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Schließungen von Bäckern und Metzgern: "Das soziale Miteinander ist in Gefahr"
DPA

Der Städte- und Gemeindebund fordert innovative Konzepte der Kommunen für die Ortsmitte. Die sinkende Zahl von Handwerksbetrieben wie Bäckereien und Fleischereien werde sich sonst auf die Lebensqualität auswirken.

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Claudia_D 24.04.2019, 09:32
20.

Zitat von chrismuc2011
Zumal der Kunde erwartet, dass das komplette Warenangebot von 7:00 bis 20:00h, vermeindlich frisch, zur Verfügung steht. Bei den Fleischereien sieht es noch düsterer aus. Dort kommen noch hohe Auflagen hinzu, was die Einrichtung, Verarbeitung und Lagerung betrifft. Da muss letztendlich der kleine Metzger den gleichen Aufwand betreiben, den ein großstädtischer Schlachthof hat. Das ist nicht finanzierbar.
Zumindest hier am Ort funktioniert das: dem örtlichen Penny ist eine Metzgerei "angelagert".
Da ist immer was los, die Preise und die Qualität des Fleisches sollen gut sein (ich selbst esse keines mehr, kann also nur die Aussagen von Bekannten wiedergeben, die dort einkaufen).
Öffnungszeit ist zwar nicht von 8 bis 21 Uhr wie der Penny, aber von 8 bis 19.30 Uhr.
Selbst bin ich wieder dazu übergangen, mein Brot beim Bäcker zu kaufen, obwohl ein Discounter und ein Großsupermarkt gleich im Laden auch "frisches Brot" anbieten.
Das Brot (bzw. die Teiglinge) kommen von einer Großbäckerei und ist nicht schlecht, aber eben kein Vergleich mit dem von meinem Bäcker.
Allerdings muss man dafür auch 50 % mehr auf die Theke legen. Ist es mir aber wert. Ich bin allerdings auch alleine und muss keine 6 Mäuler oder so mit einem Brotverbrauch von 1 kg pro Tag stopfen :-).

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petra.blick 24.04.2019, 09:34
21. Vom Staat zum Logistikzentrum.

Aufgehübscht wie ein Freizeitpark aber unlebendig und verarmt. Nicht das wir eine Natur erschaffen haben, die unbewohnbar für Tiere wurde, nun folgt auch noch die Gesellschaft. Wir kaufen uns günstig in eine verarmte Welt.

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letztes_wort 24.04.2019, 09:36
22. So einfach ist es leider nicht

Auch wenn wir hier noch Handwerksbäcker haben - nach deren Aussage - ist deren Qualität leider nicht berauschend. Das Brot schmeckt häufig am nächsten Tag schon nicht mehr. Die Frischhaltung ist auch nicht berauschend.
Seit einem Jahr backe ich komplett alles Brot und Brötchen selbst. Mit frisch gemahlenem Vollkornmehl und sehr gerne mit ausgefallenen Getreidesorten (Khorasan, Einkorn, Emmer, Purpurweizen, Rotkornweizen, Champagnerroggen, Lichtkornroggen, Waldstaudenroggen, Gelbmehlweizen, Blue Velvet Dinkel) und ohne jegliche industriellen Zusätze. Alleine mit Sauerteigen der verschiedensten Arten und lange Teigführungen bis zu 72 Stunden.
Der Lohn sind hervorragende Brote. Selbst die einfachsten Rezepte mit wenig Aufwand toppen alle Brote von den Handwerksbäckern. Selbst Brote von einem Brotsommelier sind nicht wirklich besser. Sobald eine größere Fertigung dahinter ist, wird es knapp.
Dazu kommt der Preis. Wenn ich alleine den Wareneinsatz bei meinen Broten rechne, komme ich schnell auf 6€ pro Brot - ohne Arbeitszeit. Raumkosten, Gerätenutzung. Khorasan z.B. kosten 6€ das Kilo als ganzes Korn.

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keine-#-ahnung 24.04.2019, 09:37
23. Wenn ein traditionell arbeitender Bäcker ...

... sich am Discounterpreis orientieren will, hat er schon verloren.

Selbst hier in der Grossstadt haben wir gerade noch eine Handvoll wirklich handwerklich arbeitender Bäckereien, die dieses Attribut tatsächlich beanspruchen können und deren Produkte qualitativ wirklich hochwertig und dementsprechend preisintensiv sind.

Ergo muss ich mich am Samstagmorgen ins Auto schwingen, eine wenig Brötchen-CO2 in die Luft blasen und mit etwas "Glück" 30-45 Minuten "anstehen" - als Ossi bin ich da Gott sei Dank konditioniert. Es scheint also aber eben doch einige Leute zu geben, die für eine gute Brötchenspezialität auch deutlich über einen Euro auszugeben bereit sind und bei denen ein gutes Brot auch mal über 4 Euro kosten darf.

Aber ehe ich mir diese industriellen Luftsackteiglinge ins Haus hole, die 18 Stunden nach dem Kauf im Wesentlichen schon wieder ungeniessbar sind ... nehme ich dann doch die eine oder andere Unbequemlichkeit gerne in Kauf.

You get what you pay for ... das gilt erst recht beim Kauf von Lebensmitteln, die ja nicht von ungefähr so heissen.

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howard_phillips 24.04.2019, 09:39
24. Im Handwerk wie im Einzelhande....

verlassen sich zu viele darauf, dass alles weiter geht wie bisher. Der Bäcker oder metzger an der Ecke muss sich durch Angebot, Qualität und Beratung vom Dicounter absetzen. Dazu gehört auch Schulung des personals im Umgang mit Kunden. Schlecht gelaunte und wortkarge Verkäufer führen bei mir z.B. schnell dazu, dass ich mir denke "ok wenn Du mich so behandeln kannst, scheinst Du ja nicht auf mein geld angewiesen zu sein". Klar man muss sich die Produkte "leisten können" aber ich denke schon, dass es durchaus möglich ist neben Discountern und Ketten zu bestehen, wenn man sich auf die Wünsche der Kunden einlässt. Ja es gibt eine "billig billig"Matalität, aber genauso gibt es viele Kunden die bereit sind für Qualität zu bezahlen. Was Innenstadtkonzept angeht, können sich die Sädtplaner mal schön an die eigene Nase fassen. Überall schießen die großen Center aus dem Boden und ziehen die vor allem Laufkundschaft aus den Innenstädten ab. Zusätzlich muss bedacht werden, dass viele Leute eben zu Arbeit pendeln und ihre Einkäufe auf dem Werg nach Hause erledigen. Kann man im Stadtteil in dem ich aufgewachsen bin gut beobachten. Früher kamen die Leute von der Zeche, haben in der Kolonie gelebt und hatten die Läden quasi vor der Nase bzw fußläufig. Nun, die zechen gibt es nciht mehr und die Leute arbeiten nicht mehr im Stadtteil. Sie brauchen daher Anbindung an den ÖPNV und für Pendler noch wichtiger, Parkplätze. Im genannten Stadtteil gibt es so gut wie keine bzw. wurden reduziert. Klar ist das kein zukunftsweisendes Verkehrskonzept, keine Frage. Aber Arbeitswege von bis zu 40km sind ja in vielen Regionen leider Alltag und das wird sich auch über Nacht nicht ändern. Arbeit und Wohnort liegen dank Flexibilisierung meist nicht mehr nah beieinander und niemand hat Lust nach 10 Std. Arbeit plus Fahrtweg noch großartige Umwege zu machen.

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quidquidagis1 24.04.2019, 09:40
25. Richtig..

Zitat von pjius
Seit Jahren ist es doch so, dass selbst Bäckereien Ihre Eier günstig aus den Niederlanden beziehen. Backmischungen verwenden, die Glasur fertig aus der Fabrik kommt! Statt 1,50€ für ein Croissant beim Aufbackbäcker zu beziehen, kann ich es mir gleich im Aldi für 49 Cent kaufen! Gleiche Qualität! Es gibt in Deutschland nur noch sehr wenige gute Traditionelle Bäckereien die Ihr Handwerk verstehen! Diese läden laufen aber auch gut!
..und die Metzgereien beziehen ihr Fleisch auch nur vom Großschlachthof.Viele haben sich auf Partyservice verlegt.Dann bekommt man halt Wurst und Leberkäs aus der Fabrik liebevoll mit Radischen und Salatblättern garniert!

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axel.hag 24.04.2019, 09:41
26. Kapitalismus

Braucht Wachstum. Größe schafft Marktmacht und macht die Kleinen kaputt. Und Alle schauen zu, bis dann nur noch die Kirche im Dorf geblieben ist. Soziale Marktwirtschaft könnte gegensteuern, aber dazu fehlt der Wille bei Cdu und Csu.

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VolkerSvoboda 24.04.2019, 09:48
27. "handwerklich gefertigte Brötchen"

...gibt es wohl in kaum einer einzigen Bäckerei mehr. Auch dort werden heuter in aller Regel industriell vorgefertigte "Teiglinge" aufgebacken, genau wie beim Discounter oder der Großbäckerei.

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syracusa 24.04.2019, 09:48
28. selbst Brot backen

In meiner Region gibt es keine handwerklich arbeitenden Bäcker mehr. Der nächste ist 25 km weit entfernt, und fristet ein kleines Nischendasein für die wohlhabenden Schichten in der Stadt. Ein handwerklich gemachtes Brötchen dürfte kaum unter 50 Cent zu haben sein, eher wird es um 1 Euro kosten. Und 1 kg handwerklich sehr gut gemachtes Brot braucht viel Zeit und teure Handarbeit und kann kaum weniger als 5 € kosten.

Ich stehe auf gutes Brot, und so bleibt mir und vielen anderen Brotliebhabern nichts anderes übrig, als das Backen selbst zu erlernen und das Brot selbst zu backen. Ein guter Start ist hier: https://www.ploetzblog.de/

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telarien 24.04.2019, 09:49
29. Rahmenbedingungen

Ja, der Verbrauchen ist natürlich auch schuld, zumal in Deutschland Essen nicht den Stellenwert hat wie in Frankreich z.B.
Aber es sind die Rahmenbedingungen, die es kleinen und individuellen Geschäften fast unmöglich macht zu bestehen. Die Politik fördert lieber großen Ketten und Konzerne. Warum wohl?

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