Forum: Wirtschaft
Russischer Discounter Mere: Billig-Attacke aus Sibirien
DPA

Der russische Supermarkt Mere verkauft in Leipzig Markenbutter für 92 Cent - Aldi verlangt mehr als zwei Euro. Wie ist das möglich?

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ImDigiTal 25.02.2019, 13:09
160. Ich war heute mal da,

nachdem ich den Artikel gelesen hatte. Von einem Ansturm war zumindest heute nichts zu bemerken. Das Angebot ist eher überschaubar und für einen regelmäßigen Wocheneinkauf nicht geeignet. Die meisten Artikel erstrecken sich über mehrere Regalfelder oder stehen verteilt mehrfach im Laden. Vor allem die Nonfood Produkte sind vorwiegend osteuropäischer Herkunft und werden als Centkram angeboten. Das Wurstangebot hat nicht nur Löcher. Es gibt vor allem Anschnitte vom Leberkäse usw. und verunglückte Würstchen. Für normale Supermarktkäufer wie mich ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. KerryGold für 0.92 ct ist nur noch bis zum 03.03. haltbar. Alles in Allem glaube ich nicht, dass das Konzept der Knaller ist, eher sowas wie Tedi für Lebensmittel. Ob Hartz 4 Empfänger dadurch einen Mehrwert haben, wie hier im Forum diskutiert wird, wage ich zu bezweifeln, da schon der Standort nur mit dem Auto, mit etwas Ausdauer ggf mit dem Fahrrad erreichbar ist - abgesehen von der Auswahl (siehe oben).

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rheuma-kai 25.02.2019, 13:12
161. Mit "normaler" oder "osteuropäischer" Ware wird das nichts

Die Konkurrenz ist gross, und allein aufgrund der deutlich höheren Mengen, die Lidl & Co einkaufen und dadurch günstigere Einkaufpreise erzielen, kann Mere hier nicht mithalten. Das geht meiner Meinung nach tatsächlich nur über B-Ware mit kleinen Fehlern.
Den Leuten, die dort einkaufen, dürfte es egal sein: bei den potentiellen Kunden - bei der wachsenden Zahl von Geringverdienern und Rentnern, die von ihrer schmalen Rente zunächst vor allem die Gewinne der Pharmakonzerne sponsern müssen und dann nur noch wenig zum leben übrig haben, sind sicher dankbar dafür. Denn bei denen zählt vor allem der Preis - egal ob da kürzeres Verfallsdatum, ein Loch in der Wurst ist oder der Apfel ein paar Druckstellen hat.
Und die Meinung hier einiger, man bekommt dort jetzt plötzlich billige Lebensmittel und gute Lebensmittel aus Polen und Tschechien kann ich nicht teilen: ich bin öfters dort, vor allem in der Slowakei - und bis auf einige wirklich leckere Sachen (die aber auch nicht billiger sind, im Gegenteil) ist die Qualität der preiswerten Grundnahrungsmittel in den Supermärkten wie Kaufland, Lidl oder Billa dort meiner Meinung nach teilweise sogar schlechter als bei uns: der Schinken ist durchsichtig und enthält mehr Eiweisskleber als bei uns, das Brot erinnert mich an das Fluffi-Brot das man auch in den USA bekommt, und der Geschmack dieser Billig-Produkte ist ebenfalls nicht besser oder sogar schlechter als bei uns. Kauft man dagegen dort einheimische und qualitativ gute Produkte, sind die zwar deutlich besser (und unseren geschmacklich oft sogar überlegen), aber eben auch deutlich teurer - ähnlich wie Produkte im gehobenen Preissegment bei uns. Diese Produkte wird Mere daher wohl eher nicht anbieten - es sei denn als Restposten. Und man sieht: dort kochen sie auch nur mit Wasser - extrem billig und qualitativ hochwertig geht nicht zusammen!
Und was mir in der Slowakei auch aufgefallen ist: die Leute (zumindest die, die ich kenne) vermeiden zum Teil sogar Lebensmittel aus Polen - wenn dort drauf steht, dass es in Polen hergestellt wurde, kaufen die das nicht! Da gab es einige Skandale (gepanschter Alkohol, Fleisch von kranken Tieren, und etliches mehr), der offenbar dort grössere Kreise gezogen hat als bei uns. Da bezahlen die im Zweifelsfall lieber mehr, auch wenn die Kaufkraft dort geringer ist als bei uns.
Von daher dürfte das Konzept tatsächlich nur mit B-Ware, die "irgendwelche kleinen Fehler" hat, oder bei Produkten mit kürzerem MHD aufgehen. Ich kenne selbst etliche Leute, die sich an solchen Dingen stören würden und deswegen dort nicht einkaufen, aber es gibt eben auch viele, die das entweder gar nicht stört, oder aus finanziellen Gründen darüber hinwegzusehen bereit sind.
Qualitativ schlechte Lebensmittel dagegen tolerieren meiner Meinung nach jedoch deutlich weniger Leute, egal ob in Osteuropa oder bei uns (siehe das Beispiel oben mit Produkten aus Polen). Und so kann man sich auch ganz schnell den Ruf versauen.
Ob Mere es allein mit der Kombination B-Ware/Restposten und niedrigeren Fixkosten der Filialen schafft, bleibt abzuwarten. Ein paar B-Ware- oder MHD-Sonderposten als "Lockangebote" alleine dürften jedenfalls nicht reichen.

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jeby 25.02.2019, 13:47
162.

Zitat von crazy_swayze
Nichts scheut der Deutsche mehr als ein kurzes MHD.
Seien sie sich da nicht so sicher. Ich habe sogar schon bewusst abgelaufene Lebensmittel gekauft. Die waren super billig und die meisten Sachen halten viel länger als das Mindesthaltbarkeitsdatum. Ein kurzes MHD ist nun wirklich kein Problem. Nicht jeder lässt seine Lebensmittel ewig herumliegen, bevor er sie isst.

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mentor54 25.02.2019, 13:56
163.

Zitat von Falcon030
da gibt es Foristen, die herumjammern, dass die Deutschen so arm sind, dass sie offenbar nur noch Artikel im maximal zweistelligen Cent-Bereich kaufen können und dann wird ein Discounter bejubelt, der Dinge zu Preisen verkauft, die auch nur noch Minimalstgehälter für die an der Produktion beteiligten Menschen zulassen. Aber es ist natürlich einfacher, auf den bösen Staat zu schimpfen als zuzugeben, dass genau solche Aubeuterunternehmen vielfach schuld an der Misere sind. Oder was denkt ihr, mit welcher Rente später einmal jemand rechnen darf, der bei MERE die Regale auffüllt, den Boden wischt und die Kasse bedient?
Vermutlich dieselben Leute, die permanent höhere Löhne fordern, aber natürlich nur für sich selbst, denn woanders könnten diese die Schnäppchenpreise verderben. Ich gehe jeden Tag zu LiDL, und wenn ich die Mitarbeiter dort ihren stressigen Job machen sehe, dann weiß ich, dass die wenigstens einigermaßen gut bezahlt werden (mindestens 12 Euro/Stunde).

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newbie99 25.02.2019, 14:05
164. Prinzip: Restpostenladen

Schon beim Lesen des Artikels habe ich kommen sehen, dass einige Foristen darauf hinweise, dass ja neben den wenigen Reichen der große Rest der Bevölkerung auf solche Billig-Angebote bitterst angewiesen ist, weil alle ja total verarmt sind. Das ist quatsch! Natürlich gibt es Menschen mit sehr niedrigen Löhnen, Renten oder Sozialtransfer-Einkommen. Aber dem überragend großen Teil der Deutschen fällt es zumindest nicht schwer, für seinen eigenen Lebensunterhalt angemessen Sorge zu tragen.

Und deshalb halte ich es für mehr als unwahrscheinlich, dass so ein Konzept den deutschen Lebensmittelmarkt auf links drehen kann. Aldi und Lidl haben nicht ohne Grund die Wahrnehmung ihrer Marken und vor allem ihrer Märkte verbessert. Und bei Edeka fällt das noch mehr auf. Wer sich heute ein E-Center betritt, sieht einen Markt, der mit Supermärkten aus den 90igern oder gar 80igern nicht mehr viel zu tun hat. Das Qualitätsbewusstsein der Kunden ist gestiegen.

Daher glaube ich nicht, dass sich jemand mit Warenlager-Outfitt und Paletten-Präsentation nachhaltig etablieren kann.

Und die Entwicklung resultiert nicht aus einem sinkenden Wettbewerbsdruck. Der weiterhin extrem hoch. Die Handelsmargen im Lebensmitteleinzelhandel sind extrem niedrig. Da macht's immer nur die große Menge. Mit regulären Produkten - also außerhalb von Restposten - wird ein weiterer Anbieter die Preise mit Sichernicht nicht um 20% unterbieten können.

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Galgenstein 25.02.2019, 14:07
165. Der Supermarkt als Resterampe

warum nicht? Besser als Lebensmittel wegzuwerfen ist das allemal.

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derjoey 25.02.2019, 15:47
166. Reis, Kiwi, Ananas, Kaffee ... deutscher Einheitsbrei halt

Zitat von spon_8023454
nicht immer der Deutsche Einheitsbrei.
Schonmal in den letzten Jahrzehnten in einem Supermarkt gewesen? Oder fallen importierte, exotischere Lebensmittel, nur weil man sie schon so lange kennt, jetzt unter "deutscher Einheitsbrei"?

Btw: Es gab bereits vor Mere russische Waren in Deutschland zu kaufen, notfalls bei so einem Online-Shop mit Flussnamen. Es gibt hier sogar russische Restaurants (neben chinesischen, indischen, argentinischen, italienischen u.v.a.)! Sie sind also nicht gezwungen, den typischen deutschen Einheitsbrei herunterzuwürgen.

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haarer.15 25.02.2019, 15:49
167.

Zitat von pavel1100
Kauft nicht bei Aldi, sonst nehmt ihr den armen Leuten das Essen weg? Gehts noch? Aldi hat sich zum Qualitätsanbieter entwickelt. Keine andere Organisation kann es sich leisten so viele Labore zu beschäftigen, die beste Qualität von Lebensmitteln garantieren. Wenn doch mal was nicht stimmt scheut sich Aldi auch nicht mit sofortigen Rückrufen. Auch das Angebot an Bio-Ware wird ständig ausgeweitet.
Sie können ja gerne für Aldi werben. Aber Sie sollten mir bitteschön auch nichts in den Mund legen, was so nicht gesagt wurde. Es ging um meine Beobachtungen zum Einkaufsverhalten einer gewissen Bevölkerungsgruppe - um nichts anderes.

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g.eliot 25.02.2019, 18:05
168.

Zitat von Ontologix II
... Mere auch russische Agrarprodukte verkauft und ob die nach westeuropäischen Standards produziert werden, was giftige Rückstände angeht. Einer Kartoffel oder Paprikaschote sehe ich nicht an, woher sie kommt. Und Laboruntersuchungen auf Rückstände finden bei uns äußerst selten statt, und Grenzwerte werden laufend erhöht. https://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/pestizide/grenzwerte-fuer-pestizide-erhoeht
In Weißrussland ist die toxische Kontamination des Bodens stellenweise auch ein Riesenproblem. Es gibt dort Gebiete, in welchen die Lebenserwartung deswegen so niedrig ist wie in den ärmsten Entwicklungsländern.
Die Agrarprodukte könnten auch aus Weißrussland kommen. Woher will man das wissen?

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eichenbohle 25.02.2019, 19:25
169. Ich will zwar keine Werbung machen,...

Zitat von derjoey
Schonmal in den letzten Jahrzehnten in einem Supermarkt gewesen? Oder fallen importierte, exotischere Lebensmittel, nur weil man sie schon so lange kennt, jetzt unter "deutscher Einheitsbrei"? Btw: Es gab bereits vor Mere russische Waren in Deutschland zu kaufen, notfalls bei so einem Online-Shop mit Flussnamen. Es gibt hier sogar russische Restaurants (neben chinesischen, indischen, argentinischen, italienischen u.v.a.)! Sie sind also nicht gezwungen, den typischen deutschen Einheitsbrei herunterzuwürgen.
... aber ein gutes Angebot an russischen und anderen Waren bieten die Mix-Märkte in Deutschland - zumindest in einer größeren Kreisstadt in meiner Nähe. Die Preise liegen so zwischen Real und Aldi. Und tatsächlich mehr als nur "Einheitsbrei" deutscher Supermärkte. Und da kaufen eben nicht nur Russen oder Ukrainer ein.

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