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Sorge um Sozialstaat: Mehr als 100.000 Selbständige bekommen Hartz IV

In der Bundesagentur für Arbeit wächst die Sorge vor einem Missbrauch des Sozialstaats: Laut "Süddeutscher Zeitung" stocken immer mehr Selbständige ihre Einkünfte mit Hartz IV auf.*Im Einzelfall ist es extrem schwer zu prüfen, ob die Antragsteller tatsächlich auf Hilfe angewiesen sind.

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Hannovergenuss 14.06.2011, 12:35
110. ........

Au backe!
1. Kann die BfA nicht rechnen!
"Zwischen 2007 und 2010 habe sie im Jahresdurchschnitt um mehr als 50.000 Personen zugenommen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Statistiken der Bundesagentur. Im Februar 2011 habe die BA knapp 118.000 selbständige Aufstocker gezählt."

Müßten dann ja in Summe 4x 50.000 = 200.000 sein wenn es vor 2007 Null waren....
2. Bareinnahmen werden bei der H4 Berechnung bestimmt nicht angegeben ;-)

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Michael Giertz 14.06.2011, 12:35
111. Selbstständig sein im Jahr 2011

Zitat von sysop
In der Bundesagentur für Arbeit wächst die Sorge vor einem Missbrauch des Sozialstaats: Laut "Süddeutscher Zeitung" stocken immer mehr Selbständige ihre Einkünfte mit Hartz IV auf.*Im Einzelfall ist es extrem schwer zu prüfen, ob die Antragsteller tatsächlich auf Hilfe angewiesen sind.
... ist gar nicht so einfach. Denn der Selbstständige muss sich faktisch mit allen möglichen (und unmöglichen) Gesetzen auskennen, um nicht in irgendeine juristische Falle zu laufen und verklagt zu werden. Da meistens das Geld für einen eigenen Anwalt fehlt, ist es auch unabdingbar all diese Dinge zu wissen: Selbstständige müssen in der Jurtistik besseres und breiteres Wissen mitbringen als ein Volljurist!

Das ganze gibt's nun aber nicht zum "Nulltarif" sondern verschlingt Zeit - Zeit, die zusätzlich zur Arbeitszeit (in welcher ja hoffentlich Umsatz gemacht wird) aufgewendet werden muss und schon allein aus dem Grund einem Selbstständigen durchaus die 7-Tage-Arbeitswoche zumutet mit 60, 70 und mehr Arbeitsstunden.

Hinzu kommt noch der ausgeprägte Konkurrenzkampf. Die meisten "Neuselbstständigen" sind selbstständig aus der Not heraus, nicht weil es eine konkrete und tragfähige Geschäftsidee gibt, welche lange Zeit sorgfältig ausgearbeitet wurde. Nein: es sind prekäre Existenzen, die mit der Selbstständigkeit versuchen, der Hartz-IV-Existenz zu entkommen.
Bloß: wieviele selbstständige Hausmeister, Home-Hairstylisten, Au-Pair-Mädchen und Computerwartungsspezialisten braucht die Gesellschaft? Fast alle "Not-Selbstständigen" sind in der vom Kunden höchstgradig abhängigen und markttechnisch mehr aus ausgeschöpften Dienstleistungsbranche tätig. Wenn es Aufträge gibt, dann ist es reichlich Arbeit bei mieserabelster Bezahlung, denn der Konkurrenzdruck ist enorm, und bezahlenswerte Alleinstellungsmerkmale nicht existent, also muss man "billiger".

Sagen wir mal so: unter solchen Umständen ist es ein Wunder, dass überhaupt noch Menschen sich in die Selbstständigkeit wagen, wenn sie nicht mehr können als Geländer anstreichen, Haare schneiden und PCs warten ... statt bei Hartz IV zu bleiben und weiter reguläre Arbeit zu suchen.

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Kranken-pfleger 14.06.2011, 12:43
112. Leider

sind wohl die "Ich AG`s" von Rot/Grün am Ende. Bleibt ja noch die Privatisierung.

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Thomas33613 14.06.2011, 12:43
113. Der eigentliche Skandal!

Aus dem Artikel:

Zitat von
Insgesamt ist inzwischen fast jeder zehnte Hartz-IV-Aufstocker selbständig. Die anderen sind festangestellt. Insgesamt zählten im Jahresdurchschnitt 2010 rund 1,38 Millionen Menschen zu dieser Gruppe.
Der wahre Skandal sind nicht die 10% Selbstständigen die aufstocken.
Der Skandal sind die 90% Nicht-Selbstständigen die aufstocken. Denn es gehört heute zum Geschäftsmodell vieler Unternehmer, insbesondere in der Zeitarbeit, Niedrigstlöhne zu zahlen in dem Wissen, das die "Arbeitnehmer" sich den "Rest" bei den ARGEN holen.

Warum regt sich hier keiner über diese Unternehmer auf, die durch das Aufstocken jedes Jahr mit ca. 10 Mrd. € subventioniert werden .....? Tendenz steigend. Aber das ist ja das System des Jobwunders der Frau Merkel ....

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Michael Giertz 14.06.2011, 12:43
114. Ohne Geschäftsidee unmöglich

Zitat von Traumflug
So ein Witzbold. Selbständigkeit aufzugeben bedeutet, in die Arbeitslosigkeit einzutreten. Denn in Bereichen, in denen es mit der Selbstständigkeit gewinnmässig nicht klappt, gibt es auch keine Arbeitsplätze. Will er den Leuten jetzt verbieten, zumindest einen Teil ihres Unterhalts selbst zu erarbeiten?
Mal so als Anregung: sofern mein Beitrag zur Selbstständigkeit veröffentlicht wird, können Sie es da auch nachlesen, aber effektiv lehne ich - als abhängig Beschäftigter - die Selbstständigkeit eher ab.

Warum?
Weil die MEISTEN Menschen sich für die Selbstständigkeit aus der Not heraus entscheiden und nicht, weil sie einen lange gehegten Traum realisieren möchten. Nicht jeder ist mit Geschäftssinn gesegnet und noch weniger haben eine tragfähige Geschäftsidee, die genau zur richtigen Zeit die richtigen Leute anspricht und viel Geld verspricht.

Die meisten "Notselbstständigen" machen das, wofür man wenig Investitionsaufwand hat und was mit wenig Aufwand selbst ausgeführt werden kann: Hausmeister, Home-Hairstylisten (wenn man denn Haare frisieren kann), Haushaltshilfen usw usf. Es ist keine größere Investition notwendig, d.h. selbst als mittelloser Hartz-IV-Bezieher könnte man schnell selbstständig werden, wäre da nicht ...

... wäre da nicht das Problem, dass jeder halbgebildete arbeitslose Hauptschüler nicht genau die gleiche Idee hat und seinen eigenen Versuch in der Selbstständigkeit macht. Es gibt ZEHNTAUSENDE in jeder hinreichend großen Stadt, die mit Hausmeisterdienstleistungen & co ihren Lebensunterhalt verdienen wollen.

Da, wo noch Geld mit der Selbstständigkeit gemacht werden kann, ist im Hightechbereich, in einem Bereich mit großem Investitionsaufwand. Da kann man gut verdienen, muss aber auch viel Geld in die Hand nehmen für die Grundausstattung. Geld, was kaum jemand hat - selbst wenn er das Fachwissen hat. Selbst ein eigener Cateringservice ist schon zu teuer von der Investition her, und da ist man schon hohem Konkurrenzdruck ausgesetzt.

Selbstständigkeit 2011? Ohne Geschäftsidee außerhalb der einfachen Dienstleistung unmöglich.

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sedanon 14.06.2011, 12:45
115. Doch,

Zitat von avollmer
Und wenn sie die Selbständigkeit aufgeben habe sie automatisch einen bezahlten Job? Das ist doch eine absurde Argumentation.
hätten sie..und zwar in der politisch bevorzugten Leiharbeitsbranche. Dass man dann wieder aufstocken darf, kümmert einen Sesselschwitzer und Mietmaul wie Alt nicht.
Hauptsache die "Leistungsträger" aufgestachelt.

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meon 14.06.2011, 12:45
116. ...

Zitat von Asirdahan
...Doch wer Dumping-Löhne zahlen muss, der lebt auch nicht gerade von einer tragfähigen Geschäftsidee, oder?
Das kommt darauf an, was man als "tragfähig" beurteilt. Selbstverständlich kann das Auslagern der Kosten auf den Staat teil einer tragfähigen Geschäftsidee sein.
Eine "tragfähige" Geschäftsidee muss weder hohe moralische Werte erfüllen noch sinnvoll sein (Zoos, Tierparks, Delphinarien, etc. sind auch weder moralisch noch sinnvoll und ohne steuerliche Unterstützung nicht zu betreiben).

Auch das Herstellen von Tamagotchis und der Verkauf von Klingeltönen waren tragfähige Geschäftsideen, obwohl sie m.E. völliger Blödsinn waren.
Eine tragfähige Geschäftsidee ist dann tragfähig, wenn sie funktioniert - völlig egal, woher das Geld kommt.

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hittekutti 14.06.2011, 12:45
117. Der Selbständige und die Gesetzliche Krankenversicherung

Solange die Gesetzliche Krankenversicherung von einem freiwillig gesetzlich krankenversicherten Selbständigen Beiträge erhebt, die über dem realisierten Jahreseinkommen liegen wird er wohl auf Hartz IV zurückgreifen. Wie wäre es mit einer Änderung des SGB?

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herbert 14.06.2011, 12:46
118. unsere drittklassigen Politiker

setzen Veränderungen für die Bevölkerung ein, wo sich der Ehrliche dran hält. Da aber die Veränderungen oft massive Lücken haben lockt es die Missbraucher auf den Plan und schon
bereichern sich gewisse Schichten an der Allgemeinheit.

Eine knallharte Gesetzgebung mit Strafe kann da nur abschrecken.
Doch manchmal hat man den Eindruck es ist so gewollt !

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SunSailor 14.06.2011, 12:46
119. Kein Titel

Zitat von Terrorkater
Ich bin selber selbst- und ständig. Ich habe genug EInkommen, um mein Leben und meine Hobbys zu finanzieren. Wer 2-3 Jahre nicht geügend mit seiner Geschäftsidee verdient sollte aufhöhren. Wenn er dann Aufstocken muss...sollte dieses "Aufhören" befohlen werden. So was...
Also das Hartz-IV lieber voll beziehen, ohne was zu tun...? Interessanter Gedanke. Schon mal mit Nachdenken versucht?

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