Forum: Wirtschaft
Sorge um Sozialstaat: Mehr als 100.000 Selbständige bekommen Hartz IV

In der Bundesagentur für Arbeit wächst die Sorge vor einem Missbrauch des Sozialstaats: Laut "Süddeutscher Zeitung" stocken immer mehr Selbständige ihre Einkünfte mit Hartz IV auf.*Im Einzelfall ist es extrem schwer zu prüfen, ob die Antragsteller tatsächlich auf Hilfe angewiesen sind.

Seite 13 von 32
winfield06 14.06.2011, 12:47
120. eigene Erfahrung

arbeitslos, ALG 1,
Angebot als selbstständiger Handelsvertreter für eine Firma aus Wuppertal tätig zu sein.
Verdienstaussichten recht akzeptabel, da Anspruch Existenzgründungsdarlehn beantragt und erhalten.
Auf die Socken gemacht, rangeklotzt
Ergebnis:
hat sich (trotz Darlehn) nicht gerechnet.
Bevor ich Privatinsolvenz anmelden musste, Gewerbe abgemeldet und seitdem ALG II.

Übrigens, man kann sich zwar arm rechnen als Selbstständiger, aber weit käme man dabei auch nicht und der Aufwand vor dem JC ist riesig, da dort jeden Monat die entsprechenden Belege vorgelegt werden müssen.
Irgendwann kommt auch das Finanzamt und klopft einem auf die Finger.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
na?und! 14.06.2011, 12:47
121. 100 000

Was sind schon 100 000 Selbständige innerhalb von Millionen H4-Bezieher, denn ich gehe davon aus, dass es noch weniger wären, wenn die Kosten für eine Krankenkasse nicht so hoch wären. Über H4 kann man entsprechend günstig pflichtversichert werden und diese Tarife müssten auch den Selbständigen angeboten werden, wenigsten bis schwarze Zahlen geschrieben werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
chocochip 14.06.2011, 12:47
122. Nur so würde das Vorgehen Sinn ergeben...

Zitat von MeredithK
.... schonmal die Vorbereitung für die Streichung des Existenzgründerzuschusses im Herbst? Damit die Mehrheit der Wähler jetzt anfängt zu glauben, dass die ganzen Selbständigen ja eh Sozialschmarotzer sind und es damit ja super richtig ist, auch diesen Zuschuss noch zu streichen? Ich bin mal wieder entsetzt über diesen Journalismus. Wo bleibt die Reflektion, dass immer mehr Menschen in die Selbständigkeit gedrängt werden, weil Arbeitgeber (auch oder insbesondere Öffentliche) mit Vorliebe oder nur noch Honorarkräfte einstellen? Und diese so mies bezahlen, dass in manchem Monaten nur die Aufstockung bleibt? Wer glaubt denn ernsthaft, dass es eine hohe Anzahl an gut verdienenden Unternehmern gibt, die FREIWILLIG zu den JobCentern gehen, sich schikanieren lassen, ihre gesamten persönlichen Dinge offenlegen (Vermögen, Rentenverträge, Wohnungsgröße & Miethöhe, Einkommen der Kinder, der Ehefrau undundund), einen (oder mehrere) Seitenlange Anträge ausfüllen um dann 50 € Zuschuss zu bekommen??? Was die Unternehmen und ihre Bezahl-Moral + Aufstockung angeht kann ich meinen Vorrednern nur zustimmen. Anstatt hier anzusetzen wird auf die Selbständigen gehauen, die ohnehin nur am kämpfen sind.
Meine Frau hat als ICH-AG einen Gründungzuschuss erhalten. Sie hat eine Firma aufgebaut, sie zahlt Steuern und Sozialabgaben an die Krankenkasse.

Allerdings würden wir NIE freiwillig unsere Vermögensverhältnisse offenlegen, um ein bisschen HartzIV zu bekommen, zumal wenn man in einem Haus wohnt, dass ohnehin viel zu groß wäre, um als angemessen zu gelten.

Welcher angebliche betrügerischer Selbstständige würde sich denn so massiv beschränken, dass er freiwillig umzieht oder sein Vermögen aufbraucht?

Und diejenigen, die solches nicht haben und nebenher noch schwarz arbeiten, die beantragen zwar HartzIV, es ist aber kein Problem der Selbstständigkeit, denn Schwarzarbeit gibt es bei den Joblosen genauso wie bei Aufstockern.

Was soll das Theater also? Will man (kleine) Selbstständigkeit in toto abschaffen, damit die betreffenden der Wirtschafts als Billig-Sklaven dienen? Nur so würde das Vorgehen Sinn ergeben...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
BlueWednesday 14.06.2011, 12:47
123. .

Zitat von Samuel Tischler
Mir tun die Menschen leid, die mit ehrlicher Arbeit ihr Geld verdienen müssen, weil ihnen ihr Anstand verbietet, auf Kosten der Allgemeinheit zu leben. Wir haben ein Gerechtigkeitsproblem.
Wer aufstockt - egal ob Angestellter oder Selbständiger - KANN nicht von seinem Einkommen leben. Das ist der Skandal. Es gibt nur eine Lösung: bedingungsloses Grundeinkommen, kombiniert mit entsprechendem (i.e. entsprechend niedrigerem) Mindestlohn. Entlastet Arbeitgeber, nimmt den Druck vom Niedriglohn-Arbeitsmarkt und ist gerecht. Wer mehr will muss arbeiten, wer aber keine Arbeit findet, muss nicht in irgendeiner Statistik versteckt werden, indem er "scheinarbeitet", was bedeutet: vom Rest der Gesellschaft aufgestockt oder von der Agentur sinnlos schikaniert und herumgeschickt werden, bis die Arbeitgeber beim Sachbearbeiter anrufen und sich die ständige Belästigung durch das Vorbeischicken von Arbeitslosen verbitten.

Was heißt denn unanständig ? Vom Hartz IV-Regelsatz leben, sich freiwillig schikanieren (die Agentur zahlt Hartz IV nicht bedingungslos !) und beschimpfen und jeden zusätzlichen Euro wegnehmen lassen ? Wollen Sie allen Ernstes behaupten, dass so ein schönes, faules unanständiges Leben auf Kosten der Allgemeinheit aussieht ? Das glauben Sie doch selbst nicht. Wachen Sie auf, Sie leben im Gestern.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
person012 14.06.2011, 12:48
124.

Irgendwie habe ich immer öfter das Gefühl, es soll ein Keil (bzw. mehrere Keile) getrieben werden zwischen Arbeitslose bzw. Hartz 4 Empfänger, Niedriglöhner, Aufstocker und jetzt auch selbständge Aufstocker, damit die alle gegenseitig auf sich rumhacken und nicht auf die Idee kommen, gemeinsam gegen diejenigen vorzugehen, die wirklich Schuld an den Zuständen sind.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mood 14.06.2011, 12:49
125.

Lahm recherchierter Artikel der sich an allgemeinen Floskeln durchhangelt. Der Schreiber verlässt sich auf pauschale Aussagen, es werden wie so üblich erst mal alle Betroffenen in den großen Topf geworfen und dann wird aus der fernsicht heraus ein Bild konstruiert.

Wie bei den "normalen" Hartz IV Empfängern gibt es diejenigen, welche ohne das System nicht (über-)leben können und diejenigen, welche das System ausnutzen.

Schaut man sich dann jeden Einzelfall an, kommt dann doch in vielen Fällen der Ausruf, dass hier ein Härtefall vorliegt. Ins Fernsehen und bei Bild schafft es dann allerdings natürlich wieder nur der herausgepickte Einzelfall, der das System unterwandert. Will man dann der Bürokratie mal wieder eins reinwürgen, dann läuft es genau andersherum (siehe heutiger Spiegelartikel http://www.spiegel.de/schulspiegel/0...764652,00.html)
Schade dass SPON oft auch auf jeden Zug der Polarisierer mit aufspringt und mitmacht. Sauber wäre es hier gewesen, den Artikel nach einer allgemeinen Einführung auf Einzelfälle (positive wie negative) einzugehen. Schade, dass DER SPIEGEL dieses Format nicht mehr hat.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
BlueWednesday 14.06.2011, 12:49
126. .

Zitat von frunabulax
Eine nicht tragfähige Geschäftsidee liegt auch grundsätzlich vor, wenn man seine Angestellten meint so niedrig entlohnen zu müssen, dass sie aufstocken müssen.
So ist es. Wer keine Löhne zahlt, von denen die Angestellten leben können, muss zumachen. Ist das gleiche, wie seine Kredite nicht zahlen. Laden dichtmachen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
eltaforce 14.06.2011, 12:50
127. Aufstocker

Nun, ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen:
Ein Bekannter von mir (Migrationshintergrund) betreibt seit 6 Jahren ein Blumengeschäft. Geschäftsmodell ist ganz einfach: Deutscher Kunde mit Rechnung, Ausländischer ohne.
Seinen Verdienst rechnet er so herunter, dass er Hartz4-Unterstützung bekommt, inklusive Wohnung und Bafög für die Kinder.
Er selbst fährt einen Mercedes(natürlich nicht auf ihn angemeldet) und leistet sich gut und gerne regelmäßig Reisen in die "Heimat" oder teure HIFI-Geräte.
Aber entschuldigung, ist natürlich ein Einzelfall, sonst wirft man mir noch vor, ich würde Hetze betreiben!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Leyon 14.06.2011, 12:50
128. strategische Statements der BA

Zitat von Asirdahan
Aha, ich lese wohl nicht richtig? Andererseits dürfen Betriebe, die ihre Existenz nur noch dadurch aufrecht erhalten, dass sie Hungerlöhne zahlen, munter weiter bestehen, denn sie sichern ja Arbeitsplätze! Doch wer Dumping-Löhne zahlen muss, der lebt auch nicht gerade von einer tragfähigen Geschäftsidee, oder?
Ganz am Rande: die Ansprüche an den Sozialstaat wären weit höher, wären diese Selbstständigen in vollständiger Alimentation durch den Staat.

Zu ihrem Beitrag: Solange Sozialmißbrauch nur den auf Aufstockerlöhnen basierendem Geschäftskonzept diverser Unternehmer nutzt, ist das nach Auffassung einiger Ideologen fördernswert. Wird das gleiche Phänomen bei einer auch noch so geringen Minderheit des Lagers aus Ich-AG‘s und Arbeitslosen festgestellt, wird verallgemeinert und die übliche Spaltung neu aufgelegt.

Immer mit dem gleichen Ziel: Kürzungen, welche ohnehin der strategische Hintergrund bei solchen Wortmeldungen der BA, völlig unabhängig von Mißbrauch sind. Es geht um die Schaffung eines sozialpsychologischen Klimas durch die BA, das diese Kürzungen schlüssig bzw. notwendig erscheinen läßt, mehr nicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
LouisWu 14.06.2011, 12:51
129. ...

Zitat von Camarillo Brillo
Die Formulierung, dass Selbstständige ihr Einkommen "runter rechnen" könnten, ist eine ziemlich dreiste Behauptung und ein durch nichts belegter Vorwurf der Leistungserschleichung ... nur weil die Mitarbeiter bei der Bundesagentur dies vermuten, muss dies noch lange nicht zutreffend sein ... !!!
Hören Sie bloß auf. Meine Frau war eine Zeit lang selbstständig und ich (der sein Leben lang schon als Angestellter arbeitete) machte ihr die GuV fürs Finanzamt. Gewohnt, in meiner ESt-Erklärung nur ein Minimum als Unkosten absetzen zu können, fiel mir fast die Kinnlade runter, wie locker man jede Rolle Toilettenpapier und jede Heftklammer da unterbringen konnte. Anteilige Telefonkosten, Miete, Heizung, "Fachliteratur" etc. pp. Der blanke Wahnsinn.....

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 13 von 32