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Schuldenland Bremen: Die Griechen von der Weser

Sie haben die gleiche horrende Pro-Kopf-Verschuldung - und das ist nicht die einzige Parallele zwischen Bremern und Griechen: Auch in dem norddeutschen Stadtstaat wird rigoros gespart. Trotzdem ist kein Ende der Krise in Sicht. Ein Besuch.

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spiegelstrich 23.07.2011, 14:35
60. Die Lanze ist wurmstichig...

Zitat von StolliJ
Von einer Zusammenlegung Bremen-Niedersachsen ist absolut nichts zu halten. Weder Bremer noch Niedersachsen würden mehrheitlich für eine Fusion stimmen. Das wäre aber verfassungsrechtlich notwendig.
In letzter Zeit nehmen es Politiker nicht mehr so genau mit Verträgen. Es spricht also nichts dagegen. Es ist eben alternativlos...

Die restlichen Argumente sind recht schwach und einseitig.
Wie steht es mit der Einsparung von einem Großteil dann doppelt vorhandener Verwaltungen? Wie mit den Economies of Scale? Vielleicht gab es auch andere Gründe zum Wegzug, als nur das schönere Umland?
Wieviel Geld schuldet die süddeutsche Autoindustrie Ihnen persönlich exakt? Woher kommt Ihr Anspruch? Ich behaupte, dass ein Marktpreis durchaus ermittelt werden sollte. Ist dieser zu hoch, verliert Bremen die Autotransporte. Wir leben doch nicht im Bremerhilfswerk. Der große Topf mit Gold ist irgendwann leer. Lesen Sie einmal die Geschichte der Stadt Manching (GEO Epoche z.B.), genauer gesagt der Befestigung an dortiger Stelle zu keltischer Zeit. Da gab es niemanden, der die sieche Stadt am Leben erhalten hat. Die gab es dann schlichtweg nicht mehr. Es gab auch keinen Bonus für Gejammer über einen verladenden "Hafen" oder sonstige Veränderungen.

Nehmen Sie an, die Bürger der Bundesländer wären der Aufsichtsrat eines Unternehmens. Die Bürger der zahlenden Bundesländer hätten aufgrund ihres finanziellen Gewichts eine Mehrheit. Dem Unternehmen ginge es zufällig gerade ingesamt ziemlich dreckig. In diesem Moment müssen Sie mit Ihren Argumenten den Aufsichtsrat überzeugen, dass Bremen als eigenständiges Bundesland noch Sinn macht. Ich denke, dass sie Schiffbruch erleiden.

Haben Sie vielleicht einen Posten, der dann verloren gehen könnte? ;-)

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Humboldt 23.07.2011, 14:37
61. Zu Ende gedacht....

Zitat von Ex-Kölner
Jau! Als Bürger interessiert mich nicht primär, wo meine Landesregierung sitzt, sondern wo das nächste Rathaus, Krankenhaus oder Arbeitsagentur sind. Die Stadtstaaten sind Überbleibsel aus vergangenen Tagen und gehören sofort abgeschafft, im nächsten Schritt dann Rheinland-Pfalz und das Saarland vereinigt. Hessen und Bayern dürfen sich um Thüringen streiten, Niedersachsen und Brandenburg um Meck-Pomm. Zudem müssen die Länder Kompetenzen abgeben. Die deutsche Kleinstaaterei bei Bildung und Polizei ist eine Katastrophe!
Ich bin dafür, alles in New York zu zentralisieren. Dann kommt alle 25 jahre einmal der UN-Generalsekretär zum Weinfest in meine Gegend un gut ist...wofür Bürgernähe durch regionale Bezüge...

Am besten gründen wir die Förderation der vereinigten Planeten...allerdings it die Erde viel zu klein, um allein Administrativ als Planet regional lebensfähig zu sein. allein die ganzen Verwaltungskosten. Sie sollte sich schleunigst mit dem Steurparadies Alpha Centauri vereinigen. Sirius ist auch nicht länger bereit, in den interstellare Finanzausgleich weiter eizuzahlen. Die Erde hat zwar für die Entwicklung von früheren Kolonialisierungen in grauer Vorzeit sehr viel an Finanzen bereisgestellt. Davon wollen die Sirius & Co. Neureichen aber heute nichts mehr wissen....

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propaganda 23.07.2011, 14:38
62. sie als beamter können es so sehen.

Zitat von n.holgerson
Leute es ist doch nur noch peinlich. Was hat man denn gerade aus Griechenland gehört? Sie beneiden uns wegen unseres sehr guten effektiven Beamtenapparats. ... Und da sieht man doch wie viele "Heuchler" es heutzutage gibt. Die Beamten die nichts aber auch gar nichts dafür können, dass der Staat keine Rücklagen gebildet hat, wird angegriffen. Die Rentner die auch keine Rücklagen gebildet haben, sind Opfer.

alle anderen sehen es anders. das, was beamten an sicherheit und privilegien zu viel haben, haben andere zu wenig.

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VorwaertsImmer 23.07.2011, 14:42
63. Systemproblem Länder-Finanzausgleich: Kein Anreiz zum Sparen....

Selbst wenn Bremen jetzt Steuermehreinnahmen hätte, dann würde es auf der anderen Seite wieder Hilfen aus dem Länderfinanzausgleich verlieren. Deshalb lohnt es sich gar nicht für Bremen, Finanzbeamte einzustellen, Großsbetriebe besser zu prüfen. Bremen steht dabei nicht alleine da.

Es ist ein Systemproblem im Länderfinanzausgleich, der speziell bei kleinen Ländern für eine gesparte oder zusätzlich eingenommene Million fast den gleichen Betrag wieder einbehält.


Steuerdumping:
Weil es sich nicht lohnt zu sparen lockt man mit personell schlecht ausgestatteten Finanzämtern Betriebe an. Jede Pressemeldung über personell unterbesetzte Finanzämter ist eine Nachricht an Unternehmer:
Wir sind eine Steueroase!
Der Mechanismus Länderfinanzausgleich führt also zum Standortwettbewerb, zu einer Steuerdumping-Spirale nach unten. Immer mehr Bundesländer - ob reich oder arm - greifen zur Maßnahme "unterfinanziertes Finanzamt"

Diese Entwicklung ist schlecht für die Länder als Ganzes.

Möglicher Lösungsansätze:
- Die Finanzämter werden dem Bund unterstellt und vom Bund finanziert.
- Die Finazämter unterstehen dem Bundesrat und werden vom Topf des Länderfinanzausgleiches finanziert.

Beide Lösungen führen dazu das derjenige, der ein Interesse an hohen Steuereinnahmen hat die Finanzämter finanziert und beaufsichtigt!

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kuschl 23.07.2011, 14:43
64. Stadtstaat Bremen

Zitat von sysop
Sie haben die gleiche horrende Pro-Kopf-Verschuldung - und das ist nicht die einzige Parallele zwischen Bremern und Griechen: Auch in dem norddeutschen Stadtstaat wird rigoros gespart. Trotzdem ist kein Ende der Krise in Sicht. Ein Besuch.
Die immer wiederkehrende Argumentation der Pendler"steuerflucht" greift etwas kurz.Politiker haben es nicht geschafft,die Stadt attraktiv für junge Familien
zu machen.Eine kostspielige,vefehlte Verkehrs- und Touristik
politik unter langjähriger SPD Herrschaft tat ihr Übriges.
Straßenbahnschienen in den 70ern für teures Geld raus,später
wieder für teures Geld rein.Musicaltheater mit Schlusszeiten nach Abfahrt der letzten Umlandzüge,einfallsloser Spacepark gefolgt von einfallsloser
Einkaufsmall,das Ganze begleitet von einer Verkehrspolitik
des letzten Verkehrssenators,die Innenstadt vom Autoverkehr
abzuwürgen,um seine grüne Stadtteilklientel zu bedienen.
Folge:Kaufkraftverlust für die Innenstadt,Abwanderung von
Firmen.Mit dieser Politik macht man die Stadt kaputt.

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spiegelstrich 23.07.2011, 14:44
65. vertippt

Zitat von spiegelstrich
über einen verladenden "Hafen" oder sonstige Veränderungen.
gemeint war "verlandenden" Hafen

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blitzableiter 23.07.2011, 14:45
66. selbst Schuld!

Zitat von sysop
Sie haben die gleiche horrende Pro-Kopf-Verschuldung - und das ist nicht die einzige Parallele zwischen Bremern und Griechen: Auch in dem norddeutschen Stadtstaat wird rigoros gespart. Trotzdem ist kein Ende der Krise in Sicht. Ein Besuch.
Offenbar wirft man in Bremen das Geld gern aus dem Fenster!

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husker 23.07.2011, 14:52
67. ...

Zitat von StolliJ
Erstens: Seit in den 70ern das Steuerrecht in der Art reformiert wurde, dass Steuern nicht mehr am Arbeitsort sondern am Wohnort zu entrichten sind, ist Bremen stark benachteiligt, da sehr viele der gut und besser Verdienenden in die niedersächsischen Umlandgemeinden gezogen sind, wo es noch Platz für ein freistehenden Haus mit Garten gab und gibt. D.h. Steuergelder, die eigentlich in Bremen erwirtschaftet werden, fließen in niedersächsische Kassen. Ein Länderfinanzausgleich ist an dieser Stelle also absolut gerechtfertigt.
Oder aber... man fusioniert endlich.

Zitat von StolliJ
Zweitens: Der deutsche Wohlstand hängt am Tropf der Exportwirtschaft. Das BL Bremen/Bremerhaven ist momentan der wichtigste Exporthafen der Republik, bspw. besonders für die Automobilindustrie. Im Klartext: Unzählige Autoexporte laufen über Bremerhafen in die Welt und sichern damit auch unzählige Arbeitsplätze gerade in Süddeutschland, ohne dass Bremen viel davon hätte, denn Hafenarbeiter o.Ä. werden heute ja kaum noch benötigt. Eine finanzielle Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg ist daher doch moralisch nicht zu verwerfen.
Nix produziert, ja nichtmal mehr Arbeitszeit dafür aufgewandt, aber trotzdem noch mit Inbrunst herausposaunen, man würde das Geld ja verdienen. Top.

Nur ist es den Daimler Leuten relativ egal, von wo aus sie ihre Autos verschiffen. Ob Bremerhaven, Hamburg oder gar Rotterdam - die Bremer sind da nix besonderes.

Zitat von StolliJ
Drittens: Bremen ist nach Venedig die älteste bis zum heutigen Tag durchgehend existierende Städterepublik der Welt. In einem Land, in dem es nach zwei Weltkriegen und den großen gesellschaftlichen Umbrüchen des 20. Jhds. kaum noch historische Kontinuitäten und Traditionen gibt, sollten wir doch wenigstens solche letzten Reste bewahren wollen.
Wie wäre es, man eruiert zuerst, ob etwas bewahrenswert ist, bevor man es auf Teufel komm raus bewahrt?

Zitat von StolliJ
Viertens: Bremen ist vom industriellen Strukturwandel ebenso heftig getroffen worden, wie die Ruhrstädte. Der Untergang der Werften, Schließung von Stahlhütten (!), Umstellung des Stückguttransports auf Containerschiffe und und und... Niemand wirft den Ruhrstädten vor, dass die Bergleute keine Arbeit mehr finden, sondern dorthin blickt man eher mitleidig und verständnisvoll...
Die Kohlesubventionen werden doch genauso beäugt.
Und es war auch ein Versäumnis im Pott die Zeichen der Zeit nicht erkannt zu haben.

Das könnte auch den Bayern und Baden-Württembergern passieren, wenn sie das E-Auto-Zeitalter verpassen.

Zitat von StolliJ
Fünftens: Ein Staat ist kein Wirtschaftunternehmen, in dem es immer auf Effizienz und Kosteneinsparungen ankommt. Wenn wir die Zahl der Bundesländer verringern, geht auch ein Stück Demokratie verloren. Es war meiner Ansicht nach falsch, dass in den letzten Jahren so oft gegen den Föderalismus gewettert wurde. Reden wir doch lieber von demokratischem Reichtum und den gilt es zu bewahren.
Wie demokratisch ist es, wenn auf 200.000 Bremer eine Bundesrats-Stimme kommt, aber eine BaWü-Stimme für 1,6 Millionen Menschen?

Ist das für sie eine demokratische Gewichtung?

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tp1965 23.07.2011, 14:54
68. Die Schulden-Junkies

Ich bin in Bremen aufgewachsen und habe dort Mitte der 1980er zum ersten Mal gewählt. Ich erinnere mich noch an einen Info-Nachmittag im SPD-Büro. Außer mir waren nur noch zwei Wahlkampfhelfer und Henning Scherf erschienen. Ich sprach die schon damals sehr hohe Verschuldung Bremens an. Scherf lachte und bagatellisierte das Problem. Alles Panikmache der CDU. Schulden seien normal.

Inzwischen sind meine Demokratie-Illusionen verflogen. Nach Wahlen werden nur die Ober-Gouvernante und ein paar Mitarbeiterinnen des Kita-Staates ausgewechselt. Alle großen Parteien sind Schulden-Junkies und Control Freaks. So wie Drogensüchtige irgendwann anfangen, Passanten und Geschäfte auszurauben, sind die Parteien dazu übergegangen, unsere Kinder und Kindeskinder durch Staatsschulden auszuplündern, wenn ihnen unsere Steuern nicht mehr genügen, um ihre Macht auszuweiten und die Verwaltungsapparate aufzublähen. Nach den kommunal-, Länder- und Bundesbürokratien ist in Straßburg und Brüssel ein Super-Staat herangewachsen, der sich weitgehend von demokratischer Kontrolle emanzipiert hat und Fantastillionen aufsaugt. "Alternativlos" ist die Lieblingsvokabel der weit fortgeschrittenen Sucht.

Systematisch werden die Bürger von der unbequemen Last der Verantwortung befreit, entmündigt und zur Passivität erzogen. Ich kenne viele, die sich in der staatlichen Rundum-Betreuung seit Jahren eingerichtet haben und mit Mogeleien ihre Alimentierung aufpeppeln. Das griechische Syndrom ist auch hier längst tief eingewurzelt: totale Sozialdemokratisierung von Staat, Parteien und Bürgern + Korruption + grassierende Verantwortungslosigkeit + Ausraubung der nachwachsenden Generationen. Wer nimmt den Kampf mit dieser Hydra auf?

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georg_lm 23.07.2011, 15:03
69. .

Zitat von papayu
Die Beamtenschaft ist doch die stille Reserve bei Wahlen fuer die CDU. Rechnen Sie einfach mal, immer noch ueber 30%. Auch in Bremen.
Genau umgekehrt: Ohne rotes Parteibuch haben Sie im bremischen Staatsdienst keine Chance...

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