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Schmiergeld-Affäre: Airbus-Chef Enders verstrickt sich in Widersprüche
DPA

Airbus-Chef Tom Enders war nach SPIEGEL-Informationen tiefer in die Affäre um mögliche Schmiergeldzahlungen verwickelt: Er wusste offenbar mehr über eine dubiose Firma, als er heute wahr haben will.

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joG 20.10.2017, 18:51
1. So organisiert, wie das....

....diese Firmen sind, ist es unwahrscheinlich, dass bei Grossaufträgen Unregelmässigkeiten nicht auffallen. Nur wissen will niemand davon haben, weil Protokolle usw verändert wrrden, wie jeder weiss, der je mit Vorstandsprotokollen zu tun hatte. Aber wichtug ist neben dem Täterkreis und der Verurteilung, wie man jene entschädigt, die betrogen wurden. Das sind Dr ie Konkurrenten und Aktionäre kaufender Unternehmen sowie die Steuerzahler kaufender Länder. Hier geht es um viel Geld und um die Arbeitsplätze, die Länder wie die USA wegen der deutschen Korruption verloren haben.

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lrtnick 20.10.2017, 19:53
2. @#1 "joG"

Sie denken, dass US-Amerikanische Unternehmen in Bezug auf schmiergelder und korruption besser/unschuldig sind?
Naiv.... Bestes Beispiel ist die Ausschreibung zur Entwicklung eines Tankflugzeugs für die US-Streitkräfte, die Airbus zuerst gewonnen hatte und auch auf massiven Druck von Boeing geändert wurde.
Von Verhandlungen mit anderen Staaten und Airlines (sei es der zivile Sektor oder die Rüstungssparte) ganz zu schweigen....
Ich lehne mich mal soweit aus dem Fenster und behaupte, das jedes große, global agierendes Unternehmen Dreck am Stecken hat.
Und von den Arbeitsplätzen in Europa, die Airbus hier schafft, die sind Ihnen natürlich auch egal...
Scheint das Trumps mantra, "Amercia First", auch inzwischen bei uns angekommen ist...

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bold_ 20.10.2017, 20:19
3. Man nenne mir irgendein Geschäft im Militärbereich,

bei dem es ohne offene Hände, aka Korruption, abging.

Mag sein, daß es solche gegeben hat, und von legalen Geschäften hört man ja normalerweise auch nichts.

Bis zum Beweis des Gegenteils gehe ich aber davon aus, das Waffenhandel ohne Korruption offensichtlich nicht machbar ist.
Die ist praktisch "systemimmanent", wie es mir scheint.

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tomy1983 20.10.2017, 20:32
4. So sind Manager!

Sie nötigen die Untergebenen in mitunter fragwürdige bis illegale Operationen. Bei Erfolg lassen Sie sich feiern. Fliegt's auf, wussten Sie nichts. Sie haben es ja nie eindeutig artikuliert oder unterschrieben.

Aus Mafiafilmen kennt man das "lass ihn verschwinden". Jeder weiß, der soll mit Betonschuhen baden gehen. Aber vor Gericht heiß es dann, das war eine Aufforderung ihn nach Hause zu Frau & Kind zu bringen.

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guayaquil 20.10.2017, 22:35
5. US-Beispiel

Ich mag mich erinnern, daß vor Jahren während des Siemens-Skandals der Spiegel selber über US-Gesetze schrieb, die den amerikanischen Firmen Straffreiheit bei Schmiergeldzahlungen im Ausland zusichern.
Wie schon Andere schrieben, kann wohl niemand so naiv sein und wirklich glauben, daß Boeing absolut sauber arbeitet und grundsätzlich keine Schmiergelder zahlt, ebensowenig die amerikanischen Hersteller von Militärgütern, die in zig-Milliardenhöhe gehandelt werden und zu der Familie gehören sicherlich auch die Erdölfirmen, die ebenso schmieren müßen, um weltweit Öl fördern und einkaufen zu können.
Wieder einmal sind es die dummen Deutschen (Strafverfolger und Zeitungen), die solche Fälle an die große Glocken hängen.
?Wen gab es zuerst? ?Denjenigen der Schmiergeld verlangt oder den, der Schmiergelder anbietet?

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pwkl 21.10.2017, 00:14
6.

Wenn man sich so aus dem Fenster hängt wie der Schreiber dieser Zeilen, sollte man wenigstens ein Minimum an fundiertem Wissen haben. Ohne in Details zu gehen und aus öffentlich zugänglichen Quellen (z.b. der Evolution der Ausschreibungsunterlagen im Jahr 2006/2007) kann man nachvollziehen, dass nicht Boeing, sondern Northrop-Grumman (der amerikanische prime contractor und Anbieter der Lösung auf Airbus A330-200 Basis) offensichtlich den massiven Druck auf die ausschreibende Behörde aufgebaut hatte. Nach dem vorhergehenden Skandal mit einem Boeing-Manager und einer hochrangigen Dame von der Regierungsseite im Gefängnis hätte es nicht gut ausgesehen, wenn wieder nur Boeing als Bieter dagestanden wäre. Daher wurden die Auswertungskriterien schrittweise angepasst, um dem grösseren Plattformflugzeug Kredit für Leistungsfähigkeit zu geben, die über die ursprünglichen Basisforderungen hinausgingen, bestimmt nicht auf Betreiben von Boeing. Als Northrop-Grumman gewonnen hatte, wurde die Vergabe aufgrund eines formellen Boeing-Protest durch das General Accounting Office (=Rechnungshof) unter die Lupe genommen, mit nicht so schmeichelhaften Ergebnissen für die Ausschreibungsbehörde, auch das ist öffentlich. Unstreitig ist der Tanker auf A330-Basis das bessere und leistungsfähigere Flugzeug als der KC-45 767-basierte Wechselbalg und die USAF wollte auch die Northrop-Grumman/Airbus-Lösung, etwas zu offensichtlich halt. Die scheidende George W. Bush Regierung hat dann den Vertrag per "termination by convenience" beendet, somit der Obama-Regierung wenigstens die Penlichkeit erspart, dieses desaster aufräumen zu müssen. Im nächsten Durchgang hat dann Boeing gewonnen, die Kenntnis der Konkurrenzsituation aus dem debrief des vorherigen bids (alles formal o.k.) war sicher nicht hinderlich.

Also, dieses Beispiel taugt nicht in Bezug auf Korruption oder Schmiergeldeinsatz, aber es zeigt doch die Mechanismen massiver politischer Einflussnahme auf eigentlich neutral gedachte Ausschreibungen.

Was Bekämpfung von Korruption und anderen Regelverstößen wie Exportkontrolle angeht, muss man den US-Behörden zugestehen, dass sie ihre eigenen Firmen nicht gerade mit Samthandschuhen anfassen, Beispiele wie BAe-Systems, UTAS und andere prominente Rüstungsfirmen zeigen, dass da konsequent und mit Millionenstrafen zugefasst wird. Im Falle von Compliance-Top-Leuten in der Industrie zeichnet sich ein Trend zur persönlichen Strafverfolgung ab. ich habe den Eindruck, dass abseits der obsessiven Iran-Sanktionen Nicht-US-Firmen da derzeit noch besser wegkommen. Und noch ein Gefühl (genährt von einiger Erfahrung), um die Kurve zurück zum Thema des Vorredners zu nehmen, wenn es darum geht, bei einem Militärgeschäft außerhalb der USA die ausländische Konkurrenz auszustechen, denke ich, war schon immer die ganze Kraft und Reichweite der US-Regierung am Ball, wer auch immer im Weissen Haus wohnte. Aber das ist ein anderes Thema, nicht Korruption...

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pwkl 21.10.2017, 00:16
7.

Wenn man sich so aus dem Fenster hängt wie der Schreiber dieser Zeilen, sollte man wenigstens ein Minimum an fundiertem Wissen haben. Ohne in Details zu gehen und aus öffentlich zugänglichen Quellen (z.b. der Evolution der Ausschreibungsunterlagen im Jahr 2006/2007) kann man nachvollziehen, dass nicht Boeing, sondern Northrop-Grumman (der amerikanische prime contractor und Anbieter der Lösung auf Airbus A330-200 Basis) offensichtlich den massiven Druck auf die ausschreibende Behörde aufgebaut hatte. Nach dem vorhergehenden Skandal mit einem Boeing-Manager und einer hochrangigen Dame von der Regierungsseite im Gefängnis hätte es nicht gut ausgesehen, wenn wieder nur Boeing als Bieter dagestanden wäre. Daher wurden die Auswertungskriterien schrittweise angepasst, um dem grösseren Plattformflugzeug Kredit für Leistungsfähigkeit zu geben, die über die ursprünglichen Basisforderungen hinausgingen, bestimmt nicht auf Betreiben von Boeing. Als Northrop-Grumman gewonnen hatte, wurde die Vergabe aufgrund eines formellen Boeing-Protest durch das General Accounting Office (=Rechnungshof) unter die Lupe genommen, mit nicht so schmeichelhaften Ergebnissen für die Ausschreibungsbehörde, auch das ist öffentlich. Unstreitig ist der Tanker auf A330-Basis das bessere und leistungsfähigere Flugzeug als der KC-45 767-basierte Wechselbalg und die USAF wollte auch die Northrop-Grumman/Airbus-Lösung, etwas zu offensichtlich halt. Die scheidende George W. Bush Regierung hat dann den Vertrag per "termination by convenience" beendet, somit der Obama-Regierung wenigstens die Penlichkeit erspart, dieses desaster aufräumen zu müssen. Im nächsten Durchgang hat dann Boeing gewonnen, die Kenntnis der Konkurrenzsituation aus dem debrief des vorherigen bids (alles formal o.k.) war sicher nicht hinderlich.

Also, dieses Beispiel taugt nicht in Bezug auf Korruption oder Schmiergeldeinsatz, aber es zeigt doch die Mechanismen massiver politischer Einflussnahme auf eigentlich neutral gedachte Ausschreibungen.

Was Bekämpfung von Korruption und anderen Regelverstößen wie Exportkontrolle angeht, muss man den US-Behörden zugestehen, dass sie ihre eigenen Firmen nicht gerade mit Samthandschuhen anfassen, Beispiele wie BAe-Systems, UTAS und andere prominente Rüstungsfirmen zeigen, dass da konsequent und mit Millionenstrafen zugefasst wird. Im Falle von Compliance-Top-Leuten in der Industrie zeichnet sich ein Trend zur persönlichen Strafverfolgung ab. ich habe den Eindruck, dass abseits der obsessiven Iran-Sanktionen Nicht-US-Firmen da derzeit noch besser wegkommen. Und noch ein Gefühl (genährt von einiger Erfahrung), um die Kurve zurück zum Thema des Vorredners zu nehmen, wenn es darum geht, bei einem Militärgeschäft außerhalb der USA die ausländische Konkurrenz auszustechen, denke ich, war schon immer die ganze Kraft und Reichweite der US-Regierung am Ball, wer auch immer im Weissen Haus wohnte. Aber das ist ein anderes Thema, nicht Korruption...

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pwkl 21.10.2017, 00:18
8.

Wenn man sich so aus dem Fenster hängt wie der Schreiber dieser Zeilen, sollte man wenigstens ein Minimum an fundiertem Wissen haben. Ohne in Details zu gehen und aus öffentlich zugänglichen Quellen (z.b. der Evolution der Ausschreibungsunterlagen im Jahr 2006/2007) kann man nachvollziehen, dass nicht Boeing, sondern Northrop-Grumman (der amerikanische prime contractor und Anbieter der Lösung auf Airbus A330-200 Basis) offensichtlich den massiven Druck auf die ausschreibende Behörde aufgebaut hatte. Nach dem vorhergehenden Skandal mit einem Boeing-Manager und einer hochrangigen Dame von der Regierungsseite im Gefängnis hätte es nicht gut ausgesehen, wenn wieder nur Boeing als Bieter dagestanden wäre. Daher wurden die Auswertungskriterien schrittweise angepasst, um dem grösseren Plattformflugzeug Kredit für Leistungsfähigkeit zu geben, die über die ursprünglichen Basisforderungen hinausgingen, bestimmt nicht auf Betreiben von Boeing. Als Northrop-Grumman gewonnen hatte, wurde die Vergabe aufgrund eines formellen Boeing-Protest durch das General Accounting Office (=Rechnungshof) unter die Lupe genommen, mit nicht so schmeichelhaften Ergebnissen für die Ausschreibungsbehörde, auch das ist öffentlich. Unstreitig ist der Tanker auf A330-Basis das bessere und leistungsfähigere Flugzeug als der KC-45 767-basierte Wechselbalg und die USAF wollte auch die Northrop-Grumman/Airbus-Lösung, etwas zu offensichtlich halt. Die scheidende George W. Bush Regierung hat dann den Vertrag per "termination by convenience" beendet, somit der Obama-Regierung wenigstens die Penlichkeit erspart, dieses desaster aufräumen zu müssen. Im nächsten Durchgang hat dann Boeing gewonnen, die Kenntnis der Konkurrenzsituation aus dem debrief des vorherigen bids (alles formal o.k.) war sicher nicht hinderlich.

Also, dieses Beispiel taugt nicht in Bezug auf Korruption oder Schmiergeldeinsatz, aber es zeigt doch die Mechanismen massiver politischer Einflussnahme auf eigentlich neutral gedachte Ausschreibungen.

Was Bekämpfung von Korruption und anderen Regelverstößen wie Exportkontrolle angeht, muss man den US-Behörden zugestehen, dass sie ihre eigenen Firmen nicht gerade mit Samthandschuhen anfassen, Beispiele wie BAe-Systems, UTAS und andere prominente Rüstungsfirmen zeigen, dass da konsequent und mit Millionenstrafen zugefasst wird. Im Falle von Compliance-Top-Leuten in der Industrie zeichnet sich ein Trend zur persönlichen Strafverfolgung ab. ich habe den Eindruck, dass abseits der obsessiven Iran-Sanktionen Nicht-US-Firmen da derzeit noch besser wegkommen. Und noch ein Gefühl (genährt von einiger Erfahrung), um die Kurve zurück zum Thema des Vorredners zu nehmen, wenn es darum geht, bei einem Militärgeschäft außerhalb der USA die ausländische Konkurrenz auszustechen, denke ich, war schon immer die ganze Kraft und Reichweite der US-Regierung am Ball, wer auch immer im Weissen Haus wohnte. Aber das ist ein anderes Thema, nicht Korruption...
Und noch dieser Wusch: More than time for outer space, Major Tom...

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pwkl 21.10.2017, 00:41
9.

Wenn man sich so aus dem Fenster hängt wie der Schreiber dieser Zeilen, sollte man wenigstens ein Minimum an fundiertem Wissen haben. Ohne in Details zu gehen und aus öffentlich zugänglichen Quellen (z.b. der Evolution der Ausschreibungsunterlagen im Jahr 2006/2007) kann man nachvollziehen, dass nicht Boeing, sondern Northrop-Grumman (der amerikanische prime contractor und Anbieter der Lösung auf Airbus A330-200 Basis) offensichtlich den massiven Druck auf die ausschreibende Behörde aufgebaut hatte. Nach dem vorhergehenden Skandal mit einem Boeing-Manager und einer hochrangigen Dame von der Regierungsseite im Gefängnis hätte es nicht gut ausgesehen, wenn wieder nur Boeing als Bieter dagestanden wäre. Daher wurden die Auswertungskriterien schrittweise angepasst, um dem grösseren Plattformflugzeug Kredit für Leistungsfähigkeit zu geben, die über die ursprünglichen Basisforderungen hinausgingen, bestimmt nicht auf Betreiben von Boeing. Als Northrop-Grumman gewonnen hatte, wurde die Vergabe aufgrund eines formellen Boeing-Protest durch das General Accounting Office (=Rechnungshof) unter die Lupe genommen, mit nicht so schmeichelhaften Ergebnissen für die Ausschreibungsbehörde, auch das ist öffentlich. Unstreitig ist der Tanker auf A330-Basis das bessere und leistungsfähigere Flugzeug als der KC-45 767-basierte Wechselbalg und die USAF wollte auch die Northrop-Grumman/Airbus-Lösung, etwas zu offensichtlich halt. Die scheidende George W. Bush Regierung hat dann den Vertrag per "termination by convenience" beendet, somit der Obama-Regierung wenigstens die Penlichkeit erspart, dieses desaster aufräumen zu müssen. Im nächsten Durchgang hat dann Boeing gewonnen, die Kenntnis der Konkurrenzsituation aus dem debrief des vorherigen bids (alles formal o.k.) war sicher nicht hinderlich.

Also, dieses Beispiel taugt nicht in Bezug auf Korruption oder Schmiergeldeinsatz, aber es zeigt doch die Mechanismen massiver politischer Einflussnahme auf eigentlich neutral gedachte Ausschreibungen.

Was Bekämpfung von Korruption und anderen Regelverstößen wie Exportkontrolle angeht, muss man den US-Behörden zugestehen, dass sie ihre eigenen Firmen nicht gerade mit Samthandschuhen anfassen, Beispiele wie BAe-Systems, UTAS und andere prominente Rüstungsfirmen zeigen, dass da konsequent und mit Millionenstrafen zugefasst wird. Im Falle von Compliance-Top-Leuten in der Industrie zeichnet sich ein Trend zur persönlichen Strafverfolgung ab. ich habe den Eindruck, dass abseits der obsessiven Iran-Sanktionen Nicht-US-Firmen da derzeit noch besser wegkommen. Und noch ein Gefühl (genährt von einiger Erfahrung), um die Kurve zurück zum Thema des Vorredners zu nehmen, wenn es darum geht, bei einem Militärgeschäft außerhalb der USA die ausländische Konkurrenz auszustechen, denke ich, war schon immer die ganze Kraft und Reichweite der US-Regierung am Ball, wer auch immer im Weissen Haus wohnte. Aber das ist ein anderes Thema, nicht Korruption...
Und noch dieser Wusch: More than time for outer space, Major Tom...

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