Forum: Wirtschaft
Sparprogramm: Griechenland streitet mit seinen Rettern

Die Stimmung zwischen Griechenland und seine Rettern verschlechtert sich: Verhandlungen zwischen dem Staat und Vertretern von EU, IWF und EZB verlaufen offen schwierig. Zeitungen berichten von einem Eklat - die Regierung wiegelt ab.

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farview 03.09.2011, 08:38
60. So ein Quatsch

Zitat von peterhausdoerfer
sanieren muss sich das Land selbst. Das Privatvermögen Griechenlands beträgt 600 MRD Euro, das ist fast das doppelte der Staatsverschuldung. Das Land kann sich also problemlos helfen.
Was ist denn das für eine Baumschulökonomie ? Soll eines Tages das Finanzamt zu Ihnen nach Hause kommen und ihnen Haus, Hof, Lebensversicherung und sonstiges Erspartes wegpfänden, weil der Staat vorher das Geld aus dem Fenster geworfen hat ?

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Andreas Heil 03.09.2011, 08:43
61. Tacheles A

Zitat von peterhausdoerfer
sanieren muss sich das Land selbst. Das Privatvermögen Griechenlands beträgt 600 MRD Euro, das ist fast das doppelte der Staatsverschuldung. Das Land kann sich also problemlos helfen. Hier zeigt sich auch wie wichtig es ist mit dem Thema Eurobonds sorgfältig unzugehen und den Missbrauch durch ein Regelwerk auszuschliessen.
Der Kurzschluss ist so nicht zu halten, weil hier unzulässig ganz verschiedene Dinge vermischt werden. Finanziellen Privatvermögen stehen ebenfalls entsprechende Defizite gegenüber, insofern würde eine Verlagerung der gemeinschaftlichen Defizite in die private Sphäre abgesehen von den juristischen Merkwürdigkeiten, die dahinter stünden, am Kern der Sache nichts ändern. Bei den 600 Milliarden geht es zudem letztlich um Realvermögen zu normalen Marktpreisen, also existierenden Produktionsanlagen, Grundstücken, Häusern, Infrastruktur, etc. pp. Die wären für einen Schuldendienst nur aktivierbar, wenn dadurch zusätzliche Wertschöpfung entstünde - nur wo soll die herkommen ? - Tatsächlich auch nur theoretisch heranziehbare "auf der Flucht" befindliche Netto(!)-Finanzvermögen erreichen dagegen viel kleinere Größenordnungen von maximal dem laufenden Defizit von vielleicht ein oder zwei Jahren.

Unterm Strich ist die "NIIP" (net international investment position) der Volkswirtschaft das Problem und die kann zu den Strafzinsen auch bei den größten Anstrengungen nicht nachhaltig bedient werden. Schlimmer noch: Gerade die Sparanstrengungen dezimieren die Aussichten auf eine mittelfristige Tragfähigkeit der Schulden dramatisch. Es handelt sich also um einen Mechanismus, der selbst erst das hervorbringt, was er beklagt.

Gegen eine mittelfristige Sanierung bei moderatem Zinssatz, flankiert mit sinnvollen Anschubinvestitionen und nützlichen Strukturreformen spricht dagegen gar nichts, nur schließt sich das Zeitfenster dafür sehr schnell.

Und: Ohne dass D seinen unsinnigen Kurs aufgibt, über Lohndumping noch mehr Weltmarktanteile bei steigenden Leistungsbilanzüberschüssen zu erkämpfen, können die Defizitländer schon rein saldenmechanisch nicht aus der Situation rauskommen, denn ein Abbau der Nettoverschuldung setzt nun mal gerade eine Umkehrung der Defizite und Überschüsse voraus.

Ginge es allgemein um Prosperität, müßten in den existierenden Kreislaufzusammenhängen im Grunde die deutschen Exporteure ihren finanziellen Primärüberschuss abführen, um damit deutschen Arbeitnehmern zusätzlichen Urlaub in Griechenland, Portugal und Spanien im Umfang von rund zwei Wochen pro Nase zu schenken. Stattdessen empfiehlt die Steinbrück-Franktion den Deutschen auch noch ihre Urlaubsambitionen in heimische Gefilde zu verlagern.

...

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Andreas Heil 03.09.2011, 08:44
62. Tacheles B

...

Wo Sie recht haben, ist, dass den griechischen Eliten für den angerichteten Schaden auch nicht hinreichend "an die Eier gepackt" wurde. Nur: Aus Sicht des hiesigen Steuerzahlers ist das nur ein plakativer Tropfen auf den heißen Stein, während es bei den eigenen Eliten auf dem selben Trip gleich um etliche hundert Milliarden Euro ginge. Für mich nicht nachvollziehbar, dass man sich dann auf die griechischen Peanuts verweisen lässt, während die hiesige Party ganz ungeniert weitergeht.

Der Kern des Problems beruht aber nun gleich die innersten Heiligtümer des "neoliberalen" Herrschaftsparadigmas der Union oder auch der Globalisierung als zeitgenössisches Phänomen, in dem sowohl der "freie" Kapitalverkehr, als auch die ungehinderte individuelle Verfügungsmacht über Privatvermögen als geradezu sakrosankt und nicht mal in Verbindung zu den Wirtsstaaten oder -volkswirtschaften gedacht werden dürfen.

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peterhausdoerfer 03.09.2011, 09:14
63. Vermögen zu besteuern ist kein Problem

Zitat von Andreas Heil
Der Kurzschluss ist so nicht zu halten, weil hier unzulässig ganz verschiedene Dinge vermischt werden. Finanziellen Privatvermögen stehen ebenfalls entsprechende Defizite gegenüber, insofern würde eine Verlagerung der gemeinschaftlichen Defizite in die private Sphäre abgesehen von den juristischen Merkwürdigkeiten, die dahinter stünden, am Kern der Sache nichts ändern. ...
es sind rund 7500 Euro erforderlich um Griechenlands Verschuldung auf 100% GDP zu reduzieren, schön wenn es anders gelingt. Man kann natürlich auch Staatsvermögen verkaufen.

Natürlich lässt sich mit einer Vermögenabgabe die Verschuldung des Staates reduzieren.

Nennen wir es doch einfach "Einmalige Steuer Nachzahlung" OK ?

Und was heißt hier juristische Probleme ?

Das Land ist BANKROTT (= kann Rentner, Beamte nicht zahlen usw.)

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peterhausdoerfer 03.09.2011, 09:45
64. Exact

Zitat von farview
Was ist denn das für eine Baumschulökonomie ? Soll eines Tages das Finanzamt zu Ihnen nach Hause kommen und ihnen Haus, Hof, Lebensversicherung und sonstiges Erspartes wegpfänden, weil der Staat vorher das Geld aus dem Fenster geworfen hat ?
Ist das Ungerecht dem Sparsamen etwas zu nehmen und dem der alles verbraucht hat nichts ?

Ja !

Kann das auch in Deutschland passieren ?

Ja !

Ist das schon mal in Deutschland passiert ?

Ja !

Noch ungerechter wäre es das Privatvermögen der Deutschen zum Sanieren des griechischen Staates einzusetzten das würde Europa sprengen.

Europa kann nur Hilfe zur Selbsthilfe leisten, Solidarität st keine Einbahnstrasse.

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Regulisssima 03.09.2011, 10:05
65. Bgriffsstutzig

"Es müsse jetzt alles getan werden, um die Rezession im kommenden Jahr so niedrig wie möglich zu halten."

Die Politiker begreifen doch tatsächlich nicht, dass sie selbst die Ursache der Krise sind. Das Einzige, dass sie zu deren Beendigung beitragen können, ist die drastische Verschlankung des Staates und ihrer eigenen Budgets.

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hausmusiker 03.09.2011, 10:10
66. Das Euromanagement

wird die Union die Regierung kosten.
Können sie irgend etwas dagegen tun?
Nein, weil sie keinerlei Bewegungsfreiheit mehr haben. Vielleicht würde es etwas helfen, die eigene Machtlosigkeit öffentlich einzuräumen.

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fourchette 03.09.2011, 10:14
67. Plastik

Die EU kontrolliert die Anbauflächen für Olivenbäume per Satellit. Die Griechen haben Plastikolivenbäume aufgestellt, um größere Anbauflächen vorzutäuschen (wegen Agrarsubventionen der EU). Sofern die Haushaltsdisziplin alleinige Angelegenheit der EU-Mitgliedstaaten ist, machen Rettungsschirme keinen Sinn. Man sieht es bei den Griechen:

Sie wissen ihnen wird geholfen. Keck treten sie auf und von Sparen oder Steuern eintreiben ist nicht mehr die Rede. Sie lachen uns einfach aus!

Die Haushalte aller €-Staaten sollten unter Kontrolle von Brüssel gestellt werden. Allerdings wird das ein weiter Weg werden. Aber, sofern die Mitgliedstaaten nicht bereit sind, ihre Finanzen kontrollieren zu lassen, wird der € gefährdet sein. In Deutschland unterliegen die Haushalte der Kommunen der Rechtsaufsicht des jeweiliegen Bundeslandes. Je nach dem, wie die Rechtsaufsichtsbehörden von der "Leine gelassen" werden, ist es möglich, die kommunalen Haushalte unter Kontrolle zu halten. Wenn die Rechtsaufsichtsbehörden politisch ausgebremst werden, ist es mit der Haushaltsdisziplin dahin (vgl.NRW). Sofern die Haushalte der EU-Mitgliedstaaten unter Kontrolle gestellt werden sollten, müsste vorher eine von der Tagespolitik unabhängige Einrichtung geschaffen werden, die kein Papiertiger ist!

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Joachim Voß 03.09.2011, 10:23
68.

Zitat von Samba Bugatti
Sehr geehrte Frau Tsatsiki Sie begehen hier einen grossen Fehler, indem Sie sich hier an der Diskussion beteiligen. Wenn immer es eine Diskussion im SPON über andere Länder gibt, dann überwiegen die rassistischen und herablassenden Kommentare. Es spielt dabei keine Rolle, um welches Land es geht. Ich weiss nicht, ob dies ein generell deutsches Phänomen ist, oder ob sich im SPON einfach überdurchschnittlich viele misanthropische Xenophobe herumtreiben. Ich hoffe doch, dass es sich um letzteres handelt.
Immer wenn man in Deutschland Kritik am Verhalten von ausländischen Staaten oder deren Staatsbürger übt, dann wird von Leuten wie Ihnen niemals geprüft ob die Kritik gerechtfertigt ist. Nein, Leute wie Sie sind dazu überhaupt nicht in der Lage, Sie können nur Rassismus oder Xenophobie schreien. Zu mehr sind Sie nicht in der Lage. Meiner Meinung nach sind Leute wie Sie die größten Rassisten die es gibt. Denn für Sie sind alle Menschen besser als die Deutschen. Das ist im Grunde das selbe Gedankengebäude wie bei den Rechtsradikalen, nur ist der Feind kein Jude oder Ausländer, sondern die Deutschen.

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keppler 03.09.2011, 10:34
69. Wenn

Zitat von Frau Dr. Tzatziki
Nachdem ich die ersten 15 Beiträge gelesen habe, ist mir schlecht. Das ganze Gerede von wegen "europäischer Solidarität" ist nichts als eine große Lüge. Die reichen Mitgliedsländer - wie Deutschland, Frankreich und Luxemburg - betrachten Griechenland als ihren Hinterhof, so wie die USA den mittelamerikanischen Isthmus. Ich bin sehr glücklich darüber, daß Griechenlands Politiker endlich beginnen, Frau Merkel und Lagarde die rote Karte zu zeigen. Was sich besonders die Deutschen gegenüber uns Griechen leisten, ist eine absolute Frechheit.
mich jemand frech behandelt, gehe ich dem aus dem Weg. also raus ausdem Euro die Griechen. Wäre für alle gut.

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