Forum: Wirtschaft
Sorge um Sozialstaat: Mehr als 100.000 Selbständige bekommen Hartz IV

In der Bundesagentur für Arbeit wächst die Sorge vor einem Missbrauch des Sozialstaats: Laut "Süddeutscher Zeitung" stocken immer mehr Selbständige ihre Einkünfte mit Hartz IV auf.*Im Einzelfall ist es extrem schwer zu prüfen, ob die Antragsteller tatsächlich auf Hilfe angewiesen sind.

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MeredithK 14.06.2011, 12:29
100. Ist das....

.... schonmal die Vorbereitung für die Streichung des Existenzgründerzuschusses im Herbst?
Damit die Mehrheit der Wähler jetzt anfängt zu glauben, dass die ganzen Selbständigen ja eh Sozialschmarotzer sind und es damit ja super richtig ist, auch diesen Zuschuss noch zu streichen?

Ich bin mal wieder entsetzt über diesen Journalismus. Wo bleibt die Reflektion, dass immer mehr Menschen in die Selbständigkeit gedrängt werden, weil Arbeitgeber (auch oder insbesondere Öffentliche) mit Vorliebe oder nur noch Honorarkräfte einstellen? Und diese so mies bezahlen, dass in manchem Monaten nur die Aufstockung bleibt?

Wer glaubt denn ernsthaft, dass es eine hohe Anzahl an gut verdienenden Unternehmern gibt, die FREIWILLIG zu den JobCentern gehen, sich schikanieren lassen, ihre gesamten persönlichen Dinge offenlegen (Vermögen, Rentenverträge, Wohnungsgröße & Miethöhe, Einkommen der Kinder, der Ehefrau undundund), einen (oder mehrere) Seitenlange Anträge ausfüllen um dann 50 € Zuschuss zu bekommen???

Was die Unternehmen und ihre Bezahl-Moral + Aufstockung angeht kann ich meinen Vorrednern nur zustimmen. Anstatt hier anzusetzen wird auf die Selbständigen gehauen, die ohnehin nur am kämpfen sind.

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sir.viver 14.06.2011, 12:30
101. Na und?

"Dumm ist nicht wer nimmt, dumm ist der, der gibt"
Rumaenisches Sprichwort.

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TomRohwer 14.06.2011, 12:30
102. #1

Zitat von CAJ
"Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur, sprach sich für eine Debatte darüber aus, ob sich die Bezugsdauer von staatlichen Grundsicherungsleistungen für Selbständige zeitlich begrenzen lasse. "Irgendwann muss man schwarze Zahlen schreiben oder - so weh es tut - die Selbständigkeit aufgeben", sagte er der "SZ". "Der Steuerzahler kann nicht auf Dauer eine nichttragfähige Geschäftsidee mitfinanzieren."
Aha.

Irgendwann muß der Arbeitnehmer seinen schlecht bezahlten Arbeitsplatz aufgeben, dessen Einkommen er mit Hartz IV aufstockt.

So in etwa?

Was passiert denn wohl, wenn der geringverdienende Selbständige seine Selbständigkeit aufgibt?

Er bekommt den vollen Hartz IV-Satz. Mit allem drum und dran. Krankenversicherung, etc.pp.

Logisch denken war bei der Bundesagentur für Arbeit schon immer ein ziemliches Risiko.

Trotz einer Bezahlung, die weit über dem Hartz-IV-Satz liegt.

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mhpur 14.06.2011, 12:30
103. Unsinn

Ein vollständig unsinniger Beitrag. Ich halte es für nicht angebracht, den in den angeblichen Äußerungen der Bundesanstalt zur Schau gestellten Kompetenzmangel durch so einen Beitrag auch noch in das Licht des Seriösen zu setzen.

Äußerungen wie „herunterrechnen“ zeigen nur, wie weit diese Immer-Noch-Beamten von der Realität weg sind, zeigt Unkenntnis und kleinkariertes Beamtendenken. Dieses kleinkarierte Beamtendenken führt in vielen Bereichen zu teilweise grotesken, realitätsfremden Ansätzen.


Im Falle dieser Hartz-IV-Bezüge sind die Bezieher verpflichtet, auf von der Bundesagentur vorgegebenen Frage- und Berechungsbögen die Zusammensetzung Ihres Einkommens, aufgeschlüsselt nach Einnahme- und Ausgabepositionen, abgleitet aus Ihren Buchhaltungen oder Einnahme-/Überschußrechnungen, die als Anlage dem Antrag beizufügen sind, anzugeben. Die Bundesanstalt regelt also die Form des Berechnens selbst. Die Berechnungsgrundlagen selbst widerum finden ihre Grundlage in den Regelungen des Einkommensteuerrechts zur Gewinnermittlung. Insoweit hat der Antragsteller das zu erklären, was sich nach dem Einkommensteuerrecht als Einkommen ergibt. Der größte Teil der Beantragenden ermittelt seine Einkünfte nach § 4 Abs. 3 EStG, also durch Gegenüberstellung von Betriebseinnahmen und- ausgaben. Die Spielräume, etwas „herunterzurechnen“ sind in jedem Falle äußerst bescheiden.

Da die Gewinnermittlungsformschriften normiert sind, unterstellt die Bundesagentur mit dieser Bemerkung einer Vielzahl der Betroffenen faktisch den Bruch des Steuerrechts, folglich den Straftatbestand der Steuerhinterziehung. Insoweit ist so eine Bemerkung verwerflich.

Diese Hartz-IV-Regelung ist durchaus sinnvoll. Sie dient nämlich dazu, Personen, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen, eine geringe Absicherung zu bieten. Die ist letztlich vollumfänglich gerechtfertigt, um zumindest ein Gleichgewicht zu Personen zu schaffen, die, ohne überhaupt Interesse an der Teilnahme am Arbeitsprozeß zu besitzen, eine soziale Absicherung erhalten.

Diese Bemerkung ist auch deshalb verwerflich, weil es gerade die durch den Staat geschaffenen völlig unzureichenden Rahmenbedingungen sind, die zu so einer Antragsflut führen. Der Staat ist es, der „Geiz ist geil“ erlaubt und fördert und dadurch, und nicht zuletzt auch durch sein Gebahren bei der Auftragsvergabe zu eine völlig idiotischen Preiskultur beiträgt und kleineren Unternehmen damit die Luft nimmt.

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DasReptil 14.06.2011, 12:32
104. ............

Zitat von vw71
Ui Ui Ui! Ich habe mich auch schon immer gefragt wie es jemand schafft mit einem Gemüseladen seinen Mercedes und 6 Wochen Sommerurlaub zu erwirtschaften...
Ja oder wie man es schafft 5-6 Döner- und Falaffelläden (Pizzerien gibts natürlich auch) auf einer 150m langen Straße gewinnbringend zu betreiben.

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geroi.truda 14.06.2011, 12:32
105. *

Zitat von sysop
"Irgendwann muss man schwarze Zahlen schreiben oder - so weh es tut - die Selbständigkeit aufgeben", sagte er der "SZ". "Der Steuerzahler kann nicht auf Dauer eine nichttragfähige Geschäftsidee mitfinanzieren."
Und was passiert nach Aufgabe der Selbständigkeit? Anstelle der Aufstockung (ex praemissione weniger als der volle H4-Satz) wird der volle H4-Satz fällig, d.h. der Steuerzahler muss noch mehr zahlen....

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cellodreams 14.06.2011, 12:33
106. Sorgen Sie sich um einen besseren Arbeitsmarkt, Herr Alt!

Zitat von
Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur, sprach sich für eine Debatte darüber aus, ob sich die Bezugsdauer von staatlichen Grundsicherungsleistungen für Selbständige zeitlich begrenzen lasse. "Irgendwann muss man schwarze Zahlen schreiben oder - so weh es tut - die Selbständigkeit aufgeben", sagte er der "SZ". "Der Steuerzahler kann nicht auf Dauer eine nichttragfähige Geschäftsidee mitfinanzieren."
Lieber Herr Alt,
statt eine unsägliche Debatte darüber anzustoßen, wie sich die Bezugsdauer von Hartz IV für Selbständige zeitlich begrenzen lässt, sollten Sie sich lieber darum sorgen, dass in Deutschland ein gescheiter Arbeitsmarkt entsteht.
Die Aussage "Irgendwann muss man schwarze Zahlen schreiben oder die Selbständigkeit aufgeben" ließe sich übrigens umformuliert auch auf jeden nicht-selbständigen Bezieher anwenden: Dann würde die Aussage heißen: "Irgendwann muss man einen ausreichend bezahlten Job finden oder sich selbständig machen."

Mit Mindestlöhnen und mehr Arbeitsplätzen wäre diese Diskussion obsolet. Verändern Sie die Ursache, dann ist eine Symptombehandlung unnötig.

Freundliche Grüße cellodreams

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G. Donner-Wetter 14.06.2011, 12:33
107. .

Zitat von Asirdahan
"Irgendwann muss man schwarze Zahlen schreiben oder - so weh es tut - die Selbstständigkeit aufgeben", sagte er der "SZ". "Der Steuerzahler kann nicht auf Dauer eine nicht tragfähige Geschäftsidee mit finanzieren." Aha, ich lese wohl nicht richtig? Andererseits dürfen Betriebe, die ihre Existenz nur noch dadurch aufrecht erhalten, dass sie Hungerlöhne zahlen, munter weiter bestehen, denn sie sichern ja Arbeitsplätze! Doch wer Dumping-Löhne zahlen muss, der lebt auch nicht gerade von einer tragfähigen Geschäftsidee, oder?
Ist doch ganz einfach: wenn Sie groß genug sind werden Sie als systemrelevant eingeordnet, schütteln den Großen die Hand und können ihre Mitarbeiter unbezahlt schuften lassen, der Staat stockt anstandslos auf.

Wenn sie aber eine kleine Firma haben der die Umsätze wegbrechen, weil immer mehr Menschen immer weniger Geld haben und sich ihre Produkte nicht mehr leisten können, dann sind sie ein böser Parasit.

Ganz abgesehen davon, die "selbständigen Aufstocker" rekrutieren sich mit absoluter Sicherheit primär aus:
LKW-Fahrern, Reinigungskräften, Leuten aus dem Baubereich und dem Pflegebereich, die de facto für eine Firma arbeiten, aber dazu gezwungen werden ihre Arbeitsmittel zu kaufen oder zu mieten und für sich ein Gewerbe anzumelden, weil sie sonst die Kündigung bekommen. Jeder Tiefkühl-Transporter der durch die Wohngegenden tuckert und Klinken putzt ist ein Selbstständiger, egal was da für ein großer Name auf dem Heck vom Eismann drausteht.
Daß man teils so tut als ginge es bei den "Selbständigen" um den porschefahrende Mittelständler der sich künstlich arm rechnet, ist sicherlich eine weitere Fanfare im großen Konzert gegen unsere Sozialsysteme. Wieder was womit man die zähneflezschende Meute so schön aufhetzen kann, wenn man es im falschen Kontext darstellt.

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bürger#40175 14.06.2011, 12:34
108. Superlachanfall

Wenn die Regierung keine schwarze Zahlen schreiben kann, heisst das also, man entzieht ihnen die Lebensgrundlage, denn es ist der Allgemeinheit nicht zuzumuten.
Was für ein Witz.
Ihn Wahrheit wollen die Politiker das System so halten, dass die Abhängigen möglichst alle Chancen und Aussichten verlieren, auf eigene Füße zu stehen und noch leichter zu verwaltende Abhängige sind.

Erst erschwert man die Existenz für alle Menschen, und dann nimmt man ihnen , die noch selbstständig etwas leisten wollen und die ihren eigenen Lebensentwurf folgen, die letzten Hilfen.
Wieder einmal wird mit Missbrauch argumentiert, der findet doch genauso gut woanders statt.
Verbrecherbande!
Wer heute nicht reich ist, kann in diesem Land doch sofort drauf verzichten, irgendetwas auf die Beine stellen zu wollen... ist doch der letzte Murks hier.-

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Praktikantin-XYZ 14.06.2011, 12:34
109. Unqualifizierte Bemerkungen

Daran sieht man endlich, wie realitätsfern unsere Arbeitsagenturen leben!
Haben die Damen und Herren sich mal im Bereich Absolventen einer Hochschule oder Universität umgeschaut? Wissen die Damen und Herren, mit welchen Frechheiten sich diese jungen und anfänglich motovierten Menschen erst bei der ARGE und später beim "Praktikumsbüro" auseinandersetzen müssen?

Zunächst wird man als Billigpraktikant beschäftigt und später als sogenannter Selbständiger mit einem unfassbar niedrigen Stundenlohn abgespeist - solle man sich doch selbst um seine Sozialbeiträge kümmern.
Wenn man sich damit über Wasser halten kann, Glückwunsch. Wenn man stattdessen Probleme mit der Steuer bekommt weil man als scheinselbständig gilt, ebenfalls Glückwunsch. Wenn einem die Krankenversicherer das letzte Hemd ausziehen, wen interssierts?

Aber wagt es euch bloß nicht, wieder aufs Arbeitsamt zu spazieren, in der Hoffnung, dass es nicht mehr lange dauert bis man endlich auch mal in den Genuss einer Festanstellung kommt............. Es ist doch kein Wunder, wenn alle klugen Köpfe aus Deutschland abwandern, wenn solche unqualifizierten Bemerkungen die Runde machen.

Die Realität sieht verdammt düster aus für ehrliche Arbeit. Man sollte die Arbeitsagenturen mal nach Leistung bezahlen, nach bearbeiteten Anträgen zum Beispiel. Ich wäre nicht sonderlich verwundert über die steigende Zahl von Aufstockern aus diesem Berufszweig.

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