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Seit der Reform 1994: Deutsche Bahn legte mehr als 5400 Kilometer Strecke still
DPA

Fast ein Sechstel der Strecken sind futsch: In den vergangenen 25 Jahren hat die Deutsche Bahn wegen mangelnder Auslastung in vielen Regionen ihr Netz verkleinert.

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Emso 29.12.2018, 14:28
1. DIe Bahn lebt! Es lebe die Bahn!

Das Bild fehlerhaft insofern, als dass sich die Strecke Rottenbach-Katzhütte (im Bild sind Sitzendorfer Gleise) einer regen Nutzung erfreut, seit die Strecke 2002 wieder in Betrieb genommen wurde. Ich hoffe mal, Ihr Bild ist kein schlechtes Omen. Totgesagte leben bekanntlich länger...

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Dr.Gnaa 29.12.2018, 14:31
2. Mangelnder Auslastung?

Doch wohl eher aufgrund mangelnder Angebote!
Vor allem was den Güterverkehr angeht.

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Marvin__ 29.12.2018, 14:35
3. Mangelnde Auslastung?

Mit der Auslastung ist es bei der Bahn wie mit der Pünktlichkeit: Die Bahn schreibt sich die Regeln selber.

So wird vor einer Stilllegung nicht geprüft, wie man die Fahrgastzahlen erhöhen könnte. Stattdessen wird stumpf gezählt, wie viele Fahrgäste einsteigen. Wenn etwa ein pfiffiger Busunternehmer vorübergehend Kampfpreise anbietet, und so Fahrgäste abwirbt, legt die Bahn die Strecke still. Woraufhin der Busunternehmer seine Preise wieder erhöht.

Wobei die Bahnpreise ein Niveau erreicht haben, dass es selbst für Einzelfahrer ein Mietwagen (Miete+Benzin) günstiger ist als ein Bahnticket. Nicht zuletzt, weil wegen des verkleinerten Bahnnetzes immer mehr Anschlussfahrten zusätzlich bezahlt werden müssen.

Ganz außer acht lassen sowohl der Artikel wie auch die Deutsche Bahn das Risikomanagement: Wenn von zwei parallelen Strecken eine stillgelegt wird, gibt es bei Bauarbeiten oder Unfällen keine Ausweichmöglichkeiten mehr. Was dann zu wochen-, gar monatelangen Ausfällen auf essentiellen Strecken wie etwa bei Rastatt vor einigen Monaten oder auf der Schnellstrecke zwischen Kassel und Hannover demnächst führt.

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G111 29.12.2018, 14:37
4. Nichts Neues

Die Bahn ist nicht besser oder schlechter als unsere Straßen, Schulen, Krankenhäuser. Sie ist nämlich genauso gut wie wir, die Wähler, den Staat befähigen, Geld in die Infrastruktur zu investieren. Helmut Schmidt sagte mal, wir können uns nur eines leisten, die Bundesbahn oder die Bundeswehr. Man entschied sich für eine Privatisierung der Bahn und übergab den Ländern die Verantwortung für den Nahverkehr. Die Bahn sollte an die Börse, so der Auftrag der damaligen Regierung an Mehdorn. Dazu musste sie produktiv werden, unnötigen Ballast abwerfen. Eben auch unwirtschaftliche Nebenstrecken, die auch die Länder nicht betreiben wollten.
Hinzu kamen von der Politik und vom Volk (S21) gewünschte Prestigeprojekte. Ja die Wähler in BaWü haben per Volksentscheid für S21 gestimmt. Sparprogramme in den 0er Jahren gaben dem Fläschennetz den Rest , parallel dazu ist die Verkehrsleistungen auf der Schiene gestiegen. Das führt dazu, dass kaum noch Puffer da sind, seit 3 bis 4 Jahren wieder deutlich mehr gebaut wird. Und es soll, es muss noch mehr gebaut werden, weil bis vor wenigen Jahren und über Jahrzehnte nicht gebaut bzw in den Erhalt der Infrastruktur gesteckt wurde. Die Folge: kleinere Störungen ziehen sich durchs gesamte Netz. Um das zu lösen, braucht es keine Schnellschüsse, sondern eine lang angelegte Strategie und gesellschaftlicher Konsens wo man mit dem System Schiene hin will UND wer es bezahlt.

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Knossos 29.12.2018, 14:39
5.

Gut zum einen, daß das jemand nach 24 Jahren einmal klarstellt, und klar zum anderen, daß sich derlei Entwicklung zu Privatisierungsintentionen und Speditionslobbyismus zu keiner Zeit absehen ließ.

Nüwah? ;O/

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alexander.baehring 29.12.2018, 14:48
6. neue Strecken

wollen auch durch den Eigentümer finanziert werden. Und wenn sie nicht rentabel zu betreiben sind sollte man sich was einfallen lassen, Stichwort PPP auch wenn ich kein Fan der Privatisierung von Infrastruktur durch die Hintertür bin. Vielleicht nimmt man mal Geld in die Hand um nachhaltig Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern, und wenn man die überbordenden Subventionen für die Autoindustrie zusammen streicht. Ein Thema gerade für die Grünen.

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mwroer 29.12.2018, 14:58
7.

Zitat von Marvin__
Mit der Auslastung ist es bei der Bahn wie mit der Pünktlichkeit: Die Bahn schreibt sich die Regeln selber. So wird vor einer Stilllegung nicht geprüft, wie man die Fahrgastzahlen erhöhen könnte. Stattdessen wird stumpf gezählt, wie viele Fahrgäste einsteigen. Wenn etwa ein pfiffiger Busunternehmer vorübergehend Kampfpreise anbietet, und so Fahrgäste abwirbt, legt die Bahn die Strecke still. Woraufhin der Busunternehmer seine Preise wieder erhöht. Wobei die Bahnpreise ein Niveau erreicht haben, dass es selbst für Einzelfahrer ein Mietwagen (Miete+Benzin) günstiger ist als ein Bahnticket. Nicht zuletzt, weil wegen des verkleinerten Bahnnetzes immer mehr Anschlussfahrten zusätzlich bezahlt werden müssen. Ganz außer acht lassen sowohl der Artikel wie auch die Deutsche Bahn das Risikomanagement: Wenn von zwei parallelen Strecken eine stillgelegt wird, gibt es bei Bauarbeiten oder Unfällen keine Ausweichmöglichkeiten mehr. Was dann zu wochen-, gar monatelangen Ausfällen auf essentiellen Strecken wie etwa bei Rastatt vor einigen Monaten oder auf der Schnellstrecke zwischen Kassel und Hannover demnächst führt.
Und wie lange soll ein Wirtschaftsunternehmen mit Verlust arbeiten?

Ganz ernst gemeinte Frage - wie lange muss die Bahn denn Ihrer Meinung nach eine Strecke offenhalten, mit allen Kosten ? 1 Jahr? 5 Jahre?

Wie Sie lesen können werden Strecken geschlossen wenn kein anderer Anbieter diese übernehmen will und das macht kein anderer Anbieter, von denen es übrigens einige gibt, weil diese Strecken nur Verluste einbringen.

Wie lösen Sie das Problem? Vor allem wo ja Ihrer Meinung nach, wenn ich das richtig interpretiere, am besten auch noch alles preiswerter werden soll.

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rene.macon 29.12.2018, 15:03
8. Die Deutsche Bahn AG gehört immer noch zu 100% dem deutschen Staat!

Die Verantwortung liegt also bei der Regierung. Aber Wirtschaftsminister Altmaier kurbelt lieber mit steuerfinanzierten Subventionen die Produktion von Autobatterien an, als sich um das Naheliegende zu kümmern.

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larsmach 29.12.2018, 15:03
9. Führt endlich kurze Taktzeiten (Nahverkehr) ein!

Viel wäre getan, wenn z.B. im Ruhrgebiet (eines der größten Metropolgebiete Europas!) kurze Taktzeiten eingeführt würden - dann könnte man endlich zum einem Orts-/Stadtteilbahnhof laufen, ohne an Fahrpläne und Abfahrzeiten zu denken. Im Gegenzug reichen dann kleinere Züge mit den üblichen Unterflurmotoren etc.. Dasselbe Problem sehe ich im Frachtverkehr: Gerade hat meine Maschinenbaufirma den Versuch aufgegeben, Komponenten per Bahn transportieren zu lassen - gegenüber anderen Angeboten sind die Laufzeiten praktisch gleich lang bei höheren Kosten. Diese hätten wir in Kauf genommen, wenn wenigstens Transportzeit eingespart würde.

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