Forum: Wirtschaft
Sorge um Sozialstaat: Mehr als 100.000 Selbständige bekommen Hartz IV

In der Bundesagentur für Arbeit wächst die Sorge vor einem Missbrauch des Sozialstaats: Laut "Süddeutscher Zeitung" stocken immer mehr Selbständige ihre Einkünfte mit Hartz IV auf.*Im Einzelfall ist es extrem schwer zu prüfen, ob die Antragsteller tatsächlich auf Hilfe angewiesen sind.

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Betonia 14.06.2011, 12:52
130. x

Zitat von sysop
In der Bundesagentur für Arbeit wächst die Sorge vor einem Missbrauch des Sozialstaats: Laut "Süddeutscher Zeitung" stocken immer mehr Selbständige ihre Einkünfte mit Hartz IV auf.*Im Einzelfall ist es extrem schwer zu prüfen, ob die Antragsteller tatsächlich auf Hilfe angewiesen sind.
Das geht gaaanz einfach. Gewerbe anmelden, nur wenig Rechnungen schreiben und den Rest "schwarz" erledigen.
Das ist doch nicht neu.
Funktioniert auch bei 400-Euro-Jobs. Offizieller Verdienst ist max. 400 Euro, den Rest gibt es bar. Kein Problem für kleine Selbständige, kein Problem für H4-Bezieher.

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inci 14.06.2011, 12:54
131. oooo

Zitat von Asirdahan
"Irgendwann muss man schwarze Zahlen schreiben oder - so weh es tut - die Selbstständigkeit aufgeben", sagte er der "SZ". "Der Steuerzahler kann nicht auf Dauer eine nicht tragfähige .....
unternehmen, die so niedrige löhne zahlen, daß die arbeitnehmer aufstocken müssen, könnten in der regel auch höhere löhne zahlen.

dumm nur, daß man sich als unternehmer damit dann einen der besseren ranglistenplätze auf der forbes-liste verhagelt.
interessant ist jedenfalls, daß fast alle "herausragenden enterpreneure", die ihre mitarbeiter mit max. 6.50 brutto die stunde abspeisen und damit zu H4 drängen, selbst in recht kurzer zeit mehrfache millionäre im hohen dreistelligen bereich, oder gar milliardäre geworden sind.

und viele haben davon ihren firmensitz im noch steuerfreundlichen ausland, als im "nur" steuerfreundlichen deutschland. denn die gehaltssubventionen über H4 ermöglichen zugleich auch geringere arbeitgeberanteile in die sozialversicherungen.

das einmal alles zusammengerechnet, dürfte seit einführung von H4 so viel einbringen, daß sich deutschland keine sorgen über den bundeshaushalt machen müsste.

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raka 14.06.2011, 12:57
132. .

Zitat von Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur
"Irgendwann muss man schwarze Zahlen schreiben oder - so weh es tut - die Selbstständigkeit aufgeben", sagte er der "SZ". "Der Steuerzahler kann nicht auf Dauer eine nicht tragfähige Geschäftsidee mit finanzieren."
Super Konzept! Da sollen sie zur Vermeidung von HartzIV-Zahlungen die Selbstständigkeit aufgeben, um dann erst recht HartzIV-Empfänger zu werden und etwaige Angestellte gleich mit.

Wo ist eigentlich das Problem? Wenn das Finanzamt den Jahresabschluß anerkennt, dann gilt das. Das FA prüft die Rechtmässigkeit der Belege und der Erklärung und stellt auch fest, ob einer Tätigkeit eine Gewinnerziehlungsabsicht zu Grunde liegt. Das muss dann von der Arbeitsagentur nicht noch einmal extra gebilligt und geprüft werden.

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Betonia 14.06.2011, 12:58
133. x

Zitat von gfh9889d3de
haben Sie ein einer Dönerbude schonmal eine Quittung bekommen?!
Currywurstimbissbude? Marktstand? Beim Maler, den man durch Mund-zu-Mund-Propaganda beschäftigt? Änderungsschneider? usw. usf.

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herbert_schwakowiak 14.06.2011, 12:59
134. Selbstständigkeit

Wurde das nicht sogar mal gefördert? Ich-AG und so?

Und jetzt wundern die sich, dass es viele nicht geschafft haben und aufstocken müssen?

Was sollen die tun? Selbstständigkeit aufgeben und nur noch von H4 leben?

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Poempel 14.06.2011, 12:59
135. verlogenes pack

das Arbeitsamt drängt haupsächlich endvierziger und 50+ hartz4 empfänger in die selbstständigkeit. dazu verlässt sich das amt auf einen bunten haufen von dienstleistern, deren qualifikation nicht kontrollierbar ist. dort wird fleissig daran gewerkelt, dem arbeitslosen zu einem geschäftsmodell zu "verhelfen" und ihn danach in die selbstständigkeit zu schubsen. ab dem punkt, an dem ein hartz4 empfänger in solch einer "maßnahme steckt, ist er natürlich aus der arbeitslosenstatistik verschwunden.

übrigens: die quote der existenzgründer der langzeitarbeitslosen 50+ hartz4 empfänger liegt weit höher als die der jüngeren, da sich selbstständigkeit für diese oft als letzte und einzige alternative darstellt. die förderung in den anfängen ist auf 300 € p.m.für ein halbes jahr begrenzt und kann nach ermessen ein weiteres jahr weiter gewährt werden. förderkredite werden nur schwer und vereinzelt vergeben und stürzen den existenzgründer von anfang an in die schuldensituation.

nun sollte man wissen, dass durchschnittlich jede 2. existenzgründung (alle existenzgründer eingerechnet) innerhalb von 2 jahren scheitert. der anteil der "genötigten" hartz4 existenzgründer dürfte weit höher liegen.

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btc76 14.06.2011, 13:00
136. Der Bekannte des

Zitat von eltaforce
Nun, ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen: Ein Bekannter von mir (Migrationshintergrund) betreibt seit 6 Jahren ein Blumengeschäft. Geschäftsmodell ist ganz einfach: Deutscher Kunde .....
Ein Bekannter von mir hat einen Bekannten, welcher Ihren Bekannten kennen soll. Selbiger hat Ihren Bekannten befragt warum er so dumm ist, allen Bekannten sein betrügerisches Geschäftsmodell zu verraten, weil doch dann Bekannte der Bekannten z.B. im Spon Forum alles verraten könnten. Ich schätze mal das mir der Bekannte des Bekannten von dem Bekannten heute noch die Antwort des Bekannten mitteilt. Danke

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bolonch 14.06.2011, 13:00
137. Ich AG

Zitat von ich-kanns-nicht-glauben
außer vielleicht: Die sollten sich mal anschauen, wie lange eine Selbstständigkeit im Durchschnitt real braucht, um sich zu tragen (2 Jahre) und dagegensetzen, wie lange der Start gefördert wird (0,5 Jahre) - dann ist es kein Wunder, daß viele Menschen, die aus der Arbeitslosigkeit starten, erst mal noch aufstocken müssen - das ist schlicht und einfach Mathematik.
Da haben Sie absolut recht.

So 2003/4 hatte ich eine langfristig durchaus tragbare Geschaeftsidee. Mit wenig Kapital zu realisieren, allein es haette Zeit gebraucht. Da dachte ich: Super, es gibt doch jetzt die Foerderung fuer Selbststaendige - allerdings zu diesem Zeitpunkt nur noch fuer Bezieher von Sozialleistungen - nicht fuer Menschen, die vorher fuer sich selbst gesorgt haben (wenn auch nicht in einem Regelarbeitsverhaeltnis). Daraufhin bin ich dann in ein Angestelltenverhaeltnis im Ausland gegengen. Inzwischen haette ich vieeleicht 5-10 Angestellte.

Gruendungen von Kleinunternehmen werden in Deutschland grundsaetzlich schief angesehen, es gibt einfach kein Klima fuer Selbststaendige.

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Carla 14.06.2011, 13:01
138. ***

Dass es so viele Aufstocker unter den Selbständigen gibt, hat auch damit zu tun, dass viele Selbständige ihre Krankenkasse anders gar nicht mehr finanzieren könnten. Bekanntlich müssen Selbständige sowohl den "Arbeitgeber"- wie auch den "Arbeitnehmer"-Anteil selbst in die Krankenkasse einzahlen. Verschärfend kommt hinzu, dass es eine Untergrenze gibt. D. h. der niedrigste Krankenkassensatz für Selbständige geht los bei ungefähr 320 Euro im Monat. Das muss man mit einem Kleinunternehmen erst mal ranschaffen, besonders in Krisenzeiten oder wenn man noch nicht so lange im Geschäft ist.

Diese Summe fehlt dann eben häufig, um wichtige Investitionen vorzunehmen, also z. B. Maschinen anzuschaffen oder Ware oder etwas in der Art, also Dinge, die den Umsatz steigern helfen. So beißt sich die Katze in den Schwanz.

Wer kleinen Selbständigen wirklich helfen will, so dass sie vielleicht irgendwann "große" Selbstständige werden und damit auch mehr in die Sozialsysteme einzahlen KÖNNEN, der sollte die KK-Beiträge senken und Bürokratie abbauen. Aber diese Forderungen sind absolut unrealistisch. Genauso gut könnte man mit einer Wand sprechen. Leider kommen die meisten Politiker aus der Verwaltung und zäumen das Pferd daher auch aus dem Verwaltungsblickwinkel auf. Denen ist der Blick der Selbständigen einfach völlig wesensfremd.

Die "Lösung" des Krankenkassenproblems ist dann halt für viele die Aufstocker-Lösung nach Hartz-IV. Arme Selbständige, die das aus verschiedenen Gründen nicht können, sind häufig gar nicht mehr in der Lage, ihre Krankenkasse zu bezahlen. Und fallen sie einmal aus der KK raus, kommen sie in den seltensten Fällen wieder rein, und wenn überhaupt dann nur unter exorbitanten Kosten. Zwar ist die KK seit einiger Zeit Pflicht, aber das nützt ja alles nichts, wenn es jemand nicht bezahlen kann. Hier besteht wirklich dringender Handlungsbedarf. Hartz IV ist da für einige der letzte Ausweg, auch wenn sie das eigentlich überhaupt nicht wollen.

Fakt ist aber auch, dass Selbständige schlecht organisiert sind und daher kein Sprachrohr/keine Lobby haben. Die Umstände, mit denen es viele Selbständige zu tun haben, sind daher teilweise absolut vorsintflutlich und auch in keinster Weise gerecht, etwa was die Höhe des Krankenkassenbeitrags betrifft. Das ist haarsträubend.

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tzahal 14.06.2011, 13:01
139. Groteske Sorgen

Die „Sorge“ ist völlig unbegründet und an den Haaren herbeigezogen. Selbständig zu sein, ohne Einkommen zu erzielen, oder so wenig Einkommen, daß man zum Bezieher von Sozialhilfen werden muß, heißt in der Realität 24 Stunden täglich zu arbeiten, unablässig Aufträgen hinterher zu jagen (um aus dem Dilemma herauszukommen) und sich dabei selbst in schlimmster Form auszubeuten. Niemand ist in dieser Situation freiwillig selbständig. Dazu müssen auch notwendige berufliche Aufwendungen aus dem Regelsatz von ca. 340,- EUR finanziert werden, die die wenigen Sozialhilfeempfänger, die (besser) kräfteschonend auf der Couch liegen bleiben, gesamtheitlich für Ihre Lebenshaltungskosten aufwenden können.

Eine einmalige Bewirtungsrechnung eines möglichen Kunden hier in Höhe von 24,- EUR (entstanden auf der Jagd nach Aufträgen) wurde „nicht anerkannt“, das Einkommen durch die ARGE also, genau umgekehrt, künstlich wieder hochgerechnet. Von künstlicher Hochrechnung von Kosten, um das Einkommen zu schmälern und den Anspruch auf Leistungen weiter zu begründen, kann also nicht einmal ansatzweise die Rede sein.

Und, wer Angestellte finanzieren will, möchte natürlich seine Freizeit schonen. Der benötigt ganz sicher keine Sozialleistungen. Das kann auch die ARGE sofort erkennen und das ist darum auch kein Grund zur Sorge.

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