Forum: Wirtschaft
Risiko Immobilienkauf: Lage, Lage, Lage - und Lebensentwurf
DPA

Der eine will den großen Hof im Emsland, der andere eine Altbauwohnung in Berlin - für wen ist das Risiko größer? Es kommt darauf an. Zwei zentrale Faktoren helfen bei der Entscheidung weiter.

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bembelsche 24.06.2017, 08:21
1. Endlich

Endlich. Endlich ein Beitrag, der die gesamte, seit Jahren andauernde Diskussion, ob wir nun eine Blase am Immobilienmarkt haben, oder nicht, in das rechte Licht rückt.
In sämtlichen bisherigen Artikeln, auch bei SPON, wurde bisher nie die persönliche Lebenssituation einbezogen. Die ist aber neben der Lage genauso entscheidend beim Hauskauf.
Ich hoffe, jetzt wird die Diskussion endlich einmal mit den richtigen Prämissen geführt und Artikel geschrieben, die sich entweder an Investoren richtet, oder an Menschen, die ein Platz für Ihr Leben suchen.
Danke für den Artikel

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marthaimschnee 24.06.2017, 08:40
2. Politik!

Beide Szenarien hängen davon ab, ob die Politik gewillt ist, die aufkommenden Probleme zu lösen, oder sich weiterhin nur darauf beschränkt, sie in Form des Schwarzen Peters von einem zum anderen zu schieben. Beginnen wir mal mit dem Wegzug der jungen Menschen aus ländlichen Gegenden. Sicher sind da einige bei, die unbedingt in der Großstadt leben wollen, viele gehen jedoch, weil schlicht jegliche Perspektive fehlt. Diese fehlt, weil die konservative Politik es der Wirtschaft so leicht wie möglich machen will und deswegen zuläßt, daß diese sich ungehindert an den für sie günstigsten Punkten niederläßt. Und das ist nunmal nicht auf dem Lande. Gleichzeitig hat sie keine Probleme damit, solch Wirtschaftende massiv zu subventionieren, den Bäcker, den Fleischer oder den Arzt auf dem Land jedoch nicht, weswegen die inzwischen Mangelware sind. Also ziehen die Menschen in die Städte, produzieren dort aber Probleme der Wohnungsverteilung, soziale Konflikte, Verkehrsprobleme. Wenn es zu eng wird, ziehen sie in die Vorstädte und verursachen noch größere Verkehrsprobleme. Die Politik hat auf nichts davon Antworten. Der soziale Wohnungsbau wurde und wird der Rendite von Immobilienkonzernen geopfert, soziale Spannungen durch verstärkte Prekarisierung gefördert, Verkehrs- und daraus resultierende Umweltprobleme entweder ignoriert, oder gleich mit der Keule begegnet. Langfristige Perspektiven, Planungssicherheit, eben das, was ein Hauskäufer oder -bauer benötigt, wird nicht geliefert. Das Konzept ist, auf den SuperGAU zu warten und das ist Müll.

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guentherzaruba 24.06.2017, 08:42
3. werden Betriebe oder Supermärkte

sich in Gegenden wo ein Bevölkerungswachstum / Neubaugebiet entsteht? Bauen Menschen dort wo schon eine Infrastruktur besteht?? Das hängt alles an sehr vielen Seidenen Fäden , meiner Ansicht nach.

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thequickeningishappening 24.06.2017, 08:50
4. Lage-Anlage-Lebensqualität?

Die Lage kann eine gute Anlage sein, die Kriterien für Lebensqualität aendern sich mit dem Alter!

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peeka(neu) 24.06.2017, 08:54
5. Man bekommt den Eindruck

dass die Bausubstanz und die allgemeine Beschaffenheit der Imobilien überhaupt keine Rolle mehr spielen. Vermutlich wird es wieder eine Schwemme von Schrottimmobilien geben, für die die Käufe mit Blick auf "Lage, Lage, Lage" schlichtweg viel zu viel bezahlt haben und sich dann wundern, dass sie zwar jede Menge Nachfolgekosten, dafür aber keine Mieteinnahmen haben.

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thomas0815-1 24.06.2017, 09:00
6. Wie wäre es mal andersherum...

das unser ach so menschenfreundliches Gesellschaftssystem, sprich unsere Politik, mal gegensteuert? Warum ziehen denn die Menschen weg aus den schönsten Gegenden? Doch nicht weil sie Lust haben, ihre Heimat zu verlassen, sondern weil sie Geld verdienen müssen um zu Leben! Warum? Weil es unsere Wirtschaft, in ihrer Gier immer mehr Profit zu machen und deshalb Rationalisierungswahn (äh natürlich nur um wettbewerbsfähig zu bleiben), kleine Betriebe vor Ort schließt. Beispiel: Florena Waldheim. Erfolgreich die Wende überstanden, gute Entwicklung, stabile Arbeitsplätze in Waldheim. Das geht natürlich nicht, also kauft die Beiersdorf AG Florena auf, lässt anstandshalber noch ein paar Jahre in Waldheim produzieren und dann wird das Werk, leider, leider - die "Zwänge des Marktes", geschlossen. Rums, und schon gibt es in Waldheim keinerlei nennenswerte Arbeitsplätze mehr. Seht doch zu wie ihr klarkommt Waldheimer, so what... !? Tja Politik, der freie Markt macht alles gut - ein schönes, erfolgreiches Beispiel. Die Immobilienhaie in den Städten reiben sich die Hände, die Menschen in Waldheim sind die Doofen.

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KuGen 24.06.2017, 09:00
7. Nachfrageexplosion in den Großstädten .....

.....fällt nicht vom Himmel. sondern ist politikgemacht.

Politiker in den Großstädten sind geil nach Größe. Immer mehr Gewerbe, immer mehr Steuereinnahmen, immer mehr Menschen, das ist ihr Wille. Das Gegenteil wäre notwendig. Es darf halt NICHT weiteres Gewerbe angezogen werden, sondern ganz im Gegenteil, das muss pönalsiert werden, damit Neuansiedlungen in MIttelzentren gehen. Die Menschen werden folgen

Beispiel München . Hier wurde über Jahrzehnte massiv Gewebe angezogen (Motto siehe oben). Im Westen (Freiham) wird derzeit ein neuer Stadteil aus dem Boden gestampft, für 25.000 Personen, das bedeutet für den Bezirk Aubing +89 % Bevölkerungszuwachs. Die Stadt wir schon jetzt in jedem Jahr heißer, weil die Einfallschneisen für kühle Umlandluft immer stärker verbaut werden, Freihams Verbauung wird dies noch verstärken. Die Autostraßen sind schon jetzt massiv überfordert, und eine Verdoppelung wird ein Desaster werden. Über den ÖPNV wird seit Jahren nur gelabert, das unfassbar unbrauchbare Konzept einer Tram ist hier Favorit. Zusamengefasst : fast alles läuft falsch.

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Cyth 24.06.2017, 09:07
8. Wichtige Ergänzung

Der Kaufinteressent im Ländlichen sollte vor allem gründlich recherchieren, wie es mit Straßenbauprojekten im Umkreis seines Zielobjekts aussieht [sowas geht im Internet] und mit der industriellen Landwirtschaft [Großställe, Biogasanlagen..., das wissen u.U. Anwohner]. Sonst sitzt man schnell in der Falle. Für einen 20-Jahres-Zeitraum, von dem Tenhahen schreibt, gibt es allerdings infrastrukturell keine zuverlässigen Prognosen. Als Faustregel darf gelten, dass sich die externen Faktoren immer und sukzessive verschlechtern. Es hanelt sich um Kollateralschäden des Wachstumswahns.

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qoderrat 24.06.2017, 09:18
9. Glaskugel

Ich finde es spannend, dass Hr. Tenhagen glaubt heute schon vorhersagen kann, welches Viertel in 20 Jahren hip sein wird in Berlin. Wer vor 10 oder 15 Jahren in Berlin investiert hat, hat entweder enormen Weitblick oder Glück gehabt, aufgrund des Drucks auf den Wohnungsmarkt findet eine Verdrängung der ärmeren Schichten statt. Ob das aber überall in 20 Jahren auch noch gilt, muss man abwarten.

Man könnte sich auch Szenarien vorstellen, in denen das anders läuft. Z.B. wenn die Kriminalität überhand nimmt und die solventen Bewohner sich eine ruhigere Ecke suchen, sich mehr Heimarbeit durchsetzt und man lieber im Grünen lebt und arbeitet oder einfach auch nur eine Verlagerung von Arbeitsplätzen, weil sich eine Roboterfabrik leichter auf der grünen Wiese aufbauen lässt.

Dann verslumt ein Viertel innerhalb weniger Jahre, und der Besitz im Grünen jwd wird plötzlichen interessant, vor allem wenn man dort auch noch eine vernünftige Infrastruktur für die Heimarbeit hinbringt.

Für den Privatmann der nur ein Objekt kaufen kann ist eine Immobilie immer ein Risiko, denn 20 Jahre oder länger, wer kann heute schon voraussagen was für Veränderungen wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich in so einer langen Zeitspanne stattfinden. Wer weiss ob Hr. Tenhaben in 20 Jahren wirklich noch in seiner Wohnung in Berlin leben möchte. Ich habe erst vor ein paar Wochen in Barcelona versehentlich ein Viertel kennengelernt, da würde ich z.B. nicht alt werden wollen, und das obwohl die Infrastruktur vor Ort vorhanden war. Inklusive vergitterte Fenster bis ins 4. Stockwerk und Security im Schmuddel-Supermarkt.

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