Forum: Wirtschaft
Scheidender Chefvolkswirt Stark: Währungshüter distanziert sich von EZB-Kurs

Der scheidende Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank*hat erstmals die wahren Gründe für seinen Rücktritt genannt. Der ungebremste Kauf von Staatsanleihen durch die Währungshüter sei keine Lösung - auch wenn das "90 Prozent der selbst ernannten Experten anders sehen".

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tramann 17.12.2011, 17:32
50. Lösungsalternative für Verschuldungsproblem

Zitat von schnitti23
Das stimmt so nicht! Natürlich ist der Weg über die Geldgeber nicht alternativlos, wie es hier propagiert wird. Es könnte- und davor bewahre uns der Liebe Gott- wie in den angelsächsischen Ländern die Druckmaschine angeworfen werden und jede Menge neuer Euros unter die Staaten geworfen werden. Natürlich alles auf Kosten einer zunehmenden Inflation. Aber mal ehrlich, wie anders als durch Inflation wollen ALLE Staaten ihre Schulden abbauen? Das ist schlicht ein Ding der Unmöglichkeit.
Tja, eine Alternative bzw. besser ein Szenario zur "Lösung" der derzeitigen Staatverschuldungkrise wird hier im SPON-Forum einfach immer wieder gerne ausgeblendet. Vermutlich weil sie bzw. es mit sehr negativen Assoziationen an die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre verbunden ist. Und dies ist die Deflation mit ihrer Schulden- und gleichzeitigen Geld(vermögens-)vernichtung, auch Depression genannt.

Dieses Szenario scheint mir jedoch momentan für den Euroraum angesichts der Beschlüsse des letzten EU-Gipfels zumindest derzeit nicht ganz auszuschließen zu sein.

Nur der anglo-amerikanische Währungsraum, insbesondere die USA und GB mit ihren Staatsschulden monetarisierenden Notenbanken scheinen da zumindest derzeit noch auf "einen anderen Trip" zu sein, dessen "Erfolg" im Hinblick auf die Staatsschuldenreduzierung durch Inflation derzeit allerdings noch nicht abschließend beurteilt werden kann. Das kann dort durchaus noch "in die Hose gehen" und letztlich doch in eine Depression münden.

Sie sehen, neben den massiven Schulden gibt's natürlich auch genügend "Alternativen" für deren Bewältigung. Nur keine davon ist besonders angenehm.

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c++ 17.12.2011, 17:49
51. .

Zitat von ottohuebner
wer heute noch glaubt das der euro grettet werden kann lebt in einem wolkenkukuksheim.
Vielleicht sollte man sagen, DIESER Euro. Hätte man ihn gemacht, wie er ursprünglich geplant war und sich an die Maastricht-Vereinbarungen gehalten, hätten wir heute diese Probleme nicht.

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Ylex 17.12.2011, 17:50
52. Durchsichtige Masche

Eine gute Figur macht Jürgen Stark nicht mit seinem Nachkarten – geradlinig wäre es gewesen, wenn er spätestens bei seinem Rückzug aus der EZB zumindest deutlich hörbar vor einer grenzenlosen Kreditaufnahme gewarnt hätte. So verpufft seine Kritik wirkungslos, sie ist sogar kläglich, weil sich Stark devot den ungeschriebenen Gesetzen der Macht gebeugt hat. Er wollte es sich nicht mit den Großkopferten verderben, nicht zur Unzeit, er wollte seine persönlichen Interessen wahren, auch um den Preis einer kapitalüberdehnten Währungsunion, die nach seiner Ansicht auf Dauer keinen Bestand haben kann. Erst fleißig mitmachen und sich dann weisheitsheischend exkulpieren - dann, wenn es zu spät ist: eine allzu durchsichtige Masche, aber typisch für diese Zeit der Verantwortungslosigkeit.

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c++ 17.12.2011, 17:53
53. .

Zitat von et9999
Aber eines bleibt Stark natürlich schuldig. Nämlich eine Antwort auf die Frage, wie die Probleme gelöst werden können.
Und Sie meinen, die Antwort ist Vertragsbruch und Umwandlung der EZB zum Staatsfinanzierer durch Ankauf nicht mehr marktfähiger Staatsanleihen?

Keine Ahnung, wo Stark eine Lösung sieht, die jetzigen Methoden sind aber auch keine Lösung.

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goldt 17.12.2011, 17:58
54. Lohnstückkosten

Man sollte sich eher mal fragen, warum im 21. Jahrhundert die Masse der Menschen immer ärmer werden, anstatt durch technischen Fortschritt wohlhabender. Die Produktivitätssteigerung ist in diesem System ein Grund für die Krise, die Konkurrenz wird immer mörderischer und Menschen zunehmend überflüssig. Daraus schlußfolgern dann Stark und Co, dass die Lohnstückkosten im Rest-Europa zu hoch sind.

Willkommen in der Anstalt!

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c++ 17.12.2011, 17:58
55. .

Zitat von Nihil novi
War es nicht die Ägide von "Chefvolkswirt" Stark und die stümperhaften "Rettungsversuche" (Bankenbereicherung) von der ReGIERung Merkel... Er hat komplett versagt und mit ihm die Dogmatiker aus Neolberal Deutschland.
Sie übersehen leider, dass die Kritiker von Merkel oder Stark in noch stärkerem Maße Rettungsversuche im Sinn haben, um die Banken noch mehr zu bereichern. Eurobonds dienen in aller erster Linie der Rettung von Banken, und zwar weltweit. Eurobonds dienen nicht nur zur Rettung deutscher Banken, sondern aller europäischen Banken und des angloamerikanischen Finanzsystems. Oder denken Sie, die Mittel aus den Eurobonds dienen der Finanzierung von Hartz4 und Sozialrenten?

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Froh mit ALG Zwo 17.12.2011, 18:03
56.

Zitat von schnitti23
Es könnte- und davor bewahre uns der Liebe Gott- wie in den angelsächsischen Ländern die Druckmaschine angeworfen werden und jede Menge neuer Euros unter die Staaten geworfen werden. Natürlich alles auf Kosten einer zunehmenden Inflation.
So ein hanebüchener Unsinn!

Die EZB ist so oder so der Geldgeber; ob das Geld über einen Zwischenhändler (sog. Investor) oder direkt von der EZB an Staat XY fließt, macht in der Geldmenge keinen Unterschied. Und wo bitteschön soll eine Inflation herkommen? An der Kreditsumme ändert sich doch nichts.

Um mal die vielzitierte schwäbische Hausfrau zu bemühen: Wo wird sie wohl hingehen, wenn sie dringend Geld benötigt? Zu Bank A mit 1% Zinsen oder zu Bank B mit 7%? Sollten Sie mit B antworten, bitte ich um ausführliche Erleuchtung, warum Sie gerne mit Ihren Steuern die Renditen der Investoren bezahlen.

Unser Bundespräsident hats doch vorgemacht. Der leiht sich die Kohle auch lieber billig bei seinem Kumpel, anstatt der Bank die Zinsen in den Rachen zu schmeißen.

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c++ 17.12.2011, 18:27
57. .

Zitat von Froh mit ALG Zwo
Die EZB ist so oder so der Geldgeber; ob das Geld über einen Zwischenhändler (sog. Investor) oder direkt von der EZB an Staat XY fließt, macht in der Geldmenge keinen Unterschied. Und wo bitteschön soll eine Inflation herkommen? An der Kreditsumme ändert sich doch nichts.
Ich denke, das ist falsch. In der Vergangenheit hat sich der Staat finanziert aus dem Geldvermögen der Bürger. Dieses Geldvermögen ist mittlerweile stark aufgebläht worden und steht in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zur Realwirtschaft.

Wenn der Staat jetzt nicht über Kredit einen Teil des privaten Geldvermögens abschöpft, sondern die EZB in beliebiger Höhe Fiatgeld in die Staatskassen spült, müsste die EZB bzw. der Staat das private Geldvermögen einsammeln. Machen Sie mal Vorschläge, wo und wie hier hunderte Milliarden eingesammelt werden sollten. Die EZB schafft es bekanntlich nicht mehr, das Geld aus den Märkten zu nehmen.

Außerdem dienen die Zinsen am Anleihemarkt der Regulierung der Verschuldung und führen dazu, dass sich hochverschuldete Schuldner nicht grenzenlos überschulden können. Das Signal an die Schuldnerländer ist klar: ihr seid zu hoch verschuldet, ihr müsst Kreditaufnahme stark abbauen. Und das ist sehr vernünftig. Wenn diese Regulation fällt, bricht der Damm und es kommt zu einer gigantischen Überschuldung der Staaten.

Es gibt heute schon eine riesige Geldblase. Wenn diese nicht zur Inflation geführt hat, dann liegt es daran, dass diese Geldblase nicht nachfragewirksam wird, sondern in Händen von Leuten kumuliert ist, die keine Anlagemöglichkeit für das Geld in der Realwirtschaft suchen und finden und damit künstliche Finanzkonstrukte füttern. Das ist ein Tanz auf dem Vulkan, der zu einer Explosion der Finanzblase führen kann.

Sinnvoll wäre es, mit dem Geld aus dieser Finanzblase einen erheblichen Teil der Staatsüberschuldung auszugleichen. Dem steht aber die Macht des Finanzkapitals über die Politik entgegen.

Eurobonds sollen als ultimative Waffe des internationalen Finanzkapitals eingesetzt werden, um diese vagabundierenden, überflüssigen Geldvermögen zu retten zulasten der Steuerzahler, der Arbeitnehmer und Rentner. Daher sind die Handlanger des internationalen Finanzkapitals auch so große Anhänger von Eurobonds.

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hardliner1 17.12.2011, 18:32
58. Stark hat das Richtige getan

Zitat von Liberalitärer
Ist das ein Grund, in diesem Drama die Rolle der beleidigten Leberwurst zu übernehmen? Es stimmt ja, die Mehrheit auch seiner Fachkollegen teilt seine Ansichten eben nicht.
Wenn sich meine Vorstellungen über die Politik der EZB diametral von denen anderer EZBler unterscheiden, dann muss ich den Hut nehmen und so ein Zeichen setzen. Tatsache ist, dass der Ankauf von Staatsanleihen nicht zur Geschäftspolitik der EZB gehört, denn einseitige Hilfen der Bank sind ausdrücklich in den Statuten ausgeschlossen worden. So gesehen hat Stark genau das Richtige getan. Dass die Euro-geilen umverteilungswütigen Politiker nicht hinter ihm stehen, halte ich für sehr bedenklich. Aber man hat ja auch nicht auf die Professoren Hankel, Schachtschneider und Starbaty gehört, als diese die wahrscheinlichen Probleme einer Gemeinschaftswährung aufgezeigt haben. Sie haben recht behalten. Und die Bürger zahlen die Zeche für eine EU- und Euro-fetischistische Politik.

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SURE 17.12.2011, 19:01
59. ...

Zitat von mischpot
In den letzten Jahren hatte doch Herr Stark genügend Zeit, seine Meinung zu äußern. Aber seinem Noch Arbeitgeber gegenüber heißt es natürlich nach oben buckeln und nach unten treten. Kurz vor der Rente dann die "Offenbarung". Das zeigt doch deutlich wie sehr das ganze System hinkt und stinkt.
Soweit ich weiss war Stark immer auf dem Kurs; keine Anleihen zu kaufen. Als die EZB unter Trichet, mit dem sich Stark wohl auch nicht wirklich verstanden hat, dem französischen Diktat nachgab ist er konsequenterweise gegangen.
Eine künstliche Institution wie die EZB, mit all dem politischen Gestus der einzelnen EU-Mitgliedsländer,der Eitelkeit der einzelnen Finanzminister, dem Hoheitsdenken der einzelnen Haushalte, so etwas gibt es nirgendwo auf dieser Welt. Diese EZB als normalen Arbeitgeber zu klassifizieren halte ich für Realitätsfern. Das die einzelnen nationalen Mitarbeiter nur Ihren Ländern verpflichtet sind ist wohl eher der Fall.

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