Forum: Wirtschaft
Schuldenland Bremen: Die Griechen von der Weser

Sie haben die gleiche horrende Pro-Kopf-Verschuldung - und das ist nicht die einzige Parallele zwischen Bremern und Griechen: Auch in dem norddeutschen Stadtstaat wird rigoros gespart. Trotzdem ist kein Ende der Krise in Sicht. Ein Besuch.

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Notizen aus der Provinz 23.07.2011, 13:29
40. Ich ahne, wo das Geld versickert...

Zitat von
"Manche Stadtteile sind extreme Krisengebiete", sagt Karin Treu vom städtischen Arbeitsförderungszentrum (AFZ). Treu und ihre Kollegen haben mit Familien zu tun, in denen seit Generationen nicht mehr gearbeitet wurde.
Seit Generationen keine Chance auf einen Arbeitsplatz? Wie wäre es, umzuziehen, um einen zu finden? Oder ist Bremerhaven so wunderschön, daß man es nie, nie, nie verlassen könnte?

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Kniefall 23.07.2011, 13:29
41. Sinnlosigkeiten

Zitat von papayu
Die Beamtenschaft ist doch die stille Reserve bei Wahlen fuer die CDU. Rechnen Sie einfach mal, immer noch ueber 30%. Auch in Bremen.
Wie kommen Sie denn darauf?

Bürgerliche Wähler dürften eher höhere Anteile bei den Unternehmern haben. Wer eine hohe Staatsquote möchte, weil er wie die Beamten davon profitiert, der wird häufiger sozialistisch und dessen Abstufungen wählen. Es sei denn, er ist Polizist, und sieht täglich was auf deutschen Straßen los ist.

Einen großen Teil der Beamtenschaft machen auch die Lehrer aus, die tendenziell eher zu Rot bis Dunkelrot tendieren, im schlimmsten Fall Grün.

Und Bremen wird seit 1946 ununterbrochen Rot regiert. Also, wie sie hier der CDU einen Strick draus drehen wollen, ist mir vollkommen schleierhaft.

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sunnypluto 23.07.2011, 13:34
42. 50 + x

Zitat von Kniefall
Wie kommen Sie denn darauf? Bürgerliche Wähler dürften eher höhere Anteile bei den Unternehmern haben. Wer eine hohe Staatsquote möchte, weil er wie die Beamten davon profitiert, der wird häufiger sozialistisch und dessen Abstufungen wählen. Es sei denn, er ist Polizist, und sieht täglich was auf deutschen Straßen los ist. Einen großen Teil der Beamtenschaft machen auch die Lehrer aus, die tendenziell eher zu Rot bis Dunkelrot tendieren, im schlimmsten Fall Grün. Und Bremen wird seit 1946 ununterbrochen Rot regiert. Also, wie sie hier der CDU einen Strick draus drehen wollen, ist mir vollkommen schleierhaft.
Aha, deshalb geht es in Bayern so gut,
50 plus x % erfolgreiche Unternehmer dort !

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enni3 23.07.2011, 13:37
43. ...

Zitat von weltbetrachter
Ich hoffe, das bald mal jemand mit Mumm aufsteht und eine Länder-Radikalkur durchzieht. Maximal 5 Länder reichen für diese Republik.
Werden wir doch mal konkreter:

- Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern
- Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt
- Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg
- Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Saarland
- Bayern, Baden-Württemberg

5 Länder, Ballungsräume, außer das um Mannheim, werden dabei zusammengeführt. Eigentlich eine perfekte Lösung.

Aber Sie haben recht, dafür bedarf es einen Zwang. Das kleinkarierte Denken der Politiker (weniger zu verteilende Pfründe) und auch der Bürger (falsch verstandener regionaler Stolz) verhindern solchen Pragmatismus.

Selbst wenn man davon profitiert, jemand anderes könnte ja noch mehr profitieren.

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pfzt 23.07.2011, 13:40
44. Danke für diese Richtigstellung!

Zitat von StolliJ
Von einer Zusammenlegung Bremen-Niedersachsen ist absolut nichts zu halten. Weder Bremer noch Niedersachsen würden mehrheitlich für eine Fusion stimmen. Das wäre aber verfassungsrechtlich notwendig. Es kommen gerade in letzter Zeit viele populistische Äußerungen gegen Bremen von süddeutschen Politikern, die daheim auf Stimmungsfang gehen wollen und die Details und harten Fakten außer Acht lassen. Weil antieuropäischer Rechtspopulismus in Dtl. nicht so richtig ziehen will, versucht man's jetzt auf Bundesebene... Erstens: Seit in den 70ern das Steuerrecht in der Art reformiert wurde, dass Steuern nicht mehr am Arbeitsort sondern am Wohnort zu entrichten sind, ist Bremen stark benachteiligt, da sehr viele der gut und besser Verdienenden in die niedersächsischen Umlandgemeinden gezogen sind, wo es noch Platz für ein freistehenden Haus mit Garten gab und gibt. D.h. Steuergelder, die eigentlich in Bremen erwirtschaftet werden, fließen in niedersächsische Kassen. Ein Länderfinanzausgleich ist an dieser Stelle also absolut gerechtfertigt. Zweitens: Der deutsche Wohlstand hängt am Tropf der Exportwirtschaft. Das BL Bremen/Bremerhaven ist momentan der wichtigste Exporthafen der Republik, bspw. besonders für die Automobilindustrie. Im Klartext: Unzählige Autoexporte laufen über Bremerhafen in die Welt und sichern damit auch unzählige Arbeitsplätze gerade in Süddeutschland, ohne dass Bremen viel davon hätte, denn Hafenarbeiter o.Ä. werden heute ja kaum noch benötigt. Eine finanzielle Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg ist daher doch moralisch nicht zu verwerfen. Drittens: Bremen ist nach Venedig die älteste bis zum heutigen Tag durchgehend existierende Städterepublik der Welt. In einem Land, in dem es nach zwei Weltkriegen und den großen gesellschaftlichen Umbrüchen des 20. Jhds. kaum noch historische Kontinuitäten und Traditionen gibt, sollten wir doch wenigstens solche letzten Reste bewahren wollen. Viertens: Bremen ist vom industriellen Strukturwandel ebenso heftig getroffen worden, wie die Ruhrstädte. Der Untergang der Werften, Schließung von Stahlhütten (!), Umstellung des Stückguttransports auf Containerschiffe und und und... Niemand wirft den Ruhrstädten vor, dass die Bergleute keine Arbeit mehr finden, sondern dorthin blickt man eher mitleidig und verständnisvoll... Fünftens: Ein Staat ist kein Wirtschaftunternehmen, in dem es immer auf Effizienz und Kosteneinsparungen ankommt. Wenn wir die Zahl der Bundesländer verringern, geht auch ein Stück Demokratie verloren. Es war meiner Ansicht nach falsch, dass in den letzten Jahren so oft gegen den Föderalismus gewettert wurde. Reden wir doch lieber von demokratischem Reichtum und den gilt es zu bewahren. Klar wurden in Bremen auch viele haushaltpolitische Fehlentscheidungen getroffen und 60 Jahre immer dieselbe Partei an der Macht haben das ganze System verkrusten lassen, aber ist andernorts ja oft auch nicht anders. Vergleicht Bremen nicht mit den Flächenländern, sondern mit vergleichbaren Großstädten in anderen Bundesländern. Gruß Jan
Mehr gibt es zu Bremen eigentlich nicht zu sagen.

Aber die von Medien und Politikern aufgehetzten Leute
werden weiter die Fakten ignorieren.

Da muss sich Bremen aber auch fragen lassen, warum diese Fakten nicht besser kommuniziert werden.

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aprilapril 23.07.2011, 13:42
45. Föderale Strukturen....

Zitat von weltbetrachter
Ich hoffe, das bald mal jemand mit Mumm aufsteht und eine Länder-Radikalkur durchzieht. Maximal 5 Länder reichen für diese Republik. Die Potentiale sind dann enorm, die daraus erwachsen. Und wenn unsere Politkasper das nicht allein können, werden sie irgendwann von der EU gezwungen. Und zwar deshalb weil unser Land kaputtgeht und die EU von unseren Steuergeldern nicht mehr genug abgreifen kann. . Also besser freiwillig eine Länderneuorganisation als mit Zwang von außen. . Man wird sehen, wie viel am Ende herauskommt. Und das zum Wohle des gesamten Volkes. Das ganze geht einher mit einem insgesamten Bevölkerungsrückgang. Somit darf das kein Argument gegen eine solche Maßnahme sein, sondern diese noch beflügeln. . Mut und Mumm ist gefragt - gibt es einen Politiker in diesem Land der beides hat? Dann mal los !!!
stehen solchen Kraftakten entgegen. Außerdem lassen Sie die
sprichwörtliche Sturheit der Bremer außer Acht. Sie schwelgen immer noch in Hansefantasien und trauern dem verlorenen Einfluss nach. Da bringe ich mals Bayern ins Spiel, ein Land, in dem Franken, Schwaben und Altbayern relativ friedlich miteinander leben, ohne auf die jeweiligen Traditionen und landsmannschaftlichen Eigenheiten zu verzichten.

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HerrDerSchatten 23.07.2011, 13:43
46. Re

Zitat von Notizen aus der Provinz
Seit Generationen keine Chance auf einen Arbeitsplatz? Wie wäre es, umzuziehen, um einen zu finden? Oder ist Bremerhaven so wunderschön, daß man es nie, nie, nie verlassen könnte?
Ich komme aus Langen ( de facto Stadtteil von Bhv, aber durch die Ländergrenze eine eigenständige Stadt.). Ich bin 19 weggezogen zum studieren - so wie geschätzt 80% meines Jahrgangs.
Dageblieben sind:
Diejenigen die dort eine Ausbildung oder einen Studienplatz gefunden haben, dass sind aber nur wenige.
Oder die, die wirklich kein anderer haben wollte und die nirgends ne Chance haben.
Wenn man in Bhv in einen Bus einsteigt, stinkt es schon früh morgens nach Alkohol und ungewaschenen Menschen.
Die meisten Kneipen etc. sind auch eher für Daueralkis ausgelegt und von dem Charme vergleichbarer Städte weit entfernt.
Kurz gesagt: BHV sammelt überproportional viel Problemmenschen an, und da nur die übrigbleiben, verstärkt sich das Problem noch. Lösungen?
Mir fallen ehrlich gesagt keine mehr ein, die nicht gegen Menschenrechte verstoßen (Müllfrachter bestellen und verklappen...).

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audio2000 23.07.2011, 13:45
47. Stadtstaatenprivileg

Zitat von hickel
Mit Verlaub, dieser Beitrag ist bewusst einseitig. Niemand bestreitet den vergleichsweise hohen Schuldenstand pro Einwohner und bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt. Allerdings sind in den letzten Jahren drastische Sparmaßnahmen duchtesetzt worden.
Na ja, auf Studiengebühren meint man aber verzichten zu können. So schlimm scheint es mit der finanziellen Lage nach Ansicht der rot-grünen Regierung wohl doch nicht zu sein...
Das nachbarland Niedersachsen oder das Zahlerland Bayern verlangen dagegen Studiengebühren, die nehmen die Haushaltskonsolidierung wirklich ernst.

Zitat von hickel
Darüberhinaus wird kein Wort in Bezuig auf die Lage Bremens als "Hauptstadt ohne Umland" im Vergleich zu den Flächenländern genannt. Hier profitieren ca. 100 000 Pendler, die Tag für Tag in Bremen einstürmen, von dem öffentlichen Angebot.
Das ist tatsächlich ein strukturelles Problem von Stadtstaaten. Die Konsequenz wäre, die Stadtstaaten abzuschaffen.

Aber: Beim Länderfinanzausgleich wird diese Problematik bereits berücksichtigt. Es gibt das "Stadtstaatenprivileg": den Stadtstaaten "werden so genannte "veredelte Einwohner" zugebilligt werden, d.h. bei ihnen muss die Einwohnerzahl noch mit 1,35 multipliziert werden".(Wikipedia)

Und: Hamburg ist auch ein Stadtstaat und hat meistens in den Länderfinanzsausgleich eingezahlt.

Und: Berlin ist auch ein Stadtstaat mit hohen Schulden. Dank Finanzsenator Sarrazin wurden aber aus 5 Milliarden Euro jährlichesn Defizit Haushaltsüberschüssen...also es geht doch, wenn man nur will...

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!eumel 23.07.2011, 13:49
48. Verpasste Umstrukturierungen in der Wirtschft waren verhängnisvoll

Beharrliches Zahlen von Subventionen an die damals doch sichtlich sich stark verkleinernde deutsche Werftindustrie – wohl aus Angst vor den zornigen Wählern – und das Verpassen der Unterstützung von Neuansiedlungen anderer Gewerbezweige haben die gigantische Verschuldung hauptsächlich verursacht.
Arbeitslos wurden auch viele Menschen durch die Umstellung auf Containerfracht in der Schifffahrt und mit dem Niedergang der Fischerei - besonders in Bremerhaven. Dies wa vorhersehbar!

Ein Vergleich mit Griechenland, wo sich so gut wie keine neuen Wirtschaftsstrukturen bilden, ist kaum angebracht. Vergleichbares zur Entwicklung von Industriezweigen wie Luft- und Raumfahrtindustrie, Fahrzeugbau und den Technologieparks in der Nähe der Universität wird man in Griechenland vorläufig nicht finden.

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kästchen 23.07.2011, 13:50
49. ...

Zitat von Hador
Die Versteuerung IST am Wohnsitz. Genau das ist ja das Problem....
Ja, das wollte ich schreiben, wurde mittendrin abgelenkt und den Satz falsch zuende gebracht.

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