Forum: Wirtschaft
Schließungen von Bäckern und Metzgern: "Das soziale Miteinander ist in Gefahr"
DPA

Der Städte- und Gemeindebund fordert innovative Konzepte der Kommunen für die Ortsmitte. Die sinkende Zahl von Handwerksbetrieben wie Bäckereien und Fleischereien werde sich sonst auf die Lebensqualität auswirken.

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totalausfall 24.04.2019, 11:06
90. Was will man denn machen?

Es gibt " Berufe ", die mal extrem wichtig waren und deswegen ausgeübt wurden - aber offensichtlich keinen Spaß machen.

Ich glaub "geil, wenn ich groß bin werd ich Metzger oder Bäcker" gabs noch nie in signifikantem Ausmaß. Man hats gemacht, weil man was machen musste um selber nicht zu verhungern und der Bäcker oder Metzger ein ziemlich sicherer Beruf war. Waren ja lange Zeit praktisch die wichtigsten Handwerker.

Heute gibts ja den Druck nicht mehr. Hier verhungert niemand und fast alles (von H4 bis Zeitarbeit für ungelernte) ist attraktiver als morgens um 4 in der Backstube zu stehen. Und die Sicherheit ist auch nicht mehr gegeben.

Sehe nicht, wie diese Berufe in der Masse überleben sollen ohne dass man Leute zwingen müsste sie auszuüben.

So ist das halt. Berufe kommen und gehen in der Geschichte. Das kann auch Koryphäen wie den Becker oder Metzger treffen.

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shardan 24.04.2019, 11:07
91. Der Städtetag beschwehrt sich...

Der Städtetag beschwehrt sich...mal wieder. Ein paar Dinge sollte man aber doch bedenken. Es waren eben diese Städte, die schon vor langem die Initiative an die Investoren abgetreten haben. Investoren wollen eine Verzinsung. So wurden kleine Geschäfte verdrängt. Meine Heimatstadt hatte früher eine Fußgängerzone mit vielen kleinen Geschäften, die ich oft und gern besucht habe. Heute fahre ich nicht mehr hin, lohnt die ca 40 km nicht mehr. Es gilt die Faustregel "Auf einen Billigmode-Markt kommen zwei Markenmodegeschäfte und ein Schuhgeschäft". Allesamt in Preisregionen, in denen ich mich nicht bewege, allesamt Geschäfte, die ich in jeder x-beliebigen FGZ vorfinde. Die Mieten (=Verzinsung für Investoren) sind derartig hoch, das normales Preisniveau nicht mehr haltbar ist. In meinem heutigen Wohnort wurde vor einiger Zeit eine Mall geschlossen und von Investoren auf modern umgebaut... Das Resultat: Ein Kapitalistentempel. Der Charme eines Operationssaals trifft auf die Gemütlichkeit einer Abflughalle, das ganze genannt "Erlebnisdesign". Viele kleine aber schöne Shops der alten Mall sind dahin, sie konnten die exorbitanten Mieten nicht zahlen. Was findet sich im eneuen Konsumtempel: Modegeschäft an Schuhgeschäft an Modegeschäft, dazwischen einige Hype-Restaurants, die z. B. "Asiatisches Health Food" anbieten... Preise siehe oben: Nichts, was ich noch zu zahlen gewillt wäre. Dieser Tempel überlebt derzeit, weil in weitem Umkreis getrommelt und Werbung gemacht wird. Das brachte einige Wochenenden mit völlig verstopfter Innenstadt, da Auswärtige jeden Parkplatz belegt hatten, die Innenstadt war entsprechend voll - Ortsansässige machten dann ihre Einkäufe im Umland. Der große Gewinn für die Innenstadt? Daran habe ich Zweifel. Der Zustrom Auswärtiger hat bereits deutlich abgenommen - Der Reiz solcher Protzpaläste hat nur eine geringe Halbwertszeit. Für die meisten Anwohner ist das Preisniveau schlicht nicht umsetzbar, viele haben dadurch auch Läden im Umland für sich entdeckt, die sie vorher nie besucht haben. Man wird sehen, wie das weitergeht. Ich fürchte, nicht zum Guten. Ich beobachten an zu vielen Stellen, dass die Städte voll auf den Zustrom aus dem Umland und anderen Städten setzen - "Wir müssen attraktiver für Besucher werden" heißt es dann zumeist. Das funktioniert nur in Touristenhochburgen. Es sind die Anwohner, von denen eine Stadt lebt, nicht die Besucher. Die Stadte betrachten die Anwohner dagegen eher als Melkkühe, denen man ruhig noch eine Gebühr mehr, dafür eine Dienstleistung weniger abzocken kann. Muss sein, man muss ja attraktiver für Besucher werden, das kostet...... Derweil veröden die Innenstädte ab ca 20:00, denn die Anwohner sind ja keine Besucher, fühlen sich entsprechend unerwünscht - und haben ja im Umland einiges für sich entdeckt.... Alles in allem eine "Linke Tasche rein - rechte Tasche raus" - Besucherrechnung mit einem erheblichen Aufschlag für Verkehrsprobleme. Aber dafür gibt es ja den Städtetag, der dannw ieder winselt.

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july1969 24.04.2019, 11:08
92.

Wenn man bedenkt, daß einem erwachsenen Hartz 4 Empfänger so um die 150 Euro monatlich für Lebensmittel zur Verfügung stehen, sind 4 Euro bis 5 Euro für ein Kilo Brot schon eine Hausnummer. Der Unterschied 10 Euro bis 12 Euro für das Kilo Bratenfleisch beim Metzger oder 3,99 Euro beim Discounter macht da ja schon fast Welten aus.

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JackGerald 24.04.2019, 11:08
93. @ Nr. 58 Bernie59

Naja - was die Franzosen unbestritten gut hinbekommen, das sind Croissants - aber für so ziemlich alles andere muss man nicht nach F fahren. Und dass die Redewendung "Leben, wie Gott in Frankreich" schon lange Historie ist merken wir jedesmal, wenn wir in F etwas halbwegs Qualitatives zu einem halbwegs akzeptablen Preis haben wollen - sowas muss man in Frankreich sehr lange suchen. Wir stellen auf unseren Reisen immer wieder fest, dass in Westeuropa das Preis-Leistungs-Verhältnis in D und z. B. auch in Österreich eigentlich am besten ist.

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_oliver_ 24.04.2019, 11:09
94. Stadt/Dorfplanung

Nicht immer ist der Markt schuld. Solche Märkte auf der grünen Wiese wurden ja irgendwann gebaut, also auch genehmigt. Wenn es einen existierenden Ortskern gibt und der Investor (Edeka, Rewe oder ähnliche) möchten jetzt gern die Filiale auf die grünen Wiese setzen, weil vllt die Umgehungsstraße praktischerweise dort entlang führt und man sich so mehr Kundschaft verspricht, dann kann die Gemeinde solche Genehmigungen auch gerne mal verweigern mMn.So viel Arbeitsplätze pro bebaute Fläche sind es nun wahrlich nicht und man schafft so Strukturen, die die Leute aus dem Ort treibt (z. B. wegen eines größeren Angebots)

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goose fraba 24.04.2019, 11:15
95.

Ich bin in der glücklichen Position mein Fleisch und Brot mit guter Qualität bei einem echten Metzger und Bäcker zu kaufen. Um die Ecke befindet sich auch unser täglich geöffneter Stadtmarkt, wo Obst, Gemüse, regionales oder exostisches angeboten werden. Es ist ein sehr kostspieliger Spass, mir aber Wert weil die Qualität stimmt. Man merkt auch sofort, dass man es nicht mit dem wässrigen Müll vom Discounter zu tun hat. Mir ist bis heute nicht klar, wie jemand der NICHT am verhungern ist, freiwillig dieses widerliche billige Zeugs beim Discounter kauft. Selbst wenn nur wenig Geld im Haus ist, würde ich lieber auf Fleisch verzichten als sich diesen Dreck reinzuziehen. Schon gar nicht, wenn Kinder zum Haushalt gehören.

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Sandlöscher 24.04.2019, 11:15
96. Mixtur aus vielen Gründen

Geiz ist geil und dies Politik trug massiv dazu bei, dass sich ein Oligopol auf dem deutschen Lebensmitteleinzelhandel gebildet hat, welches schlichtweg alle anderen Konkurrenten preislich vom Markt drückt. Viele Menschen sind mittlerweile auf Discounterware angewiesen. Wer von schlecht bezahlter Arbeit leben muss oder ALG-Empfänger ist, kauft dann lieber alles beim Discounter. Wer will noch ins Handwerk? Morgens früh um 02:00 Uhr in der Backstube stehen und das für ein niedriges Gehalt? Ein Bekannter ist gelernter Bäcker und Konditor und Kam vor rund 10 Jahren trotz Überstunden und Wochenendarbeit, auf ein Niedriglöhne der etwas über der Sozialhilfe lag. Er ist in die Schweiz ausgewandert und kann nun von seiner Arbeit anständig leben und hat dort Bedingungen, die in D unvorstellbar wären. Er weint D keine Träne nach. D ist der undankbarste Lebensmittelmarkt in Europa. Nirgendwo werden Lebensmittel so verramscht und teilweise bei Aktionsware sogar unter EK-Preis abverkauft. Die Kartellbehörden Unterbinden das nicht, da Aldi, Lidl und Co. zu mächtig sind. Eigentlich müssten diese Konzerne zerschlagen werden, damit der Wettbewerb wieder funktioniert.

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bunterepublik 24.04.2019, 11:16
97. tempora mutantur nos et mutamur in illis

Allein der Verbraucher hat es in der Hand....Der Deutsche liebt es billig. Er ist - in seiner Masse - regelmäßig nicht bereit viel für das Essen auszugeben. Aufbackbrötchen und Billigfleisch lassen grüßen. Essen hat bspw. in Italien einen viel größeren Stellenwert. Da ist der Verbraucher bereit, mehr zu bezahlen und weitere Wege in Kauf zu nehmen...ob dies auch in Zukunft so bleiben wird, ist abzuwarten.
In kleinen Ortschaften und mittelgroßen Städten sterben: Zeitschriftenhändler, Kioske, Bäcker, Fleischer, das Wirtshaus, der individuelle Einzelhandel etc.pp.
Welcher Selbständige hat auch Lust für einen Hungerlohn ein Büdchen zu führen oder gar als "Meister" in einer kleinen Bäckerei zu stehen, um vollkommen frisch zu backen? Teilt man die Stunden durch das Einkommen das bleibt, bleibt weniger als Mindestlohn. Die Verbraucher, die alle 6 Wochen irgendeine Kleinigkeit erwerben, und bestenfalls ansonsten einen "Back-Shop" besuchen, halten so einen Laden nicht am Laufen.

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BabelHuber 24.04.2019, 11:17
98. Versagen der Kommune...

Zitat von qoderrat
Es gibt auch andere Gründe, hauptsächlich die Faulheit der Kunden. Bei uns im Kaff hatte der Bäcker das Problem, dass die Laufkundschaft weggeblieben ist, nachdem die Dorfstrasse für den Durchgangsverkehr gesperrt wurde. Die Leute sind dann in den Bäcker beim lokalen Discounter oder zur Tanke mit Bäckereiangebot gefahren, weil sie da mit dem Auto leichter hinkommen.
Als Kommune kann ich eben nicht die Leute, die im Ortskern einkaufen wollen auch noch bestrafen, indem ich ihnen die Parkplätze wegnehme.

Wenn ich mit dem Auto einkaufen fahre, dann muss ich irgendwo parken. ich kann mein Auto nunmal nicht in meine Hosentasche schieben!

Das heißt, die Kommunen müssen hier überlegen: Wenn ich den Durchgangsverkehr sperre, was habe ich für Vor- und Nachteile?

Ich bin auch jemand, der gerne noch kurz in eine Metzgerei oder Bäckerei fährt wenn die Qualität auch besser ist.

Aber ich werde auf keinen Fall 30 Minuten in der Gegend rumlatschen, um ein paar Brötchen zu kaufen. Das geht einfach zu weit.

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pepe_sargnagel_der_zweite 24.04.2019, 11:24
99. Die Bessersestellten müssen das regeln

Wenn ich ehrlich bin, dann verstehe ich die "Geiz ist geil"-Mentalität der großen erwerbstätigen Masse schon. Wenn man sich vom Nettogehalt gerade mal die Miete und Lebensmittel sowie einen Urlaub pro Jahr leisten kann, dann überlegt man es sich schon gut, ob man bei der Wurst nicht doch auch sparen kann. Das ist doch verständlich - nach dem Dach überm Kopf kommt nunmal gleich das Essensbedürfnis und ein "Erlebnisbedürfnis".
Die Bessergestellten aber sollen nun vom Netto auch noch für die Rente sparen, tolle deutsche Autos kaufen (um die Wirtschaft brummen zu lassen) und teuren Ökostrom kaufen. Auch die drehen schon jeden Cent um, aber hätten theoretisch wenigstens noch das Geld für die Metzgerei - aber vermutlich wollen auch die etwas sparen um eine höhere Rente zu haben oder auch mal in einen schöneren Urlaub fahren zu können.
Wenn man auf die "Geiz ist geil"-Mentalität schimpft, dann muss man das mal bedenken: Diese Mentalität betrifft aber erst die "Bessergestellten 50% der Erwerbstätigen" und somit nicht die breite Masse der Erwerbstätigen, sondern maximal eine Hälfte davon.

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