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Riskante Finanzgeschäfte: Hessen soll Steuergelder verzockt haben
DPA

Es könnten Mehrausgaben in Milliardenhöhe anfallen: Laut "Welt am Sonntag" hat sich das Land Hessen mit sogenannten Derivaten verspekuliert. Jetzt äußert sich das Finanzministerium.

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citi2010 25.08.2018, 21:48
70.

Zitat von matthyk
Es geht hier um zwei Geschäfte, die miteinander in Verbindung stehen und von denen man sich nicht einfach eines herauspicken darf, um festzustellen, dass dort Verluste aufgetreten sind. Man kann sie nur beurteilen, wenn man diese *zusammen* betrachtet. Das eine Geschäft sind Kredite (bzw. Umschuldungen), die das Land in Zukunft aufnehmen muss, und das andere sind die im Artikel angesprochenen Derivatgeschäfte. Diese Derivate sind nun genau so ausgelegt, dass dort Gewinne anfallen, wenn das Land durch in Zukunft höhere Zinsen in seinem anderen Geschäft zusätzliche Kosten hätte und umgekehrt treten bei den Derivaten Verluste auf, wenn man durch in Zukunft niedrigere Zinsen, im anderen Geschäft gegenüber der Planung Einsparungen hätte. In der Summe ist es - egal wie sich die Zinsen entwickeln - immer ein Nullsummenspiel. Einzig und allein die Gebühren, die bei den Derivatgeschäfte anfallen, sind tatsächlich entstandene Kosten, die der Steuerzahler tatsächlich zu tragen hat - durch die Planungssicherheit aber auch einen Gegenwert erhält. Die Summe dieser wird im Artikel aber nicht genannt.
Sie beschreiben die Realität sehr gut.

Zu erkennen ist, dass wir hier Nullsummenspiele haben (die es nicht gäbe wenn wir ein anderes Geld- und Bankensystem hätten oder sich der Staat beispielweise nicht Geld leihen würde), bei dem ausschliesslich die Berater verdienen. Und wie Sie sagen, die Höhe dieser Tantiemen ist nicht bekannt.

Mit anderen Worten - zum Wohle einer Bankerelite wird ein Geschäft inszeniert, samt dem rückversichernden Gegengeschäft - das neben der Finanzierung der Bankerelite keinen Sinn hat.

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cecile10 25.08.2018, 21:49
71.

Zitat von interessierter Laie
es ist genau wie dargestellt. Ein Unternehmen oder in diesem Fall der Staat sichern mit Derivaten Zins- und Währungsrisiken ab. Steigen die Zinsen, steigen auch die Derivate im Wert. Sinken sie, verlieren sie an Wert. Das ist wie eine Versicherung. Würde jemand behaupten, ein Immobilieneigner hatte Geld verzockt, weil er eine Versicherung abgeschlossen hat, aber kein Schadensfall eingetreten ist? Wohl kaum. Dem Millionenbetrag steht ein mindestens ebenso großer gegenüber, den das Land am Schuldendienst eingespart hat.
Wie naiv ist dieser Kommentar? Leider sind diese Instrumente etwas anders strukturiert, aber dies weiß nicht jeder Laie: es ist praktisch unmöglich - selbst bei stark steigenden Zinsen - den einmal durch niedrige Zinsen verursachten Buchverlust durch späte vielleicht höhere Zinsen wieder wegzumachen. Da hat der Finanzminister leider nicht das Kleingedruckte gelesen und sich nicht mit der Formel dieses Derivates beschäftigt, sonst hätte er sehen müssen, dass hier nur einer gewinnt: die Bank!

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larsmach 25.08.2018, 21:51
72. Der springende Punkt: Sie die long gegangen... oder short!!??

Man kann auch eine Brandschutzversicherung für sein Haus kündigen, und dem Nachbarn später vorwerfen, jahrelang viel Geld für ebendiese Absicherung ausgegeben zu haben... wenn beide Häuser NICHT abgebrannt sind. Hinterher ist man immer klüger, und Klugscheißen gehört zum Geschäft.
- Wenn man sich eine Police kauft, um etwas abzusichern, das nicht eintritt, dann kann man nur die Gebühr dafür verlieren (am Terminmarkt nennt man das "long" gehen). Der Emittent einer solchen Zusicherung ("Versicherung") geht hingegen "short" - für ihn ist das Risiko praktisch unbegrenzt, da er dem Käufer der Police (d.h. des Optionsscheins) den Nachteil steigender Zinsen (oberhalb eines vereinbarten Zinsatzes) kompensieren muss! - Solange Hessen die erste Variante gekauft hat, wäre der Regierung nichts vorzuwerfen: "Natürlich" sind die Zinsen niedrig geblieben ("haben wir Selbstgerechten ja schon lange gewusst") - doch wären sie gestiegen, dann wären dafür natürlich hohe Zinskosten entstanden - die den Kosten für Absicherungsderivate gegenüberzustellen sind! Üblicherweise braucht es nicht viel, damit bei solchen Absicherungsgeschäften der Versicherte mit einem Vorteil herausgeht.

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three-horses 25.08.2018, 22:12
73. Ein Konstrukt ans Geld zu kommen.

Zitat von matthyk
Es geht hier um zwei Geschäfte, die miteinander in Verbindung stehen und von denen man sich nicht einfach eines herauspicken darf, um festzustellen, dass dort Verluste aufgetreten sind. Man kann sie nur beurteilen, wenn man diese *zusammen* betrachtet. Das eine Geschäft sind Kredite (bzw. Umschuldungen), die das Land in Zukunft aufnehmen muss, und das andere sind die im Artikel angesprochenen Derivatgeschäfte. Diese Derivate sind nun genau so ausgelegt, dass dort Gewinne anfallen, wenn das Land durch in Zukunft höhere Zinsen in seinem anderen Geschäft zusätzliche Kosten hätte und umgekehrt treten bei den Derivaten Verluste auf, wenn man durch in Zukunft niedrigere Zinsen, im anderen Geschäft gegenüber der Planung Einsparungen hätte. In der Summe ist es - egal wie sich die Zinsen entwickeln - immer ein Nullsummenspiel. Einzig und allein die Gebühren, die bei den Derivatgeschäfte anfallen, sind tatsächlich entstandene Kosten, die der Steuerzahler tatsächlich zu tragen hat - durch die Planungssicherheit aber auch einen Gegenwert erhält. Die Summe dieser wird im Artikel aber nicht genannt.
Nur ein Derivate Geschaeft ist doch nicht umsonst. Diese Kosten
fallen immer an. Ein Nullgeschaeft ist das Ganze also nicht.
Und die Provisionen. An wem? Es ist eher ein Konstrukt ans Geld zu kommen.

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watch15 25.08.2018, 22:14
74. unqualifizierte Polemik

Wer hat bitteschön im Jahr 2011 privat ein Darlehen mit 10 oder gar 15jähriger Zinsbindung abgeschlossen um Planungssicherheit zu haben? Der soll sich jetzt bitte den negativen Barwert berechnen lassen und sich anschließend ärgern, dass er Geld "verzockt" hat. Absoluter Blödsinn! Man kann der Landesregierung höchstens vorwerfen, dass sie keine Hellseher in ihrer Beamtenschaft hat, die die Nullzinspolitik von Draghi&Co. nicht vorausgesehen haben. Typisches Beispiel eines von Unwissenden geschriebenen Artikels um ordentlich Polemik zu schüren.

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tatsache2011 25.08.2018, 22:15
75. privat mit Derivaten finanzieren ?

"Das Land verhalte sich nicht anders als der private Immobilienbesitzer, der auch versuche, sich möglichst langfristig günstige Zinsen zu sichern."

Private Immobilienbesitzer sichern die Kreditzinsen nicht mit Derivaten, sondern schließen den Vertrag mit festen Kreditzinsen für 5 Jahre oder länger (höherer Zinssatz) ab.
Vor Ablauf der 5 Jahre werden (z.B. 1 Jahr davor) Angebote eingeholt und ein Forwarddarlehen abgeschlossen.
Die Bank bevorzugt lange Zinsbindung mit höherem Zins, aber es werden Vorfälligkeitgebühren fällig, wenn die Immobilie verkauft werden muss.

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three-horses 25.08.2018, 22:27
76. Gute Nacht Geschichte.

Zitat von cecile10
Wie naiv ist dieser Kommentar? Leider sind diese Instrumente etwas anders strukturiert, aber dies weiß nicht jeder Laie: es ist praktisch unmöglich - selbst bei stark steigenden Zinsen - den einmal durch niedrige Zinsen verursachten Buchverlust durch späte vielleicht höhere Zinsen wieder wegzumachen. Da hat der Finanzminister leider nicht das Kleingedruckte gelesen und sich nicht mit der Formel dieses Derivates beschäftigt, sonst hätte er sehen müssen, dass hier nur einer gewinnt: die Bank!
Oder man hatte es gewusst. Und nun wird es als gute Nacht Geschichte verkauft weill der Verlust ziemlich hoch ist. Das Schmiergeld aber zu niedrig war um alle Risiken zu decken. Man weisst die Konsequenzen nicht. Ein gefundene Fressen fuer eine Rache.

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Proletheus 25.08.2018, 22:48
77. Der Wahnsinn.

Meinen Respekt für die wenigen hier, die versuchen, hier für Aufklärung zu sorgen. Leider ist der Großteil der Deutschen mittlerweile aufklärungsresistent, nichtsdestotroz werde ich meinen Teil zur Bildung dieses Lands beitragen:

Ich kann heute eine Finanzierung zu 2% abschließen. Diese Finanzierung hat einen variablen Zinssatz (i.d.R. Euribor +x) und eine feste Laufzeit. Nun mache ein zweites Geschäft, das sogenannte Derivat, auch mit einer festen Laufzeit. Einfach gesagt führt das Derivat zu folgendem Ergebnis: Steigt der Euribor (+x) über 2%, so bekomme ich Geld. Sinkt der Euribor (+x) unter 2%, so erhalte ich Geld. Selbstverständlich kostet mich das Derivatsgeschäft auch Geld, so dass ich, wenn ich alles zusammen rechne, z.B. zu 2,1% finanziert habe.

Ich hätte natürlich eine Kredit mit festem Zinssatz und fester Laufzeit abschließen können. Der ist aber auch teurer als 2% (jedem, der sich schon mal über Hausfinanzierung informiert hat, dürfte einleuchten, dass Kredite mti festem Zinssatz teurer sind als solche mit variablem), z.B. 2,2%.

Zusammengefasst: Ein Derivat ist eine Möglichkeit, (wenn die Konditionen passen) bei einem Kreditgeschäft einen bestimmten Zinssatz für eine begrenzte Zeit günstiger zu sichern, als über einen festverzinsten Kredit. Natürlich nur so lange, wie es zur Absicherung eines anderen Geschäfts dient, was hier der Fall ist. Ein Derivatsgeschäft ohne zugehöriges Grundgeschäft wäre tatsächlich nichts anderes als Spekulation, aber das ist hier nicht passiert.

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pepe83 25.08.2018, 23:14
78. Wahlkampfgetöse

Man kann den zuständigen Beamten vorwerfen, dass sie die Zinsentwicklung falsch eingeschätzt haben. Aber man kann ihnen nicht vorwerfen, dass sie sich im damaligen Umfeld gegen Zinsrisiken abgesichert haben. Wenn man hier dauernd Kommentare liest, die jedes Finanzinstrument jenseits des Sparbuchs als Teufelswerk der Hochfinanz sehen, wundert man sich. Zinsrisiken steuert man nunmal am Besten über Derivate. Das ist kluge Finanzpolitik.

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jberner 25.08.2018, 23:17
79. Derivate für Staat ungeeignet

Derivate sind nicht per se von Übel, und sie können auch zur Risikoabsicherung eingesetzt werden. ABER: Sie müssen bezahlt werden, und der Derivateherausgeber bestimmt den Preis. Und man darf getrost davon ausgehen, dass er im Zweifelsfall das Risiko besser abschätzen kann als der Käufer.

Für Institutionen, die sich ein gewisses Risiko einfach nicht leisten können, und für den eine Risikostreuung nicht möglich ist, ist eine solche Absicherung sinnvoll. Der Staat gehört *nicht* dazu. Der bezahlt mit Derivaten (oder sonstigen Versicherungen) immer den Herausgeber. Insofern ist das einfach ein Verschwendung von Steuergeldern zugunsten von Versicherungen bzw. Banken. (Nebenbei: Wenn die pleite gehen - wer rettet sie dann? Na also.)

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