Forum: Wirtschaft
Schuldenstreit: Alexa, bring Italiens Wirtschaft zum Laufen!
REUTERS

Ein Fall für künstliche Intelligenz? Deutsche und Brüsseler Experten wissen erschreckend wenig darüber, wie man der Wirtschaft Italiens wirklich hilft. Das bekommt das Land gerade leidvoll zu spüren.

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bartsuisse 16.11.2018, 13:33
1. Wunderbarer Beitrag

und endlich nicht gespickt mit deutscher Selbstgefälligkeit

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curiosus_ 16.11.2018, 13:47
2. Alles schön...

Zitat von Thomas Fricke
Was zu einem ziemlich grundlegenden Schluss führen könnte: dass man so eine heikle Übung dann auch stärker den Regierungen überlassen sollte, die sich vor ihren Wählern dafür anschließend verantworten müssen, was sie angestellt haben.
...und gut. Blöd nur, dass wir einen wirtschaftlich ganz und gar nicht vernachlässigbaren Parameter gemeinsam haben: Den Euro.

Und dessen Verhalten wird nun mal, auf Platz 3 des BIPs der Euro-Staaten (nach Deutschland und Frankreich), zu 15,37% von Italien mitbestimmt. Was uns wohl auf Gedeih und Verderb mit "ihren Wählern" zusammenbindet. Um nicht zu sagen zusammenfesselt.

Und was den Regierungen, denen man stärker etwas überlassen sollte, Handlungsoptionen eröffnet (ihren Wählern gegenüber), die sie nicht hätten, wenn sie eine eigene Währung hätten. Optionen, die, geschickt ausgenützt, von deren Wählern vermutlich durchaus positiv gesehen werden würden.

Was uns da die KI wohl empfehlen würde? Etwa ganz undenkbare Alternativen?

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Jetztredich 16.11.2018, 13:56
3. Weg mit der Politiker-Kaste

Man hilft Italien am Besten, indem man die gesamte Politikerkaste entfernt. Italien ist ein wunderbares Land mit viel Potential. Aber ich glaube, es gab in den letzten dreissig Jahren kein europäisches Land mit schlechteren Politikern als Italien. Dies beginnt bei den Koruptionsskandalen in den 80ern, welche der Democratia Christiana den Garaus gemacht haben, über die verschiedenen Bunga-Bunga- Epochen bis hin zu rechten Populisten und linken Clowns, die Italtien heute regieren!

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hefe21 16.11.2018, 13:57
4. Weniger durch Mehr?

"Wenn es finanzpolitisch eine Erkenntnis aus den vergangenen Krisenjahren gibt, dann die, dass Staatsschulden auf Dauer nur dann weniger werden, wenn die Wirtschaft gut läuft."
Vom Laufen wird gar nichts weniger (höchstens ein Bauch), sondern vom Rückzahlen. Will im Fall von Staatsanleihen heissen, dass die Refinanzierung nicht am Markt, sondern in der eigenen Steuerabteilung des Staates erfolgt. Weniger könnte durch wie auch immer geartete Puschung der Wirtschaft bekanntlich nur die Schuldenquote werden.
Viel interessanter als die Allgemeinbetrachtungen des Autors wäre ein Blick in die Italobankbilanzen. Man hört schier gar nichts von den faulen Kredite über sagenhafte 400 Mrd. und ihrer wundersamen Einschrumpfung auf angebliche Bruchteile. Wie, wer, wo? Das hätte die Wirtschaftsjournalistik zu leisten, aber siehe heutiger Aufmacher Goldman/Malaysia - sie will gar nicht näher hinsehen und aufklären, wenn vor ihren Augen die unglaublichsten Schurkenstücke ganz offen aufgeführt werden.

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spreepirat 16.11.2018, 14:01
5. Inneritaliensiches Verteilungsproblem: Reich und Arm

Italien hat im Grundsatz nur ein Problem: Dass eine Schcht von Profiteuren den Staat ausplündert. Und dass so für Sozialleistungen, Schulen etc. nicht genug übrig bleibt.

An sich hat Italien bessere Ausgangsbedingungen als Deutschland. Viel mehr Italiener als Deutsche verfügen über eigene Immobilien,und auch die privaten Vermögen sind weit höher als bei uns. Die Leute sind, wenn man so sagen kann, bei sich selbst versichert, weil man dem Staat nicht vertrauen kann.

Auch dem Staat geht es insoweit besser, als er viel weniger Probleme mit mit zukünftigen Pensionsverpflichtungen hat, die, wenn man sie in Deutschland zu den Staatsschulden hinzurechnen würde, unsere Staatsverschuldungsquote fast in italienische Höhen katapultieren würde.

Das eigentlichen Probleme Italiens können wir nicht lösen: dass ein zu großer Teil des Staatshaushalts in dunklen Kanälen versickert, so dass dadurch zu wenig Geld für Sozialleistungen da ist. Dazu kommen noch die Überbürokratisierung und Überregulierung, die nur durch harte Reformen geändert werden können.

Daran wollen die regierenden Populisten nichts ändern, sondern weiter den Weg beschreiten, der darauf setzt, dass ihnen innerhalb der EU beliebig hohe Kredite gewährt werden, und das zu niedrigsten Zinsen.
Dass die Schuldentragfähigkeit bei Zinserhöhungen nicht mehr gegeben sein wird, kann sich jeder ausrechnen. Jeder Kredit verkürztdie Zeitspanne, zu der die italienische Schuldenblase platzen wird. Und dann? Dann haben wir wieder eine Situation wie in Griechenland, wo dann die deutschen, französischen und anderen Banken und Staaten einspringen und einen Schuldenschnitt tragen müssen.

An der inneren Organisation Italiens wird sich dadurch nichts ändern: das Spiel wird sich dann von niedrigerem Schuldenniveau aus wiederholen. Die inneritalienische Umverteilung von unten nach oben wird weitergehen.

Ein zweites Griechenland, wo heute die Reichen so reich sind wie schon immer und die Armen viel ärmer, darf es nicht geben.

Deshalb sollte die EU hart bleiben.

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sozialismusfürreiche 16.11.2018, 14:06
6. sehr einfach was in Italien nötig ist

In Italien ist es nötig, dass dort Steuern endlich richtig bezahlt werden (bei uns auch, aber in Italien noch viel mehr nötig).

Die Technokratenregierung die da vor 6-7 Jahren oder so übernommen hatte, hatte gut Ansätze dazu. Die schickten Kontrolleure los, die sich in das Geschäft gestellt haben und kontrollierten, dass auch ordentlich abgerechnet wurde. Und sie sich herausstellte floß damals 3/4 nicht in die Buchhaltung.

Das hat den Italienern nicht gefallen und sie begannen noch rechtsradikaler und populistischer zu wählen, weil sie die Steuern nicht zahlen wollen.

Und jetzt hat man den Salat. Ich würde es riskieren und Italien bankrott gehen lassen. Bei Griechenland hätte man das auch tun sollen.

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pric 16.11.2018, 14:12
7. Beruhigend

In der analog zur 'Griechenlandkrise' hochkochenden, immer unsachlicher, hysterischer und herablassender werdenden Berichterstattung über den Haushaltsentwurf Italiens, kann man sich über jeden derartigen Artikel Hrn. Frickes freuen. Kein Weltuntergang, noch nicht einmal der Untergang der EU oder des deutschen Staates bzw. 'kleinen Bürger von der Straße' wird hier an die Wand gemalt, sondern erfrischend unaufgeregt grundsätzlich erklärt. Ob man zustimmt oder nicht, so sollte ein sich auch selbst reflektierender Journalismus funktionieren.
Als kleine Anmerkung noch: von einer Flexibilisierung des Arbeitsmarktes oder Dynamisierung der Wirtschaft profitieren meist zuerst die Arbeitgeber und zumeist sieht man dann, dass relativ wenig dieses Profits 'nach unten tropft'.

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hannesmann 16.11.2018, 14:14
8.

Das Problem ließe sich sehr viel einfacher angehen, wenn ein Wirtschaftsaufschwung in Italien durch die vielen Zombieunternehmen nicht behindert würde. Hier mal ein Artikel hierzu: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/oecd-warnt-zombiefirmen-bedrohen-den-aufschwung-a-1182525.html
Die Geldpolitik der EZB behindert die Behebung dieses Problems, da die Banken viele Unternehmen "durchschleppen" um keine Abschreibungen vornehmen zu müssen. Für Neukredite ist dann kein ausreichendes Eigenkapital mehr vorhanden und die Banken investieren lieber in Staatsanleihen die sie jederzeit zu Null Prozent ohne Eigenkapital refinanzieren können. Bei fast 4% Rendite im 10 Jahresbereich bleibt hier genug Gewinn übrig ohne lästige Unternehmenskredite vergeben zu müssen.

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Politikverdrossener24 16.11.2018, 14:17
9. Wechselkurse runter

Ganz einfach: Raus aus dem Euro. Wechselkurse runter.
Wenn sich Italien rational verhält, halten Sie von der EU zuvor noch alimentieren.
Ob direkt, oder indirekt (über die Target2-Salden), eine Währungsreform ist nicht mehr zu vermeiden. Die Frage ist nur, wie lange es die Politik noch schafft, die Bürger zu täuschen. Dafür wird sie Italien viel Steuergeld anbieten.

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