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Rüstung: Rheinmetall buhlt um Aufträge in der Türkei
picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall wittert ein gutes Geschäft in der Türkei. Er will sich an Ausschreibungen des Militärs beteiligen, die Linke spricht von einem "ungeheuerlichen Vorgang".

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Sumerer 08.03.2017, 19:58
70.

Zitat von spiegelneuronen
Die Flüchtlinge aus Syrien haben kein Problem mit ihrer syrischen Heimat. Sie haben ein Problem mit dem Krieg und den Geschossen, die ihnen um die Ohren fliegen. Dabei spielt das Hersteller-Etikett die untergeordnete Rolle. Das Argument: "Wenn ich es nicht tue, dann täte es ein Anderer" ist wohlfeile Heuchelei. Eigenes Unvermögen und mangelnde Ethik zu verwischen, indem man auf Andere verweist, während man Beteiligter ist - erbärmlicher zu handeln ist schwierig. Krupp wurde als Kriegsverbrecher in Nürnberg angeklagt. Den Wirtschafts-Preis kenne ich da nicht.
Jeder kann sich selbst die Frage stellen, wie er sich als Flüchtling verhalten würde und auch behandelt werden wollte.

Dabei kommt zunächst einmal heraus, dass Merkels ursprüngliche Flüchtlingspolitik überaus richtig war und der sich dann entwickelnde Murks (einschließlich ihres Dardanellen-Bruchpiloten-Deals) ziemlich blödsinnig war und ist.

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RioTokio 08.03.2017, 20:06
71.

Zitat von spiegelneuronen
Mir ist nicht bekannt, dass man sich gegen eine angemessene und notwendige Bewaffnung der Bundeswehr ausgesprochen hätte, wenn es um originäre Verteidigung des Staatsterritoriums geht. Unsere Freiheit wird nämlich gerade nicht am Hindukusch verteidigt. Genau deshalb sollte man diejenigen, die am Hindukusch Machteinfluss und militärische Expansion betreiben, KEINESFALLS beliefern. Weder Saudi Arabien, noch die Türkei, die einen Krieg gegen die Kurden führt und dabei den IS vorschiebt.
Saudi Arabien ist nicht Nato Partner - die Türkei schon.
Wir sind im Kriegsfall sogar beistandsverpflichtet.
Wenn unsere Soldaten also mit den Türken kämpfen müssen wünscht man sich, dass der Partner kampfstark ist.
Das spircht also für Unterstützung der Türkei bei der Waffenbeschaffung.
Zudem nutzt es unserer Rüstungsindustrie.
Je höher die produzierten Stückzahlen desto günstiger der Preis für uns und desto besser die Produkte - man kann dann nämlich mehr Geld in die Entwicklung stecken.

Was soll also die moralinsaure Verweigerung von Rüstungsexporten an die Türkei.
Wenn die Türken sich unsicher fühlen und ihre Armee verstärken wollen, warum sollten wir die Türken durch einen Lieferstop dazu zwingen schlechtere Produkte zu kaufen?
Übrigens dürfen Sie sicher sein, dass es genug Länder auf dieser Erde gibt bei denen die Türken kaufen können.
Franzosen, USA, Südafrika, England etc. freuen sich über Aufträge - und das sind ja keine rechtlosen Länder sondern unsere Top-Natopartner (bis auf Südafrika).

Der Kampf gegen die Kurden wird eher nicht mit Panzern geführt. Es geht dabei eher um einen Bürgerkrieg. Ist also ein anderes Thema.

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RioTokio 08.03.2017, 20:11
72.

Zitat von Business Ethics
Was Sie über die Mitgliedschaft der Türkei in der NATO und der damit verbundenen Forderung nach guten Waffen sagen halte ich für mehr als zweifelhaft. Die Grundvoraussetzung für eine Mitgliedschaft ist, grob gesagt, die Einhaltung von fünf Bedingungen des Mitgliedlandes. Mindestens drei davon erfüllt die Türkei nicht (mehr) und damit in der NATO nichts mehr zu suchen. Das ist allen Beteiligten wohl bekannt, aber diese doch eher unbequeme Tatsache wird von allen lieber ganz still unter den Teppich gekehrt...
Noch ist es ein Natoland - und wir beistandsverpflichtet.
Also dürfen die alle Panzer haben die sie haben wollen und bezahlen können.
Liefern wir nicht - liefern andere.

Übrigens - wenn Sie Türke wären - und Ihnen wird durch einen engen Partner und (bisherigen) engen Verbündeten gesagt, dass man ein zu unsicherer Kantonist, bzw. zu unzuverlässig ist, als das man für Wert befunden wird Waffen kaufen zu dürfen - wie würden Sie das finden?

Klingt westlich arrogant -oder?

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Sumerer 08.03.2017, 20:14
73.

Zitat von spiegelneuronen
Das stimmt. Genschers Aussenpolitik wurde zu Recht immer als "Scheckbuch-Diplomatie" bezeichnet. Damit kaufte sich Deutschland -auch nach der Wiedervereinigung 1990- aus den aktiven Einsätzen frei. Bis zur SPD-Regierungskoalition, waren auch die Grünen eine Partei, die sich gegen Kriegseinsätze der Bundeswehr aussprach. Als die Schröder-SPD mit ledergepolsterten Ministersesseln winkte, war das Geschichte. Hufeisenplan etc. - Scharping und Fischer waren sich für Nichts zu schade im Kosovokrieg. Und danach ging es an die andere Flanke: "Krieg gegen den Terror" führen aber Saudi Arabien beliefern? Die Politik in Deutschland sollte sich erst einmal selbst justieren und dann weiter planen.
Es gab damals die Krieger der NVA und die der wehrpflichtigen Bundeswehr. Insgesamt wäre die Wiedervereinigung wohl kaum möglich gewesen, hätte man diese Truppe beibehalten.

Die Scheckbuchdiplomatie ist schon doof, weil sie die Erfordernisse der Menschen nur ganz unzureichend berücksichtigt. Und der tatsächliche "Krieg gegen den Terror" müsste gegen Saudi Arabien, die Türkei und noch weitere Staaten geführt werden.

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spiegelneuronen 08.03.2017, 20:28
74. Na und... welche Pflicht ergibt sich daraus?

Zitat von RioTokio
Saudi Arabien ist nicht Nato Partner - die Türkei schon. Wir sind im Kriegsfall sogar beistandsverpflichtet. Wenn unsere Soldaten also mit den Türken kämpfen müssen wünscht man sich, dass der Partner kampfstark ist. Das spircht also für Unterstützung der Türkei bei der Waffenbeschaffung. Zudem nutzt es unserer Rüstungsindustrie. Je höher die produzierten Stückzahlen desto günstiger der Preis für uns und desto besser die Produkte - man kann dann nämlich mehr Geld in die Entwicklung stecken. Was soll also die moralinsaure Verweigerung von Rüstungsexporten an die Türkei. Wenn die Türken sich unsicher fühlen und ihre Armee verstärken wollen, warum sollten wir die Türken durch einen Lieferstop dazu zwingen schlechtere Produkte zu kaufen? Übrigens dürfen Sie sicher sein, dass es genug Länder auf dieser Erde gibt bei denen die Türken kaufen können. Franzosen, USA, Südafrika, England etc. freuen sich über Aufträge - und das sind ja keine rechtlosen Länder sondern unsere Top-Natopartner (bis auf Südafrika). Der Kampf gegen die Kurden wird eher nicht mit Panzern geführt. Es geht dabei eher um einen Bürgerkrieg. Ist also ein anderes Thema.
Mir ist nicht bekannt, dass sich auf türkischem Hoheitsgebiet andere Staaten bzw. deren Armeen befinden. Allerdings befindet sich türkisches Militär auf Hoheitsgebiet fremder Staaten.
Wer greift die Türkei an?

Die Bundesregierung ist leider schon mit den eigenen Bündnissen und den Waffenlieferungen an der Grenze des Nachvollziehbaren angegelangt. Bitte überfordern sie die Gremien nicht dadurch, das diese Verantwortung für "Franzosen, USA, Südafrika, England etc." übernehmen sollen.

Es wäre doch ein ausreichenden Fortschritt, wenn das eigene Handeln verantwortungsbewußt sein würde.

Der Kampf gegen Kurden wird duchaus mit türkischen Panzern geführt. Ich verlinke ihnen, bei Bdarf, gerne Videos, in denen Türkische Panzer den Berg herab in kurdischen Dörfern, Hauser plattwalzen.

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spiegelneuronen 08.03.2017, 20:38
75. Ja, genau deshalb.

Zitat von Sumerer
Es gab damals die Krieger der NVA und die der wehrpflichtigen Bundeswehr. Insgesamt wäre die Wiedervereinigung wohl kaum möglich gewesen, hätte man diese Truppe beibehalten. Die Scheckbuchdiplomatie ist schon doof, weil sie die Erfordernisse der Menschen nur ganz unzureichend berücksichtigt. Und der tatsächliche "Krieg gegen den Terror" müsste gegen Saudi Arabien, die Türkei und noch weitere Staaten geführt werden.
Das ein kein "Beibehalten" geben kann, das wurde ja bereits unter den 2+4-Verträgen geregelt. Klare Sache.

Das die Scheckbuchdiplomatie damals ihren Zweck erfüllte - Und trotzdem keine dauerhafte Lösung ist- sehe ich genauso.

Mich stört insbesondere, dass es in Deutschland nicht gelingt, eine klare Position zu formulieren und vor allem auch danach zu handeln.
Dies wäre doch umso nötiger, wenn man einen tatsächlichen Widerstand gegen den Terror führen möchte. Dabei spielen doch gerade die Türkei u. Saudi Arabien, zentrale Rollen.

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Sumerer 08.03.2017, 21:04
76.

Zitat von spiegelneuronen
Das ein kein "Beibehalten" geben kann, das wurde ja bereits unter den 2+4-Verträgen geregelt. Klare Sache. Das die Scheckbuchdiplomatie damals ihren Zweck erfüllte - Und trotzdem keine dauerhafte Lösung ist- sehe ich genauso. Mich stört insbesondere, dass es in Deutschland nicht gelingt, eine klare Position zu formulieren und vor allem auch danach zu handeln. Dies wäre doch umso nötiger, wenn man einen tatsächlichen Widerstand gegen den Terror führen möchte. Dabei spielen doch gerade die Türkei u. Saudi Arabien, zentrale Rollen.
Deutschland hat sich, wie auch andere Staaten, mit der Finanzierung des GAP, in Südostanatolien, in eine unmögliche Situation gebracht. Es gibt jetzt keine befriedigende Lösung mehr. Die Türkei ist durch das GAP dauerhaft destabilisiert. Und daran ändert leider keiner mehr etwas. Das kann nur noch innenpolitisch in der Türkei selbst gelöst werden - dann aber gerade nicht mehr mit Erdogan.

Die Türken werden das selbst erkennen und mit den Kurden ein Auskommen beschließen. Das wird allerdings Zeit in Anspruch nehmen. Hoffentlich nicht zu viel Zeit.

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Justitia 08.03.2017, 22:01
77.

Zitat von spiegelneuronen
Mir ist nicht bekannt, dass sich auf türkischem Hoheitsgebiet andere Staaten bzw. deren Armeen befinden. Allerdings befindet sich türkisches Militär auf Hoheitsgebiet fremder Staaten. Wer greift die Türkei an? Die Bundesregierung ist leider schon mit den eigenen Bündnissen und den Waffenlieferungen an der Grenze des Nachvollziehbaren angegelangt. Bitte überfordern sie die Gremien nicht dadurch, das diese Verantwortung für "Franzosen, USA, Südafrika, England etc." übernehmen sollen. Es wäre doch ein ausreichenden Fortschritt, wenn das eigene Handeln verantwortungsbewußt sein würde. Der Kampf gegen Kurden wird duchaus mit türkischen Panzern geführt. Ich verlinke ihnen, bei Bdarf, gerne Videos, in denen Türkische Panzer den Berg herab in kurdischen Dörfern, Hauser plattwalzen.
Wer die Türkei angreift? Das ist doch offensichtlich, die PKK. Sie hat dazu im destabilisierten Irak im Norden Basen eingerichtet und operiert von hier aus. Der Irak kann und will das nicht unterbinden, auch wegen den autonomen Gebieten für irakische Kurden. Militärische Angriffe und Bedrohungen der PKK muss die Türkei nicht hinnehmen, auch und erst recht, wenn sie von fremden Staatsgebiet aus geführt werden. Bei allem Verständnis dafür, dass Erdogan in zu kritisierender Weise den Konflikt mit der PKK angeheizt hat, für seine Zwecke nutzt und auch die Zivilbevölkerung für die Taten der PKK bestraft, der Aggressor ist in diesem Konflikt auch die PKK.

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jullek 08.03.2017, 23:09
78. Profit über Ideale

Dieser Deal darf nicht abgeschlossen werden. Wir kämpfen nachher gegen unsere eigenen Panzer.

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keiler70 08.03.2017, 23:22
79. Schon komisch,

wenn der nationale Kunde seinen "Fuhrpark" von jenseits der dreitausend auf eine lächerliche Handvoll Kampfpanzer reduziert, daß der letzte verbliebene dt. Anbieter dann nach neuen Absatzmärkten sucht! Könnte man doch gut das Delta zu den geforderten 2% BIP für verwenden?!

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