Forum: Wirtschaft
So arbeitet Deutschland : Wie viel Macht haben Gewerkschaften noch?
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Völker, hört die Signale? Von wegen! Die Deutschen scheinen konfliktscheu - im Schnitt erlebt nur jeder fünfte Beschäftigte jemals einen Streiktag. Arbeitskampf-Fakten auf einen Blick.

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amuseemanc 02.09.2017, 17:31
50. Tja,

die Kritik an den Gewerkschaften mag ja in Teilen gerechtfertigt sein. Andererseits stellt sich die Frage: Wer macht sich denn aber überhaupt noch stark für den einfachen Arbeitnehmer? Nicht alle sind in der Lage für ihre Interessen beim Arbeitgeber einzustehen. Gibt es keine Gewerkschaften mehr, machen die Arbeitgeber erst recht was sie wollen. Wer das nicht glauben will, der braucht doch nur die Branchen vergleichen wo Gewerkschaften noch relativ stark sind und wo nicht. Die Unterschiede sind erheblich!

Die Arbeitgeber als solches haben sich nicht geändert. Wo der Arbeitnehmer schwach ist, wird seine Situation schonungslos ausgenutzt, solange es keiner mitbekommt. Und von der Politik braucht der Arbeitnehmer eh nichts mehr erwarten. Die sind allesamt zu Erfüllungsgehilfen der Wirtschaft geworden. Besonders extrem CDU/CSU/FDP. Und auch auf die Gerichte ist da kein Verlass mehr, ist alles Auslegungssache geworden. Dank auch immer schwammigerer Gesetze mit ihren zig Ausnahmen, dem einerseits und andererseits und sowohl-als-auch. Dahinter steckt System.

Es ist der große Irrtum zu meinen, wir bräuchten keine Gewerkschaften mehr. Wir brauchen sie dringender denn je, allerdings auch eine Arbeitnehmerschaft, die noch Mut hat und erkennt, dass für vieles, was heute so selbstverständlich erscheint, mal hart gekämpft wurde. Doch das hat die Spaß- und Konsumgesellschaft längst verlernt.

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yvowald@freenet.de 03.09.2017, 10:34
51. Erfüllungsgehilfen der Wirtschaft

Zitat von amuseemanc
die Kritik an den Gewerkschaften mag ja in Teilen gerechtfertigt sein. Andererseits stellt sich die Frage: Wer macht sich denn aber überhaupt noch stark für den einfachen Arbeitnehmer? Nicht alle sind in der Lage für ihre Interessen beim Arbeitgeber einzustehen. Gibt es keine Gewerkschaften mehr, machen die Arbeitgeber erst recht was sie wollen. Wer das nicht glauben will, der braucht doch nur die Branchen vergleichen wo Gewerkschaften noch relativ stark sind und wo nicht. Die Unterschiede sind erheblich! Die Arbeitgeber als solches haben sich nicht geändert. Wo der Arbeitnehmer schwach ist, wird seine Situation schonungslos ausgenutzt, solange es keiner mitbekommt. Und von der Politik braucht der Arbeitnehmer eh nichts mehr erwarten. Die sind allesamt zu Erfüllungsgehilfen der Wirtschaft geworden. Besonders extrem CDU/CSU/FDP. Und auch auf die Gerichte ist da kein Verlass mehr, ist alles Auslegungssache geworden. Dank auch immer schwammigerer Gesetze mit ihren zig Ausnahmen, dem einerseits und andererseits und sowohl-als-auch. Dahinter steckt System. Es ist der große Irrtum zu meinen, wir bräuchten keine Gewerkschaften mehr. Wir brauchen sie dringender denn je, allerdings auch eine Arbeitnehmerschaft, die noch Mut hat und erkennt, dass für vieles, was heute so selbstverständlich erscheint, mal hart gekämpft wurde. Doch das hat die Spaß- und Konsumgesellschaft längst verlernt.
Daß insbesondere CDU/CSU und FDP Erfüllungsgehilfen der Wirtschaft geworden sind, ist eine Binsenweisheit.
Die Frage ist nur: Warum wählen Menschen, die zu den Niedrigverdienern (Prekariat) gehören und keine Aktienpakete besitzen, immer noch diese Parteien?

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dingstabumsta 03.09.2017, 13:34
52. Gewerkschaften....

...schaden dem Arbeitnehmer mehr, als das es gut ist! Ich erlebe es ja selber, meine Gewerkschaft befindet sich im Endstadium. Statt zu fordern, wurde geradezu gebettelt, einen Mindestlohn für die Bildungsbranche einzuführen, welche jedoch nicht vor Altersarmut schützt, mittlerweile unabhängig von Qualifikationen, Berufserfahrung oder Ausbildung ausschließlich Gezahlt wird. Ich bleibe bei meiner Meinung, dass die Gewerkschaften von Arbeitgeber - Lobbyisten unterlaufen sind. In anderen Ländern schaffen es die Gewerkschaften viel besserer Lohnabschlüsse zu erreichen, während hier Ergebnisse von 2-3 Prozent schon bejubelt werden. Auch die Ablehnung eines Bedinungsloses Grundeinkommen zeigt wie überflüssig Gewerkschaften dann sein werden, weil an anderen Forderungen wie eine 32 Stunden Woche bei vollem Lohnausgleich, begrenzung des Einsatzes von Zeitarbeitern bzw Abschaffung von Zeitarbeitsfirmen o.ä. erst gar nicht in Verhandlungen auftauchen....was der Unterstützung der SPD geschuldet ist.So lange die Gewerkschaften sich nicht nach Links statt zur SPD drehen, so lange werden wir hier in Deutschland nicht wirklich faire gerechte Verhandlungen rein zu Gunsten der Arbeitnehmer erleben.

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meine Güte 03.09.2017, 15:05
53. Tja,....

.....wenn es das nächste Jahr keine signifikante Einkommenserhöhung gibt, bin ich raus. Bekomme seit ca. 20 Jahren höchstenfalls den Inflationsausgleich. Den bekomme ich auch ohne die. Bonzen bekommen ihre Safe`s nicht mehr zu vor lauter Kohle. Ich nehme die Gewerkschaften schon lange nicht mehr wahr. Wo sind sie nur? Dann noch Hartz IV etc. zugelassen. Danke.

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yvowald@freenet.de 03.09.2017, 16:12
54. Keine wirkliche Waffengleichheit

Zitat von meine Güte
.....wenn es das nächste Jahr keine signifikante Einkommenserhöhung gibt, bin ich raus. Bekomme seit ca. 20 Jahren höchstenfalls den Inflationsausgleich. Den bekomme ich auch ohne die. Bonzen bekommen ihre Safe`s nicht mehr zu vor lauter Kohle. Ich nehme die Gewerkschaften schon lange nicht mehr wahr. Wo sind sie nur? Dann noch Hartz IV etc. zugelassen. Danke.
Zustimmung. Es gab noch nie und gibt auch gegenwärtig keine "Waffengleichheit" zwischen der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerseite.
Gewerkschaften sind Zusammenschlüsse der Arbeitnehmerschaft, die sich immer nur in einer Bittstellerrolle befinden.
Gewerkschaften können und dürfen streiken, die Arbeitgeber jedoch das Instrument der Aussperrung nutzen und die Belegschaften "am langen Arm verhungern lassen".
Deshalb sollten endlich alle tariflichen Abschlüsse für "allgemeinverbindlich" erklärt werden, damit diese nicht von Arbeitgebern, die aus dem Arbeitgeberverband austreten, unterlaufen werden können.
Wer das Geld hat, hat die Macht.
Deshalb sollten in der Tarifpolitik endlich ganz andere Seiten aufgezogen werden, vielleicht mit Hilfe einer künftigen rot-grün-roten Bundesregierung.

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yvowald@freenet.de 03.09.2017, 16:17
55. Dividendengutschrift in Höhe von 1,1 Milliarden EURO

Zitat von Johannes Karga
1. Was sind exorbitante Gewinne? 1 Mio. bei 100.000 Eigenkapital ist viel; 1 Mio. bei 10 Mrd. ist verdammt wenig. 2. Was ist den Ihrer Meinung nach ein gerechter Arbeitgeber-Lohn? 3. Wo wurden denn in D in den letzen 10 Jahren die Löhne nach unten gedrückt? Nahezu niemand hat bei gleicher Arbeitszeit weniger Gehalt als vorher. 4. Was ist denn Ihrer Meinung nach Gemeinnutz von Gewerkschaftsvorständen? Sie stellen nur Behauptungen auf, die mit der Realität nichts zu tun haben. Wie wäre es, wenn Sie selbst mal ihren trägen Hintern bewegen und die von Ihnen so geforderten Arbeitsplätze schaffen, natürlich zum Unternehmer -Nulltarif.
Die Familie Quandt-Klatten (BMW-Mehrheitsaktionäre) erhielt für 2016 eine Dividendengutschrift in Höhe von 1,1 Milliarden EURO. Dies ging durch die Tagespresse.
1,1 Milliarden EURO (1.100 Millionen EURO) fürs Nichtstun?
Na klar, denn der Einstieg des Herbert Quandt bei BMW in den 1950er Jahren brachte der ganzen Familie ein Milliarden-Vermögen.
Natürlich: BMW zahlt seiner Belegschaft gute Löhne und Gehälter. Aber Dividenden fürs Nichtstun sind nicht zu rechtfertigen.

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Aberlour A ' Bunadh 03.09.2017, 17:01
56. Was ist ein gerechter AG-Lohn?

Zitat von Johannes Karga
Bringen Sie doch bitte einmal Arguenten anstatt andere Poster zu beschimpfen, zumal dieser Poster in diesem Fall auch noch Recht hat. Ein Arbeitgeber kann nur dann Löhne (nominal) erhöhen, wenn er entweder höhere Preise durchsetzen kann oder wenn es Produktivitätsfortschritte gibt. Warum muss ein AG bei Produktivitätsfortschritten die AN-Löhne real anheben? Zumal die Produktivitätsfrotschritte in der Regel durch höheren Kapitaleinsatz des AG und weniger durch die Mehr-Leistungen des AN entstehen. Bitte erklären Sie das doch einmal bitte!! Was ist denn Ihrer Meinung nach ein gerechter AG-Lohn? Bei vielen Unternehmen machen die Personalkosten bereits mehr als 70% der Gesamtkosten aus, die Nominallöhne sind bis auf ganz wenige Ausnahmen immer gestiegen, folglich dürfen auch die Gewinne immer weiter steigen.
Wenn Henry Ford Ihren Post liest, dreht er sich im Grabe rum. Warum bezahlen viele Arbeitgeber übertariflich? Weil Sie - im Gegensatz zu Ihnen - verstanden haben, warum Effizienzlöhne Effizienzlöhne heißen. Henry Ford war übrigens ein Pionier der Effizienzlohntheorie. Die legendäre 100%-tige Lohnerhöhung auf fünf Dollar am Tag 1914 bezeichnete er in seinen Memoiren übrigens einmal als die beste Kostensenkungsmaßnahme seines Schaffens.
Zum gerechten Lohn: Hier würde ich auf die Arbeiten von Oswald von Nell-Breuning veweisen: der gerechte Lohn kann nicht unabhängig vom gesellschaftlichen Kontext begriffen werden. Es gibt somit keinen gerechten Lohn, der durch unmittelbaren Verweis auf die Marktwert allein zu ermitteln ist, sondern er muss sozialethisch "gefunden" werden durch VERHANDLUNGEN, die einen fairen Interessenausgleich unter einem Diskurs demokratischer Partizipation ermöglichen. Daher kommt einer Unternehmenskultur, die menschliche Arbeit wertschätzt und ein Mitspracherecht aller Beteiligten ermöglicht, bei der Konkretisierung eines gerechten Lohns eine wichtige Funktion zu.
Sie tun in Ihren Einlassungen so, als wenn wir uns in der Realität nicht in einer diskretionären Ökonomie befinden, die so etwas wie Verhandlungsspielraum überhaupt kennt. Andernfalls würden sämtliche Gewinne sofort wegkonkurriert werden.

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spon_3511963 04.09.2017, 08:57
57. Wie viel Macht haben Gewerkschaften noch?

Überhaupt keine mehr denn sie wollen auch keine Macht ausüben seit ihre Bosse in den Aufsichtsräten sitzen.
Begann mir Agenda2010 und H4 .
Wer heute noch in diesen Vereinen Mitglied ist hat den Knall noch nicht gehört.

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Johannes Karga 04.09.2017, 09:56
58.

Zitat von Aberlour A ' Bunadh
Wenn Henry Ford Ihren Post liest, dreht er sich im Grabe rum. Warum bezahlen viele Arbeitgeber übertariflich? Weil Sie - im Gegensatz zu Ihnen - verstanden haben, warum Effizienzlöhne Effizienzlöhne heißen. Henry Ford war übrigens ein Pionier der Effizienzlohntheorie. Die legendäre 100%-tige Lohnerhöhung auf fünf Dollar am Tag 1914 bezeichnete er in seinen Memoiren übrigens einmal....
Sie verweisen auf bestimmte Autoren, aber beantworten nicht meine Fragen!
Wenn ich übertarifliche Löhne zahle, dann habe ich eine gewisse Produktivität, um mir dies leisten zu können. Habe ich Sie nicht, sieht die Lage schon ganz anders aus. Was sie danach beschreiben, ist der normale Markt: der Preis bildet sich aufgrund von ANgebot und Nachfrage. Mein Post beschreibt aber auschließlich den Spielraum, die der AG grundsätzlich hat, um Lohnerhöhungen zu geben, es sagt nichts darüber aus wie sich Entgelte grundsätzlich bilden.
Ich widerspreche Ihnen doch gar nicht, dass sich gerechte Vergütungen aus einen Interessenausgleich entwickeln. Ich entgegne nur solchen Leuten , die der dummen Auffassung sind, die Unternehmer scheffeln Geld ohne Ende und haben massive Lohnerhöhungen aus Ihren Gewinnen zu finanzieren.
Und glauben Sie mir es gibt auch Volkswirte, die beschäftigen sich mit der Frage Was ist ein "gerechter Arbeitnehmer und ein gerechter AG-Lohn" wobei in der Öffentlichkeit fast nur ersteres behandelt wird.

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mostly_harmless 04.09.2017, 10:00
59.

Nun, die Propaganda gegen die Gewerkschaften wirkt halt. Kann man auch hier im Forum wieder wunderbar sehen.

Dabei sind die Fakten ganz banal und messsbar. Beim Vergleich der Entwicklung von Löhnen und Gehältern von tarifgebundenen und nicht-tarifgebundenen Betrieben schneiden tarifgebundene in JEDEM für Arbeitnehmer relevanten Kriterium besser ab. Reallohnentwicklung, absolute Höhe des Lohns / Gehalts, Sozialleistungen, etc, pp.
Bei Jobs mit sehr hoher Anforderung an Qualifikation (z.B. IT) mag das in Teilen anders sein, allerdings gehts der Branche auch ziemlich gut.

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