Forum: Wirtschaft
Schulen im Silicon Valley: Der Sternenhimmel ist das Ziel, nicht die Versetzung
Astrid Maier

Ein knappes Jahr im kalifornischen Palo Alto - und alles verändert sich: Die Tochter besucht die Vorschule - ihre Erfahrungen zeigen, warum die coolsten Konzerne hier sind. Und warum das auch so bleibt, wenn sich Deutschland nicht bewegt.

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fcm79 12.06.2016, 09:52
20. kopieren ist schwer

Ich höre und lese diese Erfahrungen oft. Ich war noch nicht da, aber es klingt sehr attraktiv.

Der Knackpunkt für mich ist, dass ein "Geist" etwas sehr schwer zu reproduzierendes ist. Zumal ich nicht daran glaube, dass der Geist einfach vom Himmel fiel. Das Valley hat eine einmalige Wirtschaftsgeschichte, in der unglaublich viele Dinge zusammen kommen, die das möglich gemacht haben. Es wird zu oft ignoriert wie einmalig diese Geschichte ist und wie sehr das Valley auch davon lebt, dass es eben einmalig ist, ein globales Zentrum, wahrscheinlich der Nachfolger von NY als Welt-Finanzhauptstadt. Das Silicon Valley selbst würde nicht funktionieren, wenn es mehr davon gäbe.

Das soll nicht negativ klingen. Ich meine nur, dass man mit Versuchen zu kopieren enttäuscht werden wird. An jedem Ort entsteht etwas eigenes, neues, das auf lokalen Ressourcen und Gelegenheiten basiert. Leute, die aus dem SV zurück kommen gehören übrigens zu den Ressourcen - in Taiwan, Korea, Deutschland. Was auch immer wir hier erreichen können, es wird anders sein, eigen, nicht unbedingt besser oder schlechter. Und das ist gut so. Ich meine, hier richtet der Chaos Computer Club Internetzugänge für Flüchtlinge ein. Ich wünsche der Autorin, dass ihr Enthusiasmus ihr lange erhalten bleibt - und bitte sie gleichzeitig um Geduld.

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poetnix 12.06.2016, 09:58
21.

Zitat von balbidur
Ist es nicht arrogant wie sich ein Mitglied der Oberschicht, die ALLES hat anmaßt eigene Erfahrungen für die Allgemeinheit zu extrapolieren? Kein kritisches Hinterfragen, kein schlechtes Gewissen ob der Situation in den meisten andeneren Gegenden. Einfach ein naives Loblied a la "Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen." So feiert sich die moderne Boheme - modern und international. Eine Spende von 17.000.000,- $ für die Schule! Wir haben bei uns in der Grundschule für ein Turngerüst von EUR 3.000,- mehrere Jahre Elternspenden sparen müssen. Natürlich haben die, die es geschafft haben, die Motivation und die Mittel ihren Nachwuchs optimal zu fördern. Die Durchschnittsmiete in SF für eine Wohnung liegen bei $ 3.000,- und im Silocon Valley wohnen sicherlich keine Sozialfälle sondern Menschen, die sich überlegen, ob jetzt Mandarin-Lernen oder Geigenunterricht das Richtige für Ihre Kinder ist. Ein solches Mikro-Biotop zieht natürlich auch hochbezahlte Pädagogen an, welche extrem motiviert und innovativ zu Werke gehen. Wenn ich so etwas lese, vor dem Hintergrund der Realität auf der Welt, dann wird mir schon anders.... Danke für diesen Bericht aus dem Elfenbeinturm und alles gute für die kleine Wissenschaftlerin - Sie wird es schon wuppen. Der Autorin fehlt es offensichtlich an einen Sinn für das echte Leben der meisten Menschen auf diesem Planeten.
Nein, es ist nicht ignorant!
Es zeigt nur die Begeisterung für neue Wege in der Bildung und lässt dabei manche Randbedingung außeracht.
Aber wir brauchen Menschen, die Randbedingungen als Beschränkung des Handelns und Denkens beiseite schieben und Anregungen geben!

Ein Blick in die Wissenschaft dürfte reichen um zu erkennen, dass Randbedingungen im Vordergrund der Tot des Fortschritts wäre.

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janos71 12.06.2016, 09:59
22. Vergleich

Ich denke das positive Abschneiden der USA (hier die Region Palo Alto) im Bildungsbereich ist sicherlich die Voraussetzung für den Technologievorsprung der USA gegenüber D (ausgenommen die Japaner und Chinesen). Wenn man bedenkt welche neuartigen Technologien & Produkte aus D in den letzten Jahren kamen fällt einem nicht viel ein. Die Deutschen können ähnlich wie viele Araber ein iPhone, iPad vielleicht bedienen aber keinesfalls erdenken, produzieren und zur Marktreife bringen. Im internationalen Vergleich schneidet D bei den Forschungs- und Bildungsausgaben / Kopf auch nicht besonders gut ab. Also woher soll die Innovation und Freude für Technik in D auch kommen.

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RudiRastlos2 12.06.2016, 10:00
23.

Der Unterschied zu Deutschland ist: In den USA ist man gezwungen sich zu integrieren. Wer es nicht tut, landet vermeintlich auf der Straße, wohin gegen einem im Deutschland immer die soziale Hängematte zur Verfügung steht.

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leoleo9 12.06.2016, 10:08
24. Made in Germany

Sie schreiben: "Eine Studie hat kürzlich festgestellt, dass 74 Prozent aller Tech-Arbeitnehmer im Silicon Valley, die zwischen 25 und 44 Jahre alt sind im Ausland geboren wurden". Richtig! u.a. haben diese Wanderarbeiter in Deutschland, in dem von Ihnen beklagten Schulsystem ihr Wissen und Können erworben. Schauen Sie doch bitte einmal genauer hin, z.B. Richtung California Delta, oder Downtown Oakland; was das amerikanische System an Bildungswesen überwiegend im ganzen Land bietet ist traurig. Befragen Sie Austauschschüler aus Deutschland nach der Qualität des amerikanischen Unterrichts... Reden Sie mit Mehreren öffentlicher Schulen bevor Sie hier schreiben. Was Sie, bzw. Ihre Tochter erlebt haben bietet Ihnen auch München, Berlin oder Frankfurt, sofern Sie dafür zahlen, was Sie ja sicherlich auch, bzw. Ihr Entsender, für die hohen Kindergartengebühren im Silikonvalley getan haben. Schön, dass Sie so begeistert sind, aber man sollte auf dem Boden der amerikanischen Schulrealität bleiben. Und, wie anfangs zitiert, die USA profitieren von der guten Ausbildung in Europa und anderen Ländern. Schade, dass wir unsere Besten manchmal an die USA verlieren. Vielleicht sollten wir Europäer verbal etwas mehr "Klotzen" und nicht immer so bescheiden sein und alles dafür tun, dass unsere "Brainpower" auch bei uns bleibt, bzw. wieder zurückkommt.

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Heinze 12.06.2016, 10:08
25. Mein Beileid

haben Sie jetzt schon. Ähnlich optimistisch war ich, als ich aus Australien zurückkam. Deutschland holt Sie schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Hier beschwert man sich lieber über das "echte Leben der meisten Menschen auf diesem Planeten" freilich ohne den eigenen Geist zu bewegen, um daran was zu ändern.

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politikus_ii 12.06.2016, 10:09
26.

Man sollte nicht vergessen, wann und warum unser Schulsystem entstanden ist.
Im 19. Jahrhundert haben in Preussen Militärs festgestellt, dass ihre Rekruten zumeist weder Lesen, Schreiben noch Rechnen konnten und auch sonstige Fähigkeiten wie Disziplin, Püinktlichkeit usw. unterentwickelt waren. Schulen entstanden daher in erster Linie, um halbwegs fähige Befehlsempfänger auszubilden. Selbstbewusste, kritische, selbständig denkende Menschen sind von unserem Schulsystem weder auf Lehrer- noch auf Schülerseite erwünscht.
An der streng hierarchischen Struktur der Schulen und deren Bildungsziele hat sich leider bis heute nichts geändert. Schriften, z.B. eines Wilhelm von Humboldt sind nur für Sonntagsreden gut und sind für die Schulpraxis irrelevant.

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heiden98 12.06.2016, 10:15
27. Been there, done that

Das Tolle an den USA, auch ausserhalb solcher Sonderzonen wie dem Silicon Valley, war immer die Bereitschaft, Probleme zu erkennen und pragmatisch zu loesen. Ob allerdings das Erziehungssystem dort noch gesund ist, wird allgemein bezweifelt, auch gerade im insolventen Kalifornien. Jedenfalls wurden die meisten der 50%+ auslaendischen Genies in Palo Alto und Umgebung auf Kosten ihrer Herkunftslaender ausgebildet.
Aber Ihre Begeisterung teile ich voll und ganz. Das Schlimmste wird sein, in diesem unseren Land bei vollem Bewusstsein Ihren Optimismus verpuffen zu sehen im Kampf gegen enge, von einer waehlerstimmengeilen Politik gesetzte fiskalische und andere Mauern, zerrieben durch kleinliche Konzeptkaempfe alternativer Gegner um die "richtige" Utopie, beklascht von den vielen Neidern.
Sie sind jung. Wenn sie koennen, gehen Sie wieder hin!

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Immanuel K. 12.06.2016, 10:19
28. Sorry, aber das ist Stuss...

...jahrzehntelang galt weltweit, dass jemand mit einer deutschen Ausbildung oder einem deutschen Studienabschluss, eine solide, überdurchschnittliche Qualifikation hat - in Amerika war es immer so, dass sich aus einem Studienabschluss erst mal überhaupt keine Auskunft über die fachliche Qualität des Diplomanten ableiten ließ - man musste wissen, WO er studiert hatte. Die meisten Studienabschlüsse hatten und haben das Niveau eines guten deutschen Abiturs.
Und das amerikanische Spendensystem als Vorbild zu nehmen, ist aus dem o.g. Gründen eine unzulässige Idealisierung - auf Grund der niedrigen Steuern, verkommt die öffentliche Infrastruktur (incl. Schulen) landesweit und es werden einige private Projekte gehypt - die dann zugegebenermaßen weltspitze sind...
Von so einem einzelnen Leuchtturm auf die Gesamtlandschaft zu schließen, ist unlauter.

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SichtausChina 12.06.2016, 10:25
29. 74% sind Ausländer, die nicht in solche Schulen gingen

Offenbar sind die Schulen in China, Indien und Deutschland so gut, dass die Experten die dort ausgebildet werden, eine große Mehrheit im Silicon Valley darstellen.

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