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Schäubles Plan für Griechenlands Euro-Aus: Minister Gnadenlos
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Wolfgang Schäuble macht kein Geheimnis mehr daraus: Er plädiert offen für Griechenlands Euro-Austritt - trotz Einlenken der Syriza-Regierung. Wie wurde der einstige Europa-Vordenker so kompromisslos?

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Patrik74 29.07.2015, 22:51
690. Lohnstückkosten werden überbewertet

1. Die "Marktgesetze" haben keineswegs den Charakter von Naturgesetzen, sondern sind nichts weiter als ideologisch geprägte Leitsätze, die regelmäßig an der Realität scheitern. Sie bspw. hier: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/franken-123.html


"Der Schweizer Außenhandel leidet offenbar unter dem sogenannten "Frankenschock". Im ersten Halbjahr gingen die Exporte und die Importe zurück. Die Handelsbilanz schloss dennoch mit einem neuen Rekordüberschuss von fast 17 Milliarden Schweizer Franken.
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Überrascht zeigte er sich, dass die importierte Menge aus dem gesamten Ausland sogar leicht rückläufig war: "Es ist eigentlich schon erstaunlich, da es im Widerspruch zur klassischen ökonomischen Theorie steht, laut der bei günstiger werdenden Produkten die Menge steigen müsste."

Eine Aufwertung führt gleichzeitig zu einem Rekordüberschuss und zu einem Rückgang der Importe! Erneut zeigt sich der äußerst dürftige Nutzen (Prognosekraft) der gängigen Mainstream-Ökonomie.

2. Die Bedeutung der Lohnstückkosten ist nur ein geschicktes Ablenkungsmanöver um die Lohnquote am Volkseinkommen zu drücken: http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/oekonomie/nachrichten/mass-fuer-wettbeweerbsfaehigkeit-die-ueberschaetzten-lohnstueckkosten/8643854.html

"Was genau sind aber die Lohnstückkosten? In einem ersten Schritt teilt man die gesamte Lohnsumme je Beschäftigten durch den Produktionswert je Beschäftigten. Es wird also Lohnhöhe in Beziehung zur Arbeitsproduktivität gesetzt. Kürzt man aus der Formel die Beschäftigung, die jeweils unter dem Bruchstrich steht, so bleibt: Lohnsumme geteilt durch Produktionswert. "Das aber ist nichts anderes als die Lohnquote", wie der niederländische Wirtschaftsstatistiker Merijn Knibbe betont. Die Lohnquote gibt an, wie viel von der gesamten Wertschöpfung den Arbeitnehmern - und wie viel den Kapitalgebern zukommt.
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Die EZB erläutert, dass die Veränderung der Lohnstückkosten ausdrückt, wie viel Preisdruck von den Löhnen ausgeht. Neutral wäre die Situation also, wenn die Löhne mit der Produktivität stiegen - und ein jährlicher Aufschlag in Höhe der angestrebten Inflationsrate hinzukäme. Doch die Experten, die mit den Lohnstückkosten argumentieren, tun meist so, als sollten die Lohnstückkosten wegen der Wettbewerbsfähigkeit überhaupt nicht steigen. Das aber, so Knibbe, "wäre auf Dauer unvereinbar mit einem Inflationsziel von zwei Prozent und führte zu einer ständig sinkenden Lohnquote."
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Dass die Lohnstückkosten ein problematischer Indikator sind, ist unter Ökonomen weithin bekannt. So haben etwa Jesus Felipe und Utsav Kumar von der Asiatischen Entwicklungsbank festgestellt: "Es gibt historisch keine Beziehung zwischen Wachstum und Lohnstückkosten." Das ist in der Ökonomie als das Kaldor-Paradoxon bekannt."

Es ist also nichts weiter als ein fadenscheiniges Argument, um die Arbeitseinkommen zu Gunsten der Vermögenseinkommen zu drücken.

Wenn Sie wirklich glauben, dass es sich bei der herrschenden Lehre um eine seriöse Wissenschaft handelt, dann sind sie den Ideologen aber ganz schön auf den Leim gegangen - aber keine Sorge, Sie sind nicht allein (Schäuble gehört wahrscheinlich auch dazu).

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