Forum: Wirtschaft
Schweizer Ärger über Franken-Freigabe: "Was ist nur in die Zentralbank gefahren?"
DPA

Die Schweizer haben völlig überraschend ihre Kurskontrolle für den Franken aufgegeben. Unternehmer sprechen von einem schwarzen Tag für die Wirtschaft, die Sozialdemokraten sind entsetzt - aber es gibt auch Lob für die Aufgabe des "Quasi-Euro".

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johannwolf 16.01.2015, 10:05
200. Wenn hier jemand das geldpolitische Steuer

in eine atypische Richtung herumreißt, dann ist das seit Jahren die EZB - die Schweizer tun gut daran diese Kamikazefahrt nicht länger mitzumachen! Nun wird umso deutlicher werden wie schwach der Euro tatsächlich gemacht worden ist. Draghi sei Dank.

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christian.tschuemperlin 16.01.2015, 10:05
201. ist Thomas Jordan nicht zu trauen?

Bei aller Mystik zu den cleveren Schweizern, es könnte einen ernüchternden Grund geben für den jüngsten SNB-Entscheid: http://www.20min.ch/finance/news/story/17031432

Hildebrand war ein liberaler Keynesianer und wurde von der konservativen SVP wegen angäblichen Insiderhandels abgeschossen. Sein Nachfolger Jordan ist ein konservativer Monetarist. Für Jordan ist die Vermeidung von Inflation wichtiger als der Erhalt von Arbeitsplätzen, zumindest lässt sein Werdegang diese Vermutung zu.

Wer letztlich Recht behält in dieser ökonomischen Streitfrage, das ist für mich völlig offen. Lange Zeit wurde international eine konservativere Geldpolitik betrieben, als das heute der Fall ist. Damals gings gut für die Schweiz, weil alle es machten. Die Frage ist nur: Was passiert, wenn die Schweizer als einzige konservativ operieren in einem Umfeld von international liberalen Geldpolitikern?

Schon in den 80ern konnte die SNB erste Erfahrungen sammeln mit einer konservativeren Geldpolitik, die Folge war weniger Wirtschaftswachstum. Die Einführung des Euro-Mindestkurses wurde dann so begründet, dass die SNB unendlich viele Euros kaufen könne. Zu dieser liberalen Haltung meinte Ex-UBS-Konzernchef Grübel damals, die SNB spreche in "göttlichen Worten" über eine beschränkte Wirtschaftssituation, wo alles auch seinen Preis habe. Im Moment wäre die Schweizer Wirtschaft mit dem Mindestkurs sicher besser weitergefahren. Gut möglich aber, dass in einigen Jahren der grosse Schock gefolgt wäre. Das jetzige Experiment kann jederzeit wieder abgebrochen werden. Es gibt eine Vielzahl anderer Verteidigungsstrategien - wie Subventionen für die Exportwirtschaft, die aber nicht im Einklang stehen mit der WTO - die ebenfalls diskutiert werden. Für mich persönlich ist der Schock eher, dass selbst die SNB-Spitze möglicherweise vor ideologischen Grabenkämpfen nicht gefeit ist. Zu sehr erinnern mich Zentralbänker an Zauberlehrlinge, die die aus Lehrbüchern Schlussfolgerungen für eine reale Wirtschaftswelt ziehen.

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marcaurel1957 16.01.2015, 10:05
202.

Zitat von joergi61
mr. anderssen: "Und das Sie mit Ihrer Expertise richtig liegen, zeigt schon in der Umstand, dass als Reaktion auf den Lobenswerten Schritt der Schweiz der DAX +2,2% gemacht hat und der Schweizer Index - 8,7 %. Da freut man sich doch als schweizer Anleger." Wenn man Gold als Referenz nimmt und nicht Äpfel mit Birnen vergleicht (Der Dax wird in Euro gerechnet, der SMI in CHF) sieht die Sache ganz anders aus: Franken + 15% Aktien Schweiz: + 7% Aktien Deutschland: - 2% Euro - 4% Natürlich hätte der Schweizer Aktienanleger besser Franken gehalten, er ist aber gestern noch wesentlich besser als mit deutschen Aktien oder gar wertlosen Euros gefahren.
Hm, der Dax wird in Euro gerechnet....eien sehr steile These....vielleicht sollten Sie dies mal überprüfen..steht der Dax denn tatsächlich bei 10.000 Euro?

Wenn Sie Ihre sonstigen Rechneung mal nicht in Gold ,sondern in Schweinebäuchen, Kupfer, Diamanten oder Kohlrabi machen würden, kämen sicher fantastische Zahlen heraus.

Fakt ist, der Dax ist gestern deutlich gestiegen, der Schweizer Index noch deutlicher gefallen und der Franken um 15 % teuerer....

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liberty_of_speech 16.01.2015, 10:08
203. ach, nur noch 2?

Zitat von whitemouse
Würde der "Markt" funktionieren, würde man für einen Euro etwa 2 Franken bekommen. Er funktioniert aber nicht. Vielleicht aber längerfristig. Die Frage dabei ist, ob zwischenzeitlich die Schweizer Wirtschaft in die Kniee geht und ob Arbeitsplätze wegfallen. Langfristig spricht viel dafür, dass die Schweiz den Euro übernimmt.
Bevor es den Euro zu kaufen gab waren es doch noch 3 Franken für einen Euro. Mir wurde geraten zu kaufen, er würde noch mehr steigen. Auf 4 oder gar 6 Franken. Hiess es. Doch schon bei der Markteinführung war er weniger wert als die Träumer davor noch behaupteten.

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moistvonlipwik 16.01.2015, 10:09
204.

Zitat von genesys
Vor Bekanntgabe der Entscheidung hat die Schweizer Nationalbank hoffentlich viele EUR-Verkaufs-Optionen auf den FX-Märkten platziert. Wenn sie so schlau waren, dann haben sie ihre EUR-Devisen auf einen Schlag zu Höchstpreisen auf dem Markt platziert und könnten sie schon morgen auf Ramschniveau zurückkaufen... Die Differenz würden die dummen Zocker zahlen. Das wäre dann mal gerecht gewesen...
... aber illegal.

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MTBer 16.01.2015, 10:10
205. Griechenland würde . . .

Zitat von marcaurel1957
der überwigenden Anzahl von Menschen geht es gut, das es auch Menschen gibt, die aufgrund der wirtschaftlichen Lage schlecht geht, hat sicher nichts mit dem Euro zu tun, sondern mit ganz anderen Fehlern. Die Situation des Euros war weder 2008 noch heute schlimm...er ist eine stabile und gute Währung..... Länder wie Griechenland haben Probleme, weil man eben 25 Jahre auf Pump gelebt hat, vor dem Euro und während des Euros
. . . es ohne Euro und ohne EU unverändert schlecht gehen. Es hätte nur keine besseren Zeiten erlebt. Dann kann man niedriges Einkommen möglicherweise leichter ertragen.

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moistvonlipwik 16.01.2015, 10:11
206.

Zitat von schlabbedibapp
Deutschland war vor dem Euro trotz etlicher Aufwertungen immer Exportweltmeister 2 nach den USA, in den Achtzigern sogar ein paar Jahr auf Platz 1.
Selbst wenn - das wird sich nicht wiederholen lassen. Es fängt damit an, dass man bei zahlreichen Auslandsgeschäften auf eine Absicherung von Währungsrisiken verzichtet hat. Das kann man jetzt nicht mehr nachholen.

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tromsø 16.01.2015, 10:12
207. Ich erklärs ihnen mal

Zitat von mr.andersson
Absolut! Nach gestern fast -9 Prozent gehen heute gerade die nächsten -3,5 Prozent durch den schweizer Aktienmarkt, Saldo 14 Prozent verbrannt ..... So sehen Sieger aus, scha , lalalala, so sehen Sieger aus, scha, lalala.... Gegenprobe Deutschland: Gestern +2,2% heute aktuell minus 0,5, solado +1,7%, und 0,9% unter einen neuen All-Time-High..... Aber lassen sie mich raten, die ganzen Aktienmärkte begreifen gar nicht, wie es eigentlich läuft, richtig?
Weil ich feststelle, dass sie keine Ahnung haben.
Nestlé bilanziert in Schweizer Franken, macht 99% Umsatz im anderer Währung, produziert aber auch überall auf der Welt. Wenn jetzt die Währung, in der sie bilanziert, 15% steigt, Nestlé aber in Lokalwährung genau gleich viel umsetzt und verdient wie zuvor, ist der Gewinn genau der Gleiche. Nur wenn er jetzt in sFr. umgerechnet wird, sinkt er um genau die Währungsschwankung, also -15%. Wäre dies nicht so und Nestléaktein würde in sFr nicht abschmieren, bedeutete dies, die Firma hätte ein gigantisches Wachstum in Umsatz und Gewinn zu erwarten. Im Nahrungsmittelsektor, wo man Freudensprünge macht, 5+% p/a erreicht zu haben, eher illusorisch.
Klar gibt es auch Grossunternehmen, die Kosten vor allem in sFr haben, die trifft es stärker, aber deswegen den Aktienmarkt als Beleg heranzuziehen, ist mehr als fraglich.
Speziell weil Holcim , ein Zementhersteller, der überall auf der Welt vertreten, nur fast "nicht" zu Hause, der grösste Verlierer am gestrigen Börsentag war

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marcaurel1957 16.01.2015, 10:13
208.

Zitat von tromsø
Haben aber das höchste Wachstum in Europa. Wenn man wie ich Schweizerisch-Norwegischer Doppelbürger ist und beide Länder gut kennt.... Sie verwechseln immer Unternehmen und Menschen. Da geht es den Norwegern und Schweizern schon bedeutend besser als den Deutschen, von den armen Südeuropäern ganz zu schweigen. Aber der Euro ist in ihren Augen ja super, die Menschen in Südeuropa ja selber schuld. Dieser Meinung kann man sein, muss man aber nicht. Auf jeden Fall ist sie sehr herablassend. Wohl ein AfD-Anhänger? Nein, kann nicht sein, die geben der Währung schuld, nicht dem kleinen Mann in Südeuropa wie sie Ich bin eher der Meinung, dass die Menschen dort von ihren Regierungen und Eliten geblendet und verarscht wurden und nun alles ausbaden dürfen, aber nur sie, die Elite bleibt unbehelligt.
Norwegen sitzt auf einem Meer aus Öl....leider können wir das nicht kopieren. Die Schwriz ist seit Jahrhunderten in einer politischen und ökonomischen Sondersituation, was ihren Wohlstand bedingt. Dies dürfte aber nicht ewig so bleiben. In jedem Fall kann man auch das nicht kopieren.

Vom BIP pro Kopf würde es den Deutschen übrigens etwas genauso gut gehen, wenn man nicht vor kurzem 17 bettelarme Verwandte adoptiert hätte und seitdem viele dafür hätte ausgeben müssen.

Die Menschen in den Südlöndern sind an ihrer Krise Grundsätzlich selbst schuld, bzw. haben dies ihren Entscheidungsträgern zu verdanken. Man kann nicht 30 Jahre auf jede Reform verzichten und gleichzeitig :0% mehr füttern als man verdient....

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tao chatai 16.01.2015, 10:14
209. Fing heute morgen in Asien

Zitat von Der unheimliche Hulk
Die EU verkauft mehr in die Schweiz und die Schweiz weniger in die EU. Langfristig wird deshalb der Franken wieder fallen und alles ist gut.
schon an.....

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