Forum: Wirtschaft
Schuldenkrise: Ahnungslos in die Euro-Dämmerung
DPA

Die meisten Bürger ahnen es noch nicht, doch das Endspiel um den Euro hat begonnen: Entweder Europas Regierungen schaffen noch schnell eine politische Union oder die Währungsgemeinschaft zerbricht. Egal, für welchen Weg sie sich entscheiden - für eine billige Lösung ist es wahrscheinlich längst zu spät.

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Rosbaud 09.06.2012, 17:20
460. Janusgesichtige Staatsschulden

Zitat von DMenakker
Sehen Sie, Fakten sind was anderes. Ein Staat, welcher sich verschuldet, ist quasi auf die Ersparnisse der Kleinen Leute irgendwo angewiesen. […]
Ich konfrontiere Sie jetzt einfach mal mit den beachtlichen Einsichten des eigentlich neoliberal geprägten Ökonomieprofessors Christian von Weizsäcker, in einem Essay für die FAZ kommt er zu folgenden Erkenntnissen:

a. Staatsschulden sind zugleich privates Vermögen. Doch Defizite werden in der deutschen Debatte nur negativ gesehen – zu Unrecht.

b. Die Theorie, nach der private Investitionen durch staatliches Schuldenmachen verdrängt werden (Crowding-out), ist heute für Deutschland nicht mehr gültig.

c. Eine Verringerung der Staatsverschuldung führt (somit) in Deutschland nicht zu mehr Realkapital. Das Gegenteil ist zu befürchten. Eine Finanzpolitik extremer Sparsamkeit wird zu Kürzungen der öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur führen. Die Verkehrswege werden vernachlässigt, die Schulgebäude bleiben angesichts desolater kommunaler Finanzen in ihrem schlechten Zustand. Die von der öffentlichen Hand zu verantwortenden Engpässe beim Ablauf des normalen wirtschaftlichen und sozialen Lebens werden immer schmerzlicher – auf Kosten künftigen Wirtschaftswachstums und künftiger Steuereinnahmen.

d. Eine starre Schuldenbremse, wie sie jetzt für Deutschland vorgesehen ist, kann nicht der richtige Weg sein. Sie kann bei der erforderlichen Konsolidierung in vielen anderen europäischen Staaten in die Depression führen.

e. Eine Depression wird, wie die Geschichte lehrt, den freien Welthandel zerstören und die Desintegrationstendenzen in der EU verstärken, sehr zum Schaden der deutschen Exportwirtschaft.

f. Griechenland, Portugal und Spanien kann der Konsolidierungskurs nur gelingen, wenn die Konjunktur in Europa gut läuft.

(Zusammenstellung aus den Nachdenkseiten)

Zitat von
Wir hatten in den 70-ern einen stetigen Schuldenzuwachs. [...]
Wir hatten in den Siebzigern ein langsames Auslaufen des Nachkriegsbooms und zwei Ölpreisschocks – und mit mehr möchte ich Sie gar nicht belasten.

Zitat von
Die Griechen wissen noch gar nix. Ich empfehle, wenn sie so weiter machen, mal in Nordkorea nachzufragen. Dort soll es excellente Rezepte für Grasswurzelsuppe geben. Denn wie ich oben so schön versucht habe darzulegen. Die Griechen wollen weiter Geld ausgeben. Wo solls denn herkommen?
Aus einem Aufruf französischer Intellektueller vom 1. 3. 2012:

In eben dem Moment, in dem jeder zweite jugendliche Grieche arbeitslos ist, in dem 25000 Obdachlose durch die Straßen von Athen irren, in dem 30% der Bevölkerung unter die Armutsschwelle gefallen sind, in dem Tausende von Familien dazu gezwungen sind, ihre Kinder zur Arbeit zu schicken, damit sie nicht vor Hunger und Kälte sterben, in dem die neuen Armen und die Flüchtlinge sich auf den öffentlichen Müllhalden um die Abfälle streiten - in eben diesem Moment zwingen die „Retter“ Griechenlands unter dem Vorwand, dass die Griechen „sich nicht hinreichend Mühe geben“, diesem Land einen neuen Hilfeplan auf, der die verabreichte tödliche Dosis noch einmal verdoppelt. Dieser Plan schafft das Recht auf Arbeit ab, stürzt die Armen in extremes Elend und bringt zugleich die Mittelklassen vollständig zum Verschwinden.

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Illoinen 10.06.2012, 10:28
461.

Wahrnehmungsstörung? Deutschland hat durch die Einführung des größten Niedriglohnsektors in Europa, die Wettbewerbsfähigkeit anderer Länder in der EU massiv untergraben. Ursachen und Wirkung sollte man nicht verwechseln.

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Illoinen 10.06.2012, 16:55
462. Das wirkliche Problem

Das wirkliche Problem ist...(...)

Zuallererst sollten sich alle interessierte erst einmal einen Vergleich anschauen zwischen den Länder wie Griechenland oder Spanien und Deutschland, vor der Währungsunion und danach diese Zahlen können sehr gut in folgenden links eingesehen werden. Nur aber für wirklich interessiert, hier werden die Verbindungen graphisch dargestellt, das sollte inzwischen gemeinsames Wissen in Deutschland sein:
Griechenland CA
http://www.indexmundi.com...

Spanien CA
http://www.indexmundi.com...

etc für Irland, Portugal und Italien sind fast alle Zahlen identisch.

und danach sollte man sich Deutschland CA anschauen:
http://www.indexmundi.com...

hier kann man sehr gut erkennen, dass all die GIIPS CAs die genauen gleichen Trends und Muster zeigen, nämlich eine totale Entgleisung in dem Moment, als sie sich dem Euro und Deutschland anschließen, CA zeigt wieder den Moment, wenn die peripheren Wirtschaften den Euro zusammenfügen, demselben Trend *inverted*, nämlich einen riesigen Gewinn. An diesen Daten können sie die Probleme genau erkennen...
Was geschah? Zuerst erfuhren die peripheren Wirtschaften eine riesige Neubewertung ihrer Währung und Deutschlands eine Abwertung, die einen riesigen Auftrieb für Deutschlands Exporten zur Folge hatte. Die Berechnung zeigt, dass im Falle von Griechenland 1$ = 352 Dr. im Jahr 2000, und später in 2008 1 $ = 67 Dr.! Keine Wirtschaft kann dieser Art von Neubewertung standhalten, ohne ein großes Außenhandelsdefizit auf sich zu ziehen. Zweitens und eventuell mehr bedeutend erfuhren die peripheren Wirtschaften riesige Inflation in Bezug auf Deutschland, das führte u.a. dann zu hohen Überschüssen wie man sehr gut an den Tabellen erkennen kann. Das konnte nicht funkionieren. Das aber wusste Deutschland vorher. Statt nationalistische Töne in Deutschland, sollte endlich dafür gesorgt werden, dass die kleinen Länder in der EU wieder mehr wachsen können, und das geht nur, wenn Deutschland bereit ist, seine Binnennachfrage durch höhrere Löhne anzukurbeln.

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rabenkrähe 10.06.2012, 18:45
463. Zustimmung

Zitat von DMenakker
Sie argumentieren wie ein Süchtiger, der beim Ersten Anzeichen von Entzug sagt: so geht das nicht. Der Staat darf sich nicht mehr als aktiver Marktteilnehmer sehen, sondern muss die Wirtschaft auf sich selbst "schrumpfen" Das tut weh! Manchmal mehr ( Griechenland, vor allem nach einer Pleite ) und manchmal weniger ( D ist fast soweit ). Aber nur aus diesem Zustand kann langanhaltendes, nachhaltiges Wachstum geschaffen werden. Eine Wirtschaft, deren reales Wachstum nahezu ausschliesslich in Höhe der Staatsverschuldung besteht ( hatten wir lange Zeit sogar in D ) ist todkrank. Weitere staatliche Schuldzuschüsse sind nichts anderes als ein extra Schuss für einen Junkie.
............

Womit die Demokratie auch ihre Grenzen aufzeigt: Die Politik hat sich in eine peinliche Abhängigkeit von der Wirtschaft begeben, und wenn sie der endlich die erforderlichen Grenzen aufzeigte, führte das zu Einschnitten, die die Wähler griechisch wählen ließen.
Also wird weiter gelogen und etwas aufrechterhalten, was einfach nur kaputt und krank ist.
Bis das eines Tages auch der Letzte merkt....
rabenkrähe

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mandy1949 10.06.2012, 19:30
464. Die NachDenkSeiten

[QUOTE=sysop;10316237]Die meisten Bürger ahnen es noch nicht, doch das Endspiel um den Euro hat begonnen: Entweder Europas Regierungen schaffen noch schnell eine politische Union oder die Währungsgemeinschaft zerbricht. Egal, für welchen Weg sie sich entscheiden - für eine billige Lösung ist es wahrscheinlich längst zu spät.

Die Wachhunde der Machtelite: Noam Chomskys Kritik der Intellektuellen

Es werden ideologische, rechtliche und materielle bzw. soziale Konzessionen durch die scheinbar einsichtsvolle Machtelite zugelassen, wenn die „ungezähmte Meute“ zu mächtig geworden ist und andere disziplinierende Methoden unwirksam waren bzw. zu spät ergriffen wurden. Damit wird erreicht, dass man bei den politisch organisierten und handelnden Menschen ihre alte Passivität wieder herstellt, indem man u.a. oppositionelle Anführer und die Gewerkschaftsspitzen einbindet. So gewinnt die Machtelite ihr verloren gegangenes Vorrecht auf politische Steuerung und Initiative wieder zurück, bekanntlich können in ihren Augen die rechtlichen und sozialen Zugeständnisse unter politisch günstigeren Bedingungen wieder von ihnen zurückgenommen werden.
Verbreitung von Angst, Hass, Furcht und Schrecken durch Schaffung von neuen inneren und äußeren Feinden oder Sündenböcken, die nicht nur dämonisiert und pathologisiert, sondern oftmals nur mithilfe eines Krieges nach innen und außen besiegt werden können, um so von den Problemen und Interessen der Menschen abzulenken, damit sie sich wieder in unterwürfige, verängstigte und daher apathische Bürger verwandeln. Die Erzeugung von nationaler Hysterie, Chauvinismus und Hass ermöglicht außerdem den leichteren Abbau und die Einschränkung von Bürgerrechten, Sozialleistungen sowie den Ausbau von neuen staatlichen Instrumenten zur Unterwerfung und Kontrolle der Bevölkerung.

NachDenkSeiten

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mike007 11.06.2012, 05:24
465. Disruption

Was sich momentan in Euroland abspielt ist V zum Quadtrat.
Es gibt 2 Szenarien. Das Abheben des Euro in eine neue, unbekannte Dimension. In eine wirkliche Währungsunion, mit allen Risiken, besonders für das Überschuss-Land Deutschland. Oder Deutschland tritt aus dem Euro aus, führt wieder eine eigene Währung ein und die ständigen Belastungstests durch die Märkte hören auf. Der "Rest"-Euro stürzt sehr tief ab und die neue Währung wertet kräftig auf. Das wird eine Menge Jobs in Deutschland kosten, würde aber den instabilen Merkantilismus Deutschlands gegenüber den eigenen Partnerländern beenden. Der Die Währungsunion wäre am Ende.

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Eberschmidt 13.06.2012, 13:25
466.

Zitat von Bondurant
Tja dann... Wenn das die Alternative ist, dürfte die Prognose ja nicht wirklich schwer fallen. Zumal in D nach geltender Rechtslage mit der bestehenden Verfassung eine "politische Union" schlicht verboten ist.
Haha - Die geltende Verfassung war noch nie ein Hindernis für (nur in dieser Richtung) kreative Politiker, Wenn man das Verfassungsgericht nicht windelweich kriegt (wie oft genug erreicht: "Du du, das war aber gar nicht gut! Auf keinen Fall noch einmal!"), dann ändert man eben die Verfassung.

Es wollen genügend viele Voksverreter - ääh - Volksvertreter wieder auf die Liste. Was sollen sie denn sonst machen, sie haben ja nichts anderes gelernt. Sie sind nicht dem Volke rechenschaftspflichtig, sondern von den Parteien abhängig. Ist keine Hetze; ist alles wissenschaftlich erwiesen (Soziologie, Politikwissenschaft). Nimmt nur keiner ernst.

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trabualb 09.08.2012, 16:02
467. ohne Geldsystem

Sehr überraschend werden wir feststellen, dass wir nach dem Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems OHNE Geldsystem bedeutend glücklicher leben können. Die Welt wird sich dramatisch verändern, wenn wir ohne Geldsystem leben. Das heisst auch ohne Macht, ohne Neid, ohne Missgunst. Alle werden für die Gemeinschaft tätig sein und für alle ist genug da. Jeder wird seinen Beitrag leisten, dort wo er/sie sich wohlfühlt, seine Talente einsetzen kann - für die Gemeinschaft. Ich freu mich auf diese Welt - sie ist so nah!!

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rabenkrähe 09.08.2012, 18:00
468. nene

Zitat von sysop
Die meisten Bürger ahnen es noch nicht, doch das Endspiel um den Euro hat begonnen: Entweder Europas Regierungen schaffen noch schnell eine politische Union oder die Währungsgemeinschaft zerbricht. Egal, für welchen Weg sie sich entscheiden - für eine billige Lösung ist es wahrscheinlich längst zu spät.
.........

Richtig ist, daß das System kollabiert ist, aber eben nicht (nur) das Euro-System. Schulden über Schulden, explodierende Börsenkurse, die ihre Explosion keineswegs der wirtschaftlichen Leistung, sondern erfundener, schuldenbasierter virtueller Liquidität verdanken, unsichere Staatsanleihen und Finanzinstitute, die nur noch dank staatlicher Gnade und Gabe funktionieren.
So sehen keine Sieger aus.
Es läuft ohnehin auf eine notgedrungene Währungsreform hinaus, und zwar weltweit.
Bis dahin gibt es für Euroland eine denkbar einfache Lösung: Es bleibt beim Euro, aber es werden gleichzeitig nationale Parallelwährungen wieder eingeführt, wie zur Euro-Einführung erfolgreich zelebriert. Damit können Ungleichgewichte ausgeglichen werden, ohne die Euro-Währung zu beeinträchtigen.
rabenkrähe

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