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Schweizer Referendum gegen Zuwanderung: Warum ich mit Nein gestimmt habe
DPA

Die Eidgenossen entscheiden über eine drastische Beschränkung der Zuwanderung. Auch die in Hamburg lebende SPIEGEL-Redakteurin Samiha Shafy. Die Ecopop-Initiative lehnt sie ab - das klischeehafte Schweiz-Bild der Deutschen ebenso.

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pr8kerl 29.11.2014, 10:31
10. Direkte Demokratie - gutes Vorbild

Hätten die Schwaben eine Volksabstimmung, hätte es dieses ganze Chaos um Stuttgart 21 nie gegeben. Ich finde diesen Abstimmungsmarathon der Schweizer gut. Da wird das Volk gezwungen, sich intensiv mit wichtigen Themen auseinander zu setzen und abzuwägen. Sonntag gehts auch um die Pauschalbesteuerung. Sollen Superreiche wie Seb Vettel oder Bernie Ecclestone weiterhin viel Geld sparen können? Geld, dass ihren Heimatstaaten fehlt? Oder brauchen umgekehrt manche Kantone wie Graubünden diese pauschal vereinbarten Einnahmen dringend? Die Schweizer sind nicht solche Dumpfbacken wie sie immer dargestellt werden. Sie haben genauso rechte Rattenfänger (Schweizer Volkspartei) wie die Oesterreicher oder die Franzosen und die Italiener. Ihre Politiker arbeiten mehr zusammen als hierzulande. Weil sie eben mehr auf das Volk hören müssen.

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doc.nemo 29.11.2014, 10:33
11. Ich hoffe,

Frau Shafy gehört zu einer Minderheit, die mit Nein gestimmt hat. Ich würde mich freuen, wenn die Initiative Erfolg hat. Dann könnte man mal schauen, ob sich eine solche Zuwanderungspolitik auszahlt oder nicht. Wenn ja - könnte man es der Schweiz nachtun. Wenn nein - business as usual.

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dent42 29.11.2014, 10:37
12.

Man kann das Schweizer Modell aber nicht einführen ohne die entsprechende Diskussionskultur zu übernehmen und da sehe ich hierzulande erhebliche Defizite.

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SchneiderG 29.11.2014, 10:38
13.

Ich bin absolut für Volksabstimmungen, leider gibt es aber auch ein "aber".

Meiner persönlichen und aus Erfahrung sich ergebende Schätzung, unterliegen 60-70% der Wähler (keine fundierte Nachweise) vor solcher einer Abstimmung dem Einfluß von Populisten oder sind schlicht Unwissend, um die Konsequenzen ihrer Entscheidung beurteilen zu können.

Auch ein negatives Kriterium ist, wenn nur eine mobilisierte Minderheit zur Volksabstimmung erscheint.

Ein Volksabstimmungsergebniss sollte 51% der WAHLBERECHTIGTEN erhalten. Also 51% Ja- oder Nein-Stimmen.

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paysdoufs 29.11.2014, 10:44
14.

95% der Kommentatoren pro-DD wären mehr als enttäuscht wenn sie wüssten was Volksinitiativen (nicht Referenden) im Jahr 2014 wirklich sind: Populismus in Reinkultur. Und ich danke dem Herrn daher jeden Morgen dass ich in einer parlamentarischen Demokratie lebe! Das schließt ja Volksentscheide zu bestimmten Sachfragen nicht aus, und ich verstehe ehrlich gesagt nicht warum hier immer so getan wird als gäbe es diese in DE nicht.

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paysdoufs 29.11.2014, 10:49
15.

Zitat von pr8kerl
Sollen Superreiche wie Seb Vettel oder Bernie Ecclestone weiterhin viel Geld sparen können? Geld, dass ihren Heimatstaaten fehlt? Oder brauchen umgekehrt manche Kantone wie Graubünden diese pauschal vereinbarten Einnahmen dringend?
Sie glauben aber hoffentlich nicht dass im Falle einer Abschaffung der Pauschalbesteuerung das Geld plötzlich in die "Heimatstaaten" überwiesen wird, oder?

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Blattmann 29.11.2014, 10:49
16.

Liebe Frau Shafy,
vielen Dank für diesen Artikel. Auch ich gehöre zur 5ten Schweiz, aber ich lebe in Berlin.
Sie sprechen mir aus dem Herzen! Danke dafür!

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cyoulater 29.11.2014, 10:52
17.

Nicht die direkte Demokratie ist es, was die Deutschen angreifen. Sauer aufstoßen tun Arroganz und Egoismus, die Rücksichtslosigkeit, mit dem Schweizer oft auftreten. Ich weiß, wovon ich rede, ich wohne grenznah zur Schweiz und erlebe unsere eidgenössischen Nachbarn leider viel zu oft genau so. Das Abschotten auf der einen Seite (Kampagenen zu Ausländer raus, z.T. mit widerlichen Parolen, dabei funktionierte die schweizerische Wirtschaft ohne sdie Facharbeiter und Akademiker aus.den Nachbarländern niemals); die Vorteile und Annehmlichkeiten der EU-Nähe ausreizen, so weit es geht, auf der anderen Seite. DAS sind Dinge, die das Bild der Schweiz prägen - nicht zu Unrecht, wie ich meine. Ihre direkte Demokratie interessiert in diesem Zusammenhang eher weng.

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Beat Adler 29.11.2014, 10:53
18. Jede Entscheidung verlangt ein JA oder NEIN

Zitat von Sibylle1969
...finde ich direkte Demokratie gut, allerdings darf man nicht übersehen, dass es in der Politik viele Sachverhalte gibt, die sich nicht auf ein einfaches Ja oder Nein reduzieren lassen, so dass alle Wahlbürger auch eine qualifizierte Entscheidung treffen können. Außerdem habe ich die starke Befürchtung, dass sich bei unserer stark verbreiteten Sankt-Florians-Kultur wichtige Infrastruktur-Vorhaben gar nicht mehr durchsetzen lassen (so nach dem Motto: Windräder und neue Stromtrassen benötigen wir zwar, aber bitte nicht vor meiner Haustür).
Jede politische Entscheidung verlangt am Schluss, ach meist jahrelangen Verhandlungen, ein klares JA oder NEIN, z.B. Bau von Strommasten JA oder NEIN, dazwischen gibt es nichts, denn ein bisschen schwangere Strommasten gehen auch nicht;-)

Wenn die Buerger entscheiden einen Gotthardbasistunnel fuer die Eisenbahn zu bauen, dann entscheiden sie sich auch fuer die noetige Finanzierung.

Bald wir ein Entscheid fuer eine 2. Gotthardautobahntunnelroehre anstehen. Wenn die Mehrheit ja sagt, dann wird sie gebaut mit allen Konsequenzen.
mfG Beat

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greene23 29.11.2014, 10:57
19. keine Abstimmungen in Deutschland

Dennoch finde ich es gut, dass es in Deutschland keine Volksabstimmungen gibt. Denn man sieht ja schon wie niedrig die Wahlbeteiligung bei Bundestags- oder Kommunalwahlen ist. Bei Volksabstimmungen würde sie nach anfänglicher Euphorie schnell sinken. Zudem glaube ich, dass die Bürger viel zu leicht zu beeinflussen sind und dadurch Projekte wählen, die sie so garnicht wollten. Dazu kommt, dass wir in der EU sind und dies mit den Regeln und Gesetzen der EU vereinbart werden müsste. Somit begrüße ich es mehr, wenn die Bürger lieber ihre Partei wählen, um mehr zu wissen wofür sie stimmen.

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