Forum: Wirtschaft
Sorgen um Espirito Santo: Portugal droht neue Bankenkrise
DPA

In Portugal wachsen die Sorgen um die Großbank Banco Espirito Santo. Die Börsenaufsicht setzte die Notierung der Aktien der größten Privatbank des Landes bis auf weiteres aus. An den Finanzmärkten herrscht große Unruhe.

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Dirk Ahlbrecht 10.07.2014, 19:43
30.

Zitat von ThePrisoner
Danke für die Hinweise, ThePrisoner. Insbesondere im FAZ-Beitrag wird ja sehr schön beschrieben, dass die Banken einen entsprechenden Bedarf für eine bestimmte Geldmenge anmelden können.

Die Spielregeln allerdings, zu welchen Bedingungen dieser Bedarf befriedigt wird, legt demnach immer noch die EZB fest; und nicht die Banken selbst.

EZB und Politik verstehen es nach wie vor ganz prima ihren Anteil an dem aktuellen Desaster zu verschleiern bzw. zu negieren. Und der Wähler schimpft allein auf die bösen Banken.

Die Leute sollten diesen Zorn lieber dorthin lenken, wo dieser vor allem hingehört: gegen die Politik.

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carahyba 10.07.2014, 19:58
31. Nachtrag

Zitat von carahyba
Sie haben schon wesentliche Fragen angerissen, im Gegensatz zu den meisten Kommentaren hier, die lediglich Unwissen bezeugen bzw. Vorurteile Pflegen. Die prekäre Situation der Bank ist seit langem bekannt, absolut nichts neues. Die Portugiesische Zentralbank hat, nachdem die Eigner lange Zeit nicht auf die Sanierungsaufforderungen reagiert haben, nun kurzfristig drastische Massnahmen durchgeführt. Die erste Forderung war die Investmentsparte BSEI zu sanieren oder zu liquidieren, eine 100%tige Tochtergesellschaft der BES. Die zweite Forderung war den Vorstand zu entlassen und neu zu besetzen. Führende Mitglieder des Vorstandes wurden der Manipulation, um nicht das Wort Betrug zu verwenden, bezichtigt und von der Zentralbank als ungeeignet betrachtet ein Vorstandsmandat auszuüben. Innerhalb der Eignerfamilie tobt ein Krieg, wer für den Schaden aufkommen, wer dafür verantwortlich ist und persönlich haften muss. Auch hier geht Portugal voran und zwingt zum ersten Male Eigner ihrer Verantwortung gerecht zu werden, nicht nur Gewinne einzustreichen, auch Verluste auszugleichen. Dass dies dem Finanzklüngel insgesamt zuwider ist, muss nicht besonders herausgestellt werden, denn es könnte ja auch andere treffen. Deshalb ist das auch eine ganz grosse Krise, aber nur für den Finanzklüngel.
In diesem Artikel http://www.publico.pt/economia/notic...ceiros-1662396 wird die Situation kurz und klar dargestellt.

Ricciardi, Vorstand der BESI (Banco Espirito Santo Investimentos), erklärt: BESI gehört 100% der BES, aber die Familie Espirito Santo ist nicht mehr Mehrheitsaktionär der BES und bringt die Credit Agricole ins Spiel. D.h. für die früheren Fehler sollen jetzt die neuen Aktionäre geradestehen, wie das ablaufen soll wird nicht erklärt.
Ricciardi bestätigt, dass BESI zu 100% der BES gehört also die BES für den Schaden einzustehen hat.

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Achmuth_I 10.07.2014, 19:58
32. Ichg laube irgend wie nicht

Zitat von Dirk Ahlbrecht
Keine Sorge, Achmuth_I, ich habe die Dinge schon verstanden...
Echt?

Zitat von Dirk Ahlbrecht
Die Hauptrolle spielen allerdings nach wie vor die EZB und die dahinterstehenden Politiker, die diesen Nonsens allein deshalb veranstalten, weil ihr schönes Euro und EU-Projekt den Bach runtergeht...
Offenbar doch nicht.

Es geht absolut nicht um Währungen und Währungseinheiten. Es geht auch nicht um politische Einheiten.

Es geht darum, dass Giralgeldschöpfung fogendermaßen funktioniert:

Eine Bank XY hat zwei Kunden ohne Geld auf dem Konto. Beide Kunden haben eine Geschäftsbeziehung zueinander. A verkauft B jetzt eine Ware zum Preis von einem Euro oder Dollar oder Rubel oder auch sonstetwas.

Da B aber keinen Dollar hat leiht B sich diesen bei der Bank und überweist ihn an A. Jetzt hat A den Rubel und B einen Rubel Schulden. Bei der Bank hat sich überhaupt nicht bewegt. Das war Geldschöpfung aus dem nichts - wie Sie hier auf den Euro als Problem kommen sollten Sie mal erklären - klar mit dem geht das auch, amacht aber an und für sich kein Problem.

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analysatorveritas 10.07.2014, 21:05
33. Die Rettung naht!

Zitat von vegefranz
haftet doch gerne für die Schulden anderer. Zur Not wird die Einheitspartei CDUSPDGrünFDP die Steuerschraube andrejen, damit genügend Millarden für das "Friedensprojekt" ausgeschüttet werden können
Hallo vegefranz,

kein Problem: Der ESM steht bereit, die EZB mit ihren vielfältigen Instrumentarien (Dicke Bertha, Bazooka, O-Ton Mainhattan), Draghi hat schon vorsorglich den JÄHRLICHEN Ankauf von einer Billion EUR der ABS-Scheinchen erwogen. OMT steht als zusätzliche Maßnahme im Raum. Die Bankenunion naht, Kapitalverkehrskontrollen und Bail-In's sind in Zypern schon Realtität. Ansteckungs- und Dominoeffeke sind nicht auszuschließen, Stichworte französische Banken (STEP), spanische Banken, die schon EFSF-Hilfen bekamen, italienische Banken sind ebenfalls angeschlagen. Griechenland dürfte dabei wieder in den Fokus rücken, ebenso das österreichische Osteuropaengagement der dortigen Banken.

Es bleibt spannend, Schäuble wird uns viel Optimismus verkaufen und seine ungeheuere Erfolgsgeschichte fortführen. Marode Banken, Rettungsfonds, eine heute schon indirekte monetäre Staatenrefinanzierung, Kapitalverkehrskontrollen, Bail Out's und Bail In's, Target II, Minizinsen, hohe Massenarbeitslosigkeiten, jahrelange Rezessionen, prekäre Beschäftigungsverhältnisse en masse in Deutschland, D-land ist, war und bleibt der Kapitalexportweltmeister.

Wo bricht der Damm, wann erlahmen die Kräfte, wann laufen die Mittel aus? Ein gewagtes Experiment von unbekannten Dimensionen.
av

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Dirk Ahlbrecht 10.07.2014, 21:12
34.

Zitat von Achmuth_I
Echt? Offenbar doch nicht. Es geht absolut nicht um Währungen und Währungseinheiten. Es geht auch nicht um politische Einheiten. Es geht darum, dass Giralgeldschöpfung fogendermaßen funktioniert: Eine Bank XY hat zwei Kunden ohne Geld auf dem Konto. Beide Kunden haben eine Geschäftsbeziehung zueinander. A verkauft B jetzt eine Ware zum Preis von einem Euro oder Dollar oder Rubel oder auch sonstetwas. Da B aber keinen Dollar hat leiht B sich diesen bei der Bank und überweist ihn an A. Jetzt hat A den Rubel und B einen Rubel Schulden. Bei der Bank hat sich überhaupt nicht bewegt. Das war Geldschöpfung aus dem nichts - wie Sie hier auf den Euro als Problem kommen sollten Sie mal erklären - klar mit dem geht das auch, amacht aber an und für sich kein Problem.
Ihren Ausgang, Achmuth_I, hatte diese Diskussion in dem SPON-Beitrag über die portugiesische Privatbank und deren Holding in Luxemburg. Dann ging es darum, wer wem unter welchen Bedingungen Geld leiht - und wer darüber entscheidet.

Und Sie wollen nun mit mir eine Diskussion über die Probleme der Giralgeldschöpfung führen? Das können wir gerne tun. Allerdings erschließt sich mir wiederum nicht ganz, was genau Sie mit mir diskutieren wollen? Wir waren gerade bei Haftungsfragen im Zusammenhang mit der Geldvergabe bzw. wer ganz grundsätzlich das Geld vergibt. Bezogen auf Ihre Frage, welchen Anteil der Euro an der Diskussion hat, vielleicht zunächst einmal diese Antwort:

Die Politik des billigen Geldes, deren Ursprung eine politische Entscheidung voranging, haben für diese Bankenkrisen gesorgt. Und zwar deshalb, weil die angebotene Geldmenge mit der Nachfrage nach Liqudität im realen Markt (Angebot und Nachfrage) nicht mehr deckungsgleich war. Sprich: Es war und ist plötzlich viel zu viel Geld im Markt, das eigentlich niemand braucht bzw. jene, die diese übergroßen Geldmengen nachfragen, keine ausreichenden Sicherheiten bzw. Wertschöpfungen bieten.

Will heißen: Die ursprüngliche politische Fehlentscheidungen, nämlich unterschiedliche Volkswirtschaften in einer Währung (Euro) zusammenzufassen, soll nun mittels Fiskalpolitik in einen Erfolg umgewandelt werden; und zwar über die lockere Geldpolitik, die wiederum zu diesen Problemen führt. Und dies, Achmuth_I, hat einzig mit dem Euro zu tun. Giralgeldschöpfung gab es bereits zu DM-Zeiten und war dort nie ein Problem.

Ganz grundsätzlich: Wenn der Staat eingreift, kann man davon ausgehen, dass die Dinge in die Hose gehen.

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kuschl 10.07.2014, 21:14
35. O Ton Finanzminister

Spanien ist auf einem guten Weg, Griechenland ist auf einem Guten Weg, Portugal ist auf einem guten Weg! Vor der Europawahl jedenfalls! Stimmt's etwa nicht? Unsere Politiker würden uns doch nie belügen, oder?

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krassopoteri 10.07.2014, 21:47
36. Bartergeschäfte

Zitat von Achmuth_I
...würde bedeuten, dass Sie wieder Tauschhandel einführen wollen?
Den Tauschhandel braucht nicht wieder einzuführen, den gibt es nach wie vor.
Schätzungsweise 5 - 30% des Welthandels sind Bartergeschäfte.
1995 wurden in den USA für ca. 6 Milliarden US$ Tauschgeschäfte abgewickelt. Dort gibt es über 400 Barterclubs in den 250.000 Unternehmer Mitglied sind. Die bezahlen Mitgliedsbeiträge und habe unbeschränkten Zugang zu den Datenbanken (Angebot und Nachfrage). In Europa gibt es den Eurobarter und in Deutschland ca. 60 Tauschringe. Gerade heute sind Bartergeschäfte wesentlich leichter abzuwickeln als früher. Durch die elektronische Datenverarbeitung, kann man sehr schnell Angebot und Nachfrage zusammenführen.

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krassopoteri 10.07.2014, 21:52
37.

Zitat von Achmuth_I
...sondern das Geld ihrer Kunden. Da hat krassopoteri schon recht - irgendwie. Kapiert hat sie/er? das aber nach meinem Verständnis nicht ganz. "Drucken" ist evtl auch missverständlich - ich glaube sie haben das auch nicht verstanden. Gedruckt wird ggf auf Kontoauszüge - es geht um Giralgeld.
Er hat es schon richtig kapiert.
Allerdings, ob die Bank oder der Kreditnehmer das Buchgeld erschafft, ist noch lange nicht ausgemacht.
Es wird einem zwar immer verklickert, die Bank erschafft das Buchgeld, aber da gehen die Meinungen auch etwas auseinander.

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Erwin Lottemann 10.07.2014, 23:46
38.

Zitat von Dirk Ahlbrecht
So, krassopoteri, die Banken drucken ihr Geld selbst? Das ist mir neu. Seit wann ist das so?
Schon immer. Das nennt man auch das "Bankenprivileg". Im Gegensatz zum Staat darf eine Bank nahezu unbegrenzt Geld "drucken".

Das funktioniert so, daß eine Bank in dem Moment, wo ein Kreditnehmer einen Kredit beantragt und bekommt, Geld, das vorher real nicht existierte, auf seinem Konto auf die Sollseite schreibt, - und ihm diese Summe auszahlt/als verfügbar umbucht.

Real muß von diesem Geld nur eine Sicherheitsreserve existieren, die zB. durch die Spareinlagen der anderen Kunden "gedeckt" wird. Zuletzt waren das immer so um die 4 Prozent, man strebt inzwischen so um die 10 Prozent an...

Daß diese Art der Geldschöpfung überhaupt funktioniert, entspringt einer stillen Verabredung zwischen Banken und Staat, die darin besteht, daß das Geld bei der Ablösung des Kredites ebenso wieder im Nichts verschwindet, wie es einst entstand. Niemand hindert die Banken aber daran, im gleichem Moment neue Kredite zu vergeben, und so immer eine gewisse Summe reinen Phantasiegeldes im Umlauf zu halten, das keinerlei realen Gegenwert hat - die Banken aber berechtigt, echte Werte zu beschlagnahmen, wnen der Kredit "ausfällt". In dem Fall zb. das als Sicherheit verpfändete bzw. das mit den Kredit gekaufte Haus.


Aber strengenommen ist das Geld der Banken nicht mehr wert, als wenn ich Ihnen einen Zettel gebe, auf dem steht "10.000 Euro". Reine Phantasie. Aber diese Phantasien regieren die Welt....

Aber wehe, der Staat druckt Geld - dann kurbelt das die Inflation an - wenbn Banken Geld erinden, passiert das nicht. Und jetzt raten Sie mal, wer mehr Geld druckt!;-)

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kimmberlie67 11.07.2014, 08:11
39. Keine Angst

die deutsche Regierung wird alles regeln.
Auch mit Umgehung der selbst auferlegten EU-Gesetze, z.B kein EU-Mitglied muss für die Schulden anderer Aufkommen.

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