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Sanierung: Opel braucht schon wieder mehr Zeit
DPA

So schnell lässt sich das Steuer nicht herumreißen: Auch unter dem neuen Eigentümer PSA fährt der Autobauer Opel hohe Verluste ein. Die Mitarbeiter fragen sich, wie hart der Sparkurs noch werden wird.

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crunchy_frog 26.02.2018, 10:19
10.

Zitat von marialeidenberg
wo der Wurm in dem Opel-Setup steckt? Als GM-Tochter mit durch die Mutter limitierten Marktchancen war miese Performance noch erklärbar, aber jetzt hätte von der ersten PSA-Sekunde an ein gewaltiges Revirement stattfinden müssen, an Haupt und Gliedern. Sicher, Entwicklungszyklen von 10 Jahren bei neuen Modellen haben ihre eigene Dynamik, aber hier verliert man immense Summen in der laufenden Produktion, bei Löhnen, wie sie andere Autobauer ohne weiteres verkraften. Wo, also, ist der Wurm?
In der Diskrepanz zwischen Image, Produkt und Aufstellung. Opel war einst einer der wichtigsten Autobauer Deutschlands, auf Augenhöhe mit VW, image- und verkaufsmässig deutlich vor Audi und BMW. Während gerade letztgenanntere ihre Fahrzeuge trotz geradezu aufreizend langer Produktzyklen für fast schon obszöne Preise anbieten und sich einer Nachfrage erfreuen, die sie kaum noch zweitnah befriedigen können, hat Opel sein Image in den 90ern derart zerstört, daß sie die ohnehin günstigen Fahrzeuge nur mit hohen Rabatten an den Mann bringen können, um die bereits drastisch heruntergefahrene Produktion wenigstens einigermassen auszulasten. Von Marge brauchen die gar nicht mehr zun träumen, wenn der Verlust pro Fahrzeug nicht allzu hoch ist, ist das schon viel wert.

Opel spielt mittlerweile in der Liga, in der sich Hyundai, Kia und Konsorten tummeln, welche aber extrem schlanke Strukturen haben und damit ein gutes Ergebnis einfahren können. Wohingegen Opel noch viel zu viel die Aufstellung aus alten Zeiten mit sich herumschleppt und eine Verwaltung, die in diesem Segment schlicht nicht finanzierbar ist.

Entweder sie werden wieder so sexy wie sie mal waren (wozu es wohl ein wahrens Management Genie bedüfte.... und davon wird es bei PSA kaum eines geben, so bescheiden wie die selbst da stehen) oder sie verschlanken sich so radikal, daß kaum noch mehr als der reine Markenname übrig ist.

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Inspektor 26.02.2018, 10:31
11. Steht doch im Artikel

Zitat von marialeidenberg
wo der Wurm in dem Opel-Setup steckt? Als GM-Tochter mit durch die Mutter limitierten Marktchancen war miese Performance noch erklärbar, aber jetzt hätte von der ersten PSA-Sekunde an ein gewaltiges Revirement stattfinden müssen, an Haupt und Gliedern. Sicher, Entwicklungszyklen von 10 Jahren bei neuen Modellen haben ihre eigene Dynamik, aber hier verliert man immense Summen in der laufenden Produktion, bei Löhnen, wie sie andere Autobauer ohne weiteres verkraften. Wo, also, ist der Wurm?
Ist doch im Artikel genannt: (1) Die derzeit noch vom Band laufenden und ohnehin margenschwachen Klein-, Kompakt- und Mittelklassemodelle aus der GM-Ära werden durch jetzt anfallende Lizenzgebühren an GM (Opel ist ja keine GM-Tochter mehr) noch unproduktiver. Andere Autobauer (wie etwa VW, BMW oder Mercedes) müssen für die Autos die bei ihnen vom Band laufen keine Lizenzgebühren an einen Dritten zahlen. (2) Die Nachfrage nach Opel verharrt auf niedrigem Niveau. Schrumpfender Marktanteil und sehr hohe Eigenzulassungsquote sind klare Indizien, dass die Autos nicht gerade begehrt sind. Als Konsequenz müssen die Fahrzeuge mit sehr hohen Rabatten (Tageszulassung, etc.) in den Markt gedrückt werden, was natürlich auch auf den Profit schlägt. Fazit: Die Produktion wird wegen Lizenzgebühren an GM teurer. Zeitgleich sinkt der Verkaufserlös pro Fahrzeug mangels Nachfrage ("Rabattschlacht"). Da simple Rechenergebnis hieraus: Verlust.

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weimarama 26.02.2018, 10:35
12. Gutes Design & konzeptionelle beim Geschäftsmodell fehlt(e)

Ich glaube schon, dass Opel eine Chance hat. Ich glaube noch nicht einmal, dass dazu riesige Strategiewechsel und verkopfte Konzepte nötig sind. Mazda und Volvo könnte man da anführen: Die haben schlicht besser gestaltete Autos, gutes Design, welches in vielen Fällen den "Haben-Wollen-Effekt" hervorrufen kann. Auch Kia/Hyundai mit Peter Schreyer macht da gute Arbeit - und das alles bei und mit Brot-und-Butter-Autos. Volvo macht insbesondere vor wie man sich technisch nicht verzettelt und die Komplexität im Zaum hält. - - - Den neuen Insignia kann deswegen eigentlich gleich wieder einstampfen: Er mag qualitativ super sein, sich vielleicht toll fahren usw.: aber mit seinen langen Überhängen ist er grundsätzlich plump geraten aber auch in seinen Details (Rückleuchten bei der Limousine etc.) nicht besonders gelungen, Interieur so lala .... das ist einfach kein Hit, sowas lässt sich nur über den Preis verkaufen (der alte war doch viel knackiger und stand selbstbewusst auf der Straße – ich konnte nur mit dem Kopf schütteln, als ich den zum ersten Mal gesehen habe) .Astra: Auch überhaupt nicht knackig, so lang und ausgewalzt wirkt der (ähnlich komisch wie der letzte Lancia Delta), dazu auch wieder zu lange Überhänge…das einzige Detail was hängen bleibt ist die nicht sehr gelungene Design-Verrenkung an der C-Säule…innen ist er auch beliebig – kein Hit. - - - Opel hat aber ein Modell, was einen gewissen Appeal hat: das ist der Adam - Der hat in die Marke eingezahlt! Den kauft man sich, weil man ihn haben will. - gerade den wegzusparen, wäre - nach meiner Überzeugung - ein Riesenfehler. Hier müsste man gerade investieren und dafür sorgen, dass der jetzt nicht im Regal einstaubt, sondern frisch bleibt. Den sollte man sich nochmal anschauen und zum Vorbild nehmen für künftiges - - - Karl und Corsa dagegen, mein Gott. Warum hat man da Geld verpulvert und in zwei Modelle investiert?! Wer kapiert den Unterschied?! Beim Händler kosten sie annähernd das Gleiche am Ende. Sonstige Unterschiede: zu vernachlässigen. So was verkauft man auch nur über den Preis an Pizza- und Pflegedienste, traurig. Der Corsa von 1992 war gut, sieht man heute immer noch, danach: schlimm. - Crossland: einigermaßen gelungen. Könnte (muss!) helfen die Marke über Wasser halten bis neues kommt.... - Fazit: Kostenstruktur in Ordnung bringen ist sicher Pflicht – aber vor allem sollte man jetzt mal in gute Gestaltung investieren.

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Nordstadtbewohner 26.02.2018, 10:46
13. Sinnvolle Marktbereinigung

Unternehmen, die nicht rentabel arbeiten, verschwinden irgendwann vom Markt. Das gilt für Opel und andere Unternehmen, die sich nicht gegen die Konkurrenz behaupten können, in hohem Maße. Das Prinzip von Angebot und Nachfrage ist nun mal das Optimum. Außerdem sind Fahrzeuge von Opel nicht gerade etwas für die gut situierte Mittelschicht.

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BUKL 26.02.2018, 10:46
14. Was entwickeln

7000 Entwicklungsingenieure bei Opel so Tag für Tag? Ist das ein Druckfehler? Wenn sich die E-Mobilität durchsetzt, gibts noch viel weniger zu entwickeln, es wird nur noch ein Bruchteil benötigt. Es würden dann tausende, angeblioch so dringend gesuchte, Ingeniuere frei.

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go-west 26.02.2018, 11:14
15. Der Kauf von Opel seitens PSA

war ein Akt der Verzweiflung. ein verzweifelter Versuch, irgendwie eine zum Überleben kritische Größe zu erreichen, bevor man endgültig keine eigene Option mehr hat und dann als Konsequenz von einem asiatischen Automobilhersteller übernommen wird. Für Franzosen gibt es nichts schlimmeres als die eigene Unabhängigkeit zu verlieren und nach der Pfeife anderer tanzen zu müssen. Opel und PSA haben nicht unterschiedliche Schwächen (die sich somit gegenseitig kompensieren ließen), sondern mehr oder weniger die gleichen. Die Logik einer solchen Fusion beschränkt sich einzig und allein auf kurzfristig gesteigerte Stückzahlen. Letztlich werden alle als Verlierer dastehen, Opel aber auch PSA, welcher langfristig seine Unabhängigkeit nicht wird sichern können.

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tullastrasse 26.02.2018, 11:15
16. Leider eine überflüssige Marke

So ich Opel auch geschätzt habe und nach wie vor schätze. Meiner Ansicht nach, wird es diese Marke in wenigen Jahren vermutlich nicht mehr geben. Trotz inflationärer Nachlässe will so gut wie keiner Opel fahren. Die Deutschen finanzieren sich lieber ihre hippen und angesagten Traumautos von Audi, BMW, Volvo oder Mercedes, als sich mit einem Opel zu zeigen. Im Niedrigpreis-Segment haben neben den VW-Tochterfirmen, den Franzosen und Italienern bald nur noch die Koreaner das Sagen, welche den Japanern längst den Fernost-Rang abgelaufen haben. In wenigen Jahren werden sich auch im Automobilsektor zudem die Chinesen bei uns etablieren. Dann bleibt für Opel leider kein Platz mehr.

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schlauchschelle 26.02.2018, 11:25
17. Aus und Ende - 2. Kommi-Versuch

Aus meiner Sicht ist der Name Opel verbrannt und Opel am Ende. Hier griffen und greifen mehrere Fakten Hand in Hand: verfehlte Modellpolitik, technisch nicht innovativ, hinterherhecheln von Trends, Personalrochaden. Dazu die träge, bräsige Überheblichkeit des Managements und AN-Vertreter in Rüsselsheim, welche IMHO in irgendeiner Blase zu leben scheinen, was Opel betrifft. Hinzu kommt der übersättigte Markt in Europa an Kompakt- und Kleinwagen, eine Mittelklasse fest in der Hand anderer Hersteller, von Oberklasse, aus der man sich seit den 1970-er zurückzog, nicht zu reden. International ist der Zug abgefahren, denn auch hier sind aktuell feste Gefüge etabliert, da kommt Opel schlicht 15 Jahre zu spät (Asien, Südamerika, Afrika, Australien). Osteuropa / Russland (hier war Opel sehr angesehen) sind seit 2015 auch weggefallen, bleibt also nicht mehr viel. Zu schlechter Letzt, und mit meiner Meinung stehe ich nicht alleine da (siehe "Opel - Chronik eines Kampfes: die Geschichte der Automarke seit 1970 - Buch von Frank O. Hrachowy): Eine durchweg negative Presse, egal ob allgemeine Medien oder Fachjournale. Diese mag zwar oft berechtigt sein, dennoch bin ich der Überzeugung, dass hier gerne "nachgeschubst" wird, auch von Seiten des Herrn Professors ("Der Obbel"). However: Ich sage: Ab 2020 gibt es keine Auros mehr aus Rüsselsheim, wird Opel nur noch Bereiche von PSA abdecken, welche diese nicht selbst erfüllen können und Opel als reine Handelsmarke bleiben, wenn überhaupt, siehe Simca / Matra / Talbot. Das sage ich als Opel-Irrer, der gleich vier der Wagen aus Rüsselsheim sein Eigen nennt und bis auf wenige Ausnahmen privat nur Opel gefahren hat bzw. fährt......

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capote 26.02.2018, 11:30
18. Der Niedergang

Das OPEL-Elend fing mit sparen, genauer kaputtsparen und Jose Ignazio Lopez an. In den 90er Jahren verkaufte OPEL dann diese kostenoptimierten Autos und ruinierte sich damit seinen Ruf. Praktisch niemand kaufte noch ein weiteres Mal einen OPEL, der einen davon erlebt hatte, so dass man ab den Nullerjahren in den roten Zahlen war.

Dagegen hilft natürlich nur sparen, nur davon werden die Autos nicht besser und der Ruf auch nicht.

Wenn ich die Konzepte von PSA lese, kann ich nur den Kopf schütteln, weiter ganz doll sparen und Geld in die Entwicklung von Elektroautos und Brennstoffzellen stecken, was hoffentlich in ferner Zukunft mal irgendwann Geld bringt, die Bilanz im nächsten Jahr aber nur belastet und denen, die die Verbrennungsmotoren bauen nichts nützt.

Darüber ginaus hat GM offensichtlich die Patente, die bei OPEL entwickelt wurden, behalten und nun muss OPEL für seine eigenen Entwicklungen auch noch Lizensgebühren bezahlen.

Um es kurz zu sagen, es hat sich ausgeOPELt, diesen Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.

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jeffhealey 26.02.2018, 11:41
19. Trugschluss

Weiter oben schrieb ein Forumsbesucher, die Marke Opel habe keine Chance am Markt zu bestehen, da die Technik allenfalls durchschnittlich sei und in der Wahrnehmung vieler Menschen die Fahrzeuge von VW für „Qualität made in Germany“ stehe. Dazu möchte ich anmerken, dass Wahrnehmung und tatsächliche Qualität oftmals zweierlei Dinge sind, und dies gilt in den letzten Jahren vor allem für VW mit diversen technischen Fehlgriffen (Frostmotoren, DSG-Probleme, Öl-fressende TSI und TSFI, sich längende und reißende Steuerketten, etc.), in einer Häufung wo es andere Hersteller am Markt schon längst hinweggefegt hätte. Der Kunde verzeiht das alles in unglaublicher Stoik, dem sensationellen Power-Marketing des VW-Konzerns sei Dank. Dazu der Abgasbetrug in 11 Millionen Fällen weltweit, alles kein Problem für VW. Wenn das der Maßstab für unsere „Qualität made in Germany“ sein soll, dann gute Nacht. Es gibt jedoch tatsächlich noch Werke in Deutschland, die produzieren hierzulande bezahlbare, qualitativ hochwertige Autos, ich spreche aus Erfahrung. Und ja, Opel hat eine Daseinsberechtigung am Markt und eine nicht zu unterschätzende Fangemeinde. Das wird gut werden mit PSA, nur wird der Turnaround nach 88 Jahren GM-Missmanagement nicht über Nacht kommen.

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