Forum: Wirtschaft
So arbeitet Deutschland : Wie viel Macht haben Gewerkschaften noch?
SPIEGEL ONLINE

Völker, hört die Signale? Von wegen! Die Deutschen scheinen konfliktscheu - im Schnitt erlebt nur jeder fünfte Beschäftigte jemals einen Streiktag. Arbeitskampf-Fakten auf einen Blick.

Seite 5 von 7
Amadís 02.09.2017, 11:33
40.

Zitat von Garda
Ich glaube eher, dass es daran liegt, dass der heutige Angestellte und Arbeiter (zumindest die jüngeren) keinen Arsch mehr in der Hose haben, um gegen den heute üblichen Druck von oben aufzubegehren. Demonstriert wird für/gegen alles mögliche, erinnert eher an Folklore-Veranstaltungen als an "Arbeitskampf", nur begehrt keiner auf, wenn eine Firma Sozialleistungen abbaut, oder auch Szenarien für Personalabbau durchspielt. Renten- und Gesundheitsproblematik werden verdrängt oder nicht begriffen. Die jüngere Generation hat leider das Kämpfen nie gelernt, dafür war man in der Kindheit und Jugend zu weich gebettet.
Achja, wieder die Jungen bashen...

Dabei sind es doch die Alten, die in den Gewerkschaften auf den Führungsposten sitzen, und in Kumpanei mit den Arbeitgebern, den gesamten Spielraum ausnutzen, den die Gesetzeslage gewährt. Nach unten ausnutzen, selbstverständlich.

Das beste Beispiel ist wohl das neue "Arbeitnehmerüberlassungsgesetz". Einfach "Die Anstalt" vom 16.05.2017 ansehen

Schon witzig, so eine Forderung nach "Arbeitskampf" und "Aufbegehren". Klar, ich kann jetzt aufbegehren, und streike ab morgen. Dann hab ich übermorgen meinen Job verloren, wenn die Gewerkschaften nicht mitmachen...

Beitrag melden
Amadís 02.09.2017, 11:53
41.

Zitat von neue_mitte
Ich glaube eher, im Gegensatz zu früher, hat man als AN heute mehr Wissen und mehr Überblick, was die allgemeine Wirtschaftssituation angeht. Man weiß, dass man mit jeden und allen im Land und auf der Welt in Konkurrenz steht. In unserem Rückgrat, dem Mittelstand, weiß der AN, dass der Chef nicht wie Krösus lebt. Und sonst wird auch kein Geld verschenkt und verschwendet. Die eigene großzügige Gehaltserhöhung muss daher gerechtfertigt sein und auch rentabel sein. Will die gesamte Belegschaft einen großen Schluck aus der Gehaltspulle nehmen, muss es anderswo eingespart werden. Oder die Kundschaft bezahlt höhere Preise. Manchmal glaube ich, die Leute denken, dass analog zum Strom aus der Steckdose das Geld einfach aus der Unternehmenskasse kommt.
Man merkt, die Propaganda wirkt!

Oder sind Sie es, Herr Hundt?

Gucken Sie sich doch einfach mal die Zahlen zur Produktivitätssteigerung an, und vergleichen das mit der Lohnentwicklung.
Eigentlich reicht es schon, sich nur die Entwicklung des Reallohnindexes anzusehen. Da ist nämlich im Zeitraum 1992 - 2012 nix passiert. Also, nix positives.

https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/05 Reale und nominale Lohnentwicklung.pdf

Der "große Schluck aus der Gehaltspulle" ist ein Hirngespinst, dass es seit über 20 Jahren nicht mehr gegeben hat, während die Unternehmen einen Rekordgewinn nach dem anderen verkünden.

Beitrag melden
andi987 02.09.2017, 11:53
42.

Ich bin in der Gewerkschaft und kann die Mitgliedschaft nur jedem empfehlen. Der Beitrag von 1% des Brutto ist bei 2% Gehaltsplus im Jahr schnell reingeholt. Das Problem sind die vielen "free Rider" die von den Leistungen profitieren aber ihren eigenen Beitrag nicht leisten. Zudem hat das massive Outsourcing die Macht der Gewerkschaften untergraben. In den meistens neu gegründeten billig Unternehmen wird diese schön herausgehalten.
Alles in allem leben wir in keiner guten Zeit für Arbeitnehmer. Um das zu ändern ist meine persönliche Wahlempfehlung die Linke.

Beitrag melden
Freidenker10 02.09.2017, 12:07
43.

Zitat von Amadís
Man merkt, die Propaganda wirkt! Oder sind Sie es, Herr Hundt? Gucken Sie sich doch einfach mal die Zahlen zur Produktivitätssteigerung an, und vergleichen das mit der Lohnentwicklung. Eigentlich reicht es schon, sich nur die Entwicklung des Reallohnindexes anzusehen. Da ist nämlich im Zeitraum 1992 - 2012 nix passiert. Also, nix positives. https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/05 Reale und nominale Lohnentwicklung.pdf Der "große Schluck aus der Gehaltspulle" ist ein Hirngespinst, dass es seit über 20 Jahren nicht mehr gegeben hat, während die Unternehmen einen Rekordgewinn nach dem anderen verkünden.
Natürlich gibt es gewaltige Reallohnsteigerungen, allerdings nur für die kleine Kaste der Unternehmensführer und Politikern... Ach ja, da habe ich natürlich noch die Gewerkschaftsführer vergessen, die auch gerne mit 5 stelligen Monatsgehältern nach Hause gehen und Wasser predigen...

Beitrag melden
optimah 02.09.2017, 12:10
44. Totgesagte leben länger

Zitat von georg_k
Betrachte ich die Beiträge derjenigen Forenteilnehmer, die gewerkschaftsfeindlich sind, so häufen sich zwei Argumente: 1) "Die Gewerkschaft tut nicht genug." Antwort: Die Gewerkschaft besteht aus ihren Mitgliedern und ist keine dienstleistende Rückversicherung. In Anlehnung an ein Zitat: "Frage Dich, was Du für Deine Kollegen tuen kannst und nicht was die Gewerkschaft für Dich tut." Ohne Mitglieder kann keine Gewerkschaft etwas tuen. 2) "Die 'da oben' kungeln." Antwort: Ist eine häufig nachgeplapperte Stammtischparole, die niemand belegen kann und die durch erneutes Nachplappern nicht wahrer wird. Erwartet ernsthaft jemand von einem Gewerkschaftsvertreter, dass der laut krakeelend auf einen Arbeitgebervertreter zurennt? Ich bin seit 30 Jahren IGM-Mitglied, übrigens als angestellter Dipl. Inf. in der Entwicklung.
Unser Betrieb zahlt keine Tariflöhne. Die Lohnpolitik ist jedoch so, dass man regelrecht in die Gewerkschaft getrieben wird. Die Gewerkschaften sind noch längst nicht tot.

Beitrag melden
zgembozabuslic 02.09.2017, 12:58
45.

Mein Vater war 40 Jahre IGM-Mitglied. Dann kamen gesundheitliche Probleme und er wusste nicht wie es weitergehen soll, Arbeitgeber wollte ihn loswerden aber ohne Abfindung, usw. Also suchte er Hilfe bei der IGM. Eigentlich bräuchte er nur etwas Beratung. Betriebsrat war sichtbar auf der Arbeitgeber Seite, lokale IGM-Leute total desinteressiert, unfreundlich und inkompetent. Mit Tränen in den Augen verließ er den Laden und kündigte am nächsten Tag seine Mitgliedschaft. Dann engagierte er einen Anwalt.

Beitrag melden
Garda 02.09.2017, 13:39
46. Einen Finger kann man breche, fünf Finger ergeben eine Faust

Zitat von Amadís
Achja, wieder die Jungen bashen... Dabei sind es doch die Alten, die in den Gewerkschaften auf den Führungsposten sitzen, und in Kumpanei mit den Arbeitgebern, den gesamten Spielraum ausnutzen, den die Gesetzeslage gewährt. Nach unten ausnutzen, selbstverständlich. Das beste Beispiel ist wohl das neue "Arbeitnehmerüberlassungsgesetz". Einfach "Die Anstalt" vom 16.05.2017 ansehen Schon witzig, so eine Forderung nach "Arbeitskampf" und "Aufbegehren". Klar, ich kann jetzt aufbegehren, und streike ab morgen. Dann hab ich übermorgen meinen Job verloren, wenn die Gewerkschaften nicht mitmachen...
Diesen wirren Spruch von Mao haben wir damals (ja, ich weiß ....) durchaus ernst genommen. Heute beobachte ich ein Einzelkämpfertum - wenn überhaupt - und das funktioniert nicht.

Jungen bashen? Sicher nicht. Ich bedaure diese Entwicklung, und sehe ja, wie schon 40jährige völlig ausgebrannt sind. Wenn ich meine Kinder und andere junge Menschen darauf anspreche, gibt's nur Achselzucken - es gibt ja auch noch Online Petition....

Vergessen wir die Gewerkschaften, aber ich kann die jüngeren AN nur auffordern, sich Gedanken zu machen.

Beitrag melden
post.scriptum 02.09.2017, 13:55
47. Die Gewerkschafter machen sich ...

... vornehmlich für diejenigen stark, denen es ohnehin gut geht, nämlich den Inhabern von Tarif- und Industriearbeitsplätzen. Wenn ich mir ansehe, wie viele Mandatsträger in den Deutschen Bundestag von den Gewerkschaften entsandt werden, halte ich dies für völlig überzogen und unverhältnismäßig. Thatcher hat eines richtig gemacht, sie hat die Macht der Gewerkschaften gebrochen und das Land damit wieder wettbewerbsfähig gemacht; davor haben die Gewerkschaften Großbritanien mit ihren unzähligen Streiks gelähmt und fast ruiniert.

Beitrag melden
seyffensteyn 02.09.2017, 14:49
48. Ich halte Gewerkschaften und Betriebsräte seit ewigen Zeiten für

überflüssig. Da keine der beiden Genannten über Kapital im Betrieb verfügt,ist es müßig darüber zu sprechen,ob sie überhaupt Einfluß auf die Betriebsabläufe und Zahlungen haben sollten.Was viele hier vergessen,ist:Die Mitarbeiter und die Geschäftsleitung spielen mit ihrer Leistung das Geld ein,welches anschließend verteilt werden soll!Die Mitarbeiter stellen ihre Arbeitskraft zur Verfügung und die Geschäftsleitung vertritt die Kapitalgeber. Beim Einstellungsgespräch für die AN hat jeder die Möglichkeit über sein Gehalt oder den Lohn ,der erwartet wird,zu verhandeln.Wenn es nicht ausreichend ist,suche ich mir einen anderen Job,wo es reicht.Es ist immer wieder spannend,wenn Gewerkschaften bei Streiks und Betriebsräte bei Vereinbarungen mit der Firmenleitung sich verhalten,wenn dann das Unternehmen insovent werden sollte.Aktuelles Beispiel air berlin.Dann wird um Hilfe bei der Politik gerufen,weil Entlassungen gehen ja gar nicht......

Beitrag melden
yvowald@freenet.de 02.09.2017, 15:48
49. Gemeinnutz geht vor Eigennutz

Zitat von andi987
Ich bin in der Gewerkschaft und kann die Mitgliedschaft nur jedem empfehlen. Der Beitrag von 1% des Brutto ist bei 2% Gehaltsplus im Jahr schnell reingeholt. Das Problem sind die vielen "free Rider" die von den Leistungen profitieren aber ihren eigenen Beitrag nicht leisten. Zudem hat das massive Outsourcing die Macht der Gewerkschaften untergraben. In den meistens neu gegründeten billig Unternehmen wird diese schön herausgehalten. Alles in allem leben wir in keiner guten Zeit für Arbeitnehmer. Um das zu ändern ist meine persönliche Wahlempfehlung die Linke.
Wenn unsere Gewerkschaften hier in Deutschland durch Mangel an Interesse (Mitgliederschwund) immer einflußloser werden, könnte das dramatische Folgen haben.
Denn wenn es irgendwann einmal keine Tariflöhne und Tarifgehälter mehr gibt, sind wir allesamt der Willkür der Arbeitgeberseite ausgesetzt.
Dann gibt es sicherlich noch einige Unternehmen, die die Arbeit ihrer Belegschaften zu schätzen wissen.
Viele Unternehmen werden jedoch versuchen, Löhne und Gehälter weiter nach unten zu drücken.
Zunächst profitieren diese Unternehmer durch exorbitante Gewinne, aber irgendwann werden sich die Beschäftigten verweigern und dem Druck auszuweichen versuchen.
Welche Konsequenzen dies haben könnte, sollte sich jede und jeder selbst ausmalen.
Besser wäre es, wir hätten unabhängige Gewerkschaften mit Vorständen an der Spitze, die Gemeinnutz vor Eigennutz stellen - sofern es solche Funktionärinnen und Funktionäre überhaupt noch gibt.

Beitrag melden
Seite 5 von 7
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!