und kennen in der Regel ihren Preis!!)
* IBM läuft Gefahr in Einzelsituationen Projekte nicht mehr staffen zu können, was dann auch zu einem Imageverlust führen kann

Die Zukunft wird zeigen, ob der Weg funktioniert.

In den 80er hatte die IBM (meines Wissens nach aus den USA initiiert) auch schon mal eine tolle Idee:
Man war der Ansicht, dass man zu viele Leute an Bord hätte und hat um die Personalstärke zu reduzieren sehr ordentliche Abfindungen versprochen & gezahlt. Das Problem war dann, dass vor allem die Guten und Erfahrenen dieses Angebot angenommen haben ... als man dann merkte, dass man Projekte nicht mehr gestafft bekam, musste man diese Leute für sehr viel Geld (zunächst als Freelancer) wieder einkaufen - sprich erst hat man sehr viel Geld bezahlt, um die Leute los zu werden und dann hat man noch mal sehr viel Geld bezahlt, um diese Leute wieder an Bord zu nehmen.

Wie gesagt ... die Zukunft wird zeigen, ob der Weg (auch im Wettbewerb) funktioniert.

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micha-mille 05.02.2012, 09:13
32. Falsche Richtung

Zitat von sysop
Der massive Stellenabbau beim IT-Konzern IBM ist offenbar Teil eines radikal neuen Job-Konzepts. Nach Informationen des SPIEGEL soll das Unternehmen künftig nur noch eine kleine Kernbelegschaft haben - die meisten Aufgaben würden dann externe Kräfte erledigen, die von Fall zu Fall eingekauft werden.
Na super. Noch mehr Flexibilisierungswahn zu Gunsten des Ergebnisses, des Shareholder Value und zu Lasten der Arbeitnehmer. Hire and Fire nach Belieben. Ich hoffe, dass dieser Wahnsinn sich irgendwann umkehrt.

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alexfiftyfour 05.02.2012, 09:17
33. Ob sich das lohnt?

Zitat von sysop
Der massive Stellenabbau beim IT-Konzern IBM ist offenbar Teil eines radikal neuen Job-Konzepts. Nach Informationen des SPIEGEL soll das Unternehmen künftig nur noch eine kleine Kernbelegschaft haben - die meisten Aufgaben würden dann externe Kräfte erledigen, die von Fall zu Fall eingekauft werden.
IBM könnte sich ganz schön wundern, wenn die Wirtschaft gut läuft sie plötzlich keine Leute mehr bekommen, weil diese in unbefristeten Angestelltenverhältnissen bei der Konkurrenz sind.
Ein Unternehmen macht sich mit so einem Modell von "Good Will" der Mietarbeiter abhängig. Das mag für eine Tätigkeit mit geringer Qualifikation funktionieren, weil hier der Pool der Arbeitskräfte sehr größ ist, aber glaubt IBM wirklich eine Putzfrau würde sich über so eine Online Plattform bewerben?
Und wenn ich als Informatiker bei IBMs Konkurrenz eine unbefristete Festanstellung bekomme, gehe ich sicher nicht zu IBM Auftragsjobben.

Ich denke IBM schadet sich damit nur selber.

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flieder2 05.02.2012, 09:19
34. Miet Jobber

Nichts neues. Ein Freund wurde von einem Autokonzern entlassen, seine IT Abteilung wurde outgesourct und er wurde dort als Selbstaendiger jahrelang fuer verschiedene Projekte weiter- beschaeftigt. Er hat sich dann nebenbei ein zweites eigenes Firmenstandbein aufgebaut. 3 Tage i.d. Woche fuer den Autokonzern, 2 Tage i.d. Woche fuer die eigene Firma. Er hat sich dumm und dusselig verdient.
Jetzt werden einige wuetend aufschreien, aber bei dem deutschen Kuendigungsschutz kann ich diese Konzernentscheidung verstehen.
Ich habe vor zig Jahren eine Abteilung in einem grossen Konzern uebernommen und am aergerlichsten waren die ueber 50iger, die ich geerbt habe. Nicht gewillt ,sich der Jobrotation und neuen Organisationen anzupassen, staendig die Argumente: So haben wir seit Jahren gearbeitet und das war so richtig.
Diese Leute kosten sehr viel Geld und sie boykottieren Neuerungen und man wird sie nicht mehr los.
Diese Probleme werden die Firmen in Zukunft nicht mehr haben.
Es ist fuer die Mitarbeiter mit grosser Unsicherheit verbunden, klar, aber wer flexibel ist, wird sich dort erfolgreich durchbeissen.

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KnechtRuprecht 05.02.2012, 09:19
35. normale beschäftigungsform

Zitat von sysop
Der massive Stellenabbau beim IT-Konzern IBM ist offenbar Teil eines radikal neuen Job-Konzepts. Nach Informationen des SPIEGEL soll das Unternehmen künftig nur noch eine kleine Kernbelegschaft haben - die meisten Aufgaben würden dann externe Kräfte erledigen, die von Fall zu Fall eingekauft werden.
seltsam dass spiegel erst seit 2012 von diesem jobmodell erfährt.
ich bin seit 2008 berufstätig (meinen allerersten job, nämlich als hartz4 empfänger zähle ich mal nicht dazu).

meine jobkonstellation ist folgende; mit firma1 habe ich einen normalen arbeitsvertrag (40 stunden woche). arbeiten tue ich aber für eine noch grössere firma (firma2), die einen it support vertrag mit einer behörde hat. das wäre dann also firma3 bei der ich dann vor ort arbeite.
ach ja, bei diesen 3 firmen handelt es sich nicht um ibm.

und noch was, sowas wie urlaubs- oder weihnachtsgeld kenne ich nur von den arbeitnehmerbiografien der heutigen rentnergeneration.

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Progressor 05.02.2012, 09:24
36. Keine gute Idee

IBM wird staunen, wie teuer Spezialisten werden, wenn diese auf freiberuflicher Basis arbeiten, zumal wie geplant auf dieser Plattform ja wohl viele IT-Unternehmen mit einander konkurrieren werden.

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sonntagsbrötchen 05.02.2012, 09:25
37.

Zitat von sysop
Der massive Stellenabbau beim IT-Konzern IBM ist offenbar Teil eines radikal neuen Job-Konzepts. Nach Informationen des SPIEGEL soll das Unternehmen künftig nur noch eine kleine Kernbelegschaft haben - die meisten Aufgaben würden dann externe Kräfte erledigen, die von Fall zu Fall eingekauft werden.
Dann muss ich nur noch warten bis der Aktienkurs auf Gund dieser Nachricht steigt und meine Aktien verkaufen bevor jemand bemerkt das dieser Schuss gewaltig nach hinten los geht. IBM lebt vom KnowHow seiner Mitarbeiter. Der Verkauf von diesem Wissen an die Kunden ist mittlerweile das Kerngeschäft und nicht mehr der Bau von schwarzen Kisten für's RZs.

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jajo76 05.02.2012, 09:28
38.

Zitat von sysop
Der massive Stellenabbau beim IT-Konzern IBM ist offenbar Teil eines radikal neuen Job-Konzepts. Nach Informationen des SPIEGEL soll das Unternehmen künftig nur noch eine kleine Kernbelegschaft haben - die meisten Aufgaben würden dann externe Kräfte erledigen, die von Fall zu Fall eingekauft werden.
Der einzige Trost: Die Hyperoptimierung moderner Lohnsklaverei wird kollabieren. Irgendwann werden die Ausbeutungssysteme zusammenbrechen, weil es a) kaum noch Konsumenten gibt (wer ist schon bereit in Luxusgüter zu investieren, wenn er nicht weiß, ob er morgen noch ein Einkommen hat) und b) sich die eigene Perfidie irgendwann gegen die Macher selbst richten wird. Angeblich mangelt es doch an Fachkräften - da braucht nur ein Konkurrent z.B. Festverträge anzubieten (und seien sie noch so mies) schon laufen die Arbeitnehmer zu diesem über. Und c) bleibt einfach noch zu hoffen, dass es schlicht Revolte gegen diese Kapitalismuskrake gibt.

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dipl.-ingo 05.02.2012, 09:28
39. Miet-Jobber? Nö, Lohnsklave!

Natürlich möchte IBM nur einen Bruchteil der Lohnkosten tragen. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit möchten sie sicher auch unsere (aus Steuergeldern bezahlte) Infrastruktur, unser Bildungswesen (trotz PISA noch sehr gut) und unsere politisch stabile Situation nutzen.
Zu blöde nur, dass diese Punkte darauf basieren, das ein gewisser Wohlstand vorhanden ist. Aber ist ja kein Problem, IBM baut jetzt sicher riesige Bürokomplexe in Nigeria, dort bekommt man für kleines Geld (sie wollen ja sparen) Bauland und Bauarbeiter. Die Vorschriften sind da auch sehr locker, wie man hört...
Für mich hört sich das nicht revolutionär, wie es im Artikel anklingt, sondern lediglich nach einem neuen Tiefpunkt bei der Übernahme sozialer Verantwortung an.
Einziger (schwacher) Trost: Gerade bei Spezialisten ist eine längere Einarbeitungszeit notwendig, weswegen ich das Projekt auch mindestens für die nächste Dekade in den tiefroten Zahlen sehe. Von der Qualität mal ganz zu schweigen.

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